Fahne Südgeorgien und die Südlichen SandwichinselnAntarktis-Reise: Südgeorgien — Grytviken

Grytviken liegt neben King Edward Point und ist der Hauptort auf Südgeorgien. Neben den verrostenden Relikten der Walfangstation und dem Friedhof lohnt der Besuch des Walfangmuseums.

Anlandungen in Südgeorgien
Karte der Anlandungen in Südgeorgien
Quelle: Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Autor Apcbg, bearbeitet

Grytviken (54° 17′ S, 36° 31′ W)

Südgeorgien, Grytviken
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
vorne Wrack der Louise, hinten Mitte die Kirche, hinten rechts das Walfangmuseum
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Das 1904 vom norwegischen Kapitän und Antarktisfahrer Carl Anton Larsen (1860-1924) gegründete Grytviken (dt. „Kesselbucht”) war die erste Ansiedlung auf Südgeorgien. Die Cumberland Bay, in der die Walfang- und Walverarbeitungsstation liegt, war 1775 von James Cook entdeckt worden. Larsen kartographierte sie 1901 als Kapitän des Expeditionsschiffs Antarctic auf der Schwedischen Antarktisexpedition von Otto Nordenskjöld (1869-1928). Für ihn war sie der beste Ankerplatz in Südgeorgien.

Südgeorgien, Grytviken
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Walverarbeitungsanlage
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Im Sommer arbeiteten hier rund 500 Arbeiter, überwiegend aus Norwegen: sieben Tage die Woche, in zwei Schichten rund um die Uhr. Für sie wurde 1907 ein kleines Hospital mit einem Arzt eingerichtet. 1913 erfolgte der Bau eines Wasserkraftwerkes zur Stromversorgung und der Kirche, in der zunächst auch Filme gezeigt wurden. 1930 wurde ein Kino gebaut.

Südgeorgien, Grytviken, Filmprojektor
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Filmprojektor im Walfangmuseum
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Rinder, Schweine, Schafe, Hühner und Rentiere wurden zur Frischfleischversorgung eingeführt. Im Sommer gab es Sportveranstaltungen und im Winter Schiwettkämpfe.
1910 wurde eine Gewerkschaft gegründet, 1912/13 kam es zu ersten Streiks der Arbeiter auf Südgeorgien.

Südgeorgien, Grytviken, Bronzebüste Carl Anton Larsen
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Bronzebüste von Carl Anton Larsen in der Kirche, 1988 gestiftet von seinem Enkel Hans Kjell Larsen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Larsen, der zur norwegischen auch die britische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, ließ 1905 seine Frau und seine sieben Kinder nachkommen. 1914 verließ er Südgeorgien als reicher Mann. 1923 wollte er das Rossmeer für den Walfang erschließen und setzte das erste Walfang-Fabrikschiff, die Sir James Clark Ross, in der Antarktis ein. An Bord dieses Schiffes starb er im Dezember 1924.

Walverarbeitungsanlage

Südgeorgien, Grytviken, Öltanks
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Öltanks der Walverarbeitungsanlage
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die vor sich hinrostende Walverarbeitungsanlage besteht aus der Flensbahn, auf die die Tiere mit Hilfe einer Slipanlage gezogen wurden. Dort wurden sie zerlegt, der Speck mit Maschinen zerkleinert und in den großen Dampfdruckkesseln in rund fünf Stunden gekocht. Im Separatorhaus (nicht erhalten) wurde das Öl mittels Zentrifugen gereinigt. Das Walöl war als Lampenöl und Schmierstoff weltweit hoch begehrt. Es fand Verwendung in Margarine, Kerzen, Seife und Kosmetika. Das Nebenprodukt Glyzerin wurde zur Herstellung von Sprengstoffen verwendet.
Neben dem Speck wurden auch alle anderen Bestandteile des Wals verarbeitet, die Walrippen etwa zu Knochenmehl.

Südgeorgien, Grytviken, Ketten
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Ketten, um die Wale an Land zu ziehen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Tageskapazität der Anlage betrug 25 Finnwale à 20 Meter Länge. Damit wurden bei entsprechender Fangleistung 160 Tonnen Walöl und 150 Tonnen Knochenmehl produziert.
1925 kam es durch Überangebot zu einem drastischen Preisverfall bei Walöl. Die zunehmend eingesetzten Fabrikschiffe wurden zur Konkurrenz, da sie sich den bis zu 300 Kilometer langen Weg zu den Landstationen ersparten. Außerdem ersetzten Pflanzenöle und Öle auf Erdölbasis bald das Walöl. Die sechs Stationen auf Südgeorgien mußten 1931 wegen Unrentabilität schließen, nur Grytviken überlebte bis 1962.

Kirche

Südgeorgien, Grytviken, norwegisch-lutheranische Kirche
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
norwegisch-lutheranische Kirche
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Die norwegisch-lutheranische Kirche von Grytviken (Whalers Church) wurde 1913 aus dem norwegischen Strommen in vorgefertigten Einzelteilen nach Grytviken gebracht und zu Weihnachten eingeweiht. In der Kirche wurden 3 Geburten, 12 Hochzeiten (die bisher letzte am 16. November 2009 zwischen Remco Masmeijer and Sabine Lokin aus den Niederlanden) und zahlreiche Todefälle registriert. Auch die Trauergottesdienste für Carl Anton Larsen und Ernest Shackleton, der 1922 hier gestorben war, wurden in dieser Kirche abgehalten.

Südgeorgien, Grytviken, norwegisch-lutheranische Kirche
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
norwegisch-lutheranische Kirche, Altarraum
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Friedhof

Südgeorgien, Grytviken, Friedhof
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Friedhof
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der von einem weißen Holzzaun umgebene Friedhof von Grytviken ist einige hundert Meter von der Station entfernt. Neben vielen norwegischen Walfängern ist hier auch Sir Ernest Shackleton begraben, der 1922 an Bord der Quest im Hafen von Grytviken verstarb. Shackleton war bereits im Zuge der Imperial Trans-Antarctic Expedition (1914-1916) in Grytviken gewesen. An seiner Seite wurde 2011 die Asche von Frank Wild (1873-1939), Stellvertreter und Shackeltons „rechte Hand”, beigesetzt.

Südgeorgien, Grytviken, Friedhof, Grab Frank Wild
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Friedhof, Grab Frank Wild
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Bei den Anlandungen der Kreuzfahrtschiffe ist es Brauch, daß sich die Passagiere um das Grab versammeln und der Kapitän einen Toast auf den Polarhelden ausbringt.

Walfangmuseum

Südgeorgien, Grytviken, Walfangmuseum
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Walfangmuseum
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

1987 begann der am King Edward Point arbeitende Meeresbiologe Nigel Bonner in seiner Freizeit mit der Restaurierung einzelner Gebäude in Grytviken. 1992 wurde im ehemaligen Haus des Verwalters das Walfangmuseum eingerichtet, das Relikte aus Grytviken und anderen Walfangstationen präsentiert. Zahlreiche Fotos zeigen die Arbeit und das Leben der Menschen auf diesen Stationen. Im Souveniershop gibt es Informationsmaterial und Andenken.

Südgeorgien, Grytviken, Walfangmuseum
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Walfangmuseum, Leben der Bewohner
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

In einem Nebengebäude ist die Replik der James Caird ausgestellt. Das Original befindet sich im Dulwich College in Südlondon.

Südgeorgien, Grytviken, Walfangmuseum, James Caird
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Walfangmuseum, James Caird, Beiboot der Endurance (Kopie)
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Mit diesem Beiboot der Endurance wagte Shackleton am 24. April 1916 mit fünf Männern die Fahrt von Elephant Island nach Südgeorgien - eine Strecke von rund 720 nautischen Meilen durch stürmische See in 16 Tagen.

Wracks in Grytviken

Petrel

Südgeorgien, Grytviken, Wrack der Petrel
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Wrack der Petrel
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Petrel, das am besten erhaltene Fangschiff der Station, liegt in der Nähe des Schwimmdocks, des Hauptlagers und der Maschinenhalle an einem Anleger. Das 1928 in Oslo gebaute Einschraubenschiff (35 Meter lang, 244,8 BRT) war bis in die 1960er-Jahre im Einsatz. Am Bug befindet sich eine Kanone für Harpunen. Mit dem Niedergang des Walfangs wurde sie zurückgelassen. 2004 mußte der Rumpf an Land gezogen werden, um ein Sinken zu verhindern.

Albatros und Dias

Südgeorgien, Grytviken, Wrack der Dias und Albatros
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Wrack der Dias und Albatros
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die mit der Petrel etwa baugleichen Schiffe liegen an der Harpon Mole, die Albatros an der Innenkante, die Dias an der Außenkante des Anlegers. Beide Schiffe sind etwa zu Hälfte versunken. Die Albatros wurde 1921 in Svelvik (Norwegen) gebaut, die Dias 1906 in Beverly bei Hull in England.

Louise

Die Dreimast-Vollholzbark Louise liegt vor dem Friedhof. Das 52,7 Meter lange Schiff (1.065 BRT) ohne Maschinenantrieb wurde unter dem Namen Jennie S Barker 1869 in Maine (USA) gebaut. Sie segelte zunächst auf Handelsrouten um Kap Hoorn, bis sie 1880 von einem norwegischen Reeder gekauft und unter dem Namen Louise als Frachtsegler in der Ostsee-Holzfahrt eingesetzt wurde.

Südgeorgien, Grytviken, Wrack der Louise
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Wrack der Louise
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Im Sommer 1904 segelte sie für die Compañia Argentina de Pesca mit Material für den Aufbau der Walfangstation nach Grytviken, wo sie viele Jahre als Lagerschiff für Kohle und Unterkunft der Arbeiter diente. 1987 brannte sie bei einer Übung der britischen Garnision ab.

LeseTipp: Grytviken im Buch

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