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Flagge des Inka-ReichsMachu Picchu - die verlorene Stadt der Inka

Sie ist die geheimnisvollste Hinterlassenschaft der Inka. Weder kennt man ihren ursprünglichen Namen noch ihre Funktion - letzte Hauptstadt der Inka, königlicher Landsitz, Zufluchtstätte der Jungfrauen der Sonne? Oder gar ein „Kraftpunkt” für außerirdische Raumschiffe?

Machu Picchu Panorama
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Panoramablick Richtung Huayna Picchu
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

1983 wurde Machu Picchu in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Im Ranking der Weltwunder der Moderne liegt sie nach Chichén Itzá (Mexiko), der Chinesischen Mauer (China), der Christusstatue von Rio de Janeiro (Brasilien) und dem Kollosseum in Rom (Italien) an fünfter Stelle.
Rund 1,5 Millionen Touristen kommen jährlich nach Machu Picchu. Das sind ungefähr doppelt so viele, wie die Unesco für den ökologisch sensiblen Ort zwischen Hochgebirge und tropischem Urwald als verträglich erachtet. Ein geplanter Flughafen in Sichtweite der Lagune Puray wird die Lage weiter verschärfen.

Entstehung, Anlage und Funktion

Entstehung

Die Stadt, deren eigentlicher Name nicht überliefert ist, wurde vermutlich um 1450 unter dem Inka-Herrscher Pachacútec Yupanqui, der von 1438 bis 1471 regierte, erbaut. Sie liegt in 2.430 Metern Höhe auf einem Bergrücken zwischen den Gipfeln des Huayna Picchu und des namensgebenden Machu Picchu, 75 Kilometer nordwestlich der Stadt Cusco in den Anden, 400 Meter über dem Urubambatal.

Machu Picchu, Urubambatal
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Urubambatal, Blick auf die Eisenbahnbrücke
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Anlage

Die Stadt Machu Picchu besteht aus etwa 200 Bauten auf einem Bergplateau von mehr als 35.000 ha Fläche: Paläste, Tempel, Wohn- und Lagerhäuser. Etwa 1.000 Menschen lebten hier: Diener, Arbeiter, Handwerker und Bauern. Vorwiegend waren es Mitimaes, Umgesiedelte aus anderen Gebieten.
Dem Weltverständnis der Inka entsprechend war Machu Picchu wie Cusco in eine obere und eine untere Hälfte aufgeteilt. In der oberen Stadthälfte befanden sich vorwiegend die Verwaltungsgebäude und kultische Einrichtungen wie die Turmgruppe, die Palastgruppe, der Heilige Platz mit den drei Tempeln und die Sonnenwarte.

Karte Machu Picchu
Machu Picchu - Skizze der Stadtanlage auf dem Bergrücken
Quelle: Holger Behr/Wikipedia

Die größere untere Stadthälfte besteht aus den Wohn- und Handwerkervierteln. Allerdings weiß man über die konkrete Funktion, Nutzung und Benennung der Stadtteile und Gebäude mangels Aufzeichnungen und entsprechender Funde nur wenig - es handelt sich um Interpretationen.

Der Haupteingang führt in die obere Stadthälfte. Hier stehen etwa 30 Verwaltungsgebäude, nebeneinander aufgereiht wie Reihenhäuser und in vier Reihen hintereinander angelegt. Mittelpunkt der anschließenden, aus 10 Häusern bestehen Turmgruppe ist ein 4 Meter hoher, ellipsenförmiger Bau, vermutlich ein Heiligtum. Er könnte zur Beobachtung des Sonnenverlaufs gedient haben und wird daher manchmal als Sonnentempel bezeichnet.

Machu Picchu, Sonnentempel
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Sonnentempel
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
Machu Picchu, Turmgruppe
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Turmgruppe
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Dem Turm gegenüber steht eine Gebäudegruppe, die man Haus des Inka (Inka Huasi) nennt. Vermutlich handelt es sich um den Palast des Inka, in dem er wohnte, wenn er die Stadt besuchte. Der Heilige Platz (Inti Kancha) gehört ebenfalls zur Oberstadt und ist an drei Seiten von Gebäuden umgeben. Die südwestliche Seite ist offen. Die drei Bauten, die sich durch das bessere Mauerwerk von anderen Gebäuden der Stadt unterscheiden, waren sehr wahrscheinlich Tempel, die nach Bingham Haupttempel, Tempel der drei Fenster und Tempel des Hohen Priesters genannt werden..

Machu Picchu, Heiliger Platz
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Heiliger Platz
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

An der höchsten Stelle von Machu Picchu steht die Sonnenwarte (Inti Watana, „Sonnenfessel”). Ihr Mittelpunkt ist ein prismaförmiger, 2 Meter hoher Felsblock aus Granit, der auf einer Plattform steht. Es handelt sich dabei um einen Gnomon, einen Schattenwerfer, mit dessen Hilfe man das Sonnenjahr berechnen kann. Am Tag der Sonnenwende wirft der Felsblock keinen Schatten. Der Felsblock wurde nicht aufgestellt, sondern direkt aus dem vor Ort befindlichen Felsen herausgehauen.

Die Ober- und Unterstadt werden durch den großen Platz der Sonne (Inti Pampa) getrennt, der wohl öffentlichen Versammlungen diente. Der Monolith auf dem Platz war vielleicht ein Symbol für das Zentrum der Welt, wurde aber von den Archäologen entfernt.

Machu Picchu, Platz der Sonne
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Platz der Sonne
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die untere Stadthälfte bestand aus vier Wohnvierteln mit teilweise unüber­sichtlichen Bebauungsgrundrissen. Auffällig ist eine große Steinskulptur in Form eines Kondors.

Funktion

Über die Funktion dieser doch etwas abgelegenen Stadt in den Anden wurde lange gerätselt. War es eine Grenzfestung? War es die letzte Hauptstadt des Inka-Reiches im Widerstand gegen die Spanier? War es ein Kult- und Zufluchtsort der „Jungfrauen der Sonne”? War es ein „Kraftpunkt”, an dem außerirdische Raumschiffe Energie tanken konnten? Oder war es ein königlicher Landsitz, von denen es etliche im Raum Cusco gibt?

Als Grenzfestung

Erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts eroberten die Inka den Reichsteil Anti Suyu, in dem Machu Picchu liegt. Eine weitere Expansion scheiterte am unüberwindbaren Widerstand der dort lebenden Tieflandindianer. Daher ist der Gedanke, Machu Picchu wäre einer der inkaischen Verteidigungsbauten, gewissermaßen Bollwerke gegen die feindlichen Tieflandindianer, nicht abwegig. Die Stadt bringt dafür einige Voraussetzungen mit: Lage auf einem steilen Felsgrat zur Beobachtung heranrückender Feinde, die Stadtmauer mit ihrem verschließbaren Tor, Haufen von Schleudersteinen.
Doch die Tieflandindianer waren wohl kaum die gefürchteten Gegner. Denn sie waren weder in schlagkräftigen Verbänden organisiert noch zeigten sie Tendenzen, ins Hochland einzufallen. Außerdem fehlen die für solche Militäreinrichtungen typischen großen Kasernen.
Machu Picchu war wahrscheinlich eher ein kleines, gut zu verteidigendes Bollwerk in den Auseinandersetzungen einzelner Inka-Sippen.

Als letzte Hauptstadt der Inka

Auch die Annahme, daß Machu Picchu Zufluchtsstätte und Regierungssitz der letzten Inka nach der spanischen Eroberung ihres Kernlandes gewesen sei, ist wenig plausibel. Denn sonst wäre der Ort in den zahlreichen schriftlichen Berichten über die spanischen Eroberungs- und Missionsversuche erwähnt worden. Aber dazu gibt es keine spanischen Quellen.

Als Zufluchtsort der „Jungfrauen der Sonne”

Eine andere These besagt, Machu Picchu wäre die Zufluchtsstätte der durch die spanische Eroberung aus Cusco vertriebenen 400 Sonnenjungfrauen gewesen. Die Jungfrauen der Sonne (aklla, die „erwählten Frauen”) standen im Dienste des Sonnengottes (Intip akllan) oder des Inka (Inkap akllan). Sie erhielten eine spezielle Ausbildung in Haushaltsführung, Kochen, der Zubereitung von Getränken, Gesang und Musik. Vor allem aber webten sie die allerfeinsten Luxustextilien für den Sapa Inka.
Zwar wäre die Gebäudegruppe mit der modernen Benennung Aklla Wasi („Haus der auserwählten [Jungfrauen]”) groß genug, die ganze Gemeinde der hauptstädtischen Sonnenjungfrauen zu beherbergen. Allerdings stehen die Häuser zu vereinzelt und sind zu leicht einsehbar. Insgesamt ist es daher unwahrscheinlich, daß die an den Ort der obersten religiösen und politischen Institution gebundenen Sonnen­jungfrauen hier untergekommen sein sollen.

Als „Kraftpunkt” für die Raumschiffe Außerirdischer

Machu Picchu, Intihuatana-Sonnenuhr
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Kraftpunkt der Außerirdischen oder nur Sonnenuhr (Intihuatana)?
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

In Anlehnung an Erich von Däniken, der in allen Artefakten, die die Fähigkeiten ihrer angeblichen Erbauer überfordert haben (wie etwa die Pyramiden, Nascar-Linien, Statuen auf der Osterinsel, Stoneheng u.a.), hat auch der deutsche Esoteriker Martin Fieber eine amüsante These zur Funktion von Machu Picchu. Die Stadt des Friedens, wie er sie nennt, war eine Art Lehranstalt von auf die Erde versetzten außerirdischen Völkern mit ihren Lehrern, die die Erde schützen und die Menschen entwickeln sollten.
An dieser Stelle in Machu Picchu sei die Energiekonzentration so hoch, daß Raum­schiffe auf diesem speziellen Stein andocken und mit Energie aufgeladen werden konnten.

Von allen hier vorgestellten Thesen über MachuPicchu hat diese allerdings die geringste Wahrscheinlichkeit und ist nicht evidenzbasiert.

Als königlicher Landsitz

Die Forschung neigt heute zu der Annahme, daß Machu Picchu eine Residenz war, ein königlicher Landsitz, den sich der Inka-Herrscher Pachacútec Yupanqui erbauen ließ. Ähnlich wie die Jagd- und Lustschlösser der Habsburger einige Jahrhunderte später waren die Landsitze der Inka-Herrscher Orte des Vergnügens und der Erholung der adeligen Großfamilien. Aber es waren auch Anlagen zur Produktion landwirtschaftlicher Güter und anderer Formen der Schaffung von Wohlstand.
Es war das Streben jedes Inka-Herrschers, mindestens einen Landsitz zu besitzen, der den Palast im Zentrum Cuscos ergänzte. Jeder Herrscher baute sich einen neuen Palast und Landresidenzen, als Zeichen seines Reichtums und zur Versorgung seiner Familie und Nachkommen. Jeder königliche Landsitz gehörten einer bestimmten panaca, der Großfamilie eines Inka. Hier wurde der Reichtum vermehrt und Zeremonien ausgerichtet, persönliche Allianzen geschaffen und bestimmte Gruppen beschwichtigt. Die Arbeiter wurden mit öffentlichen Bewirtungen belohnt und täglich versorgt.

Machu Picchu, Landsitz
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Landwirtschaftliche Flächen zur Versorgung des Landsitzes
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Machu Picchu als königlicher Landsitz war in unterschiedliche architektonische Abschnitte unterteilt: ein Teil für religiöse und sakrale Aktivitäten, ein Teil für die landwirtschaftliche Produktion, Wohnstätten für Herrscher und Adelige, Diener, Handwerker und Bauern, Bestattungsorte.

Die Entdecker

Allgemein gilt Hiram Bingham (1875-1956) als der „Entdecker” von Machu Picchu. In seinen frühen Berichten weist er ausdrücklich darauf, daß er nicht der Erste war, der von der Ruinenstätte gehört oder sie besucht hätte. Neben den ansässigen Bauern sind die bekanntesten der deutsche Landvermesser Herman Göhring, Charles Wiener, Albert Giesecke und der Deutsche Augusto R. Berns, die von den Ruinen Kenntnis hatten, aber nicht im Detail wussten, was sie vor sich hatten.

Charles Wiener (1851–1913)

Der österreichisch-französische Expeditions-Forscher Charles Wiener, geboren in Wien, bereiste ausführlich Peru und bestieg den Illimani, den zweithöchsten Berg Boliviens. Schon in seiner Dissertation „Essai sur les Institutions politiques, religieuses, économiques et sociales de l´Empire des Incas” („Versuch über die politischen, religiösen, ökonomischen und sozialen Institutionen des Inka-Reichs”, Paris 1874) hatte er sich intensiv mit den Inka beschäftigt. 1875 reiste er durch das Urubambatal und hörte von einer alten Inka-Stadt. Zwar erreichte er die Ruinenstadt nicht, zeichnete aber eine Karte der Region um den Urubamba. Auf dieser, in seinem Buch Perou et Bolivie (Paris 1880) veröffentlichten Karte sind die beiden Berge eingezeichnet, zwischen denen Machu Picchu liegt - allerdings fälschlich auf der Ostseite des Tals. Bingham kannte das Buch.
In der Novelle Der Geschichtenerzähler (El hablador, 1987) des peruanischen Autors Mario Vargas Llosa ist Charles Wiener die Vorlage für den Charakter des Franzosen.

Albert A. Giesecke (1883-1968)

Der Sohn deutscher Immigranten in den USA war mit 27 Jahren als junger Wissenschaftler aus Philadelphia nach Peru gekommen. Er machte die verstaubte Universität von Cusco zu einem lebendigen akademischen Zentrum und öffnete sie für Frauen.
Anfang 1911 besuchte er seinen Freund Braulio Polo de la Borda auf dessen Hacienda in Echarate. Zum Höhepunkt der Regensaison bereisten die Beiden die Hazienda im tropischen Teil des Urubambatals, in dem sich zahlreiche Inka-Ruinen befinden. Neugierig geworden befragten sie in Mandor Pampa den Bewohner Melchor Arteaga nach weiteren Ruinen und wurden auf eine große Anzahl verfallener Stein­bauten hoch oberhalb des Canyons auf der anderen Seite des Flusses hingewiesen. Angesichts des nassen Wetters und der zu erwartenden Herausforderungen verzichteten sie jedoch darauf, zu diesem Ort zu reiten.
Giesecke, der bereits seit 1909 einen umfangreichen Briefwechsel mit Bingham unterhielt, erzählte diesem bei seinem Aufenthalt in Cusco 1911 von dieser Ruinenstadt.

Augusto R. Berns (1842-nach 1911)

Rudolph August Berns, geboren in Uerdingen (heute ein Stadtteil von Krefeld in Nordrhein-Westfalen), war der Sohn eines Weinhändlers. Nach dem frühen Tod des Vaters wurde er in der Fabrik des ungeliebten Stiefvaters zum Schlosser ausgebildet. Angetrieben von dem Wunsch, das sagenhafte El Dorado zu finden, reiste er in jungen Jahren nach Peru, wo es seiner Meinung nach liegen mußte. In Peru verdingte er sich als Ingenieur Augusto R. Berns bei der Armee und wurde eher zufällig zum Helden in der Schlacht von Calao im Spanisch-Südamerikanischen Krieg (1864-1866). Anschließend arbeitete er als Landvermesser beim Bau der peruanischen Eisenbahn.
Gemeinsam mit dem amerikanischen Abenteurer Harry Singer erforschte er den Dschungel der Cordillera Vilcabamba. Gestützt auf die Karte von Herman Göhring von 1874 fand er Machu Picchu, das er allerdings für sein gesuchtes El Dorado hielt. Er war zutiefst enttäuscht, weil er dort kein Gold fand, gab seine Suche jedoch nicht auf. Zur Finanzierung weiterer Expeditionen gründete er 1887 die Aktiengesellschaft „Huacas del Inca” in Cusco. Mit dem Erlös aus dem Aktienverkauf verschwand um 1888 im Dschungel. Möglicherweise begegnete er 1911 Bingham.
Aus 2008 gefundenen Dokumenten in der peruanischen Nationalbibliothek (Biblioteca Nacional del Perú) geht hervor, daß Berns als Goldsucher und Holzhändler Schürfrechte in der Region um Machu Picchu besaß und die verlorene Stadt wohl bereits 1876 entdeckte.
Die deutsche Schriftstellerin Sabrina Janesch versucht in ihrem 2017 erschienenem biografischen Roman „Die goldene Stadt” das Leben und die Person von Augusto (Rudolph) Berns zu enträtseln. Beruhend auf eigenen Recherchen in Peru und denen anderer Historiker gelingt ihr das sowohl fesselnd als auch plausibel.

Hiram Bingham (1875-1956)

Hiram Bingham, Machu Picchu 1912
Hiram Bingham III vor seinem Zelt in Machu Picchu, 1912
Quelle: Wikipedia/Yale University Peabody Museum of Natural History (PD)

Hiram Bingham III, geboren am 19. November 1875 in Honolulu, war Professor für die Geschichte Lateinamerikas an der Harvard University und in Princeton. Das Vermögen seiner Frau Alfreda Mitchell, der Enkelin von Charles Lewis Tiffany und Erbin des Tiffany-Vermögens, ermöglichte ihm umfangreiche Forschungsreisen in Süd­amerika. Schwerpunkt seiner Forschungen waren die südamerikanischen Unabhängig­keitsbewegungen des frühen 19. Jahr­hunderts.
1908 unternahm Bingham eine Reise quer über den südamerikanischen Kontinent, von Buenos Aires in Argentinien bis Lima in Peru. Am Ende der Reise erzählte ihm ein lokaler Beamter von einer riesigen Inka-Ruinen­stätte namens Choqquequirau. Bei der schon seit einem Jahrhundert bekannten Stadt könnte es sich um Vilcabamba handeln, der letzten Hauptstadt der Inka. Bingham besichtigte und fotografierte die Ruinenstätte. Zu diesem Zeitpunkt wußte er noch nicht, daß die Wissenschaft diesen Zusammenhang anzweifelte.
Dieser Widerspruch weckte Binghams Neugierde. Er beschloß, eine weitere Expedition nach Peru zu organisieren, um die Inka-Städte Vilcabamba und Vitcos zu finden. Für diese Expedition erhielt er auch Fördergelder der Universität Yale. Anfang Juli 1911 erreichte er Cusco und bekam mehrere Hinweise, daß sich einige Inka-Ruinen im unteren Urubambatal befinden sollten. Aufgrund eines Rates des Rektors der Universität in Cusco, Albert Giesecke, beschloß er, eine relativ neue Route entlang des Urubamba-Flusses zu nehmen. Zwei Reisetage später informierte ihn ein Bauer über Ruinen auf einem nahegelegenen Bergkamm - und am nächsten Tag stand Bingham am Rande einer wunderbar erhaltenen, aber stark überwucherten Inka-Stadt: Machu Picchu.

„Ich überquerte diese Terrassen und betrat jenseits von ihnen den unberührten Wald. Plötzlich befand ich mich inmitten eines Labyrinths von schönen Granit-Häusern! Sie waren mit Bäumen und Moos und der Vegetation von Jahrhunderten überwuchert, aber tief im Urwaldschatten, verborgen im Bambusdickicht und dem Gewirr von Ranken und Lianen, sah ich hier und dort Mauern von weißen Granitquadern, die mit äußerster Sorgfalt behauen und kunstvoll zusammengefügt waren.” (Hiram Bingham, Machu Picchu)

Bingham verbrachte allerdings nur ein paar Tage in Machu Picchu, da er noch die Region Vilcabamba besuchen wollte. In den folgenden zwei Wochen fand er die Ruinen der Inka-Stadt Vitcos und die kaum bekannte archäologische Fundstätte Espirito Pampa. Der Annahme, daß Espirito Pampa die letzte Stadt der Inka, Vilcabamba, sein könnte, konnte sich Bingham nicht anschließen. Sie erschien ihm zu klein und hatte keine beeindruckenden Steinarbeiten. Spätere Forschungen, von denen Bingham nie erfahren sollte, bestätigen aber diese Annahme.
Als mit weiteren Expeditionen die archetektonische Bedeutsamkeit von Machu Picchu immer deutlicher wurde, erlag auch Bingham dem Zauber der Anlage und sah in ihr sowohl den mythischen Ursprungsort der Inka wie auch die letzte Hauptstadt des Inka-Reichs.

Machu Picchu 1912
Machu Picchu 1912 nach den hauptsächlichen Freilegungsarbeiten
Foto Hiram Bingham III, Wikipedia (PD)

Hiram Bingham hat sich selbst immer als „Wieder-Entdecker” Machu Picchus bezeichnet. In seinem Tagebuch schreibt er am 2. August 1911, daß er direkt unterhalb von Machu Picchu, nahe der Siedlung Mandor, einem alten, zerlumpten Deutschen begegnet sein, der immer wieder das Gespräch mit ihm suchte - und schließlich eine bedeutende Ruine ganz in der Nähe erwähnte. Höchst­wahrscheinlich handelte es sich um Augusto (Rudolph) Berns. Natürlich nützte Bingham nach seiner Rückkehr in die USA die Zuschreibung, der „Entdecker” von Machu Picchu zu sein: er wurde Vizegouverneur, dann Gouverneur und schließlich bis 1933 Senator von Connecticut. 1948 war er zum letzten Mal in Machu Picchu und weihte die Verbindungsstraße zwischen Aguas Calientes und Machu Picchu ein.

Machu Picchu, Gedenktafel Hiram Bingham
Peru, Machu Picchu, Mai 2012
Gedenktafel Hiram Bingham, 1948
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Auch wenn Hiram Bingham nicht der „Entdecker” von Machu Picchu ist - sein unbedingter Verdienst ist die Freilegung und Dokumentation der Stadt. Er machte sie den Menschen und der Forschung zugänglich.

Reise-Impressionen Machu Picchu

Im Zuge einer Reise durch Peru, Bolivien und Chile verbrachten wir auch 2 Tage in Machu Picchu:

Dienstag 8. Mai 2012
Machu Picchu ist zweifellos einer der Höhepunkte der Perureise - und dementsprechend viele Touristen finden sich in Aguas Calientes [heute: Machu Picchu Pueblo] ein. Der Ort ist nur zu Fuß oder mit der Bahn erreichbar. Auch wir fahren von Ollantaytambo in einem sehr angenehmen Zug. Im Dach befinden sich Fenster, damit die die weit Tal überragenden Berge sehen kann. Die Fahrt findet (um rund $ 80,-) in einer feineren Klasse statt, denn wir bekommen Getränke und einen kleinen Imbiss inkludiert.
Nach der Ankunft in Aguas Calientes fahren wir mit dem Shuttle-Bus ca. 20 Minuten nach Machu Picchu, von 2000 m auf 2400 m. Aber wir haben uns alle schon an die Höhe gewöhnt, und die Besichtigung der Anlage macht trotz der vielen Stufen kaum Probleme.
Wenn man mit diesen Bussen fährt, die ja nur zwischen Aguas Calientes und Machu Picchu verkehren, stellt sich die Frage, ob sich die Fahrer nicht manchmal wünschen, auf einer geraden Schnellstraße einfach dahinzubrausen, ohne Kehren und Engstellen?
Eigentlich ist der Name der Stadt nicht bekannt, denn die Inkas hatten keine Schrift. Die Benennung erfolgte nach dem höchsten Berg, eben Machu Picchu. Die Anlage ist imposant, weitläufig und eine ingenieurtechnische Meisterleistung. In der Blütezeit lebten hier 200-500 Menschen, die Elite der Inkagesellschaft - Priester, Astronomen usw. Vermutlich sollte die Ausdehnung der Anlage die Bedeutung und Macht der obersten Kaste widerspiegeln.
Das Wetter ist bewölkt bis sonnig, nach dem Ende unserer Besichtigung regnet es - aber wir hatten Glück. Der Eindruck ist überwältigend, wie sich die Stadt in Terrassen die steilen Hänge emporzieht. Getrübt wird der Eindruck ein wenig durch die Masse der Touristen, obwohl nur etwa 2.500 pro Tag zugelassen werden. Aber irgendwie entsteht der Eindruck, die wären alle gleichzeitig hier.
Dieser Eindruck bestätigte sich heute, als wir nochmals nach Machu Picchu fuhren und schon gegen 9:00 Uhr dort waren. Es scheint, daß die geführten Touren später beginnen, bzw. ja auch viele Leute mit dem Zug um rund 10:00 Uhr kommen und daher nicht vor 11 Uhr hinauf. Heute konnten wir die Anlage auf uns wirken lassen, außerdem nahmen wir dann den Weg zum Sonnentor (Inkipunku), auf dem sich kaum Touristen einfinden. Der Weg ist trotz der 300 zu überwindenden Höhenmeter nicht schwer zu gehen. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die gesamte Anlage. Mit dem Wetter hatten wir auch Glück, es war den ganzen Tag sonnig.
Hotel-Tipp
Das Hotel "Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel" ist eine ökologisch geführte, 2,5 ha große Anlage mit Bungalows und eigener Teeplantage. Sehr stilvoll. Den Tee kann man in der Lobby verkosten. Die Zimmer sind im Kolonialstil, aber sehr ansprechend und durchdacht eingerichtet - unseres hatte einen Erker mit einem offenen Kamin. Angenehmerweise gab es auch eine elektrische Zusatzheizung. Denn untertags ist es in der Sonne noch angenehm warm, aber am Abend wird es doch ziemlich kühl. Der Hotelstandard ist hoch, das Essen sehr gut. Erwähnenswert (und auch in anderen Lokalen gegessen) ist das peruanische Rinderfilet, das in kleine Stücke geschnitten gegrillt wird, dazu gibt es handgemachte Pommes Frittes, Reis und Gemüse. Da es in Peru etwa 4500 Kartoffelsorten gibt, kann man sich vielleicht vorstellen, wie unterschiedlich gut diese schmecken. Da merkt man, was wir in Österreich verloren haben.
[Reisetagebuch Peru/Bolivien/Chile, Auszug]

Machu Picchu, Landsitz
Peru, Machu Picchu Pueblo, Mai 2012
Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Lesetipps: Bücher über Machu Picchu

Weitere Quellen:

Kylie QUAVE / Brian S. BAUER: Machu Picchu und die königlichen Landsitze der Region Cuzco. In: Doris KURELLA / Ines de CASTRO (Hrsg): Inka. Könige der Anden. (2013)
Machu Picchu – Die Stadt der Inka → Perú Reisen
Das Glück ist mit den Dreisten: Augusto Berns → DIE ZEIT Nr. 39/2017

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