Fahne AntarktisAntarktis-Reise: Antarktische Halbinsel

Die Antarktische Halbinsel und die ihr unmittelbar vorgelagerten Inseln zählt zu den meistbesuchten Gebieten der Antarktis. Mit Ausnahme der stark zerklüfteten Küste ist das Gebiet vergletschert.

Antarktische Halbinsel, Wiencke Island
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
die MS Hanseatic vor Wiencke Island
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Antarktische Halbinsel: Sehenswertes/Anlandungen

Die etwa 1.500 Kilometer lange Halbinsel erstreckt sich von Prime Head (63°13'S, 57°17'W) im Norden bis zum Cape Adams (75°04'S, 62°20'W) im Süden. Die östliche Seite der Antarktischen Halbinsel liegt im Weddellmeer, die westliche im Bellingshausenmeer. Zugänglich im Sommer sind die Westseite und ein kleiner Bereich im äußersten Norden der Ostküste.

Auf dieser Expeditions-Kreuzfahrt gab es folgende Anlandungen auf der Antarktischen Halbinsel:

Karte Antarktische Halbinsel
Karte Antarktische Halbinsel
Quelle: Wikipedia, Giovanni Fattori - Eigenes Werk, [CC BY-SA 3.0]

1963 einigten sich Großbritannien, die USA, Australien und Neuseeland auf die Bezeichnung Antarktische Halbinsel (Antarctic Peninsula). Zuvor nannten die Briten diesen Bereich Grahamland und die Amerikaner Palmerland. In Argentinien heißt die Antarktische Halbinsel Tierra San Martín, in Chile Tierra O'Higgins.

Paradise Bay (64°51'S, 62°54′W)

Paradise Bay, der Name für diesen wirklich paradieshaft schönen Naturhafen, wurde in den 1920er Jahren zunächst von Walfängern geprägt und hat sich dann im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt. Geschützt durch Bryde Island im Westen und Lemaire Island im Nolrdwesten war sie im 19. und 20. Jahrhundert beliebt bei den Walfängern, um hier Stürme abzuwettern.
In den 1950er Jahren wurde das Gebiet Standort der argentinischen Station Almirante Brown und der chilenischen Station Gonzalez Videla. Diese ist nach dem chilenischen Präsidenten benannt, der 1940 als erstes Staatsoberhaupt überhaupt die Antarktis besuchte.

Antarktische Halbinsel, Paradise Bay
Antarktische Halbinsel, Paradise Bay, Februar 2016
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
Antarktische Halbinsel, Paradise Bay, Almirante Brown
Antarktische Halbinsel, Paradise Bay, Februar 2016
die argentinische Station Almirante Brown
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Aufgrund ihrer Lage galt die Station Almirante Brown als eine der schönsten der Antarktis. Am 12. April 1984 wurde sie in einer Verzweiflungstat vom Stationsarzt niedergebrannt. Er war bereits drei Jahre hier eingesetzt und sollte noch ein viertes Jahr anhängen.

Antarktische Halbinsel, Paradise Bay, Almirante Brown
Antarktische Halbinsel, Paradise Bay, Februar 2016
die argentinische Station Almirante Brown mit Blick in die Bucht
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Seit den 1990er-Jahren bemüht sich Argentinien, die Ruinen zu beseitigen, um den Platz neu nutzen zu können. Heute ist die Station in den Sommermonaten zeitweise besetzt und verfügt über einen Souverniershop.

Antarktische Halbinsel, Paradise Bay
Antarktische Halbinsel, Paradise Bay, Februar 2016
faszinierende Eisformationen
Foto © www.bilderreisen.at/Monika Reinthaler (cc)

Neben der Station liegt Waterboat Point. Die Insel wurde 1898 von der Gerlach-Expedition entdeckt. Ein norwegisches Fabriksschiff setzte hier ein Boot an den Strand, um Trinkwasser auf das Schiff zu schaffen - daher der Name. 1920/21 wurde dieses Boot von den Briten Thomas Wyatt Bagshawe (1901-1976) und Maxime Charles Lester (1891-1957) als Unterkunft für ihre Überwinterung während der British Imperial Antarctic Expedition und ihre Pinguinstudien verwendet. Bagshawe verfasste die erste wissenschaftliche Studie zur Brutbiologie der Eselspinguine.

Lemaire-Kanal (65°04'S, 63°57′W)

Der Lemaire-Kanal gilt als eines der landschaftlich schönsten Gebiete der Antarktis. Die Berge, die den 13 Kilometer langen und an der schmalsten Stelle nur 520 Meter breiten Wasserweg einrahmen, sind mehr als 1000 Meter hoch. Der Kanal, der die Booth-Insel von der Antarktischen Halbinsel trennt, wurde 1873/74 vom Bremer Kapitän Eduard Dallmann (1830-1896) entdeckt.

Antarktische Halbinsel, Lemaire-Kanal
Antarktische Halbinsel, Lemaire-Kanal, Februar 2016
Einfahrt
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Seinen Namen erhielt er 25 Jahre später, als er vom belgischen Polarforscher Adrien de Gerlache (1866-1934) erneut durchfahren wurde, nach dessen Landsmann und Afrikaforscher Charles Lemaire (1800-1871).

Antarktische Halbinsel, Lemaire-Kanal
Antarktische Halbinsel, Lemaire-Kanal, Februar 2016
Ausfahrt am Abend etwa 21 Uhr
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Auch wenn man den Eindruck von einer in eisiger Kälte tiefgefrorenen Märchenlandschaft hat, der durch Eisberge noch verstärkt wird, leben hier am Ufersaum Eselspinguine, Krabbenfresser- und Weddellrobben. Seeleoparden treiben oft auf Eisschollen vorbei.

Petermann Insel (65°10'S, 64°10′W)

Die fast zwei Kilometer lange Petermann Insel wurde, wie der Lemaire-Kanal, 1873/74 von Eduard Dallmann entdeckt und nach dem Gothaer Geographen Dr. August Petermann (1822-1878) benannt. Petermann war Herausgeber der angesehenen Fachzeitschrift der Geographie, Petermanns Geographische Mitteilungen, die von 1855 bis 2004 im Verlag Justus Perthes in Gotha erschien.

Antarktische Halbinsel, Petermann Insel
Antarktische Halbinsel, Petermann Insel, Februar 2016
Panorama
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Auf der Insel gibt es Brutkolonien von Esels- und Adélie-Pinguinen sowie Blauaugenkomorane.

In einer kleinen Bucht der Insel, Point Circumcision, überwinterte 1909 der französische Polarforscher Jean-Baptiste Charcot (1867-1936) auf seiner zweiten Antarktis-Expedition mit dem Segeldampfschiff Pourquoi Pas? (Warum nicht?).

Port Lockroy (64°49'S 63°30'W)

Port Lockroy ist ein Naturhafen auf der Westseite des 29 Kilometer langen Wiencke Island im Palmer-Archipel. Die Insel wurde im Zug der Gerlach-Expedition 1897-99 entdeckt und erinnert an den norwegischen Matrosen Carl-August Wiencke (1877–1898), der bei dieser Expedition tödlich verunglückte.

Antarktische Halbinsel, Wiencke Island
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Entdeckt wurde Port Lockroy von der vierten Französischen Antarktisexpedition (1903–1905) unter Jean-Baptiste Charcot. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Naturhafen für britische Militäroperationen wie etwa die Operation Tabarin (benannt nach dem bekannten Pariser Nachtclub Bal Taberin) von 1944 genutzt. Damit sollten britische Ansprüche auf verschiedene unbewohnte Inseln und Gebiete der Antarktis angemeldet werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Basen der Operation Tabarin an den zivilen Falkland Islands Dependencies Survey (FIDS), später British Antarctic Survey (BAS), übergeben. Bis 1962 wurde hier eine britische Forschungsstation, Base A, betrieben.

Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Base 'A'
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Port Lockroy, Base 'A'
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Port Lockroy ist nach dem französischen Politiker und Vizepräsidenten der Abgeordnetenkammer, Édouard Lockroy (1840–1913), benannt, der Jean-Baptiste Charcot bei seinen Expeditionen unterstützte.

Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Base 'A', Bransfield House
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Port Lockroy, Base 'A', Bransfield House
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

1996/97 wurde das Bransfield House, das Haupthaus der Station, renoviert und als Museum (Historische Stätte HSM-61, ) eingerichtet. Der Souvernirshop dient gleichzeitig als „südlichstes Postamt der Erde” und wird vom United Kingdom Antarctic Heritage Trust betrieben. Die rund 70.000 Postsendungen werden über die Falklandinseln versandt und benötigen etwa 6-8 Wochen.

Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Postkarte
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Port Lockroy, Gruß vom südlichsten Postamt der Erde
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Neben dem Haupthaus war 1944 die Nissen-Hütte, ein Lagerhaus und Notunterkunft, errichtet worden. Während der 30-jährigen Nichtbenutzung der Station verfiel die Hütte und wurde 2010 als Unterkunft für die Saisonkräfte wieder aufgebaut. Davor wohnten sie im Kojenraum der Station, wo das Bett jedes Bewohners seine einzige Privatsphäre war.

Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Base 'A', Bransfield House
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Port Lockroy, Bransfield House, Kojenraum
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Port Lockroy ist einer der am meisten besuchten Orte in der Antarktis. In der Saison 2014/15 warten es 16.730 Passagiere auf 172 Kreuzfahrtschiffen - manchmal drei pro Tag.

Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Base 'A', Bransfield House
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Port Lockroy, Bransfield House, Aufenthaltsraum
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
Antarktische Halbinsel, Port Lockroy, Bransfield House, Marilyn Monroe
Antarktische Halbinsel, Wiencke Island, Februar 2016
Port Lockroy, Bransfield House, Bild von Marilyn Monroe
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Am 2. April 1946 bedrohte ein Tsunami die Station, die Welle überrollte die Hoch­wasser­marke um einen Meter und zerstörte eines der drei hölzernen Walboote. Der Ursprung des Tsunamis lag bei den Aleuten.

1957 besuchte Prinz Philipp, HRH The Duke of Edinburgh, Port Lockroy auf der königlichen Yacht Britannia im Zuge einer Australienreise. Heute ist der Hafen eine der beliebtesten Touristenattraktionen in der Antarktis. Etwa 18.000 Besucher kommen jährlich zwischen Anfang November und Mitte März nach Port Lockroy. Die Einnahmen aus dem kleinen Souvenirladen finanzieren die Erhaltung des Ortes und anderer historischer Plätze und Monumente in Antarktika.
Port Lockroy steht unter der Patronage von HRH The Princess Royal Prinzessin Anne.

Sechs Pinguin-Kolonien sind für Touristen zugänglich, vier Kolonien gesperrt. Nach zwölf Jahren Untersuchung wurde festgestellt, daß sich der Tourismus eher positiv auf die Pinguinkolonien auswirkt. Möglicherweise ein Grund dafür ist, daß die Raubmöven durch die Anwesenheit der Menschen vertrieben werden, die Pinguinküken und -eier erbeuten.

 

Dallmann Bay/Melchior Islands (64°19'S, 62°57'W)

Die kleine vergletscherte Inselgruppe der Melchior Islands liegt in der Dallmann Bay. Sie wurde 1873/74 vom deutschen Polarforscher Eduard Dallmann (1830-1896) entdeckt. Ihren Namen erhielt sie allerdings erst von der vierten Französischen Antarktisexpedition (1903–1905) unter Jean-Baptiste Charcot, der sie nach dem französischen Vizeadmiral Jules Bernard François Melchior (1844–1908) benannte.

Antarktische Halbinsel, Dallmann Bay
Antarktische Halbinsel, Dallmann Bay, Februar 2016
Melchior Islands
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Melchior Islands bestehen aus vier Hauptinseln - Gamma, Eta, Lambda und Omega - und einigen kleinen Nebeninseln. 1947 errichtete Argentinien seine erste Station an der Antarktischen Halbinsel auf Gamma Island. Damit sollten Gebietsansprüche gegenüber Großbritannien und Chile dokumentiert werden. Auf Lambda Island steht der 1942 errichtete argentinische Leuchtturm Primero de Mayo, der heute ein historisches Denkmal (Historische Stätte HSM-29) ist.

Antarktische Halbinsel, Dallmann Bay
Antarktische Halbinsel, Dallmann Bay, Februar 2016
Melchior Islands, argentinische Station auf Gamma Island
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

2003 entdeckte die Crew der MS Bremen einen schmalen Kanal im Norden der Omega-Insel. Der als Bremenkanal bekannte Kanal trennt die nördliche Omega-Insel von der Bremeninsel. Diese Entdeckung ist vermutlich eine Folge der Eisschmelze.

Antarktische Halbinsel, Dallmann Bay
Antarktische Halbinsel, Dallmann Bay, Februar 2016
Einfahrt in den Bremen-Kanal
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Weitere Anlandungen

Eine sehr gute Übersicht und Beschreibung zahlreicher weiterer Anlandungen auf der Antarktischen Halbinsel finden sich in den Reiseführern von Christine Reinke-Kunze und Christian Walther.

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