Wappen PisaToskana—Pisa: Campo dei Miracoli

Der außergewöhnlich weitläufige „Platz der Wunder” ist ein einzigartiges Beispiel mittelalterlicher Stadtplanung. Die grünen Rasenflächen heben den Dom, den Campanile, das Baptisterium und den Camposanto, Bauten aus perfektem Carraramarmor, hervor.

Toskana: Pisa, Campo dei Miracoli
Pisa, Campo dei Miracoli, September 2003
Blick vom Campanile: Battistero di San Giovanni, Duomo Santa Maria Assunta, Camposanto
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Campo dei Miracoli [Platz]

Das Ensemble am nordwestlichen Altstadtrand gehört seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Dom und Baptisterium liegen auf einer Achse mit einander zugewandten Portalen, der Camposanto begrenzt den Platz nach Norden. Der Campanile steht als Glockenturm der Stadt zugewandt. Der Campo dei Miracoli stellt den Auftakt zu den sorgsam geplanten und komponierten toskanischen Platzanlagen wie etwa Siena oder Pienza dar. Sie erlauben, im Unterschied zu den dicht bebauten Innenstädten, den freien Blick auf die repräsentativen Bauten.

Toskana: Pisa, Campo dei Miracoli
Pisa, Campo dei Miracoli, April 2000
Camposanto, Baptisterium, Dom, Campanile
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Battistero di San Giovanni [Taufkirche]

Das 1152 von Diotisalvi begonnene und von Nicola Pisano und seinem Sohn Giovanni fortgeführte Baptisterium steht, von der Hauptkirche getrennt, westlich des Doms und ist eine der größten Taufkirchen der Christenheit. Der Rundbau vereint Elemente der Romantik und Gotik. Der Weiterbau der Kuppel erfolgte 1358 durch Cellino di Nese und Zebellino da Bologna. Die aufgemauerte Wölbung suggeriert eine halbrunde Kuppel.

Toskana: Pisa, Battistero di San Giovanni
Pisa, Battistero di San Giovanni, September 2003
Eingang an der Domseite
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der fast 55 Meter hohe Innenraum ist lichterfüllt und bekannt für seine hervorragende Akustik. Beachtenswert sind das achteckige Taufbecken von 1246 sowie die 1260 von Nicola Pisano geschaffene freistehende Marmorkanzel.

Battistero di San Giovanni, tägl. 10-20 Uhr (Apr-Sep), Kombinationsticket erhältlich

Duomo Santa Maria Assunta [Kathedrale]

Der Dom Santa Maria Assunta gehört zu den ersten Monumentalbauten des mittelalterlichen Italiens. Der Bau der fünfschiffigen Basilika mit dreischiffigen Querarmen, einer überkuppelten Vierung und der Apsis wurde 1062 unter Buscheto begonnen, etwa zeitgleich mit San Marco in Venedig oder dem Baptisterium in Florenz.

Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta
Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, September 2003
Westseite
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Sechs sarazenische Schatzschiffe, Beute nach der Befreiung Palermos von den Sarazenen, sicherten die Finanzierung. Obwohl noch unvollendet, wurde der Dom 1118 von Pabst Gelasius II. geweiht. Der Dombaumeister Rainoldo vollendete den Bau in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. 1595 beschädigte ein Brand die Kirche, die in ihren Grundzügen praktisch unverändert ist.

Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta
Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, September 2008
Westseite, Fassade
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Fassade, ein Inbegriff der toskanischen Romanik, wurde um 1160 von dem Bildhauer Guglielmo vollendet. Über den drei Portalen im Stil römischer Triumphbögen verjüngen sich nach oben zu Säulenloggien. Die Blendarkaden setzen sich an den Wänden der Seitenschiffe fort.

Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, Porta di San Ranieri Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, Porta di San Ranieri
Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, September 2008
Porta di San Ranieri, Detail
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Von den ursprünglichen Bronzetüren blieb nach dem Brand von 1595 nur die Porta di San Ranieri erhalten. Die nach dem Vorbild römischer Bronzen und byzantinischer Elfenbeinminiaturen gegossenen Reliefs von Maestro Bonnano entstanden um 1180 und sind eine großartige Pionierleistung abendländischer Bildhauerkunst. Sie zeigen Szenen aus dem Neuen Testament.

Im rechten Querschiff neben den heutigen Eingang ist das Grabmal Heinrichs VII., der 1313 in Buonconvento an der Malaria starb. Der Sarkophag mit zwölf Aposteln ist von Tino da Camaino.

Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, Mittelschiff
Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, September 2008
Innenraum, Mittelschiff
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der Innenraum beeindruckt durch das 100 Meter lange Mittelschiff. Die auffallende Helligkeit entsteht aus die Marmorverkleidung der Wände.

Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, Apsis
Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, September 2008
Innenraum, Thronender Christus in der Apsis
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der orientalische Einfluß ist unverkennbar. Aber die vergoldete Kassettendecke aus dem 17. Jahrhundert sowie das monumentale Mosaik des Thronenden Christus in der Apsis, 1302 von Giovanni Cimabue, relativieren diesen Eindruck.

Toskana: Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, Kanzel
Pisa, Duomo Santa Maria Assunta, September 2008
Innenraum, Kanzel von Giovanni Pisano
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die zwischen 1302 und 1311 von Giovanni Pisano geschaffene Kanzel ist die letzte und größte, die er und sein Vater in Pisa, Siena und Pistoia schufen. Sie wurde beim Brand 1595 schwer beschädigt, 1599 abgebrochen und erst 1926 wieder aufgestellt, wobei Teile der Architektur verloren gingen. Vier der neun äußeren Säulen sind als Figuren gearbeitet, die anderen werden von Löwen gestützt.

Duomo Santa Maria Assunta, tägl. 10-20 Uhr (Apr-Sep), Eintritt frei, Zutrittsberechtigung (an der Kasse erhältlich) erforderlich

Schiefer Turm [Glockenturm]

Der Campanile des Doms von Pisa, der Schiefe Turm (Torre Pendente), ist sicherlich die Hauptattraktion und das Wahrzeichen der Stadt. Bonanno Pisano begann 1173 mit dem Bau. Aber schon nach Fertigstellung des dritten Stockwerks begann sich der Turm nach Süden abzusenken. Gegengewichte auf der Nordseite und Stützmauern brachten wenig Erfolg, 1178 wurden die Arbeiten für fast 100 Jahre eingestellt.

Toskana: Pisa, Schiefer Turm
Pisa, Schiefer Turm, September 2003
Campanile
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Bei der Fortsetzung des Baues durch Giovanni di Simone betrug 1272 die Neigung ca. 0,6°. Es wurden dennoch drei weitere Stockwerke aufgesetzt, die Schieflage sollte durch schweres Baumaterial auf der Nordseite ausgeglichen werden. 1301 wurden die Glocken aufgehängt, 1360-1370 vollendete Tommaso Pisano den Turm mit einem offenen Glockenstuhl.

Toskana: Pisa, Schiefer Turm Toskana: Pisa, Schiefer Turm
Pisa, Schiefer Turm, September 2003
Campanile, Glockenstuhl
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Ursache für die geringe Standfestigkeit ist der weiche Schwemmlanduntergrund. 1990 lag die Neigung bei 5,5°, das bedeutet eine Abweichung von der Senkrechten um 4,86 Meter. Das Turmfundament war 2,25 Meter tief eingesunken. Berechnung ergaben, daß das Bauwerk um 2000 umfallen würde - daher wurde es gesperrt, ein aufwändiges Sanierungsprogramm gestartet.
Bei der Wiedereröffnung im Jahr 2000 betrug die Abweichung zwar immer noch 4,10 Meter, aber der Turm ist nur noch schief, aber nicht mehr einsturzgefährdet. Somit kann man wieder über die 294 Stufen im Inneren die Glockenstube in 55 Metern Höhe erreichen, allerdings sind die Außengalerien gesperrt.

 

Campanile (Torre Pendente), tägl. 8:30-22 Uhr (Mitte Juni bis Ende Aug)/9-20 Uhr (Apr-Sep), Online-Buchung empfehlenswert, kein Kombinationsticket

Camposanto [Friedhof]

Im Norden wird der Campo dei Miracoli vom Caposanto, dem „Heiligen Feld”, abgeschlossen. Der Überlieferung nach brachte der Erzbischof Ubaldo dei Lanfranci vom vierten Kreuzzug mehrere Schiffsladungen Erde aus Golgatha mit. Die Bürger sollten in heiligem Boden bestattet werden. 1278 begann unter Giovanni di Simone der Bau des Friedhofs.

Toskana: Pisa, Camposanto
Pisa, Campo dei Miracoli, April 2000
Camposanto
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Monumentale Arkadengänge mit gotischen Maßwerkfenstern rahmen die Bauten. Im Boden der Wandelgänge befinden sich Grabplatten pisanischer Patrizier, an den Seiten stehen antike Sarkophage. Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert schmückten die Wandelgänge, sie wurden 1944 bei den Bombardierungen weitgehend zerstört.

Toskana: Pisa, Camposanto
Pisa, Campo dei Miracoli, September 2008
Camposanto
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Stadtmauer hinter dem Camposanto spart ein kleines Viereck aus, den Cimitero Ebraico, auf dem die Juden ihre Toten bestatten konnten.

Toskana: Pisa, Cimitero Ebraico
Pisa, Campo dei Miracoli, April 2000
Camposanto, Cimitero Ebraico
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
Camposanto, tägl. 8-20 Uhr (Apr-Sep), Kombinationsticket erhältlich
Cimitero Ebraico, So 9:30-12:30 Uhr, Mi 16:30-18 Uhr, Eintritt frei, Internet

Auch Sehenswert

Museo dell'Opera del Duomo: Kunstwerke aus dem Dom und dem Baptisterium, Domschatz, Bronzegreif
Museo della Sinopie: Sinopien (Vorzeichnungen mit Rötelkreide) der zerstörten Camposanto-Fresken

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