Porträts — Kanalinseln — Jersey

Sir Walter Raleigh, engl. Seefahrer und Politiker

* 1554 (jul. Kalender) Hayes Barton/Devonshire/König­reich England
† 29. Oktober 1618 London/Vereinigtes Königreich (hingerichtet)

Der Günstling von Königin Elisabeth I. war Seefahrer, Entdecker, Soldat, Spion, Politiker, Dichter, Schriftsteller und Governor von Jersey.

Jugend

Sir Walter Raleigh
Sir Walter Raleigh, 1588
National Portrait Gallery, London (Wikipedia, PD)

Walter Raleigh (auch Rawley, Ralegh oder Rawleigh) war der vierte Sohn von Walter Raleigh (1510-1581) von Fardell/Devon, und seiner dritten Frau, Katherine Gilbert (geborene Champernowne). Die protestantische Familie gerhörte zum niedrigen, wenig begüterten Adel. Die Verfolgung der Familie während der Herrschaft der katholischen Königin Maria Stuart von Schottland (1542-1587) begründete seinen lebenslangen Hass auf Katholiken. 1569 kämpfte er unter Admiral Coligny auf Seiten der Hugenotten im französischen Religions­krieg. 1572 besuchte er das Oriel College, Oxford, das er allerdings nach einem Jahr ohne Abschluss verließ. 1575 wurde er Mitglied der Honorable Society of Middle Temple, einer der vier englischen Anwaltskammern. Im Gerichtsverfahren von 1603 bestritt er allerdings, jemals Juristerei studiert zu haben.

Königin Elizabeth I.

Königin Elizabeth I.
Königin Elizabeth I. (Krönungsporträt)
Quelle: Wikipedia (PD)

Irland

Zwischen 1579 und 1583 kämpfte Walter Raleigh in der königlichen Armee in Irland bei der Unterdrückung der Desmond Rebellion. Mit seiner Rolle bei der Schlacht und dem Sieg von Smerwick erregte er die Aufmerksamkeit von Königin Elizabeth I. (1533-1603). Katherine Champernowne, genannt „Kat“ Ashley (ca. 1503-1565), die Tante seiner Mutter, Gouvernante und Erste Hofdame der Königin, führte ihn am Hof ein, wo er bald ein Günstling der Königin wurde. Er erhielt umfangreiche Ländereien in Munster, Irland. 1585 wurde er zum Ritter geschlagen und Captain der königlichen Leibwache. Ein Jahr später wurde er zum Vizeadmiral ernannt.

Kolonialisierung Nordamerikas

Mit seinem Halbbruder Sir Humphrey Gilbert (um 1537-1583) verfolgte er Pläne zur Gründung einer englischen Überseekolonie in Nordamerika, die allerdings von Elizabeth nicht unterstützt wurden. Die von Raleigh finanzierte Expedition gründete 1585 die Kolonie von Roanoke in North Carolina, die jedoch bereits nach einem Jahr aufgegeben werden musste. Ein weiterer Siedlungsversuch scheiterte 1587 ebenfalls. Der Verbleib und das Schicksal der Siedler konnte nie geklärt werden, so daß die Kolonie als Die verlorene Kolonie (The Lost Colony) bezeichnet wird.

Raleigh in Ungnade

1592 heiratete Raleigh heimlich Lady Elizabeth „Bess” Throckmorton (1565–1647), einzige Tochter von Sir Nicholas Throckmorton und seiner Frau Lady Anne Carew und Hofdame der Königin. Mit ihr hatte er zwei Söhne, Walter und Carew. Als Elizabeth von der heimlichen Hochzeit erfuhr, ließ sie Raleigh und seine Frau im Tower einsperren und für fünf Jahre vom Hof verbannen. Raleigh, der auch Schriftsteller und Dichter war, nutzte die Zeit zum Schreiben.
1595 konnte er die Königin überreden, ihm eine Expedition nach Südamerika zu gestatten, um das geheimnisvolle El Dorado, ein sagenhaftes Goldland im Innern des nördlichen Südamerika, zu finden. Allerdings fand er es nicht, publizierte aber nach seiner Rückkehr den Reisebericht „The discoverie of the large rich, and bewtiful empyre of Guiana”.
1596 beteiligte sich Raleigh an der Eroberung von Cádiz in Spanien. Er erlangte wieder die königliche Gunst, wurde 1598 erneut Parlamentsmitglied, diesmal für Dorset, und 1600 Gouverneur von Jersey.

St Martin, Mont Orgueil Castle,Königin Elizabeth I. und Sir Walter Raleigh
Königin Elizabeth I. und Sir Walter Raleigh, Gemälde von Ronnie Heeps
St Martin, Gorey, Mont Orgueil Castle, August 2014
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Gouverneur von Jersey

Sir Walter Raleigh, Governor von 1600-1603, kam nur zwei Mal persönlich auf die Insel Jersey. Er verlegte den Gouverneurssitz von Gorey Castle (Mount Orguell Castle) in das Elizabeth Castle in St. Helier.

Jersey, St Helier, Elizabeth Castle
Jersey, St Helier, August 2018
Elizabeth Castle
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Die wachsende Bedeutung von St. Helier und Saint Aubin erforderten einen entsprechenden militärischen Schutz gegen die drohenden französischen und spanischen Angriffe. So wurde der flämische Militärarchitekt Paul Ivy mit dem Bau beauftragt und das Bauwerk zwischen 1590 und 1601 errichtet. Raleigh benannte die Burg nach seiner Gönnerin Elizabeth Fort Isabella Bellissima. Warum allerdings das Bauwerk an einer Stelle errichtet wurde, die nur bei Niedrigwasser zugänglich ist, bleibt rätselhaft.

Inhaftierung und Hinrichtung

Raleighs Zelle im Tower
Raleighs Zelle im Bloody Tower, London
Quelle: Wikipedia/Kjetil Bjørnsrud (CC BY 2.5)

1603 starb Elizabeth I. Ihr Nachfolger James I. (1566|1603-1625) ließ Walter Raleigh unverzüglich wegen einer Verschwörung gegen ihn anklagen und in einem Schauprozeß zum Tode verurteilen. Das Urteil wurde allerdings nicht vollstreckt und Raleigh für 13 Jahre im Tower eingesperrt. Hier schrieb er The Last Fight of the Revenge (1591), The Discovery of Guiana (1596) und den ersten Band seines Geschichtsepos The Historie of the World (1614), der sich mit der Geschichte der Griechen und Römer befasst. Das Buch ist eines der wichtigsten englischen Geschichtswerke des 17. Jahrhunderts, seine Fertigstellung wurde durch die Hinrichtung von Raleigh verhindert.
1617 wurde Raleigh vom König begnadigt und erhielt die Erlaubnis zu einer zweiten Expedition nach Venezuela, um noch einmal das geheimnisvolle El Dorado zu suchen. Eine Bedingung für die Begnadigung war, alle feindseligen Attacken auf Spanien zu unterlassen. In Santo Tomé de Guayana griff eine Abteilung seiner Männer einen spanischen Außenposten an - eine Verletzung der Auflagen und des Friedens mit Spanien. Der spanische Botschafter verlangte die Vollstreckung des ausgesetzten Todesurteils, und dem König blieb letztlich keine andere Wahl, als Raleigh hinzurichten. So wurde das Urteil am 29. Oktober 1618 im Westminter-Palast vollstreckt.

Was bleibt

Sir Walter Raleigh trieb die Kolonialisierung Nordamerikas durch England voran. Er verstand die Bedeutung der südamerikanischen Kolonien für Spanien und wollte eine ähnliche Stärke für England im Kampf gegen Spanien. Auch wenn seine Siedlungspläne in Roanoke in North Carolina zunächst scheiterten, führten sie langfristig England zur Weltmacht. In Erinnerung wurde die Hauptstadt von North Carolina, Raleigh, 1792 nach ihm benannt.
Er popularisierte das Tabakrauchen in England. John Lennon bezog sich in dem Song „I'm So Tired” am „Weißen Album” der Beatles (1968) auf Raleigh.

„Although I'm so tired, I'll have another cigarette / And curse Sir Walter Raleigh. / He was such a stupid get” I'm So Tired

Seine Rolle bei der Einführung und Verbreitung der Kartoffel in Europa, insbesondere in Irland, wird von modernen Historikern in Frage gestellt.
Walter Raleigh tritt in zahlreichen Romanen und Filmen der populären Kultur als Figur der elisabethanischen Zeit auf. Er selbst war auch Schriftsteller und Dichter, seine Werke blieben erhalten.

„Die Stimme schwieg; der Morgen kam - die Zelle / War öd' und leer. Doch auf dem Gras des Hofes / Lag Thau der Nacht und Walter Raleigh's Blut.”
Theodor Fontane (1819-1898), Sir Walter Raleigh's letzte Nacht [Ausschnitt]

Quellen

  • Walter Raleigh, Wikipedia (deutsch, englisch) [abgerufen am 21.01.2019]
  • Walter Raleigh in popular culture, Wikipedia [abgerufen am 21.01.2019]

Belletristik

Cover Glorianas Fackel.

Patricia FINNEY: Glorianas Fackel.
München: btb Verlag, 2004 (600 S.)

Für Elisabeth I., Königin von England, mehren sich 1587 die Anzeichen, dass die Spanier mit einer großen Armada die Insel überfallen wollen

Cover Im Schatten des Tower.

Klaus NITZSCHE: Im Schatten des Tower.
Berlin: Verl. d. Nation, 1990 (462 S.)

Historischer Roman um Sir Walter Raleigh und Königin Elisabeth I. von England.

Alle Porträts:

Cuba: Tamara Bunke, Julio Antonio Mella,
Fotografen/innen: René Burri, Harry Callahan, Henri Cartier-Bresson, Anna Kahn, André Kertész, Saul Leiter, Joel Meyerowitz, Anja Niedringhaus, Joel Sternfeld, Weegee,
Hamburg: Albert Ballin, Gabriel Riesser,
Island: Snorri Sturluson, Victor Urbancic,
Kanalinseln: Sir Walter Raleigh,
Korsika: Napoleon I. Bonaparte, Joseph Fesch,
Mecklenburg-Vorpommern: Otto Lilienthal,
Norwegen: Johan Halvorsen, Anne Holt, Richard With,
Reisende: James Cook, Rudolf Carl Slatin Pascha,
Sizilien: Maria Carolina, Friedrich II.,
Toskana: Sandro Botticelli,
USA: John Steinbeck,

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