Antarktis: Reisetagebuch

Rund drei Wochen, vom 26.01.-17.02., geht es mit der MS HANSEATIC auf Expeditions-Kreuzfahrt in die Antarktis.

Mittwoch, 17.2. - Over and Out

Der Rückflug von Buenos Aires nach Frankfurt erscheint kürzer als der in die Gegenrichtung. Der Weiterflug nach Wien ist überpünktlich - und damit endet die Reise.
Viele Eindrücke und Fotos bleiben haften und wollen verarbeitet sein. Eine Reise in die Antarktis ist eine Reise an die Grenzen der Zivilisation. Man steht einer Welt gegenüber, die den Menschen nicht braucht, die nicht lebensfeindlich, aber menschenfeindlich ist. Man hat das Eis am Schiffsrumpf schaben gehört, Eisberge aus größtmöglicher Nähe gesehen, die Spuren der Entdecker gefunden und die Reste einer scheinbaren Zivilisation. Aber vor allem war man in nächster Nähe zu den eigentlichen Bewohnern dieser Weltregion, den Piguinen und Robben. Mehr Natur geht nicht.

Der nach Marketing klingende Begriff „Expeditionskreuzfahrt” hat durchaus seine Berechtigung. Für den Mitteleuropäer, Städter, Landmenschen ist es wie eine Expedition in unbekanntes, fremdes, ja unerforschtes Gebiet. Und im Gegensatz zu einer Kreuzfahrt bestimmt nicht der Kalender, sondern Wind und Wetter die Route und die Ziele.

Dienstag, 16.2. - Tag 22

Wetter

sonnig; Luft 32°C; Windstärke gering

Buenos Aires

Nun sind wir im argentinischen Sommer. Es ist heiß und schwül, die Umstellung vom antarktischen Sommer ist nicht leicht.
Der Vormittag steht für eine individuelle Besichtigung zur Verfügung. Wir besichtigen zu Fuß einige der relativ nahe liegenden Sehenswürdigkeiten: die Avenida 9 de Julio mit dem Obelisken; die Avenida de Mayo in Richtung Plaza Congresso mit dem Palacio Barolo, dem zweitältesten Café von Buenos Aires, dem „36 Billares” und dem Palacio del Congreso. In Richtung Osten stellt die Avenida de Mayo die Verbindung zur Casa Rosada, dem Regierungsgebäude her. Auf dem Weg dorthin liegt das älteste Café der Stadt, das 1858 gegründete Café Tortoni. Zurück geht es über die Avenida Florida. eine Fußgängerzone mit unzähligen Ständen und Geschäften. Da es den Banken noch immer nicht erlaubt ist, Geld zu wechseln, wird man ununterbrochen von Geldwechslern angesprochen. Auf diesem Devisenschwarzmarkt ist Vorsicht angebracht, da man auch Falschgeld oder ungültige Scheine bekommen kann.

Buenos Aires, Avenida 9 de Julio
Argentinien, Buenos Aires, Februar 2016
Obelisk auf der Avenida 9 de Julio
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Buenos Aires ist eine sehr grüne Stadt. Die Straßen - zumindest in den besseren Vierteln - sind von Bäumen gesäumt. Dort hat die Stadt auch ihr eigenes Flair mit den breiten Avenidas und den herrschaftlichen Gebäuden. Die Geschäfte allerdings sind meist Ramschläden, die Gehsteige in einem fast schon gefährlichen Zustand. Reichtum und Armut liegen dicht beieinander, auf der Plaza Congresso leben Obdachlose. Es ist eine sehr europäisch wirkende Stadt, der Verkehr ist überraschend diszipliniert, man hat nicht den Eindruck von Chaos. Sie erinnert etwas an Santiago de Chile.

Rückflug

Der Rückflug nach Frankfurt verlief wieder unspektakulär. Leider hatten wir diesmal keinen Fensterplatz, sondern Sitze in der Mittelreihe. Aber auch hier bewährte sich die Premium Economy Class, die das entscheidende Mehr an Platz bietet.

Montag, 15.2. - Tag 21

Wetter

bewölkt mit sonnigen Abschnitten; Luft 11°C und Wasser 6°C; Windstärke gering

Ushuaia

Um sechs Uhr früh erreicht die MS HANSEATIC Ushuaia. Nun sind wir wieder an den Ausgangspunkt der Antarktis-Reise zurückgekehrt, die damit zu Ende ist. Es folgen nur noch der Transfer nach Buenos Aires und dann morgen der Flug nach Frankfurt und schließlich nach Wien.
In Ushuaia haben wir die Gelegenheit, das in ein Museum umgewandelte ehemalige Gefängnis zu besuchen. Die Zellen wurden - zu entsprechend kleinen - Ausstellungsräumen umfunktioniert. Man bekommt einen Einblick in das Leben der Gefangenen, besonders im nicht adaptierten Zellentrakt 1, der im Originalzustand verblieben ist. Weiters befindet sich hier eine Ausstellung zu Flora und Fauna von Feuerland und der Antarktis, zu den (bedeutenderen) Antarktis-Forschern und -Expeditionen sowie Bilder einheimischer Künstler. Und natürlich zum Falkland-Krieg. Ein sehr interessantes Museum, leider ist die Zeit zu kurz, um sich mehr als einen Überblick zu verschaffen.

Argentinien, Ushuaia, Februar 2016
Museo Maritimo y Presidio
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Buenos Aires

Gegen Mittag hebt dann der Sonderflug der LAN nach Buenos Aires ab. Die Übernachtung erfolgt wieder im Hotel „Four Seasons”. Ein kleiner Spaziergang in der Umgebung, und dann geht es zum Abendessen wieder in das bewährte Restaurant „El Mirasol” mit seinen ausgezeichneten Steaks.

Sonntag, 14.2. - Tag 20

Wetter

bewölkt; Luft 4°C und Wasser 6°C; Windstärke 2-3, Wellen bis 2 Meter; am Nachmittag Windstärke 5-6, Wellen 4-5 Meter

Schiffsmeldung 17 - Drake Passage

Der Vormittag war für die Drake Passage überraschend ruhig. Der Vortrag von Dr. Arne Kertelhein war dem Evolutionsforscher Charles Darwin gewidmet, der eher zufällig mit der „Beagle” reisen und das Material sammeln konnte, mit dem er die Evolutionstheorie begründete und den Kreationismus auf den Kopf stellte. Ist bei manchen heute noch umstritten.
Darauf folgte eine etwas andere Darstellung der Pinguine von Frau Dr. Christine Reinke-Kunze. Sie stellte nicht die verschiedenen Pinguinarten nochmals vor, die wir auf der Reise gesehen hatten, sondern zeigte die - meist gar nicht wahrgenommene - umfassende Präsenz der Pinguinfigur in Literatur, Film, Werbung und als Label für unterschiedlichste Unternehmen, Geschäfte oder Lokale. Sie bezog sich überwiegend auf Deutschland und die Schweiz, so daß man einmal aufmerksam durch Österreich streifen wird.
Am Nachmittag, etwa 50 Seemeilen vor Kap Hoorn, nehmen Wind und Wellen merkbar zu. Noch etwa drei Stunden wird es dauern, bis das Schiff den schützenden Beagle-Kanal erreichen wird.

Samstag, 13.2. - Tag 19

Wetter

bewölkt; Luft 2,5°C und Wasser 4°C; wenig Wind, zeitweise Graupelschauer

Schiffsmeldung 16 - Kurs Ushuaia

Ein weiterer medizinischer Notfall erzwingt eine Anlandung in der chilenischen Basis Eduardo Frei auf King George Island, von wo aus der Patient nach Punta Arenas ausgeflogen werden kann.
Welch ein Unterschied zu unserer Anlandung vor zwei Tagen, die bei herrlichem Sonnenschein stattgefunden hat. Heute hingegen ist es trüb und wolkenverhangen, zeitweise gibt es einen Graupelschauer. Da möchte man sich nicht dort aufhalten. Ein wenig entsteht eine Endzeitstimmung.

King George Island
Antarktis, King George Island, Februar 2016
ehemalige Walverarbeitungsanlage
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Gegen Mittag nimmt das Schiff endgültig Kurs auf Ushuaia und damit auf das offene Meer. Bei Windstärke 3-4 ist die Dünung zwar gering, aber doch spürbar. Rund 500 nautische Meilen und zwei Seetage liegen vor uns.
Auf See gibt es ja immer wieder die Expertenvorträge. Diesmal erzählt Frau Dr. Reinke-Kunze von einer eher unbekannten Expedition, der schwedischen Nordenskjöld Expedition, die in drei Gruppen von 1901-1903 in der Antarktis überwinter musste.

Abschied

Nun spürt man deutlich, daß sich die Reise ihrem Ende nähert. Am Nachmittag gibt es Erläuterungen zum Abreiseprozedere: die Koffer müssen gekennzeichnet werden, sie werden automatisch zum Sonderflug nach Buenos Aires verladen und dort wieder in Empfang genommen. Dann kommen sie dort in ein Lager und werden am nächsten Tag persönlich für den Flug nach Frankfurt eingecheckt.
Um 18:30 Uhr gibt es dann einen Farewell Cocktail mit Kapitän Thilo Natke. Und anschließend dann das Farewell Dinner. Am späteren Abend unterhält der Hanseatic Crew Chor mit Liedern und Shanties. Der Erlös aus der Tombola kommt den Crewmitgliedern zugute, da es ja auf diesem Schiff kein sogenanntes „Service-Entgelt” gibt. Ein sehr stimmungsvoller Abschied.

Freitag, 12.2. - Tag 18

Wetter

Strahlender Sonnenschein; Luft 3,5°C und Wasser 4°C; praktisch kein Wind; ab dem Nachmittag bewölkt

Schiffsmeldung 15 - Port Lockroy

Bei herrlichem Sonnenschein, umgeben von einem atemraubenden Panorama verschneiter Berge und Gletscher, landen wir in der ehemaligen britischen Antarktisstation Port Lockroy. Sie wurde bis 1962 betrieben und ist seit 1996 die Historische Stätte HSM-61, betrieben vom „United Kingdom Antarctic Heritage Trust”. Es gibt ein Museum, das das nicht eben einfache Leben hier in den 1950/60er-Jahren aufbereitet, einen Souverniershop, mit dessen Erträgen der Erhalt der historischen Stätte finanziert wird, und ein Postamt.

Goudier Island, Port Lockroy
Grahamland, Goudier Island, Februar 2016
ehemalige britische Station Port Lockroy
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Am zugehörigen Goudier Island gibt es natürlich auch Pinguine. Hier werden die Auswirkungen des Tourismus auf sie studiert, und eines der Ergebnisse ist, daß die Touristen den Pinguinen einen gewissen Schutz vor den Raubmöven (Skuas) bieten.
Um das Schiff herum beginnt sich ein Eisgürtel aus kleineren Eisschollen zu bilden. Damit kann man sich den Vorgang, der bei den früheren Segelschiffen zum Einfrieren geführt hat, irgendwie vorstellen - auch wenn für die MS HANSEATIC natürlich diese Gefahr nicht besteht.

Abschied

Am Nachmittag heißt es Abschied nehmen von der antarktischen Landschaft: den schroffen weißen Bergen, den Gletschern, den Eisbergen, aber auch von den Pinguinen und Robben. Da sich hier kein Landeplatz anbietet, gibt es leider nur eine Zodiac-Tour um die neuentdeckte Insel Bremen. Eine letzte Anlandung wäre natürlich schöner gewesen.

Donnerstag, 11.2. - Tag 17

Wetter

Bewölkt/nebelig; Luft 1°C und Wasser 4°C; schwacher Wind, geringe Dünung; am Abend sonnig

Schiffsmeldung 14 - Paradise Bay

Paradise Bay liegt an der Westseite der antarktischen Halbinsel und ist ein vergletschertes Gebirgspanorama. Die Anlandung erfolgte bei der in die Jahre gekommenen argentinischen Station „Almirante Brown”, die man nicht besichtigen kann. Zum zweiten Mal betreten wir hier den antarktischen Kontinent. Leider mag sich der Nebel nicht nachhaltig heben, so daß das Panorama nicht gut zur Geltung kommt.

Petermann-Insel

Durch den Lemaire-Kanal, einer Meerenge zwischen der antarktischen Halbinsel und dem vorgelagerten Booth Island, fährt die MS HANSEATIC durch mit Eisschollen bedecktes Wasser zur Anlandung auf der Petermann-Insel. Hier gibt es eine argentinische Schutzhütte sowie Esels- und letztmalig Adélie-Pinguine. Es ist der südlichste Punkt unserer Reise, dann geht es wieder zurück nach Norden.

Lemaire-Kanal
Antarktis, Lemaire-Kanal, Februar 2016
ein unwirklich schöner Sonnenuntergang
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Am Abend beschert uns der Sonnenuntergang unwirklich schöne Bilder vom Lemaire-Kanal.
Leider scheint es hier keinen Kontakt zum Sateliten zu geben (23:30 Uhr lokale Zeit), daher wird sich das Hochlanden verzögern.

Mittwoch, 10.2. - Tag 16

Wetter

Bewölkt/nebelig; Luft 1,5°C und Wasser 4°C; schwacher Wind, geringe Dünung

Schiffsmeldung 13 - King George Island

Zwei medizinische Notfälle erforderten eine ungeplante Anlandung bei der chilenischen Station „Eduardo Frei” auf den Südshetlandinseln, die über eine Landepiste verfügt. Der Abtransport verlief gut.
Wir anderen besuchten die chilenische und danach die unmittelbar daneben liegende russische Station. Auch eine kleine deutsche Einrichtung ist dort untergebracht.

Deception Island

Deception Island ist ein aktiver, eingebrochener Vulkan mit einer Caldera, in die man durch die schmale Einfahrt Neptune's Bellow gelangt. Die Walfangstation in Whaler's Bay wurde 1906 errichtet, die britische Forschungsstation Biscoe-House 1944. Sie diente bis zu ihrer teilweisen Zerstörung durch einen Vulkanausbruch 1969 auch als Station für Flüge der „British Antarctic Survey”. Der Hangar am Nordende der Bucht ist noch erhalten.

Deception Island, Whaler's Bay
Deception Island, Whaler's Bay, Februar 2016
Reste der britische Forschungsstation Biscoe-House
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Von Deception Island startete am 20. Dezember 1928 auch der erste Flug über die antarktische Halbinsel des Australiers Hubert Wilkins.
Mutige können in der Bucht bei 10° Wassertemperatur auch ein Bad nehmen - was sich einige Mitreisende nicht entgehen ließen.

Dienstag, 9.2. - Tag 15

Wetter

Am Morgen nebelig; Luft 1,5°C und Wasser 4°C; schwacher Wind, geringe Dünung; ab dem Nachmittag sonnig

Schiffsmeldung 12 - Antarctic Sound

An der Spitze der Antarktischen Halbinsel gibt es bei dichtem Nebel die einzige Möglichkeit für uns, den Kontinent Antarktika zu betreten. Alle anderen Anlandungen erfolgen auf Inseln. Es ist eine etwas unheimliche Athmosphäre, im dichten Nebel zwischen kleinen Eisbergen mit den Zodiacs zu fahren. Schon nach kurzer Fahrt ist das Schiff im Nebel verschwunden, und es ist nicht vorstellbar, wie man hier die Orientierung behalten kann. Aber der Zodiac-Fahrer bringt uns sicher zur Ladungsstelle und auch wieder zurück zum Schiff.
Alle halbwegs ebenen Flächen sind von Pinguin-Kolonien bedeckt, hauptsächlich sind es Adélie-Pinguine. Sie riechen recht streng.

Paulet-Island

Bie prächtigem Sonnenschein erfolgt am späteren Nachmittag die Anlandung auf Paulet-Island, einer kleinen Vulkaninsel von knapp 2 Kilometern Durchmesser. 40 Kilometer vor der Insel sank am 12. Februar 1903 das Expeditionsschiff „Antarctic”. Die Besatzung musste auf der Insel überwintern. Heute bewohnen etwa 120.000 Brutpaare der Adélie-Pinguine die Insel.

Antarctic Sound, Paulet Island, Tafeleisberg
Antarctic Sound, Paulet Island, Februar 2016
Tafeleisberg vor Paulet Island
Foto © www.bilderreisen.at/Monika Reinthaler (cc)

Im Meer rund um die Insel treiben unzählige Eisberge verschiedener Größe, darunter auch ein Tafeleisberg von rund 30 Metern Höhe und 300 Metern Länge. Auf manchen, die dann nur noch die Größe einer Eisscholle haben, stehen ein paar Pinguine.
Am Abend fährt das Schiff durch den Antarctic Sound zurück und nimmt Kurs auf das Weddellmeer.

Montag, 8.2. - Tag 14

Wetter

Nebelig; Luft 2,5°C und Wasser 4°C; schwacher Wind, geringe Dünung

Schiffsmeldung 11 - Elephant Island

Nach drei Tagen auf See sehen wir endlich wieder Land, auch wenn es nur zwei kleine einsame Inseln sind. Anlandung und Landgang gibt es nicht, die Inseln haben nur wenige Strände, und die sind von Pinguinen und See-Elefanten besetzt.
Die Zodiac-Rundfahrt führt zu der kleinen Bucht und dem schmalen Strand von Point Wild, wo Shackeltons 22 Männer vier Monate lang auf ihre Rettung warteten - immer in der Ungewissheit, ob diese jemals eintreffen würde. Zwei umgedrehte Rettungsboote waren ihre Behausung und ihr Schutz vor Wind, Regen und Schnee. Wenn man mit dem Zodiac, der ungefähr die Größe eines Rettungsbootes hat, über das eisbedeckte Meer zu dieser Bucht fährt, bekommt man eine schwache Ahnung von dem, was die Männer dort erlebt und ausgehalten haben. Und man gewinnt ein klein wenig eine Vorstellung von der einzigartigen Leistung, in so einem Boot bei Sturm und ohne Sicht eine 1400 Kilometer lange Fahrt zu wagen. Eine Granitsäule erinnert daran.
Der Nebel hat sich ein wenig gehoben, man sieht die Spitzen der Berge mit ihren Schneefeldern, die Kolonien der Zügel-Pinguine, die sich auf den wenigen, halbwegs geraden Flächen drängen, und die hohe steile Abbruchkante eines großen Gletschers. Im Wasser treiben kleinere Eisberge. Im Gegensatz zu den Königspinguin-Kolonien riecht es hier sehr streng. Im Wasser schwimmen auch einige Wale.

Scotia-See, Elephant-Island
Scotia-See, Elephant-Island, Februar 2016
Eisberge vor Cape Wild
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die MS HANSEATIC beabsichtigt nun, die 32 Seemeilen um die Insel herum bis zur Südspitze nach Cape Valentine zu fahren, jener Ort, an dem Shackelton zuerst anlanden wollte.

Ersttäter

Alle Reisenden, die zum ersten Mal mit der MS HANSEATIC fahren, werden zu einem Abendessen mit den leitenden Offizieren eingeladen. Es sind überraschend wenig Erstreisende, Kreuzfahrten und das Schiff dürfen ein hohes Wiederholungspotential haben. Ein netter Abend, der die Gelegenheit bietet, mit den Menschen hinter den Kulissen zu sprechen, die letztendlich diese Reise ermöglichen.

Sonntag, 7.2. - Tag 13

Wetter

Nebelig; Luft 4°C und Wasser 6°C; Windstärke 4, Wellen (Dünung) bis 4 Meter

Schiffsmeldung 10 - Kurs Elephant Island

Der dritte Tag in Folge auf See. Und wenn auch der Wind nachgelassen hat, das Schiff ruhiger fährt, ist die Dünung noch immer beachtlich. Derzeit befindet sich das Schif gleich weit von den Falkland-Inseln, Südgeorgien und Elephant Island entfernt.
Die Journalistin Dr. Christine Reinke-Kunze stellt Antarktika als den Kontinent der Superlative vor: am einsamsten (die Südspitze Südamerikas ist 1000 Kilometer entfernt), kältesten (knapp -90°C wurden hier gemessen), trockendsten (nur etwa 50 Milimeter Niederschlag im Jahr, in der Sahara gibt es 250 Milimeter), eisreichsten (90% der Süßwasser-Vorräte der Erde konzentrieren sich hier), stürmischten (Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h sind hier keine Seltenheit), friedlichsten (im Antarktis-Vertrag wurden alle Gebietsansprüche bis 2041 zurückgestellt) und menschenleersten (im Sommer leben hier rund 4000 Personen, im Winter knapp 1000). Es gibt bis zu 4000 Meter hohe Berge und über 1000 Meter tiefe Täler, eine bis zu 2000 Meter dicke Eisdecke, bis zu 300 Kilometer lange Tafeleisberge und und. Eine beeindruckende, faszinierende und völlig fremde Welt, in der der Mensch nur ein geduldeter Gast ist.

Leider ist jetzt zur Mittagszeit die Internetverbindung nicht wirklich verfügbar...

Immer wieder Shackleton

Zu Ehren von Sir Ernest Shackleton, dessen Zuflucht Elephant Island - was wir morgen früh erreichen sollten - war, gab es am Abend ein „Shackleton Dinner” im Marco Polo Restaurant. Natürlich hat es keine historischen Wurzeln, und zum Glück gab es nichts von den Dingen, die er und seine Männer essen mussten - Pinguin- und Robbenfleisch. Wobei ich nicht weiß, ob das überhaupt zugelassen und eßbar wäre. Aber es war ein sehr gutes Abendessen, und morgen werden wir voraussichtlich die Bucht sehen, in der seine Männer Monate lang auf die Rettung warten mussten.

Samstag, 6.2. - Tag 12

Wetter

Bewölkt; Luft 6°C und Wasser 4°C; Windstärke 4-6, Wellen durchschnittlich 4 Meter, aber bis 6 Meter möglich; am Nachmittag sonnig

Schiffsmeldung 9 - Kurs Elephant Island

Scotia Sea
Scotia Sea, Februar 2016
Die Dünung vor dem Kabinen-Bullauge
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Gegenüber gestern hat sich eigentlich wenig verändert. Das Schiff stampft durch eine mittelrauhe See, fährt aber etwas schneller.
Der Expeditionsleiter Dr. Arne Kertelhein stellte drei eher unbekannte deutsche Antarktisforscher vor: Drygalski, Filchner und Ritscher. Der erste wurde noch von Kaiser Wilhelm II. unterstützt, der zweite vom bayrischen Regenten Luitpold und der dritte 1938/39 von Hermann Göring und Nazideutschland. Alle drei leisteten durchaus wertvolle Forschungsarbeit. Aber keine der Expeditionen verlief spektakulär, so daß sie wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielten und nicht fortgesetzt wurden. Die dritte Expedition ist der Quell zahlreicher Verschwörungstheorien, deren Kern eine geheime Basis der Nazis in der Antarktis ist. Auftrieb erhielten diese Theorien durch die amerikanische Expedition Highjump, bei der 1946/47 5000 Mann sowie zahlreiche Schiffe und Fahrzeuge eingesetzt wurden. Ihr Zweck war jedoch eher eine Machtdemonstration gegenüber der Sowjetunion - es war ja die Zeit des Kalten Krieges.
Nach der ursprünglichen Planung sollten wir erst jetzt von Südgeorgien zu den Südshetland-Inseln unterwegs sein, aber das Wetter hat uns drei Seetage beschert. Wäre die See ruhiger, wären sie durchaus erholsam - aber dann wären wir auch nicht unterwegs.
Drei Seetage erfordern natürlich eine Art Unterhaltungsprogramm für die Passagiere. Zurückgehend auf den schwedisch-amerikanischen Reise­unternehmer und Entdecker Lars-Eric Lindblad, der das so genannte „Lindblad-Modell“ entwickelte, gibt es auf Antarktis-Kreuzfahrten ja kein Animationsprogramm, sondern Expertenvorträge. Und zusätzlich gab es am Abend eine Dokumentation zur Reise von Ernest Shackelton mit der Endurance. Elephant Island, von wo aus er mit einem Rettungsboot nach Südgeorgien aufbrach, ist ja auch unser nächstes Ziel. Aber wir unternehmen die Reise in umgekehrter Richtung - und unvorstellbar komfortabler.

Der Meeresboden...

... sei glatt und flach wie der einer Badewanne, dachte man lange Zeit. Zwar wollten schon die alten Ägypter die Wassertiefe kennen, und etwa 2000 v.Chr. sind die ersten Handlote nachgewiesen. Auch die Wikinger verwendeten Handlote. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Lotmaschine entwickelt, bei der eine Dampfmaschine zum Einsatz kommt. Mit den Tiefenmessungen war es möglich, Seekarten mit entsprechenden Tiefenangaben zu zeichnen. Das Echolot, mit dem die Wassertiefe mittels Schall gemessen wird, ist eine Erfindung des Mecklenburgers Alexander Behm (1880-1952). Deshalb hieß das Gerät ursprünglich Behmlot. Heute muß jedes Schiff über 300 BRT über ein Navigationslot (Echolot) verfügen. Der Kartographierung des Meeresbodens ist eine Wanderausstellung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel gewidmet.

Freitag, 5.2. - Tag 11

Wetter

Bewölkt; Luft und Wasser 4°C; Windstärke 4-6, Wellen durchschnittlich 4 Meter, aber bis 6 Meter möglich

Schiffsmeldung 9 - Kurs Elephant Island

Von Elephant Island brach Shackelton zur Rettung seiner Männer zum 800 Seemeilen entfernten Südgeorgien auf, in einer Nußschale auf einer stürmischen See. Eine unvorstellbare Leistung.
Denn die Naturgewalten spürt man auch deutlich an Bord der MS HANSEATIC, mit der wir die Strecke in umgekehrter Richtung fahren. Wobei das Schiff zunächst einen Hacken Richtung Falkland-Inseln schlägt, um einem Sturmtief auszuweichen. Lila in fast der höchsten Stufe auf den Wetterkarten eingezeichnet halten wir uns im gelben Bereich, immer noch stürmisch genug. Zu den fast schon gewohnten Schwankungen - oben, unten, backbord, steuerbord - ist eine neue hinzugekommen. Ein Stakkato an kurzen Wellen, wie wenn das Schiff über eine Schwelle fahren würde. Der ganze Schiffsleib erzittert, für einen Augenblick scheint er zu schweben. Es herrscht plötzliche Stille, als wenn die Motoren ausgesetzt hätten, bis das Schiff mit einem lauten Knall wieder ins Meer eintaucht. Unheimlich, und für etliche Mitreisende beeinträchtigend.
Der Tag auf See - morgen folgt ein Zweiter, denn mehr als 800 Seemeilen wollen zurückgelegt werden, und die Geschwindigkeit des Schiffes beträgt rund 13 Knoten - bringt wieder einige interessante Vorträge der Lektoren. Darunter der Vortrag von Dr. Gerd Hoffmann-Wieck, der über die Geschichte des Echolots, Wegeners Kontinental­verschiebungstheorie und die Plattentektonik referiert und zeigt, wie diese Themen ineinander verschränkt sind. Trockenes Thema, aber hochinteressant.
2014 durchquerte die MS HANSEATIC als erstes deutsches Schiff die Nordostpassage. Von dieser Reise gibt es eine Schilderung durch den Kapitän und eine Bilderschau.
Insgesamt doch ein Ruhetag - wenn nicht der Wind und das Schaukeln wären...
Hatte es beim Abendessen noch so ausgesehen, als würde der Wind nachlassen, so hat man jetzt um 23 Uhr Ortszeit das Gefühl, er ist wieder stärker geworden. Das Schiff schlägt fast beunruhigend hart auf.

Donnerstag, 4.2. - Tag 10

Wetter

Vormittags sonnig, nachmittags bewölkt, am Abend Regen; Luft und Wasser 4°C; Windstärke 4, am Abend zunehmend

Schiffsmeldung 8 - Expeditionstag

Da wir ein abziehendes Tief abgewartet und damit ungefähr einen Halbtag Verspätung haben, gibt es heute drei Anladungen in Südgeorgien: am Morgen Salisbury Plain, gegen Mittag Stromness und am Nachmittag schließlich Grytviken.

Salisbury Plain

Zum ersten Mal greift die Regel, daß sich immer nur bis zu 100 Personen gleichzeitig an Land befinden dürfen. Somit werden von den vier Zodiac-Gruppen jeweils zwei zusammengefasst, was rund 80 Personen an Land ergibt. Erst wenn die der ersten Gruppe wieder an Bord sind, dürfen die nächsten an Land.
Salisbury Plain ist eine Bucht an der Ostseite Südgeorgiens, die die zweitgrößte Kolonie von Königspinguinen beherbergt - etwa 200.000. Aufgrund des 14-monatigen Aufzucht-Zyklus der Königspinguine gibt es sie hier in allen Altersstufen - vom Ei bis zum Altpinguin. Die Jungen vor der Mauser - erkennbar am braunen Wollkleid - sind noch nicht flügge und stehen in einer großen Gruppe beieinander, wie in einem Kindergarten. Auch die älteren bilden meist Paare oder Gruppen und trompeten in die Welt. Die Kolonie zieht sich vom Strand bis weit ins Hinterland, so daß die Pinguine weite Strecken zu Fuß zum Meer, das ihnen Nahrung bietet, zurücklegen müssen. Denn sie können ja nicht fliegen. Unbeholfen tapsen sie durch die Gegend, aber immer würdevoll. Ein zielorientiertes Verhalten ist für Menschen jedoch nicht erkennbar.
Am Strand tummeln sich dazwischen Seerobben. Auf sie sollte man ein Auge haben und genügend Abstand einhalten. Vor allem die Jungen wirken sehr neugierig und kommen näher, so daß man manchmal fürchtet, angeknabbert zu werden. Bleibt man jedoch ruhig stehen, verlieren sie das Interesse.
Eine sehr naturnahe und beeindruckende Anlandung. Königspinguine gibt es nicht so oft zu sehen. Was aber überrascht hat: sie stinken nicht bemerkenswert!

Südgeorgien, Salisbury Plain, Königspinguine
Südgeorgien, Salisbury Plain, Februar 2016
Kolonie der Königspinguine
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Stromness

Stromness ist eine der sechs Walverarbeitungsstationen in Südgeorgien, in denen im 19. und 20. Jahrhundert die Wale verarbeitet und schließlich ausgerottet wurden. Die verrostenden Ruinen sind asbestverseucht und dürfen nicht betreten werden. Das Gebiet wurde von einer großen Seebärenkolonie zurückerobert. Hier sollte man sehr vorsichtig sein, denn die Tiere können durchaus agressiv reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen. Auch auf die Skuas (Raubmöven) sollte man achten.
Stromness ist jene Station, die Ernest Shackelton 1912 mit zwei Männern auf seiner abenteuerlichen Rettungsmission schließlich erreichte, in einem 36-stündigen Fußmarsch von der Westküste. Durch den etwa zwei Kilometer entfernten Wasserfall seilten sie sich ab und kamen dann zum Haus des Verwalters, von dem aus die weiteren Rettungsmaßnahmen organisiert wurden.
Ebensfalls eine beeindruckende Anlandung auf einem Gelände, das als historisches Kulturgut zwar geschützt ist, aber aus finanziellen Gründen dem Verfall preisgegeben wird.

Grytviken

Man würde es nicht vermuten, aber Südgeorgien hat eine Hauptstadt: Grytviken. Denn Südgeorgien ist zwar britisch, aber eigentlich unabhängig wie die Falkland-Inseln, nur die Außen- und Verteidigungspolitik wird von Großbritannien wahrgenommen. Der Gouverneur residiert in Stanley und ist, obwohl die beiden Staaten keine Beziehungen haben, gleichzeitig der Gouverneur der Falklands. Eben eine typisch britische Konstruktion.
Grytviken besteht vor allem aus der Anfang des 20. Jahrhunderts von Carl Anton Larsen, einem Norweger, gegründeten Wahlverarbeitungsstation. Sie ist ebenfalls ein geschütztes historisches Kulturgut, wird aber instand gehalten und kann daher besichtigt werden. Neben der eigentlichen Station mit ihren Ölkesseln und Verarbeitungseinrichtungen gibt es ein Postamt, ein kleines Walfangmuseum und einen Souvenirshop sowie eine anglikanische Kirche von 1913. In der Bucht liegen mehrere Wracks. Das Verwaltungszentrum selbst, in dem sich auch eine Forschungsstation befindet, liegt etwa einen Kilometer entfernt am Ende der Bucht am „King Edward Point”. Bis vor einigen Jahren befand sich hier auch eine Militärbasis, die jedoch inzwischen aufgegeben wurde. Im antarktischen Winter leben hier etwa zehn Personen.
Im kleinen Friedhof, wo zahlreiche Walfänger begraben sind, befindet sich auch das Grab von Sir Ernest Shackleton, der hier auf seinem Schiff „Quest” 1925 einem Herzinfarkt erlag. Die Beisetzung in Südgeorgien erfolgte auf Wunsch der Witwe. Traditionell wird von den ankommenden Schiffen der Person Shackletons in einer kleinen Rede gedacht und ein Glas Rum auf ihn getrunken. Neben Shackelton ruht sein Stellvertreter und wichtigster Begleiter Frank Wild, der von England hierher überführt wurde.
Für alle, die an historischen Relikten der Kulturlandschaft interessiert sind, ist die Anlandug in Grytviken einer der Höhepunkte der Reise. Die verrostenden Überreste einer Industrie, die teilweise notwendig war, in ihrer Gier aber zum beinahe Aussterben einer Spezies geführt hat, beeindrucken nachhaltig mit ihrer Maßlosigkeit. Und doch war es eigentlich nur der Arbeitsplatz für 1000 Menschen.
Wenn das Schiff dann wieder ausläuft und man vom Deck noch einmal auf Grytviken und King Edward Point blickt, stellt sich schon die Frage, ob man hier wohl leben könnte, es aushalten würde. Denn es ist hier, Sommers und vor allem Winters, unvorstellbar einsam, die Zivilisation 1.400 Kilometer entfernt. Ja, die neu gebauten Häuser sind bunt und leuchtend, über den Sateliten ist man irgendwie mit der Welt verbunden - aber würde das genügen? Selten begreift man die Kleinheit des Menschen so gut...

Südgeorgien, Grytviken
Südgeorgien, Grytviken, Februar 2016
Blick vom Friedhof zum Ort
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Mittwoch, 3.2. - Tag 9

Wetter

Bewölkt, Wind abflauend auf Windstärke 4, Luft und Wasser 4°

Schiffsmeldung 7 - Kurs Südgeorgien

Der sehr interessante Vortrag „Südgeorgien - das Kronjuwel” stellt diese abgelegene, aber wohl faszinierende Insel vor. Auf einer Länge von 160 und einer Maximalbreite von 30 Kilometern befinden sich mehrere (aufgegebene) Walfangstationen, die Administration der Insel und das Grab von Ernest Shackelton. Vor allem aber lebt hier die größte Population von Königspinguinen, deren Zahl auf etwa 400.000 geschätzt wird.
Anschließend daran gibt es eine Pflichtveranstaltung für alle Gäste: Einführung in die Regeln und Verhaltensweise der Antarktis, die im IAATO-Vertrag festgelegt sind und dem Schutz von Fauna und Flora dienen. Für Südgeorgien, das in einem weiten Sinn britisch ist, muß man die Kenntnisnahme unterschreiben - ansonsten darf man nicht an Land. Kontrolliert wird auch die Überbekleidung auf Samenreste und dergleichen, damit man nichts einschleppt.

Scotiasee, Shag Rocks
Scotiasee, Kurs Südgeorgien, Februar 2016
Shag Rocks
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Mitten im Nirgendwo der Scotiasee ragen die Shag Rocks aus dem Meer. Die drei kleinen steilen Felsen sind die Heimat zahlreicher Seevögel. Bisher hat sie nur ein einziger Mensch betreten, der mit einem Hubschrauber von einem Schiff anlandete und einige Stunden blieb.
Ansonsten bietet der Tag auf See noch einen Vortrag über Zahnwale und eine Vorschau auf die drei vorgesehenen Anlandungen, die für morgen auf Südgeorgien geplant sind.

Dienstag, 2.2. - Tag 8

Wetter

Vormittags bewölkt, 4°C Luft und Wasser, Wind 30 Knoten, Wellenhöhe 4-6 Meter; nachmittags sonnig, Luft 6°, Wasser 4°, Wind 6 Beaufort, Wellen 4 Meter

Schiffsmeldung 6 - Auf See

Heute könnte man von einem Erholungstag auf See sprechen - wenn die See nicht etwas rauh und unruhig wäre. Überall am Schiff finden sich die entsprechenden Tüten, man wankt durch die Gänge wie betrunken. Der Speisesaal wirkt zu Mittag etwas leerer.
Ansonsten gibt es interessante Vorträge: über Sir Ernest Shackleton, der ja auf Südgeorgien gestorben ist; über Bartenwale und die Geologie Südgeorgiens. Eben ein Tag auf See...

Montag, 1.2. - Tag 7

Wetter

Sonnig, 12,5°C, windig bei Windstärke 3 aus Nord/Nordwest; am Nachmittag zunehmend

Zwei Seetage von Südgeorgien entfernt macht ein dort aufziehendes Sturmtief mit Windstärke 10 eine Fahrplanänderung notwendig. Um erst hinter dem Sturm einzutreffen, wird die Abfahrt um einen Halbtag verschoben und Bleaker Island angesteuert.

Schiffsmeldung 4 - Bleaker Island

So gibt es am Vormittag eine Anlandung auf Bleaker Island / Ostfalkland-Inseln. Auf der 2070 ha großen, 19 Kilometer langen und 2,5 Kilometer breiten Insel gibt es 49 Vogelarten, darunter Magellan-, Esels- und Felsenpinguine. Auf der Insel gibt es eine kleine Farm, wo man auch Zimmer mieten kann. Die flache Heidelandschaft lädt zu Spaziergängen.

Falkland-Inseln, Bleaker Island
Falkland-Inseln, Ostfalkland, Februar 2016
Bleaker Island
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Schiffsmeldung 5 - Unterwegs nach Südgeorgien

Um 13 Uhr fährt die MS HANSEATIC los mit Kurs auf Südgeorgien, 748 nautische Meilen und zwei Seetage entfernt.

Sonntag, 31.1. - Tag 6

Ostfalkland - Stanley

Wetter

Sonnig, 15°C, windig

Die Falkland-Inseln bestehen aus rund 200 Inseln, von denen die wichtigsten West- und Ostfalkland mit je etwa 6.000 km² sind. Zwischen West- und Ostfalkland verläuft der Falklandsund. Die Hauptstadt Stanley liegt an der Ostküste von Ostfalkland.
Gegen 8 Uhr erreichen wir den Hafen von Stanley, und um 9 Uhr beginnt die Ausschiffung, diesmal mit dem Tender. Das bedeutet: keine Gummistiefel und keine Regenhose. Der Tag ist zur freien Verfügung, zwischen Schiff und Hafen gibt es einen Tendershuttle, und das letzte Boot fährt um 18:30 Uhr zurück. Also Zeit genug, sich die hübsche Hauptstadt genauer anzusehen und einen Ausflug mit einem Taxi zu machen.

Stanley, Kathedrale
Falkland-Inseln, Stanley, Januar 2016
Die südlichste Kathedrale der Welt
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Gypsy Cove

Wir finden einen netten Fahrer - leider nicht mit einem Landrover, sondern einem japanischen Jeep -, der uns für 25 Pfund nach Gypsy Cove bringt. Eine nette kleine Bucht, wo man in der Heidelandschaft eine knapp halbstündige Rundwanderung machen kann. Ein paar Pinguine stehen herum, und am Ende der Bucht liegt ein Seelöwe auf einem Stein. Da die meisten Mitreisenden wohl zuerst eine Stadtbesichtigung machen, treffen wir nur wenige andere Besucher.
Auf der Rückfahrt kommen wir am Wrack der „Lady Elizabeth” vorbei, die 1913 nach der Umrundung von Kap Hoorn beschädigt in Stanley eingelaufen war. Aufgrund der hohen Kosten wurde sie nicht repariert und 1936 an ihre derzeitige Position verblasen.
Anschließend fährt uns der Fahrer zu einer kleinen Ausstellung von Walskeletten. Obwohl es sich dabei wohl nicht um die größten Wale handeln mag, sind Kopf und Kiefer beeindruckend mächtig.

Stanley

Zurück in Stanley beginnen wird die Besichtigungstour. Alle Sehenswürdigkeiten (und Souveniershops) liegen entlang der Ross Road, der Hauptstraße des Ortes, in westlicher Richtung. Sehenswert sind die südlichste Kathedrale, ein Stein-Ziegel-Bau, eine Skulptur aus Walknochen, die katholische Kirche, der Sitz des Gouverneurs (vor allem sein Garten), und natürlich die Denkmäler zum Falkland-Krieg 1982, darunter auch eine Büste von Margaret Thatcher. Sie entschied damals, die Besetzung der Inseln durch Argentinien nicht hinzunehmen, und schickte die englische Flotte zu den 13.000 Kilometer entfernten Falkland-Inseln.
So blieben die Falklands britisch, und sie sind das bis in die Knochen. Stanley unterscheidet sich von einer englischen Kleinstadt nur dadurch, daß die Häuser und Dächer bunt sind. Seit dem Krieg hat sich die Bevölkerung verdreifacht, die Arbeitsplätze ziehen Menschen aus aller Welt an. Interessanterweise haben sich auch einige Argentinier hier niedergelassen...

Samstag, 30.1. - Tag 5

Schiffsmeldung 2: New Island

Schon um 8 Uhr früh steht die erste - und hier allererste - Anladung auf dem Programm: New Island / Westfalkland-Inseln. Die Falkland-Insel bestehen ja aus den zwei Hauptinsel West und Ost, und aus zahlreichen kleinen vorgelagerten Inseln.
Unsere erste Zodiac-Anladung erfolgt bei ruhiger See. Die gelernte Theorie des Vortages und Vortrages über Zodiac-Fahrten haben wir hier in die Praxis umgesetzt. Es ist alles neu, aber es macht nicht große Probleme. Gummistiefel, Parka und Regenhose sind wichtige Utensilien. Denn das Zodiac kann nur bis zu einer bestimmten Wassertiefe fahren, dann heißt es aussteigen und durch das Wasser waten. Auch unterwegs wird man durch Spritzwasser manchmal etwas naß.
Auf einer rund 20-minütigen Wanderung über New Island kommt man zu einer Steilklippe mit einer großen Felsenpinguin-Kolonie. Diese Pinguine sind nicht sehr groß, aber sehr possierlich. Der Nachwuchs drängt sich schon im „Kindergarten”, wo die Kleinen auf Futter warten. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis sie selbst ihr Futter finden können - und müssen. Denn der Sommer nähert sich seinem Ende und dann müssen sie alleine überlebensfähig sein.

Falkland-Inseln, New Island, Junge Felsenpinguine
Falkland-Inseln, Westfalkland, Januar 2016
Junge Felsenpinguine im „Kindergarten” auf New Island
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Neben den Pinguinen nisten hier auch Schwarzbrauen-Albatrosse und Kormorane. Die passen auf, daß man ihren Nestern nicht zu nahe kommt.

Schiffsmeldung 3: Carcass Island

Am Nachmittag gibt es schon die nächste Anlandung: Carcass Island / Westfalkland-Inseln. Auf einer etwa vier Kilometer langen, rund 1,5-stündigen Wanderung durch eine heideähnliche Landschaft - die zeitweise an Jersey erinnert - gelangt man zur Farm der Familie McGills, wo eine englische Teatime wartet. Die kleinen Cookies sind sehr einladend.

Falkland-Inseln, Carcass Island
Falkland-Inseln, Westfalkland, Januar 2016
Landschaft auf Carcass Island
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Insel bietet mehr sehr schöne Landschaft, die hier lebenden Magellan- und Eselspinguine zeigten sich nur an der Landestelle Leopard Beach.

Freitag, 29.1. - Tag 4

Schiffsmeldung 1: Erholung auf See...

...ist eine sehr euphemistische Auslegung des Tagesverlaufs. Um uns herum ist zwar nichts, aber wir werden mit Vorträgen und Veranstaltungen überflutet: Erläuterung des Ablaufs, Vorstellung der Lektoren, Einführung in Zodiac-Fahrten, Ausgabe der Gummistiefel und Parkas, zwei Vorträge über die Falkland Inseln, Kapitänsempfang und -dinner. Das ließe sich bei einem größeren Schiff wohl nicht so machen. Und Mittagessen gab es auch noch.
Insgesamt ein eher gedrängter Tag, und noch müde von der Anreise blieb nicht viel Zeit übrig.

Auf See
Auf See, Januar 2016
Zwischen Ushuaia und den Falkland-Inseln
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Ach ja, das Wetter. Sehr ruhige See, wenig Wind, tagsüber eher bewölkt, etwa um 8°. Gegen Abend kommt die Sonne durch und beschert einen schönen Sonnenuntergang.

Donnerstag, 28.1. - Tag 3

Der frühe Vogel...

... ist in diesem Fall der Flieger von Buenos Aires nach Ushuaia, ein Sonderflug mit der argentinischen Gesellschaft LAN. Die eingelagerten Koffer werden direkt in den Flieger verladen und warten dann in der Schiffs-Kabine. Auch der mitgeführte „Übernachtungskoffer” wird am Flughafen übernommen und direkt transportiert. Und auch wenn man zunächst es nicht glauben mochte - das funktioniert ganz ausgezeichnet. Nur das Handgepäck bereitet der Besatzung leichte Unterbringungsprobleme. Aber schließlich ist alles verstaut, der 3:40 Stunden lange Flug verläuft unspektakulär. Es ist ein überraschend weiter Weg, rund 2.000 Kilometer.

Die südlichste Stadt

Zwar gibt es hier Diskussionen mit Chile, aber für die Argentinier ist Ushuaia jedenfalls die südlichste Stadt der Welt. Südlicher liegt nur noch der chilenische Ort Puerto Williams, ein Militärposten, und - Kap Hoorn.
Die Stadt, von der ein Reiseführer gemeint hat, sie wäre vor allem weit von überall, hat einen eigenen Charme. Vom Hafen kann man leicht die Hauptstraße entlangspazieren und findet Geschäfte, Lokale und einige alte Häuser. Geht man die Hauptstraße nach rechts und folgt den niedriger werdenden Nummern, so kommt man zum „Museo Maritimo y Presidio”, dem ehemaligen Gefängnis. Die Stadt wurde ursprünglich als Sträflingskolonie gegründet. Das Gefängnis wurde 1947 aufgelassen und beherbergt heute ein Museum, das das karge Leben der Gefangenen darstellt, aber auch eine Sammlung von Schiffsmodellen und Ausstellungsstücke zum Falklandkrieg zeigt.

Am Ende der Welt

Nach einem ansprechenden Mittagessen im Restaurant„Che Manu” mit einer französisch orientierten Küche (und so gut, wie ein Essen für eine große Gruppe eben sein kann) ging es in den Nationalpark „Parque Nacional Tierra del Fuego”, wo es das südlichste Postamt der Welt gibt. Nett, einige Karten mit dem entsprechenden Stempel zu verschicken.
In diesem Nationalpark endet aber auch der Transamerikanische Highway, der hier als nicht asphaltierte Nationalstraße Nr. 3 das letzte Stück bildet. Danach gibt es keine Möglichkeit mehr, mit dem Auto weiterzukommen, nur noch mit dem Schiff.

Argentinien, Tierra del Fuego
Argentinien, Tierra del Fuego, Januar 2016
Am Ende der Welt
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Einschiffung auf der MS HANSEATIC

Nach einem Zwischenstopp in einem ehemaligen Hotel, das jetzt ein Museum der ursprünglichen Bevölkerung ist, geht es zurück zum Hafen und um 17 Uhr endlich an Bord. Der Bordfotograf macht ein Foto, ein netter Steward nimmt den kleinen Koffer und die Taschen. In einer der Bars gibt es einen Willkommendrink und eine erste Einführung in den Ablauf der Reise. Eine Sicherheitseinweisung darf natürlich nicht fehlen (und ist auf einem Schiff unter Umständen lebensrettend), und dann gibt es im Marco Polo Restaurant in einer Sitzung für alle ein siebengängiges Abendessen. Wirklich gut und mit einem sehr aufmerksamen Service. Nach einem Schlummertrunk in der Observation Lounge endet der lange Tag - und für dieses Reisetagebuch blieb keine Kraft mehr.

Ushuaia, MS HANSEATIC
Argentinien, Ushuaia, Januar 2016
die MS HANSEATIC im Hafen von Ushuaia
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

PS: Mit dem Wetter hatten wir großes Glück: etwa 15 Grad und sogar teilweise Sonnenschein!

Mittwoch, 27.1. - Tag 2

Über den Wolken...

... ist die Freiheit wohl grenzenlos - wenn man First oder Bussiness fliegt. Der Kompromiss zwischen Preis und Leistung ist die „Premium Economy”, die die Lufthansa unter anderem auf dem Flug von Frankfurt nach Buenos Aires anbietet. Ausreichend Beinfreiheit auch für großgewachsene Menschen, Fußstütze, breitere Sitze, so daß man problemlos essen kann, vielleicht auch ein anderes Essen (oder zumindest eine Menukarte). Aber das ist nicht entscheidend. Man sitzt also ausreichend bequem und kann - es ist ja ein Nachtflug - erträglich schlafen. Und um nochmals auf die Verpflegung zurückzukommen: fünf Hauben sind es nicht, aber geschmackvoll und für einen Flieger ok. Was die wohl in der First bekommen? Und irgendwie setzt sich in dieser Boeing B747-8 der Titel eines Theaterstücks von Nestroy - „Zur ebenen Erde und im ersten Stock” gut um. Denn die First ist oben.
Nach MEZ ist es jetzt 11 Uhr, wir sind noch eine Stunde von Buenos Aires entfernt. Hier ist es 7 Uhr, draußen scheint die Sonne - aber wir sind ja über den Wolken...
Irgendwie widerspricht es allen Vorstellungen, daß ein so großer Vogel überhaupt fliegen kann. Aber er tut es. Aber eigentlich noch mehr verwundert, daß man trotz der Größe die Turbulenzen deutlich spürt. Nicht daß mich das besonders stört, schließlich geht meine Flugerfahrung auf einen Flug mit einer DC3 von Kabul über Zahedan nach Teheran zurück, vor wohl 60 Jahren. Damals spürte man so richtig die Luftlöcher, wenn die Maschine 100 Meter absackte. Ich habe es - nach Erzählungen - durchaus genossen. Aber trotzdem ist es mir lieber, wenn die Kaffeetasse am Tablett stehen bleibt. Ja, hier gibt es Tassen, nicht nur Plastikbecher.

Buenos Aires, Nachmittag

Nachdem wir nach etwa twei Stunden Zeitverzögerung endlich gemessen und gewogen waren (Foto und Daumenabdruck), hatten wir eine nicht sehr lange Fahrt ins Hotel „Four Seasons”. Dort gab es einen kleinen Empfang mit Imbiß und Kaffee.
Das Hotel zählt sicher zu den Spitzenhotels. Das Zimmer ist sehr groß. Aber perfekt ist es doch nicht: keine Slippers, in der Dusche lässt sich die Temperatur des Wassers kaum verändern, denn der zuständige Hahn ist kaum zu drehen, die Handtücher kann man nicht aufhängen. Dafür ist die Aussicht schön - 11. Stock.

Buenos Aires, Kathedrale
Argentinien, Buenos Aires, Januar 2016
Kathedrale
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Am Nachmittag dann eine rund 3,5 stündige Stadtrundfahrt zu den Highlights der Stadt: der Friedhof mit dem Grab von Evita Peron, die Plaza Mayo mit dem Regierungsgebäude und der Kathedrale (in der Pabst Franziskus tätig war), ein Künstlerviertel, die Speicherstadt am alten Hafen. Beeindruckend sind auch die zahlreichen neuen Hochhäuser, die das Stadtbild prägen. Eine durchaus interessante Stadt mit Atmosphäre, einer Mischung aus imperialen und modernen Bauwerken. Aber die Sicherheit ist prekär: keinen sichtbaren Schmuck, keine teuren Uhren, besser die Pocket- als die Spiegelreflexkamera.

Ein argentinisches Steak...

... ist kaum zu übetreffen. Nun gibt es auch in Wien ausgezeichnete Steaks, aber die Tiere hier wachsen wohl anders auf, und das ergibt ein anderes Fleisch. Aber auch von der Größe her ist es beeindruckend. Der Reisebegleiter hat ein Lokal nahe dem Hotel empfohlen - Restaurant „El Mirasol” - und es war zwar nicht billig, aber sehr gut.
Und dann folgte endlich wieder eine Nacht in gerader Lage, wenn auch zu kurz (von der Dauer).

Dienstag, 26.1. - Tag 1

Wann beginnt eine Reise?

Im Prinzip, wenn man den Ort, an dem man lebt, verlässt. Somit wäre der Flug von Wien nach Frankfurt der Beginn. Aber da es ja eine Antarktisreise ist, kann sie erst mit dem Ablegen des Schiffs beginnen. Das wiederum bedeudet, diese zwei Anreisetage sind nur das Präludium zur eigentlichen Reise - und die Tage danach das Nachspiel.
Der Countdown meint, es wäre der 0. Tag der Reise - das ist dann wohl der Beginn in einem weiteren Sinn. Unterscheiden wir daher die Reisetage von den Schiffstagen!
Der Flug selbst verlief nicht weiter bemerkenswert - Fliegen macht auch keinen Spaß mehr...
Und irgendwie mag mich das Internet am Flughafen Frankfurt nicht...

Reiseroute (geplant)

Wien/Frankfurt ⇒ Buenos Aires/Argentinien ⇒ Ushuaia/Argentinien ⇒ Falkland-Inseln ⇒ Südgeorgien ⇒ Süd-Orkney-Inseln ⇒ Süd-Shetland-Inseln ⇒ Weddellmeer ⇒ Antarktische Halbinsel ⇒ Drake Passage ⇒ Ushuaia ⇒ Buenos Aires ⇒ Frankfurt/Wien

Karte Antarktis
Antarktis-Karte
Quelle: Wikipedia

 

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