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Napoleon Bonaparte (Napoleone Buonaparte),
Napoleon I., Kaiser von Frankreich (1804 -1815)

* 15. August 1769, Ajaccio/Korsika;
† 5. Mai 1821, St. Helena

Der große Sohn Korsikas scheiterte an der Befreiung seiner Heimat. Als Napoleon I. krönte er sich 1804 zum Kaiser von Frankreich und schuf das moderne Europa der Nationalstaaten.
Talent, Ehrgeiz und unerbittliche Disziplin machten ihn zum mächtigsten Mann Europas, dessen Regeln er grundlegend veränderte. Mit 30 Jahren war er Erster Konsul, mit 35 Kaiser und mit 46 Gefangener auf St. Helena. Geblieben sind von ihm neben dem Mythos der Code Civil, die Bauernbefreiung, Gewerbefreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, gleicher Zugang zu öffentlichen Ämtern aufgrund von Leistung und Bildung, Gleichberechtigung der religiösen Bekenntnisse - und die Konservendose.

Herkunft

Napoleon in seinem Arbeitszimmer, 1812
Porträt Napoleons in seinem Arbeitszimmer, 1812 (Ausschnitt)
Jacques-Louis David (1748-1825)
National Gallery of Art, Washington (D.C.)
Bild: Wikipedia

Napoleone war das vierte der zwölf Kinder des Ehepaares Buonaparte und das zweite der acht Überlebenden. Diese Familien­konstellation be­stimmte zeitlebens sein gespanntes Konkurrenz­verhältnis zu seinem älteren Bruder Joseph.
Sein Vater Charles Buonaparte und seine Mutter Maria Laetizia Ramolino gehörten dem niederen korsischen Adel an und waren für dortige Verhältnisse durchaus wohlhabend. Charles war ein Anhänger des korsischen Freiheitskämpfers Pasquale Paoli, dem er auch als Sekretär diente. 1768 verkaufte Genua seinen korsischen Besitz an Frankreich. Damit sahen sich die korsischen Freiheitskämpfer einem weitaus stärkeren Gegner gegenüber, und die Schlacht von Ponte Novo am 8. Mai 1769 besiegelte das Ende der korsischen Unabhängigkeit. Paoli floh nach England.

Napoleons Vater Carlo Buonaparte
Napoleons Vater Carlo Buonaparte, 1806
Anne-Louis Girodet de Roussy-Trioson (1767-1824)
Bild: Wikipedia

Charles Buonaparte arrangierte sich mit den neuen Machthabern und trat 1771 als Assessor in den französischen Justizdienst ein. Er gehörte damit von Anfang an dem Kreis der korsischen Kollaborateure an, die der französische Militär­gouverneur Charles-Réné Comte de Marbeuf um sich scharte. 1777 wurde Charles zum Deputierten des korsischen Adels für die Notablenversammlung in Versailles gewählt. 1779 erhielt er für seine Söhne Joseph und Napoleone königliche Stipendien, die ihnen den Schulbesuch in Frankreich ermöglichten. Joseph war für eine geistliche und Napoleone für die militärische Laufbahn vorgesehen.

Lehrjahre

Neunjährig begann für Napoleone ein Leidensweg, dessen Härten er noch in der Verbannung auf St. Helena beklagte. Zuerst in der Vorschule im burgundischen Autun, wo er französisch lernte, und anschließend auf der Militärschule von Brienne-le-Château im ödesten Teil der Champagne. Von seinen Mitschülern wegen seines fremdartigen Aussehens, seiner korsischen Herkunft und seiner eigenwillige Aussprache des Französischen gehänselt, wußte er sich einerseits schon bald Respekt zu verschaffen, zog sich andererseits in die Isolation zurück, die er für umfangreiche Studien nützte. Ferien, Elternbesuche oder Verlassen der Schule waren nicht vorgesehen, und so hatte Napoleone nur spärlichen brieflichen Kontakt mit seinen Eltern.
Im Oktober 1784 verließ er Brienne, um als Artilleriekadett in die École Militaire in Paris einzutreten. 1785 starb sein Vater Charles, und Napoleones Sorge galt dem Auskommen der Familie. Sein Bruder Joseph hatte in Pisa ein Jurastudium begonnen, Lucien besuchte das Priesterseminar in Aix-en-Provence, der siebenjährige Louis, die fünfjährige Pauline und der gerade ein Jahr alte Jérôme lebten bei der Mutter in Ajaccio. Nur seine Schwester Elisa war durch ein königliches Stipendium versorgt und besuchte die Klosterschule in St. Cyr bei Paris. Napoleone sah sich also gezwungen, die Rolle des Ernährers und Familienoberhaupts zu übernehmen, und er absolvierte die Schule in nur einem statt der üblichen zwei Jahre. Somit war er ab Oktober 1785 Unterleutnant beim Artillerieregiment de la Fère im südfranzösischen Valence.

Korse oder Franzose?

Am Ende seiner Ausbildung befand sich Napoleone in einer Identitätskrise. Die Zurückweisungen, die er wegen seiner korsischen Herkunft und Sprachfärbung in den französischen Schulen erfahren hatte, verstärkten einerseits seine Identifizierung mit Korsika. Andererseits war ihm klar, daß er die Ausbildung in der Waffengattung seiner Wahl, der Artillerie, allein Frankreich verdankte.

Das Geburtshaus Napoleons
Das Geburtshaus Napoleons und Garten der Familie Bonaparte
Anonym, Öl auf Papier,
gerahmt 65 x 84 cm
Salenstein, Napoleonmuseum Thurgau, Schloss und Park Arenenberg
© Napoleonmuseum Thurgau

Im August 1786 brach er nach fast achtjähriger Abwesenheit nach Korsika auf. Hier sah er zum ersten Mal die meisten seiner jüngeren Geschwister und wurde mit der finanziellen Misere der Familie konfrontiert: sein Vater hatte eine Seidenraupenzucht begonnen, doch blieben die versprochenen Subventionen aus, und der Unterhalt verschlang Unsummen. Aber auch Napoleone konnte keine Entschädigung erreichen, und so musste er die Familie mit seinem Offiziersgehalt ernähren.
Im September 1789, als er wieder in Ajaccio eintraf, befand sich nicht nur Frankreich, sondern auch Korsika im Aufruhr. Die Konstituierende Versammlung der Insel beschloß, daß Korsika in Hinkunft integraler Bestandteil Frankreichs sein sollte. Im Februar 1790 amnestierte sie Pasquale Paoli und forderte ihn zur Rückkehr auf. Paoli sollte Chef eines innerhalb des französischen Staasverbandes weitgehend autonomen Korsika werden, und Napoleone sah sich schon als dessen „Leutnant”. Außerdem versuchte er, seinem Clan in Ajaccio eine politische Basis zu schaffen: einer seiner Neffen wurde Bürgermeister, sein Bruder Joseph Stadtverordneter. Dieser und Onkel Joseph Fesch sollten die Kandidaten Ajaccios für die künftige Gesetzgebende Versammlung Korsikas werden.

Pasquale Paoli

Am 17. Juli 1790 kehrte Paoli aus dem Exil zurück. Über die erste Begegnung von Joseph und Napoleone mit dem babbo liegt kein Bericht vor, doch dürfte dieser sehr reserviert gegenüber den „Söhnen von Charles” gewesen sein, und mißtraute insbesondere Napeleone, der ihn nicht für sich gewinnen konnte.
Trotz der Unterstützung der Bonapartes bei der Versammlung von Orezza wurde Joseph nur in das Direktorium des Bezirks Ajaccio gewählt. Die Clans, die sich seit jeher um Paoli geschart hatten, hielten die Bonapartes auf Distanz und verfolgten ihre eigenen Interessen, nämlich die Wiederherstellung der patriarchalischen Ordnung. So sehr sich Napoleone auch bemühte, für sich und seinen Clan eine Machtstellung in Korsika zu erlangen, so sehr scheiterte er am Sumpf alter korsischer Intrigen und Familien­feindschaften, am jahrhundertealten Filz von Macht und Nepotismus, von klein­bäuerlichem Hass und Neid.

Im Oktober 1792 traf Napoleone in Begleitung seiner Schwester Elisa, die nach Auflösung der Klöster durch den Konvent St. Cyr verlassen musste, wieder in Ajaccio ein. Den Vorschlag, seinen Bruder Lucien als Adjudanten zu akzeptieren, lehnte Paoli entschieden ab und gab deutlich zu erkennen, daß ihm der ganze Clan der Bonaparte politisch verdächtig und zuwider sei. Nun endlich schöpfte auch Napoleone Verdacht, daß der babbo nur nach außen hin auf Seiten Frankreichs und der Revolution stand, in Wirklichkeit aber die staatliche Unabhängigkeit Korsikas unter seiner Herrschaft anstrebte. Und in diesem Konzept spielten die Bonapartes keine Rolle.
Die laue Loyalität Korsikas gegenüber der Revolution veranlasste den Konvent, Kommissare zur Untersuchung der korsischen Angelegenheiten nach Ajaccio zu entsenden. Doch noch vor deren Eintreffen wurden Paoli und Pozzo di Borgo Anfang April 1793 unter förmliche Anklage gestellt und aufgefordert, nach Paris zu kommen, um sich zu verantworten. Gegenstand der Anklage war das Scheitern der Unternehmung gegen Sardinien sowie der Verdacht, daß die Verwaltungsspitze mit England in Verbindung stehe.
Napoleone verteidigte Paoli trotz allem im Jacobiner-Club von Ajaccio glühend, seine Rede wurde an den Konvent weitergeleitet. Aber was er im Gegensatz zu Paoli noch nicht wusste, war, daß sein Bruder Lucien den Anstoß zur Anklage gegeben hatte. Er hatte im Jacobiner-Club von Toulon eine Brandrede gegen Paoli und dessen anti-patriotische Machenschaften gehalten.
Aber obwohl nach dem ungeschriebenen korsischen Ehrenkodex, der cavalleria rusticana, die offene Auseinandersetzung mit Paoli unvermeidbar war, vermied sie Napoleone weiterhin. Doch Paoli setzte seinerseits den ersten Schritt und löste jenes Batallion der korsischen Nationalgarde, dem Napoleone als Oberstleutnant angehörte, einfach auf. Napoleone glaubte noch, mit Unterstützung der Kommissare die Insel für Frankreich und für sich wiedererobern zu können, musste aber letztendlich mit seiner Familie fliehen. Paoli und die Clans um ihn wollten die Bonapartes nicht, und verspielten damit möglicherweise die letzte Chance auf staatliche Unab­hängigkeit. Der korsische Traum musste begraben werden, aus Napoleone Buonaparte wurde 1796 Napoleon Bonaparte:

„So wie Frankreich ihn zum Korsen gemacht hatte, so machte ihn jetzt Korsika zum Franzosen.” (Frédéric Masson)

Vom Korsen zum Kaiser der Franzosen

Krönung Napoleons und Josephines
Salbung Napoleons I. und Krönung der Kaiserin Josephine
Jacques-Louis David, Öl auf Leinwand 1806-1807, Louvre, Paris
Bild: Wikipedia

Hatte Napoleon Bonaparte schon zuvor die Revolution als Chance für sich erkannt, so verhalf ihm seine Hinwendung zu den Jacobinern zum endgültigen Aufstieg. Die Siege der Italienarmee machten ihn zum Ersten Konsul (eigentlich ein Triumvirat, aber die beiden Anderen spielten keine Rolle), zunächst für zehn Jahre und ab 1802 dann auf Lebenszeit gewählt. Aber das genügte ihm noch nicht, und schon bald begann er mit der Umwandlung der Republik in ein Kaiserreich - und natürlich mit ihm als Kaiser. Am 2. Dezember 1804 krönte er sich in Anwesenheit von Pabst Pius VII. selbst zum Kaiser und Josephine zur Kaiserin.

Dem deutschen Soziologen Max Weber (1864-1920) war Napoleon der Prototyp seines plebiszitär-charismatsichen Herrschaftsmodells. Die Zuschreibung von Charisma kann nicht direkt erreicht, sondern nur indirekt durch den Glauben der Beherrschten entstehen. Das Bedürfnis nach einem Helden und Retter, der die Prinzipien der Revolution und ihre Vollendung verköpern sollte, war schon vor Napoleon vorhanden. Ebenso das Verlangen nach einer Stabilisierung, ja sogar nach einer Beendigung der Revolution. Es ist das Bedürfnis nach der Personifizierung der Macht, denn politische Macht braucht zu allen Zeiten die Repräsentation.
Wer wäre in diesen bewegten Zeiten dafür besser geeignet gewesen als Napoleon? Das Charisma des aufsteigenden militärischen Helden und Vollenders der Revolution beförderte ihn zum Kaiser der Franzosen. Als kriegführender, erobernder Imperator mit dem ständigen Bemühen um Selbstdarstellung versuchte er, das Charisma und die Macht zu erhalten. Die Krönung zum Kaiser der Franzosen sollte ihm dabei helfen, seine Macht dauerhaft zu festigen und seine Stellung gegenüber den gekrönten Häuptern Europas zu verbessern.

Die Dynastie

Als Kaiser wuchs in Napeloen der Wunsch, nicht nur eine Einzelerscheinung zu sein, sondern eine Dynastie zu begründen und so fortzuleben. Dem Verblassen seines Charismas, besonders seit der militärischen Erfolglosigkeit in Spanien im Herst 1808 und der Schlacht von Aspern und Eßling im Mai 1809, seiner ersten Niederlage überhaupt, sollte damit entgegengewirkt werden. Auch die Zustimmung der brumairianischen Elite nahm als Folge der endlosen Kriege, der hohen personellen Verluste und der wirtschaftlichen Depression ab.

Scheidung von Josephine

1800 war Napoleon das Recht auf Erblichkeit übertragen worden, doch Josephine konnte ihm keine Kinder gebären. Er dachte daher an Trennung und an eine Prinzessin aus regierender Familie. Seine erste Wahl fiel auf Großfürstin Katharina, die Schwester von Zar Alexander. Damit gedachte Napoleon auch, das französisch-russische Bündnis zu festigen. Aber beides scheiterte an der polnischen Frage, wenn auch Alexander die Jugend seiner Schwester (sie war erst 16) vorschob.
Die zivilrechtliche Scheidung von Josephine erfolgte am 15. Dezember 1809 durch Senatsbeschluß; sie behielt den Titel einer Kaiserin, bekam Schloß Malmaison und eine Rente. Und am 12. Januar 1810 sprach das Kirchliche Gericht von Paris die Aufhebung der religiösen Ehe aus: diese sei, da 1804 durch die damaligen Umstände aufgezwungen, in Ermangelung von Übereinstimmung null und nichtig. Die Trennung von Josephine fiel Napoleon höchstwahrscheinlich nicht leicht. Und nachdem er sie verlassen hatte, konnte er es niemals ertragen, sie unglücklich zu wissen.

Heirat mit Marie-Louise, Erzherzogin von Österreich

Porträt der Marie Luise und des Königs von Rom
Porträt von Marie Luise und des Königs von Rom, 1812
François Pascal Simon Gérard (1770-1837),
Musée National du Château, Versailles Bild: Wikipedia

Auf die Ablehnung des Zaren hatte Napoleon eine Antwort: Marie-Louise, Erzherzogin von Österreich (1791-1847) und älteste Tochter von Kaiser Franz I. Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859), Kanzler und Realpolitiker, fädelte die Verbindung, den Heirats­traditionen der Habsburger entsprechend, ein. Er sah darin die Chance des Endes der französisch-russischen Beziehungen und einer Stärkung Österreichs. Die zivil­rechtliche Trauung fand am 1. April 1810, die kirchliche am darauffolgenden Tag im Louvre statt. Napoleon liebte seine um 21 Jahre jüngere Frau, die Ehe verlief gut, um am 20. März 1811 schenkte sie ihm den ersehnten Thronfolger, François-Charles-Joseph (1811-1832), genannt Napoleon II., König von Rom und späterer Herzog von Reichstadt.

Abstieg und Ende

Am 24. Juni 1812 überquert Napoleon mit einer Streitmacht von 600.000 Mann die Memel, um Russland anzugreifen und das Zarenreich niederzuringen. Die Grande Armée ist das größte Heer, das die Welt bis dahin gesehen hat. Nur die Hälfte der Truppen kam aus Frankreich und seinen ausländischen Departements, der andere Teil waren alliierte Kontigente - insgesamt eine Armee aus zwanzig Nationen.

Scheitern in Russland

Die Annahme Napoleons, die Leibeigenen Russlands würden sich gegen ihre Herrscher erheben und ihm anschließen, erwies sich als falsch. Er rechnete mit einem schnellen Sieg und hatte daher weder Pelze für die Soldaten noch eissichere Hufeisen für die Pferde mitgeführt. Beide Annahmen erwiesen sich als fatal. Die russische Armee stellte sich keiner Schlacht, wich zurück, hinterließ nur verbrannte Erde. Die Bauern verwickleten ihn in einen Partisanenkrieg. Bereits Mitte August hatte er 150.000 Mann durch Fahnenflucht und Krankheit verloren, Pferde gingen in großer Zahl ein, Kanonen mußten zurückgelassen werden, der Nachschub funktionierte kaum. Am 14. September marschiert er in ein fast menschenleeres Moskau ein, nimmt im Kreml Quartier. In der nächsten Nacht legt ein Brand die Stadt in Schutt und Asche. Zar Alexander I. reagiert nicht auf Napoleons Friedensangebot. Am 24. Oktober befiehlt Napoleon den Rückzug seiner Armee, die dabei praktisch aufgerieben wird: nur rund 40.000 Mann kommen zurück.

Absetzung und Verbannung nach Elba

Noch aber gibt sich Nepoleon nicht geschlagen. Er stellt eine neue Armee auf, gewinnt zahlreiche Schlachten gegen das russisch-preußische Heer. Aber als sich Österreich der antifranzösischen Koalition anschließt, wendet sich das Blatt: in der Völkerschlacht von Leipzig (16. - 19. Oktober 1813) wird Napoleon entscheidend geschlagen. Die Alliierten ziehen gegen Frankreich, am 30. März 1814 fällt Paris, am 3. April wird der Kaiser vom Senat abgesetzt und Ludwig XVIII. als König eingesetzt.

Napoleon erhält die Insel Elba als Herrschafts­bereich und eine jährlich Rente. Im Mai erreicht er Elba, die Rente wird nicht ausbezahlt, Marie-Louise und sein Sohn kommen nicht, in Frankreich herrscht Unzufriedenheit mit der Regierung, eine Konspiration zugunsten seiner Rückkehr entsteht.

Waterloo

Am 25. Februar 1815 verlässt er Elba und erreicht unter großem Zulauf am 20. März Paris. Seine Herrschaft der 100 Tage beginnt. Obwohl er den Alliierten gegenüber seinen Friedenswillen beteuert, ziehen diese eine Million Soldaten zusammen. Von dieser Übermacht wird Napoleon am 18. Juni bei Waterloo endgültig geschlagen. Am 22. Juni dankt er zum zweiten Mal ab und wird auf die einsame Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai 1821 nach fünf Jahren, sechs Monaten und 27 Tagen Gefangenschaft stirbt.

Napoleon auf St. Helena
Francois-Joseph Sandmann, Napoleon auf St. Helena
Bild: Wikipedia

Was blieb

Die Konservendose

Nein, natürlich war Napoleon nicht der Erfinder der Konservendose. Diese Ehre gebührt dem englischen Geschäftsmann Peter Durand, der sich um 1812 die Dose patentieren ließ. Aber Napoleon erkannte den größten Feind seiner Soldaten - nicht die gegnerischen Heere, sondern der Hunger.
Auf weiten Reisen, vor allem auf Schiffen, gab es zu wenig Essen. Die einzige Konservierungsmethode dieser Zeit war das Einlegen in Salz. So verhungerten die Soldaten, oder sie starben an Skorbut, ausgelöst durch Vitamin-C-Mangel. So setzte Napoleon 1795 eine Belohnung von 12.000 Franc - nach heutigem Geld eine Prämie in Millionenhöhe - für denjenigen aus, der das Problem der Nahrungsmittelversorgung lösen könnte.
Nach einigen Jahren fand der Franzose Nicholas Appert die Lösung. Er füllte Glasflaschen, verkorkte und versiegelte sie mit einer Mixtur aus gebranntem Kalk und Käse. Dann erhitzte er die verschlossenen Flaschen und hatte damit das Prinzip der Hitzesterilisation entdeckt.
Appert verwendete noch keine Blechdosen, sondern Glasflaschen. Napeleon ließ diese hitzesterilisierten Lebensmittel auf einer mehrmonatigen Schifffahrt testen. Die Methode bewährte sich, und 1810 erhielt Appert seine Prämie „für die Kunst, alle animalischen und vegetabilischen Substanzen in voller Frische zu erhalten”, wie es in der Verleihungsurkunde heißt.
Die Bruchgefahr bei Glasflaschen brachte den schön erwähnten Peter Durand (1966-1822) auf die Idee, Blechkanister zu verwenden. Er verkaufte sein Patent an Bryan Donkin und John Hall, die 1813 die erste Konservenfabrik eröffneten. Das Blech wurde mit Blei in Zylinderform gelötet - und nicht, wie heute, einfach geschweißt. Damit drang das Schwermetall in die Lebensmittel ein, viele Soldaten starben an Bleivergiftung. Dieses Schicksal besiegelte wahrscheinlich auch den Untergang der letzten Arktisexpedition des britischen Polarforschers Sir John Franklin Mitte des 19. Jahrhunderts.
Übrigens: Der Dosenöffner wurde erst 1855 erfunden. Bis dahin wurden die Dosen mit Hammer und Meißel, dem Beil oder mit dem Bajonett geöffnet. (Quelle: DIE ZEIT Nr. 50/6.Dezember 2012)

Und sonst?

Nach Napoleon Bonaparte wird Frankreich, bedingt durch den enormen Verlust an Menschen, nie mehr in der Lage sein, aus eigener Kraft einen siegreichen Krieg in Europa zu führen. Der Niedergang seiner Macht nimmt hier seinen Anfang. Aber die napoleonischen Kriege läuten auch das Ende der europäischen Herrschaft über den amerikanischen Kontinent ein.
Dem Ancien Régime in Europa brachte seine Herrschaft die entscheidenden Schläge bei. Mit der Mediatisierung veränderte er die Landkarte Deutschlands erheblich.
Die Abschaffung des Zunftwesen und die Einführung des freien Unternehmertums ermöglichten die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft.
Der Code Napoléon ist die Grundlage des Zivilrechts für nahezu 300 Millionen Menschen. Napoleon trieb die Integration der eroberten Länder voran.
Neue Formen der Beherrschung von Raum (Straßenbau), Zeit (Post- und Telegrafenwesen), Körper (Konskription) und Geist (Gesetze, Religion, Zensur usw.) waren eine Voraussetzung für die Beschleunigung von Kommunikation und schafften in ganz alltäglichen Dingen Verflechtung und Gemeinschaft.

„Sie wollen meine wahren Schätze kennenlernen? Hier sind sie: das eindrucksvolle Hafenbecken von Antwerpen, die Docks von Venedig, die großartigen Straßen von Venedig nach Amsterdam, von Mainz nach Metz, von Bordeaux nach Bayonne, die Straßen über den Simplon, den Mont Cenis, den Mont Genèvre und entlang der Corniche, die die Alpen nach vier Richtungen hin öffnen.” [Napoleon zu Las Cases, in: Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Aus dem Französischen übersetzt. Stuttgart, Tübingen: Cotta, 1823-1826]


LeseTipps: Bücher über Napoleon Bonaparte

Alle Porträts:

Cuba: Tamara Bunke, Julio Antonio Mella,
Fotografen: René Burri, Harry Callahan, Henri Cartier-Bresson, Anna Kahn, André Kertész, Saul Leiter, Joel Meyerowitz, Anja Niedringhaus, Joel Sternfeld, Weegee,
Hamburg: Albert Ballin, Gabriel Riesser,
Island: Snorri Sturluson, Victor Urbancic,
Korsika: Napoleon I. Bonaparte, Joseph Fesch,
Mecklenburg-Vorpommern: Otto Lilienthal,
Norwegen: Johan Halvorsen, Anne Holt, Richard With,
Reisende: James Cook, Rudolf Carl Slatin Pascha,
Sizilien: Friedrich II.,
Toskana: Sandro Botticelli,
USA: John Steinbeck,


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