Porträt Friedrich II., König von Szilien

* 26. Dezember 1194, Jesi bei Ancona/Italien
† 13. Dezember 1250, Castel Fiorentino bei Lucera/Italien

Er war einer der faszinierendsten und umstrittesten mittelalterlichen Herrscher, König von Sizilien (ab 1198), römisch-deutscher König (ab 1212), Kaiser des römisch-deutschen Reiches (ab 1220) und „König von Jerusalem“ (ab 1225). Seine Herrschaft brachte die Konstitutionen von Melfi und war bestimmt von seinem Kampf gegen vier Päbste.

Biografie - Zeittafel

Jugend

Friedrich II. von Sizilien
Frederick II von Sizilien
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1194

Schon die Geburt Friedrichs am 26. Dezember in der kleinen mittelitalienischen Stadt Jesi in der Mark Ancona gab zu Spekulationen Anlass. Seine Mutter, die Normannenprinzessin und Tochter König Rogers II. (1095-1154), Konstanze von Hauteville (1154-1198), war zum Zeitpunkt der Geburt bereits 40 Jahre alt; Friedrich war ihr erstes und einziges Kind. Und schon bald entstand das Gerücht, Friedrich sei ein untergeschobenes Kind. Dieser Zweifel an Friedrichs Legitimität wurde immer wieder hervorgeholt, um ihn zu diskriminieren.
Friedrichs Vater, der Staufer Heinrich VI. (1165-1197), ab 1190 römisch-deutscher Kaiser, wurde kurz vor Friedrichs Geburt zum König von Sizilien gekrönt.

1196

Friedrich wird in Abwesenheit in Frankfurt zum römisch-deutschen König gewählt und damit zu Friedrich II.

1197

Am 28. September stirbt sein Vater. Mit seinem Tod bricht die staufische Herrschaft in Reichsitalien zusammen, im Reich nördlich der Alpen entsteht ein Machtvakuum. Konstanze übernimmt in Sizilien die Regentschaft für den knapp dreijährigen Friedrich.

1198

Am 17. Mai wird Friedrich II. in Palermo zum König von Sizilien, des Herzogtums Apulien und des Fürstentums Capua (rex Sicilie, ducatus Apulie et principatus Capue) gekrönt.

Königreich Sizilien um 1154
Königreich Sizilien um 1154
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Am 28. November stirbt seine Mutter Konstanze. Sie hatte in ihrem Testament Papst Innozenz III. Conti (ca. 1160-1216) zum Vormund für Friedrich bestimmt. Allerdings hilft ihm das zunächst nicht viel. Er wird zum Spielball zwischen den noch von seiner Mutter eingesetzten Inhabern von Hofämtern, wie dem Kanzler Walter von Pagliara, den normannischen Baronen, den deutschen Herrschaftsträgern aus dem Gefolge von Heinrich VI., und den päbstlichen Legaten.
In Deutschland kommt es zu einer Doppelwahl: sowohl Philipp von Schwaben (1177-1208), ein Onkel Friedrichs, als auch Otto IV. (ca. 1175-1218) werden zu römisch-deutschen Königen erhoben.

1208

Mit seinem 14. Geburtstag endet die Vormundschaft des Papstes. Friedrich ist zwar noch nicht volljährig, aber als Herrscher handlungsfähig. Seine ersten Amtshandlungen lassen seinen starken Willen zu einer eigenständigen Politik erkennen: er drängt Kanzler Walter von Pagliara aus dem Amt, nimmt Einfluß auf die Besetzung des Erzbischofs von Palermo und lässt die Rechtmäßigkeit alter Privilegien überprüfen.
Sein Onkel Philipp von Schwaben wird am 21. Juni in Bamberg ermordet, Otto IV. hat damit freie Hand in Deutschland und beginnt, eine ausgreifende Italienpolitik zu verfolgen..

1209

Auf Betreiben von Papst Innozenz III. heiratet Friedrich Konstanze von Aragon (zwischen 1179 und 1184 - 1222). Sie bringt als Mitgift 500 Ritter mit, die Friedrich dringend in seinem Kampf gegen Otto IV. braucht. Allerdings sterben sie großteils nach ihrer Ankunft in Palermo an einer der Seuchen des Sommers.

1209-1211

Otto bricht mit einem starken Heer nach Italien auf und wird am 4. Oktober 1209 in Rom von Papst Innozenz III. zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Aber Otto anerkennt das sizilianische Könnigstum Friedrichs und damit die Lehenshoheit des Papstes nicht. Im Winter 1209/10 beginnt er die Vorbereitungen für den Krieg gegen Sizilien und gewinnt dafür zahlreiche Adelige des festländischen Siziliens. Daher kann er relativ problemlos nach Süditalien vorstoßen und bereitet sich im Oktober 1211 darauf vor, von Kalabrien auf die Insel überzusetzen. Auch auf Sizilien selbst signalisieren im einige Adelige und die Sarazenen, daß sie ihn anerkennen wollen.
Bereits im November 1210 hatte der Papst Otto exkommuniziert. Im September 1211 kündigte ein Teil der deutschen Fürsten am Hoftag zu Nürnberg Kaiser Otto den Gehorsam auf. Sie fordern Friedrich auf, die Krone zu übernehmen, und erheben ihn zum „Anderen Kaiser” (alium imperatorem). Darufhin bricht Otto seinen Feldzug ab und eilt zurück in den Norden. Friedrich und Sizilien sind zunächst gerettet.

Deutscher König

1212

Im Januar überbringt Anselm von Justigen als Gesandter der deutschen Fürsten Friedrich die Botschaft von der Wahl. Trotz starker Bedenken von Konstanze und dem Hof nimmt Friedrich die Wahl an und bricht nach Deutschland auf. Es ist seine einzige Möglichkeit, der ewigen Bedrohung Siziliens aus dem Norden Einhalt zu gebieten. Seinen einjährigen Sohn Heinrich lässt er zum König von Sizilien krönen, Konstanze wird Regentin.
Friedrich reist zunächst nach Rom, begleitet von Berard von Castagna (†1252), dem Erzbischof von Baris und später von Palermo, einem seiner engsten Vertrauten. Seit 1210 gehört er, neben Petrus de Vinea (ca. 1190-1249) und Hermann von Salza (um 1162-1239), zum Kreis der Familiaren, der engsten Hofumgebung.
In Rom begegnet Friedrich zum ersten und einzigen Mal Papst Innozenz III., seinem ehemaligen Vormund. Er leistet ihm erneut den Lehenseid. Von Rom zieht er unter beträchtlichen Schwierigkeiten, von einigen oberitalienischen Städten verfolgt, weiter nach Norden und erreicht im September den Bodensee. In Konstanz kann er Bischof Konrad II. von seiner Legitimität als König überzeugen und zieht wenige Stunden vor Otto in die Stadt ein - ein entscheidender Glücksfall.
Am 5. November wird er schließlich in Frankfurt am Main nochmals förmlich zum König gewählt und wenige Tage später in Mainz vom Erzbischof von Mainz gekrönt. Durch die Vergabe von Privilegien, Übertragung von Ländereien und reiche Geldgeschenke kann Friedrich seine Position in Deutschland festigen und ausbauen.

1214

Friedrichs Kampf gegen Otto um die Krone ist aber noch nicht beendet. Am 27. Juli fällt in Flandern am Blutsonntag von Bouvines eine wichtige Vorentscheidung. In einer gewaltigen Ritterschlacht besiegt das Heer des französischen Königs Philipp II. August (1180-1232) die verbündeten Heere des englischen Königs Johann I. Ohneland (John Lackland, 1167-1216) und des römisch-deutschen Kaisers Otto IV. Friedrich ist damit ohne eigenes Zutun ein wichtiger militärischer Erfolg gegen Otto zugefallen, der die endgültige Unterlegenheit Ottos besiegelt.

1215

Am 24. Juli zieht Friedrich in der alten Kaiserstadt Aachen ein, der „Hauptstadt und dem Sitz des deutschen Königtums”. Am folgenden Tag wird er erneut zum rex Romanorum gekrönt. Zwei hochsymbolische Rituale folgen: Friedrich schließt den Heiligenschrein mit den Gebeinen Karls des Großen. Und er schwört, das Kreuz zu nehmen, einen Kreuzzug ins Heilige Land zu unternehmen:

„Sofort und unerwartet nahm der Gekrönte nach der Messe das Zeichen des heilbringenden Kreuzes und ermahnte sowohl in eigener Person als mit Unterstützung der anwesenden Kreuzprediger alle Vornehmen und Fürsten des Reiches, ein Gleiches zu tun.” (ein Chronist, tit. nach HORST)

Dieser, erst zwölf Jahre später eingelöste Schwur wird sich als schwere Hypothek für Friedrich erweisen.
Etwa in diese Zeit fällt die Geburt von Friedrichs illegitimen Sohn Enzo (Heinrich, ca. 1215-1272) aus der Beziehung zu seiner schwäbischen Geliebten Adelheid, einer Tochter von Konrad von Urslingen, dem Herzog von Marano und später Spoleto. Enzo stand seinem Vater sehr nahe und wurde von ihm 1239 zum König von Sardinien erhoben.

1216

Am 16. Juli stirbt Papst Innozenz III. im Alter von 56 Jahren überraschend in Perugia, am Höhepunkt seiner und der päbstlichen Macht. Ihm folgt Honorius III. Savelli (ca. 1148-1227), ein in der Verwaltung der Kurie hochgekommener Kardinal. Er hat nicht den Anspruch, alle weltlichen Herrscher dem Apostolischen Stuhl unterzuordnen.
Ebenfalls im Juli brechen Friedrichs Gattin Konstanze und der fünfjährige Sohn Heinrich, König von Sizilien, in Messina zu ihrer Reise nach Deutschland auf. Erst Ende November erreichen sie Nürnberg, wo sie von Friedrich erwartet werden. Am Hof hat sich erstmals auch Hermann von Salza (um 1162-1239), der Hochmeister des Deutschen Ordens, eingefunden. Auch er wird ein enger Vertrauter Friedrichs und ein wichtiger Vermittler bei dessen Auseinandersetzungen mit den Päbsten.

Römisch-deutscher Kaiser

1220

Ende April gelingt es Friedrich, seinen Sohn Heinrich auf dem Hoftag in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König (rex Romanorum) wählen zu lassen. Da der kleine Heinrich VII. (1211-1242) noch nicht mündig ist, liegt die Regierungsgewalt in den Händen der herrschernahmen Adeligen, allen voran Engelbert I. (ca. 1185-1225), Erzbischof von Köln.
Ende August brechen Friedrich und Konstanze von Augsburg nach Italien auf. Am 22. November wird Friedrich in St. Peter in Rom von Papst Honorius III. zum römisch-deutschen Kaiser (Imperator Romanorum) und Konstanze zur Kaiserin gekrönt. Friedrich ist der 89. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (sacrum imperium Romanorum) ab Augustus. Damit fühlt er sich gegenüber den anderen Monarchen besonders auserwählt, und er verpflichtet sich noch einmal, diesmal als Kaiser, zum Kreuzzug.
Friedrich kehrt nun nach Sizilien zurück und erlässt die Assisen von Capua, in denen er seine Güter zurückfordert. Außerdem beginnt er den Kampf gegen die teilweise Sizilien beherrschenden Sarazenen, der erst 1225 mit ihrer Deportation nach Lucera in Apulien endet. Die deportierten Sarazenen vergessen ihm nie, daß er sie verschont hat und ihnen auch ihre Lebensweise und ihren Glauben lässt, und werden seine treuesten Anhänger.

1222

Am 8. Mai wird sein Sohn Heinrich in Aachen zu römisch-deutschen König gekrönt.
Am 23. Juni stirbt Konstanze in Catania. Die Wahl des Ortes ihrer Beisetzung kann als Indiz für eine engere Bindung der Eheleute genommen werden. Denn als einzige seiner Ehefrauen lässt Friedrich sie in der Kathedrale von Palermo in einem Steinsarkophag aus dem 3. oder 4. Jahrhundert beisetzen. Als Grabbeigabe legt er ihr seine Krone in den Sarg.

Palermo, Cattedrale Maria SS. Assunta, Figurensarkophag von Konstanze von Aragon
Sizilien, Palermo, Cattedrale Maria SS. Assunta, Mai 2014
Figurensarkophag von Konstanze von Aragón
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Auf dem Sarkophag ist eine Jagdszene mit Hunden und Löwen zu sehen und der Spruch eingemeißelt:

„Sicaniae regina fui Constantia coniunx augusta hic habito nunc Federice tua.
(Siziliens Königin war ich, Konstanze, des Kaisers Gattin, nun wohne ich hier, Friedrich, die Deine).”
1224

Friedrich gründet die Universität Neapel, die erste, von einem Herrscher völlig neu errichtete und von kirchlichem Einfluß freie Universität in Europa. Hier sollte das Verwaltungspersonal seines sizilischen Reiches ausgebildet werden.

1225

Am 9. November heiratet Friedrich, wiederum auf Betreiben des Papstes, seine zweite Ehefrau, die fünfzehnjährige Isabella von Jerusalem, die allerdings außer dem Titel „König von Jerusalem” nichts weiter in die Ehe einbringt. Nur drei Jahre später stirbt sie nach der Geburt von Friedrichs Sohn Konrad.

König von Jerusalem

1227-1229

Am 18. März 1227 stirbt Papst Honorius III., schon am nächsten Tag wird Gregor IX. (um 1167-1241) neuer Papst. Friedrich will nun tatsächlich zum mehrfach verschobenen Kreuzzug aufbrechen, erkrankt aber bei der Abreise von Brindisi schwer. Das Kreuzzugsheer bricht daher im September ohne ihn auf, der neue Papst exkommuniziert Friedrich daraufhin.
Doch Friedrich bekümmert das nicht weiter, und am 28. Juni 1228 fährt er von Brindisi ab und erreicht am 7. September Akkon. Allerdings spaltet die Tatsache, daß ein Exkommunizierter einen Kreuzzug unternimmt, die Parteien im Heiligen Land. Der Patriarch von Jerusalem stellt sich gegen Friedrich, ebenso die Templer und Johanniter. Andere meinen, Friedrichs Heer sei zu klein, er entwürdige damit das Ansehen des Römischen Reiches bei den barbarischen Völkern.
Friedrich gelingt es, in langwierigen Verhandlungen mit Sultan al-Malik al-Kamil einen Vetrag für zehn Jahre abzuschließen: der Sultan überträgt Jerusalem, Nazareth und Bethlehem, die Verbindungswege nach Akkon sowie weitere Burgen und Städte kampflos an Friedrich. Das Königreich Jerusalem wird allerdings nicht als Flächenstaat wieder hergestellt, was etlichen Kreuzfahrern nicht gefällt. Auch die Al-Aqsa-Moschee bleibt in arabischer Hand. Dennoch erreicht Friedrich ohne Kampf mehr als die Kreuzzüge vor ihm.
Friedrich, der ja schon seit 1225 gekrönter König von Jerusalem ist, geht am 18. März in der Grabeskirche „Unter die Krone”; er demonstriert mit majestätischer Geste und kaiserlicher Pracht die Herrschaft des abendländischen Caesars über das Grab des Erlösers in aller Öffentlichkeit.
Aber der Triumph ist nicht von langer Dauer. Die Templer und der Patriarch wollen Friedrich nicht anerkennen. In Sizilien bedrohen päbstliche Truppen, verstärkt durch Adelige, die nach Friedrichs Exkommunikation von ihm abgefallen sind, sein Reich. Er verlässt eilends das Heilige Land und landet am 10. Juni 1229 in Brindisi. Schon bald gelingt es ihm, sein Königreich wiederherzustellen.

1230

Die Exkommunikation wird nach zahlreichen Zugeständnissen Friedrichs aufgehoben, und Anfang September empfängt ihn Papst Gregor IX. im Familienpalast zu Anagi.

1231

Um seine Herrschaft durch eine unerschütterliche Rechtsordnung mit dem König an der Spitze zu stützen, richtet er einen allgegenwärtigen, einzig von ihm abhängigen, unbestechlichen Justizapparat ein. Er lässt eine Juristenkommission die seit normannischer Zeit bestehenden Gesetze und Gewohnheitsrechte zusammentragen und in eine handhabbare Ordnung bringen. Im September wird das Werk am Hoftag zu Melfi verkündet. Als Konstitutionen von Melfi werden die 219 Einzelgesetze in drei Büchern zusammengefasst. Diese erste mittelalterliche Kodifizierung einer Rechtsordnung bleibt im Königreich Sizilien bis 1819 in Kraft.
Als Herausgeber wird „Kaiser Friedrich der immer Erhabene, der Herrscher über Italien, Sizilien, Jerusalem und das Arelat, der Glückliche, Fromme, Sieger und Triumphator” angeführt (RÖSCH). In Friedrichs Vorstellung von einem gerechten, stark zentralisierten Königreich sollte selbst der oberste Herrscher dem Gesetz unterstehen:

„Da Wir die Grundsätze der Gerechtigkeit zu erhalten wünschen, werden Wir von den königlichen Vorrechten keinen Gebrauch zum Schaden Unserer getreuen Untertanen machen, da Wir einen Schaden Unserer getreuen Untertanen als Schaden für Uns selbst und ihren Gewinn als Unseren Gewinn ansehen. Wir, die Wir die Waage der Gerechtigkeit für alle halten, wollen keine Unterschiede machen. Wir wünschen, daß dem Kläger und dem Angeklagten ... gleiches Recht widerfahre.” (ROTTER)

Die wesentlichen Bestimmungen und Neuerungen des Gesetzeswerkes sind: Abschaffung der Gottesurteile, Einschränkung des Waffentragens in der Öffentlichkeit, Beamtenbestechung und Vorteilnahme werden verboten, Bereicherung im Dienst, Vergewaltigung (auch von Prostituierten) und Frauenraub werden mit dem Tod bestraft; Grafen und Barone, die Lehnsträger der Krone sind, müssen vom König die Erlaubnis zur Heirat einholen, wie jeder Mann und jede Frau, der oder die einen Ausländer oder eine Ausländerin ehelichen will; Ärzte werden nur zugelassen, wenn sie eine Prüfung an der medizinischen Hochschule in Salerno abgelegt haben. Erstmals wird auch vom Prinzip „Wo kein Kläger, da kein Richter” abgegangen; Delikte können auch ohne Ankläger von amtlicher Seite verfolgt werden.
Der Hoftag von Ravenna wird von den Städten der Lombardischen Liga verzögert, die die Anreise der deutschen Fürsten behindern. Heinrich, der deutsche König und Sohn Friedrcihs, erscheint gar nicht. Er hat in Deutschland eine unglückliche Politik gemeinsam mit niederen Adel betrieben und die Bischöfe und Fürsten gegen sich aufgebracht. Schließlich muß er ihnen Privilegien zugestehen, die über die Friedrichs von 1220 weit hinausgehen, und kann doch nur den Thron damit retten.

1232

Anfang April treffen Friedrich und Heinrich in Aquilea zusammen. Friedrich bestätigt notgedrungen das Statutum in favorem principum („Statut zur Begünstigung der Fürsten” - die Bezeichnung wurde erst von Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts geprägt) -, das die deutschen Fürsten Heinrich in Worms abgerungen hatten. Gleichzeitig aber verpflichtet er sie, im folgenden Jahr ein Heer für den Krieg gegen die Städte der Lombardischen Liga zu stellen. Die Begegnung der beiden verläuft frostig und für Heinrich demütigend: Er muß seinem kaiserlichen Vater absoluten Gehorsam schwören. Sollte er die Verpflichtungen gegenüber den Fürsten verletzen, wären diese automatisch von ihrem Treueeid entbunden. Er muß den Papst schriftlich ersuchen, ihn in diesem Fall sofort zu exkommunizieren. Außerdem verbietet ihm Friedrich, sich von seiner Ehefrau Margarethe von Österreich scheiden zu lassen, um Agnes von Böhmen zu heiraten. Friedrich braucht das dynastische Bündnis mit dem Herzog von Österreich.
In Venosa wird der Sohn Friedrichs mit seiner Geliebten Bianca Lancia (vermutlich 1210-1248), Manfred, geboren. Manfred, den sein Vater sehr schätzt, wird 1258 König von Sizilien und fällt 1266 in der Schlacht bei Benevent.

1233/34

Von der Lombardei breiten sich die proletarischen Aufstände nach Süditalien und weiter nach Sizilien aus. Friedrich schlägt sie mit äußerster Brutalität nieder. Denn für ihn sind sie Ketzerei, die seine gottgegebene maiestas in Frage stellen. Syrakus, Catania und Nicosia lässt er verwüsten, die Bürger von Messina, trotz eines gegenteiligen Versprechens, umbringen. Im zwiespältigen Charakter Friedrichs kommt seine grausame Seite zum Vorschein und stilisiert ihn zum Tyrannen.

Syrakus (Siracusa), Castello Maniace
Sizilien, Syrakus (Siracusa), Castello Maniace, Mai 2014
Friedrich II. ließ das Kastell von 1232–40 als Festung und Königspalast neu errichten
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

In Rom erhebt sich die Bevölkerung gegen Papst Gregor IX., im Heiligen Land wird der kaiserliche Statthalter besiegt. Hermann von Salza wird in den Osten geschickt, um Frieden zu vermitteln.

1235

Heinrich hält die Versprechungen von Aquilea nicht ein. Er wird vom Papst exkommuniziert und verbündet sich Ende 1234 mit der Lombardischen Liga. Das ist eine offene Auflehnung gegen seinen Vater.
Friedrich muß nun in seinem Regnum Teutonicum Ordnung schaffen und erreicht im Juni Nürnberg. Heinrich ist bereit, sich zu unterwerfen, aber Friedrich will seinem Sohn den Prozeß machen. Die Gerichtsversammlung findet am 4. Juli in Worms statt. Friedrich lässt sich von seinem um Gnade flehenden Sohn nicht erweichen und verurteilt ihn zu lebenslanger Kerkerhaft. 1242 stirbt Heinrich - ob durch einen Unfall oder Selbsttötung, ist nicht geklärt.

Heirat Kaiser Friedrichs II. mit Isabella von England
Heirat Kaiser Friedrichs II. mit Isabella von England. (Darstellung aus der Chronica Maiora des Matthew Paris, um 1250, London, British Library, MS Royal 14 C VII, fol. 123v)
Lizenziert unter Public domain über - Wikimedia Commons (Matthäus Paris)

In Worms heiratet Friedrich Isabella Plantagenêt von England (1214 oder 1217-1241), Tochter des verstorbenen englischen Königs Johann Ohneland, Schwester von König Heinrich III. (1207-1272) und von Richard (1209-1272), Earl von Cornwall und Graf von Poitou, der 1257 römisch-deutscher König wird. Isabella gilt als außergewöhnlich schön, und auch Friedrich ist vom ersten Augenblick an von ihr angetan. Sie wird ihm drei Kinder gebären, darunter 1237 den Sohn Heinrich, der ab 1247 Statthalter im Königreich Sizilien sein wird. Bei der Geburt des vierten Kindes stirbt Isabella am 1. Dezember 1241 in Foggia.
Am Reichstag zu Mainz wird am 15. August der sogenannte Mainzer Landfrieden verabschiedet. Neben zahlreichen Einzelbestimmungen wird ein unabhängiger Reichshofrichter eingesetzt, der stellvertretend für den Kaiser Recht sprechen sollte. Damit wird die Fehde, die im Adel übliche Selbstjustiz, verboten. Nicht waffenfähige Personen sollten geschützt werden.
Und schließlich beschließt der Reichstag auch einen Feldzug gegen die abtrünnigen Städte in der Lombardei, da die von Friedrich erbetenen Vermittlungsversuche Gregors IX. wirkungslos bleiben.

1237

Das Weihnachtsfest 1236 verbringt Friedrich in Graz, von Januar bis April hält er sich in Wien auf, das er zur Reichsstadt erhebt. Hier wird sein neunjähriger Sohn Konrad zum römisch-deutschen König gewählt; im Mai wird die Wahl in Speyer bestätigt. Allerdings wird Konrad nur gewählt, aber nicht gekrönt.
Im Herbst beginnt Friedrich den Kampf gegen die Lombardischen Städte, kann Mantua und Montechiaro einnehmen, scheitert jedoch bei Brescia. Hermann von Salza verhandelt ein letztes Mal mit den Liga-Städten. Die Verhandlungen scheitern, da die Städte nicht zur völligen Unterwerfung und der Stellung von Geiseln bereit sind.

Mailänder Carroccio (Fahnenwagen)
Friedrich II. führt den erbeuteten Carroccio nach Cremona
Darstellung in der Nuova Cronica des Giovanni Villani
Quelle: Wikimedia Commons/Public domain

Am 27. November kommt es bei Cortenuova, südlich von Bergamo, zu einer der größten Schlachten des Mittelalters. Etwa 24.000 Mann kämpfen gegeneinander. Friedrich siegt, die Mailänder verlieren ihren Fahnenwagen (Carroccio), Podestà Pietro Tiepolo, ein Sohn des Dogen von Venedig, wird gefangen genommen. Friedrich lässt ihn, auf den von einem Elefanten gezogenen Fahnenwagen gefesselt, im Triumph durch Cremona führen - ein schwerer politischer Fehler.
Nach seinem ersten Sieg in einer Feldschlacht lässt Friedrich sich vom Freudentaumel zum Hochmut forttragen und kann den militärischen Gewinn nicht in einen pollitischen umsetzen. Er lehnt das weitgehend bedingungslose Friedensangebot der Mailänder ab und fordert die völlige Kapitulation. Dabei hätte ihm klar sein müssen, daß er eine Stadt wie Mailand niemals militärisch würde bezwingen können. Er will die Mailänder im Staub sehen, alle Demütigungen, die er von ihnen erlitten hatte, tilgen. Mailand bricht daraufhin die Verhandlungen ab: „Wir fürchten, durch die Erfahrung gewitzigt, Deine Grausamkeit. Lieber wollen wir mit dem Schwert in der Hand sterben, als durch Hunger, Feuer oder Henkershand zugrunde gehen.” (HORST)
Friedrich glaubt sich im Zenit seiner Macht, doch mit der Ablehnung des Angebots Mailands ist der Wendepunkt seiner Herrschaft erreicht, sie beginnt zu errodieren. Städte wie Alessandria, Brescia, Piazenca, Bologna und Faenza verbünden sich nun mit Mailand gegen ihn.

Die Erosion der Macht

1238

Im Juni sammelt sich ein neues deutsches Heer bei Goito in der Nähe von Verona. Friedrichs zehnjähriger Sohn Konrad ist dabei, ebenso der bereits schwer kranke Hermann von Salza. Die reichstreuen Städte, die Toskana, das Königreich Sizilien und andere italienische Regionen schicken Truppen. Auch die Könige von England, Frankreich und Spanien, der Graf der Provence, der Kaiser vonn Byzanz und auch der Sultan stellen Soldaten. Doch trotz dieses Heeres gelingt es Friedrich nicht, Brescia zu erobern. Er belagert es von August bis Oktober, dann löst er das Heer für den Winter auf.
Zusätzlich verärgert er Papst Gregor IX. mit der Vermählung seines Sohnes Enzo mit Adelasia (1207-1255 oder 1259), der Erbin von zwei der vier Kleinkönigreiche (Judikate) Sardiniens. Der Papst, der sich als Lehensherr Sardiniens betrachtet, attackiert den Kaiser wegen dieses Affronts heftig. Genua, das Sardinien als Teil seiner Einflusssphäre ansieht, verbündet sich nun mit Venedig.

1239

Am 20. März feiert Friedrich den Palmsonntag in Padua und lässt Petrus de Vinea (ca. 1200-1249) eine Rede an die Menge halten. In Salerno stirbt Hermann von Salza. In der Laterankirche in Rom verhängt Papst Gregor die Exkommunikation über Friedrich. Gregor bezeichnet Friedrich „als die aus dem Meer gestiegene Bestie voller Namen der Lästerung ..., die nicht aufhört, auf Gottes Zelt und die Heiligen ... die gleichen Speere zu schleudern.” (ROTTER). Friedrich habe erklärt, die ganze Welt sei von drei Betrügern, Christus, Moses und Mohammed, getäuscht worden; zwei seien in Ehren, Jesus selbst aber am Holz gestorben. Friedrich traut man den Ausspruch durchaus zu - wegen seines lockeren Umgangs mit Frauen, seiner engen Beziehung zu den Muslimen, seiner Freigeistigkeit, seiner Liebe zur Wissenschaft und seiner lauen Frömmigkeit.
Friedrich reagiert scharf und auf gleicher Ebene. Die Städte Treviso und Ravenna fallen von ihm ab, die Truppen aus dem Herzogtum Spoleto und der Mark Ancona bleiben aus. Friedrich muß sich in die Toskana zurückziehen.

Venetien, Treviso, Palazzo dei Trecento
Venetien, Treviso, Oktober 2013
Palazzo dei Trecento, bereits 1213 als domus nova comunis erbaut
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der gleichzeitig stattfindende Kreuzzug interessiert Friedrich nicht, obwohl er die durchziehenden Kreuzfahrern verpflegen lässt. Am 13. November wird der Großteil des christlichen Heeres vernichtet, Jerusalem geht für immer verloren.

1241

Friedrich setzt seinen Kampf gegen die Städte der Lombardischen Liga fort, er wirkt jedoch wenig geplant und sehr emotional getrieben. Die ausweglose Hartnäckigkeit, mit der Friedrich gegen die Lombarden vorgeht, verstört selbst wohlwollende Zeitgenossen. Auf die Vorhaltungen der Gräfin von Caserta antwortet er:

„Ich sehe ein, Frau Gräfin, daß Ihr die Wahrheit sagt, aber ich bin schon so weit gegangen, daß ich ohne Schande für mich unmöglich noch zurückweichen kann.” (aus der Chronik des Salimbene de Adam, zit. nach ROTTER)

Er belagert Faenza, das sich im April nach acht Monaten ergibt. Seine Flotte errichtet zwischen Monte Christo und dem Festland eine Seeblockade. Papst Gregor hatte ein Konzil einberufen, aber Friedrich will die anreisenden Bischöfe nicht nach Rom durchlassen. Bei der Seeschlacht gegen die genuesische Flotte werden drei Erzbischöfe, 100 Bischöfe sowie zahlreiche weitere kirchliche Würdenträger gefangen genommen und in Apulien eingekerkert.
Am 22. August stirbt Papst Gregor IX. in Rom. Und am 1. Dezember stirbt Isabella, Friedrichs dritte Gemahlin, in Foggia im Kindbett. Sie wird, wie Isabella von Jerusalem, im Dom von Andria bestattet.

1243

Im Mai zieht Friedrich zum wiederholten Mal gegen Rom, kann die Stadt jedoch nicht einnehmen. In Anagni wird am 25. Juni Sinibald Fiesco, ein vornehmer Genueser, als Innozenz IV. (um 1194-1254) zum Papst gewählt. Die eineinhalbjährige Sedisvakanz hat ein Ende. Friedrich versucht, das Verhältnis zum Papst zu normalisieren und die Aufhebung der Exkommunikation zu erreichen.

1244

Papst Innozenz erweist sich als noch unnachgiebiger und machtbessesener als sein Vorgänger. Trotz zahlreicher Zugeständnisse Friedrichs lässt er eine entsprechende Vereinbarung im letzten Moment platzen und verweigert die Aufhebung der Exkommunikation. Vor einem geplanten Treffen mit Friedrich im Juni in Narni (Umbrien) setzt er sich zunächst nach Genua und dann nach Lyon ab, wo er am 2. Dezember eintrifft.

Absetzung des Kaisers

1245

Am 28. Juni beginnt das von Papst Innozenz einberufene Konzil von Lyon. Mit etwa 150 Prälaten schwach besucht und nicht repräsentativ, da aus vielen Ländern gar keine Vertreter angereist waren. Im Mittelpunkt steht schon bald die Absetzung Friedrichs von allen Herscherämtern. Am 17. Juli verliest Innozenz die Absetzungsbulle und untersagt allen Untertanen, Friedrich weiterhin als König und Kaiser anzuerkennen. Damit ist der Bruch zwischen Kaiser und Papst endgültig.
Friedrich befindet sich in einer ausweglosen Lage, die ihm zunehmend psychisch zu schaffen macht. Die Kriegsstrapazen der letzten 15 Jahre, die unzähligen Tagen bei Wind und Wetter zu Pferd, die familiären Schicksalsschläge lassen den 50-jährigen altern und kränkeln. Im November reist er nach Grosseto und widmet sich seinem Falkenbuch, einem für seine Zeit einmaligen Werk.

1246

Friedrich feiert am 8. März in Grosseto das Osterfest mit seinen Söhnen Enzo und Manfred, seinem Schwiegersohn Ezzelin (Ezzelino III. da Romano, 1194-1259), verheiratet mit Friedrichs unehelicher Tochter Selvaggia (†1244), sowie anderen engen Vertrauten. Da wird er von einer geplanten Revolte und landesweiten Erhebung in Sizilien informiert. Drahtzieher im Hintergrund ist Papst Innozenz, aber auch zahlreiche Männer aus seiner engsten Umgebung sind beteiligt. Friedrich lässt sie auf grausamste Art hinrichten.
Die Position seines Sohnes Konrad IV. in Deutschland verschlechert sich zusehends, Auf Druck des Papstes wird Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen, von einem kleinen Teil der deutschen Fürsten zum König gewählt. Bald erhält er den Beinamen Pfaffenkönig (rex clericorum), da an seiner Wahl kein weltlicher Fürst teilgenommen hatte. Diese Wahl geht als „Pfaffenwahl” in die Geschichte ein.
Friedrich sieht sich gezwungen, erneut über die Alpen nach Deutschland zu ziehen. Zuvor aber besetzt er die Spitzen der Kapitanate, der Regionen Italiens, mit Söhnen und Schwiegersöhnen.

Venetien, Asolo, Castello della Regina
Venetien, Asolo, Castello della Regina, Oktober 2013
1242 Wohnsitz von Ezzelino III. da Romano
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
1247/48

Auf dem Hoftag in Terni im Februar erhebt Friedrich seinen Sohn mit Isabella von England, Heinrich, zum Statthalter im Königreich Sizilien. Dann bricht er nach Norden auf. Unterwegs erfährt er, daß der Gegenkönig Heinrich Raspe gestorben ist. Friedrich beschließt, nach Lyon zu ziehen, um vielleicht doch eine Aussöhnung mit Papst Innozenz und die Aufhebung der Exkommunikation zu erreichen.
Da wird ihm gemeldet, daß Parma durch Verrat an die Papstgetreuen gefallen ist. Er kehrt um und beginnt Anfang Juli mit der Belagerung von Parma. Doch kann er die Stadt nicht einnehmen und lässt im Oktober eine hölzerne Lagerstadt bauen, um die Belagerung über den Winter fortsetzen zu können. In Erwartung des Sieges nennt er sie Victoria.
Anfang Dezember entlässt er einen Großteil des Heeres und bleibt mit 1100 Berittenen, 2000 Fußsoldaten und 5000 Mann seiner Sarazenentruppe vor Parma zurück.
Zu Jahresbeginn 1248 steht Parma wegen einer Hungersnot kurz vor der Kapitulation. Friedrich geht am 18. Februar in den sumpfingen Niederungen des Taro mit seinen Falken auf Jagd, als plötzlich die Sturmglocke der Lagerstadt Victoria erklingt. Bei ihrer Rückkehr findet die Jagdgesellschaft das Lager zerstört vor. Die Parmesaner hatten einen verzweifelten Ausfall unternommen, den Großhofrichter Thaddäus von Suessa und 1500 Kaiserliche getötet. Dabei erobern sie den Thron des Kaisers und seine Siegel, alle Vorräte und Waffen sowie die Bücher des Kaisers. Es ist Friedrichs schwerste Niederlage.
Im Lauf des Jahres fällt auch Ravenna von ihm ab, Mailand belagert er wiederum vergebens.

1249

Im Februar heiratet Friedrichs illegitimer Sohn mit der schwäbischen Adeligen Adelheid von Urslingen, Enzo von Sardinien, am Hoftag von Cremona eine Nichte seines Schwiegersohns Ezzelino III. da Romano.
Friedrichs Leibarzt Tibaldo versucht, den Kaiser zu vergiften. Als er Friedrich einen Becher mit einem Heiltrank reicht, fordert in dieser vorgewarnt auf, den ersten Schluck zu nehmen. Der Arzt täuscht Unachtsamkeit vor und verschüttet den Großteil des Trankes. Ein zum Tode Verurteilter wird gezwungen, den Rest zu trinken, und verstirbt auf der Stelle. Der Arzt wird, geblendet und gefoltert, nach Sizilien gebracht und dort hingerichtet. Papst Innozenz war, wenn schon nicht Anstifter, zumindest Mitwisser des Mordversuchs.
Petrus von Vinea, Ratgeber, Freund, Sprecher, Gesetzesverkünder, Protonator und Logothet, einer seiner engsten und ältesten Vertrauten, wird gesürzt. Allerdings ist bis heute unklar, was tatsächlich den Sturz verursacht hat. Es gibt dazu kein offizielles Dokument, Friedrich selbst äußert sich nur einmal, in einem Brief an seinen Schwiegersohn Richard von Caserta, über die Untreue des Petrus von Vinea: „der daß er Geldbeutel hätte oder sie füllte, der Gerechtigkeit Stab in eine Schlange wandelte” (HORST). Im Kerker der Burg San Miniato in der Toskana nimmt sich der bereits Geblendete wahrscheinlich selbst das Leben.
Im Mai wird Enzo, Generallegat für Reichsitalien, nach der Schlacht bei Fossalta bei Modena gefangen genommen und nach Bologna gebracht. Friedrichs Versuche, seinen Sohn freizubekommen, scheitern; Enzo bleibt bis zu seinem Tod 1272 im Palazzo Re Enzo in Haft.
Im Oktober verlässt Friedrich über Pisa Reichsitalien und zieht sich nach Apulien zurück. Bevorzugt hält er sich in Foggia und in Castel Lagopesole nahe Melfi auf.

Der Tod

1250

Die politische Lage Friedrichs verbessert sich. In Reichsitalien mehren sich die militärischen Erfolge der kaiserlichen Vikare und Markgrafen: Ravenna wird zurückgewonnen, das Heer des päbstlichen Legaten der Mark Ancona wird vernichtend geschlagen und die Mark Ancona zurückgewonnen. Die abgefallenen Städte der Mark, Spoletos und der Romagna unterwerfen sich, mit Ausnahme Bolognas. Auch in der nördlichen und mittleren Lombardei, bei Verona und Parma siegen die kaiserlichen Truppen. Die Gefangenname des französischen Königs Ludwig IX. (1214-1270) bei seinem Kreuzzug in Ägypten wird dem Papst angelastet, der mit der Exkommunikation Friedrichs dessen Unterstützung für den Kreuzzug verhindert habe. Papst Innozenz wird aus Lyon vertrieben, sein Kampf gegen Friedrich wird als persönliche Maßnahme durchschaut: „Nicht der Papst, sondern der Kaiser, der seinerseits nie die Absetzung Innozenz IV. und die Wahl eines GegenPapstes in Erwägung gezogen hatte, schien aus dem Zweikampf als Sieger hervorzugehen.” (HORST).
In Deutschland kann sich Konrad IV. vorläufig gegen den Gegenkönig, Graf Wilhelm von Holland, durchsetzen.
Am 13. Dezember stirbt Kaiser Friedrich II. in Castel Fiorentiono nahe Lucera, vermutlich an der Ruhr, Typhus, Paratyphus oder einer Blutvergiftung, in seinem sechsundfünfzigsten Lebensjahr. Fiorentiono existiert heute nicht mehr, vermutlich wurde es bei der Ausrottung der Sarazenen zerstört.
In Gegenwart seines seit 38 Jahren vertrauten Freundes, Berard von Castagna, sowie weiterer Getreuer, verfasst er sein Testament:

„Im Hinblick auf die Vergänglichkeit des Menschen wollen Wir, Friedrich, von Gottes Gnaden immer erhabener Kaiser der Römer, König von Jerusalem und Sizilien, für das Heil Unserer Seele sorgen und über Reich und Länder verfügen, da Uns das Ende des Lebens bevorsteht, in vollem Besitz der Sprache und des Denkvermögens, krank an Körper, aber bei klarem Verstande, auf daß Wir noch zu leben scheinen, auch wenn Wir dem irdischen Leben entrückt sind.” (HORST)

Konrad IV. wird Nachfolger im römisch-deutschen Kaiserreich und im Königreich Sizilien. Sollte er ohne Erben sterben, sollen ihm Heinrich und danach Manfred nachfolgen. Mit dem Testament will Friedrich an der Vereinigung des römisch-deutschen Kaiserreiches mit dem Königreich Sizilien unter einem Herrscher festhalten.

Das Ende der Staufer

1251-1318

Mitte Januar 1251 wird Friedrichs Leiche nach Messina und weiter nach Palermo überführt. Am 25. Februar wird er in der Kathedrale von Palermo neben seinem Vater Heinrich VI. in einem Porphyr-Sarkophag beigesetzt. In der Reihe hinter ihm ruhen seine erste Gemahlin, Konstanze von Aragon, und Roger II.

Palermo, Cattedrale Maria SS. Assunta, Sarkophag von Kaiser Friedrich II.
Sizilien, Palermo, Cattedrale Maria SS. Assunta, Mai 2014
Sarkophag von Kaiser Friedrich II.
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Nach dem Tod Friedrichs führt Papst Innozenz den Kampf gegen die Staufer unerbittlich weiter, er will sie ausmerzen. Das Testament Friedrichs mißachtet er und anerkennt weder die Nachfolge Konrads IV. noch die Regentschaft Manfreds.
Am 21. Mai 1254 stirbt König Konrad in Lavello, nordöstlich vom Melfi, vermutlich an Malaria. Sein Halbbruder Manfred übernimmt die Regentschaft für dessen zweijährigen Sohn Konradin, und wird von Papst Innozenz anerkannt, aber von dessen Nachfolger Alexander IV. (um 1199-1261) 1254 exkommuniziert. 1258 lässt er sich in Palermo zum König krönen. Aber weder mit Alexanders Nachfolger Papst Urban IV. (vor 1200-1264) noch mit dessen Nachfolger, Papst Clemens IV. (um 1200-1268) kommt es zu einer Einigung. Dieser belehnt den Bruder des französischen Königs Ludwigs IX., Karl I. von Anjou (1227-1285), im August 1265 mit dem Königreich Sizilien. Damit wird die Dynastie der Kapetinger in Süditalien etabliert.
1266 schlägt Karl in der Schlacht von Benevent Manfred vernichtend, Manfred fällt. Der Enkel Friedrichs II., Konradin, versucht Sizilien zurückzuerobern, erleidet aber am 23. August 1268 eine vernichtende Niederlage gegen Karl. Nach seiner Gefangenname wird er am 29. Oktober in Neapel hingerichtet. Damit erlischt die Hauptlinie des staufischen Geschlechts.
Manfreds ältester Sohn Friedrich wird, gemeinsam mit seinem Bruder, von Karl eingekerkert. Er stirbt 1318 erblindet nach 52 Jahren Haft. Mit ihm endet die Reihe der legitimen männlichen Nachkommen Friedrichs II.
In Deutschland beginnt mit der Doppelwahl von 1257 das sogenannte Interregnum, das erst 1273 mit der Wahl Rudolfs von Habsburg (1218-1291) zum römisch-deutschen König beendet wird. In Nord- und Mittelitalien übernehmen regionale Machthaber die Herrschaft. Das Königreich Sizilien wird für Jahrhunderte von landfremden Dynastien beherrscht werden und seine Bedeutung verlieren.

Der Herrscher Friedrich

Friedrich war Herrscher über drei sehr unterschiedliche Herrschaftsgebiete: als König von Sizilien beherrschte er die Insel und den Teil des italienischen Festlandes, das in etwa dem heutigen Süditalien entspricht; als römisch-deutscher König erstreckte sich sein Reich von den Alpen bis zur Nordsee; als römisch-deutscher Kaiser kam noch Reichsitalien, in etwa das heutige Norditalien, dazu.
Friedrich fühlte sich nicht als Staufer, als deutscher Fürst, sondern trug das Erbe seiner normannischen Mutter in sich. Er war in erster Linie Sizilianer und bezeichnete sich selbst als puer Apuliae, als Knaben aus Apulien. In der Regensburger Kaiserchronik war er „daz chint, den man von Pülle hiez”. Deshalb galt sein Interesse immer und in erster Linie dem Königreich Sizilien, es zu hegen und zu schützen.

Königreich Sizilien

Schon 1208, als er mit Vollendung des 14. Lebensjahres Herrschaftsfähigkeit erlangte, versuchte er sich gegen die lokalen Gewalten durchzusetzen, was ihm, mangels entsprechender Mittel, nur bedingt gelang. Aber sein Wille zur Herrschaft wird schon spürbar. 1212 zog er nach Deutschland, um römisch-deutscher König und Kaiser zu werden, und erst ab 1220 konnte er sich wieder voll den sizilianischen Angelegenheiten widmen.
Das Regnum Siciliae war während der Herrschaftszeit Friedrichs II. in zwölf Provinzen aufgeteilt: Die nördlichste Provinz waren die Abruzzen. An der Westküste ist die Terra di Lavoro zu nennen, an die sich südlich der Prinzipat anschloß. Am Adriatischen Meer lagen die apulischen Provinzen Capitanata, Terra di Bari sowie, am Absatz des italienischen Stiefels, die Terra d’Otranto. Die apulische Binnenprovinz war die Basilicata. Im Südwesten schlossen sich die drei kalabresischen Provinzen Val di Crati, Terra Giordana und Calabria an. Die Insel Sizilien bestand aus West- und Ostsizilien.
Zu seinem bevorzugten Aufenthaltsort wählte Friedrich nicht Palermo, sondern das bis dahin völlig unbedeutende Foggia in Apulien, ohne es aber in den Rang einer Hauptstadt zu erheben. Von dem Palast, den er ab 1223 nach Plänen von Bartolomeo da Foggia errichten ließ, existiert heute nur mehr ein Portalbogen.
Palermo war für die Beherrschung und Verwaltung eines derart ausgedehnten Reiches zu abgelegen. Friedrich verlagerte die Schwerpunkte des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebens nach Norden auf das Festland, nach Apulien. Die Insel Sizilien wurde zwar nicht ins geschichtliche Abseits gedrängt, verlor aber ihre traditionelle Vorherrschaft.

Assisen von Capua

Am 20. Dezember 1220 hielt Friedrich den Hoftag von Capua ab, und erließ in dieser ersten größeren Stadt seines Reiches die Assisen von Capua. Darin ordnete er an, alle nach dem Tod von König Wilhelm II. (1189) ohne königliche Erlaubnis errichteten Burgen und Kastelle abzureißen. Alle nach 1198 ausgestellten Privilegien mußten erneuert werden. Er forderte auch sämtliche entfremdete Güter zurück. Damit setzte Friedrich einen bewußten Rückgriff auf die normannischen Traditionen des Königreichs und die Grundsätze des überkommenen Lehensrechts. Und es gelang ihm, diese Vorstellungen durchzusetzen.

Niederwerfung der Sarazenen

Zwischen 1220 und 1225 bekämpfte er die muslimischen Sarazenen auf der Insel, die seine Herrschaft immer wieder durch Aufstände bedrohten. Nach dem Sieg ließ Friedrich die Muslime nach Apulien in die Gegend von Lucera deportieren. Aber er ließ sie ihre Religion ausüben, ihre eigene Rechtssprechung und eine Selbstverwaltung. Mit diesem Gnadenakt machte er aus Feinden treu ergebene Gefolgsleute, die ihm für seine Kriege schlagkräftige Kämpfer stellten und gegen alle Verlockungen der Päbste immun waren.

Zentrale Verwaltung

Aufbauend auf der auf Rationalisierung und Terretorialisierung ausgerichteten zentralen Verwaltung seines Großvaters, Roger II. (1095-1154), baute Friedrich ein ihm unterstehendes Beamtentum auf. Damit überwand er die zentrifugalen Kräfte des Lehnswesens. Die Beamten wurden auf Zeit ernannt, durften nicht aus der Region, in der sie tätig waren, stammen, und dort auch keinen Besitz haben oder heiraten.

Verwaltungsstruktur des Königreichs Sizilien
Verwaltungsstruktur des Königreichs Sizilien unter Friedrich II.
Quelle: FRIEDL

Bezahlt wurden sie von der Krone, ausgebildet auf der 1224 von Friedrich gegründeten Universität von Neapel, der ersten, von kirchlichem Einfluß freien Hochschule Europas. Außerdem führte er eine neue einheitliche Silberwährung, die Denare, ein. Die alten Münzen mußten zwangsweise umgetauscht werden. Damit wurde Süditalien in den auf Silberwährung basierenden europäischen Wirtschaftsraum integriert.
Auch das Rechts- und Justizwesen wurde zentralisiert. Vom König eingesetzte Großjustitiare und Justitiare behandelten sämtliche Rechtssachen. Waffentragen in der Öffentlichkeit wurde verboten, ebenso Selbstjustiz und Zwangsmaßnahmen auf eigene Faust sowie Fehden. Die königlichen Kastelle erhielten eine ständige Besatzung, die eine Art polizeiliche Gewalt ausübte. Einen weiteren Schrit zur Festigung seiner Verwaltung setzte er 1231 mit den Konstitutionen von Melfi.
Friedrich schuf keinen modernen Zentralstaat, seine Herrschaft war keineswegs die „erste absolute Monarchie des Abendlandes” (KANTOROWICZ). Der Begriff „Beamte” für das Verwaltungspersonal ist anachronistisch; die Beamtenschaft war keine Institution, sondern existierte nur durch ihn und für ihn. Eine Verbundenheit zu einem Staat gab es nicht, da es diesen Staat im modernen Sinn nicht gab.

Steinerne Herrschaft

Ab den 1230er-Jahren, nach dem Kreuzzug, begann Friedrich, das Land mit Kastellen zur Festigung seiner Herrschaft zu überziehen. An seinen zahlreichen Aufenthaltsorten ließ er Jagdschlösser und Paläste errichten. Insgesamt wurden unter seiner Herrschaft 287 Bauwerke neu gebaut oder ausgebaut. Denn aufwendiges Bauen signalisierte auch Herrschaft und kam damit dem Herrschen sehr nahe. Repräsentative Bauten waren regelrechte Herrschaftszeichen.
Die Kastellketten zeugen von einem äußerst planvollen Ausbau der militärischen Sicherung des Südreichs. Mit den Kastellen konnte er das Land bei Bedarf praktisch abschließen. Eine des herausragenden Kastelle ist das zwischen 1240 und 1250 errichtete Castel del Monte. Von der Lage her erscheint es nicht als Verteidigungsanlage gedacht, auch der achteckige Grundriß gibt zu zahlreichen Spekulationen Anlass: als „Steinerne Krone” sollte es möglicherweise die Macht Friedrichs symbolisieren.

Castel del Monte
Apulien, Castel del Monte
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Ungewiss ist auch, ob es jemals fertiggestellt wurde und ob sich Friedrich hier aufgehalten hat.
In der öffentlichen Meinung löste die Bautätigkeit Friedrichs jedoch Besorgnis aus, vor allem, weil die Bauten sehr kostspielig waren und der steuergeplagten Bevölkerung weitere Lasten auferlegten.

„Generell lässt sich über das Baugeschehen in der Herrschaftszeit Kaiser Friedrichs sagen, dass ohne ihn und seine Bauten, ohne Castel del Monte, das Triumphtor in Capua und wohl auch ohne einige seiner Kastelle und Paläste eine Reihe der großartigen Schöpfungen der Renaissance nicht denkbar gewesen wären.” (RADER 2010)

Herrschaft zur See

Um ein Reich wie das Königreich Sizilien, das aus einer großen Insel und einer Halbinsel besteht, beherrschen zu können, braucht man eine Flotte. Im Mittelmeer als Zentrum des antiken und mittelalterlichen Europas entwickelten sich mächtige Städte mit jahrhundertealten Handelsverbindungen.
Schon die normannischen Herrscher bauten in Konkurrenz zu Byzanz und den Seestädten Genua, Pisa und Venedig eine eigene Seemacht auf. Die inzwischen vernachlässigte Flotte baute Friedrich nach seiner Rückkehr in sein regnum Siciliae zu einer bedeutenden Seemacht aus. Mit den Assisen von Capua nahm Friedrich den Seestädten ihre Privilegien. Es war nun Vorrecht des Staates, Häfen zu betreiben, Ein- und Ausfuhr sollte unter die Regie des Fiskus kommen.
Friedrich, der selbst mehr als 20 Mal auf kürzeren und längeren Seereisen unterwegs war, mußte keine Schiffe mehr von den Seestädten mieten, denn er besaß eine eigene Flotte: Friedrichs südliches Reich war eine Seemacht geworden. Man kann also von Federico il Navigatore, von „Friedrich dem Seefahrer” sprechen. Die Seestreitkräfte wurden von einem Admiral befehligt.
1241 gelingt der sizilianisch-pisanischen Flotte ein wichtiger Sieg gegen die unter Papst Gregor IX. verbündeten Seestädte Genua und Venedig, die gemeinsam das sizilianische Königreich erobern wollten. Die Seeschlacht von Montecristo am 3. Mai war der größte Erfolg Friedrichs auf See. Trotz weiterer kleinerer Scharmützel auf See konnten Genua und Venedig ihren geplanten Angriff auf Sizilien nicht umsetzen.

Römisch-deutsches Reich

In Deutschland versuchte Friedrich erst gar nicht, sein zentralistisches Herrschaftsmodell anzuwenden. Er tastete die Struktur der kleinräumigen Herrschaftsbereiche, der Bistümer und Fürstentümer, nicht an. Er versicherte sich nur ihrer Anerkennung seiner Herrschaft, durch die Verteilung von Privilegien und durch Geld bekam er ihre Treue-Eide. Friedrich konnte - und wollte - sein deutsches Reich nicht beherrschen, sondern sich nur den Rücken freihalten und jede Bedrohung seines Regnum Siciliae ausschalten. Und bei Bedarf sollten sie ihm Truppen stellen.
Aus dieser Perspektive ist sein Zorn und die Behandlung seines Sohnes Heinrich zu sehen, den er als römisch-deutschen König eingesetzt hatte. Denn dessen Politik gefährdete letztlich Friedrichs Position als römisch-deutscher Kaiser, gefährdete sein Sizilien, wenn deutsche Fürsten sich gegen ihn gestellt hätten.

Mainzer Landfrieden

Allerdings setze er auch in Deutschland eine Art „staatliches Gewaltmonopol” durch: 1235 wurde im Mainzer Landfrieden, neben der Bestätigung der Fürstenprivilegien, zur Aufrechterhaltung des „inneren Friedens” die Einsetzung eines unabhängigen Reichshofrichters beschlossen, der stellvertretend für den Kaiser Recht sprechen sollte. Damit wurde die Fehde verboten, der Adel sollte seine Rechtsstreitigkeiten nicht mehr gewaltsam untereinander austragen. Doch der Prozess, den Landfrieden gegen das ungezügelte Fehderecht durchzusetzen, zieht sich durch das ganze Spätmittelalter. Er endet erst am Ende des 15. Jahrhunderts mit der Verkündung des ewigen Landfriedens und mit der Durchsetzung des Gewaltmonopols im absolutistischen Staat.

Reichsitalien

Reichsitalien, das im Mittelalter nicht nur wie heute die Lombardei (in etwa zwischen Gardasee, Lago Maggiore und Po gelegen) umfasste, schloß auch das Tessin, Piemont und Genua (Ligurien) mit ein. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert nahmen die Städte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der mit einer immer größeren politischen Unabhängigkeit verbunden war. Die oberitalienischen Städte befreiten sich von der Stadtherrschaft ihrer Bischöfe und etablierten verschiedene Arten kommunaler Selbstverwaltungen und bezogen auch das Umland in ihren Herrschaftsbereich mit ein.

12. Jahrhundert

Zwar unterstanden sie dem römisch-deutschen Kaiser, aber die Durchsetzung der kaiserlichen Herrschaft war von den Bündnissen der Städte mit und gegen den Kaiser abhängig. Eine wichtige Rolle spielte der jeweilige Papst, denn ein Bündnis gegen den Kaiser war ein Bündnis mit dem Papst. Und die Büdnisse wechselten. Mit der wachsenden Unabhängigkeit beanspruchten die Kommunen auch die Ausübung ehemals königlicher Rechte, der Regalien:

„Seit dem 12. Jahrhundert stellte sich daher so etwas wie ein Konfliktautomatismus ein: Wollte ein Kaiser traditionelle Herrschaftsrechte des Reiches in Anspruch nehmen oder sogar intensivieren, führte das zwangsläufig zum Zusammenstoß mit den Kommunen Oberitaliens, allen voran Mailand.” (RADER 2012)

13. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert kamen für die oligarchischen Geschlechter Parteinamen auf: die Ghibellinen waren die Parteigänger des Staufererben Friedrich, die Guelfen waren in Anlehnung an die Welfen deren Gegner. Aufgrund ihrer ökonomischen Kraft konnten sie lange Konfliktphasen problemlos durchstehen.
Schon Friedrichs ersten Zug nach Deutschland 1212 hatten die kaiserfeindlichen Städte gefährdet. 1226 sperrte die in einem Bündnis vereinigten oberitalienischen Städte - neben Mailand unter anderem Piacenza, Brescia, Mantua, Padua, Treviso, Bologna und Crema - die Alpenpässe und Straßen, die Friedrich mit einem großen Heer zu einem Kreuzzug durchqueren wollte. 1236 erklärte ihnen der Kaiser den Reichskrieg, im November 1237 konnte er den Bund lombardischer Städte besiegen. Allerdings versäumte Friedrich die Gelegenheit, den militärischen Sieg in einen politischen umzuwandeln, und lehnte ein Unterwerfungsangebot ab. Damit war er gezwungen, bis zu seinem Tod gegen den lombardischen Bund zu kämpfen - wofür ihm eigentlich auf Dauer die militärischen Mittel fehlten -, ohne ihn niederringen zu können. Die Veränderungen der politischen Situationen ergaben sich nur noch aus den Büdniswechseln der einzelnen Städte.
Friedrich erreichte weder sein Ziel, sein sizilianisches Herrschaftmodell hier in Norditalien duchzusetzen, noch konnte er die immerwährende Bedrohung durch die lombardische Liga, die Verbindung zwischen seinem deutschen und seinem sizilianischen Reich zu unterbrechen, beseitigen. Von seinen erfolglosen Versuchen fühlten sich jedoch die Päbste bedroht.

Der Mensch Friedrich

Weder über das Aussehen Friedrichs II. noch über seine Psyche oder seinen Charakter liegt gesichertes Wissen vor. Die mittelalterlichen Quellen thematisieren nur selten individuelle Aspekte einer Person, sondern bringen Idealbilder und Stereotypen. Außerdem gibt es kaum objektive Betrachtungen, das Bild des Kaisers ist immer von Anhängern und Gegnern gefiltert.

Aussehen

Friedrich II. an der Fassade des Brückenkastells von Capua
Friedrich II. nach der Sitzfigur an der Fassade des Brückenkastells von Capua, 1781
[Public domain] via Wikimedia Commons/Franz Kampers (1868-1929)

Über das Aussehen, das „wahre Gesicht” des Kaisers, ist wenig bekannt. Im Mittelalter war das reale Aussehen des Herrschers unwichtig, es zählte die Inszenierung und wie er gesehen werden wollte.
Wahrscheinlich war Friedrich mittelgroß, hatte eine rötliche Haut und rötlich-blondes Haar. Seine äußeren Züge waren eher deutsch als mediterran-italienisch, vermutlich trug er keinen Bart.
Ein offizielles Herrscherbild ist die verlorene Sitzfigur Friedrichs an der Fassade des Brückenkastells von Capua. Die um 1781 entstandene Zeichnung vermittelt einen Eindruck von der Statue, die 1799 von französischen Revolutionstruppen zerstört wurde. Aber auch dieses Bild ist ein idealisierendes Herrscherbild.
Mehrere Bilder Friedrichs enthält das 1260 von seinem Sohn Manfred in Auftrag gegebene Falkenbuch. Fraglich ist auch, ob das Fresko im Palazzo Finco in Bassano del Grappa Friedrich und seine Gattin Isabella von England darstellt. Die Darstellung einer allgemein höfischen Szene ist zu unspezifisch. Dies gilt auch für eine Reihe weiterer Darstellungen, die Friedrich zeigen sollen. Und auch die Abbildungen auf den verschiedenen Münzen sind nur eine Wiedergabe dessen, wkie der Kaiser sich in Szene setze und gesehen werden wollte.

Die Frauen des Kaisers

Friedrich hatte vier Ehefrauen. Die ersten drei Ehen wurden aus dynastischen Gründen geschlossen. Die vierte Ehe war wohl einen Liebesheirat mit seiner langjährigen Geliebten Bianca Lancia, diente aber auch der Legitimierung des gemeinsamen Sohnes Manfred.

Stammtafel Friedrichs II.
Stammtafel Friedrichs II.: Ehefrauen und Kinder

Wie viele Affären, Mätressen und Geliebte Friedrich hatte, ist unbekannt. Gesichert sind jene dreizehn Frauen, mit denen er Kinder zeugte.

Konstanze von Aragón (ca. 1183-1222, ⚭1209)

Die im August 1209 geschlossene Ehe zwischen dem noch nicht 15-jährigen Friedrich und der mindestens zehn Jahre älteren Konstanze war auf Betreiben von Papst Innozenz III. zustande gekommen. Innozenz war ja bis zu Friedrichs vierzehnten Geburtstag dessen Vormund und hatte den Ehevertrag abgeschlossen.
Für Konstanze war es bereits die zweite Ehe. 1198 hatte sie König Emmerich von Ungarn geheiratet, der mit seinem Bruder Andreas im Thronstreit lag. 1200 wurde Emmerichs Sohn Ladislaus geboren. 1204 starb Emmerich, und Konstanze flüchtete mit ihrem Sohn nach Wien, wo er 1205 starb. Sie selbst ging nach Aragonien zurück und lebte im Kloster Santa Maria Reina in Sigena.
Als Mitgift brachte Konstanze 500 Ritter nach Palermo mit, die allerdings bald an einer der üblichen Sommerseuchen starben. Außerdem erhielt der Hof in Palermo durch sie und ihr Gefolge neue kulturelle Impulse. Verbreitet ist die Ansicht, daß sie die Entwicklung Friedrichs positiv beeinflusste.
1211 wurde Heinrich geboren, der als römisch-deutscher König Friedrich viel Ärger bereitete. Von 1212-1216 war sie für Friedrich, der nach Deutschland gezogen war, Regentin in Sizilien („Konstanze Königin von Sizilien, vereint mit ihrem Sohn Heinrich”). Anschließend reiste sie gemeinsam mit Heinrich nach Deutschland, wo sie die meiste Zeit vermutlich im elsässischen Hagenau, einer der Lieblingspfalzen Friedrichs, verbrachte.
Im November 1220 wurde sie gemeinsam mit Friedrich in Rom zur Kaiserin gekrönt - als einzige seiner Ehefrauen.
Anschließend kehrte sie mit Friedrich nach Sizilien zurück, wo sie die meiste Zeit in Catania verbrachte. Dort starb sie am 23. Juni 1222. Beigesetzt wurde sie in einem Marmorsarkophag in der Kathedrale von Palermo. Aus der Wahl des Grabes und der Krone Friedrichs als Grabbeigabe kann man vielleicht auf eine emotionale Verbundenheit der Eheleute schließen.

Sizilien, Palermo, Cattedrale Maria SS. Assunta, Figurensarkophag von Konstanze von Aragon
Sizilien, Palermo, Cattedrale Maria SS. Assunta, Mai 2014
Marmorsarkophag von Konstanze von Aragón
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Auf dem Sarkophag ist ein ergreifend-persönliches Distichon eingemeißelt:

„SICANIAE REGINA FUI CONSTANTIA CONIUNX
AUGUSTA HIC HABITO NUNC FEDERICE TUA
(Siziliens Königin war ich, Konstanze, des Kaisers Gattin, nun wohne ich hier, Friedrich, die Deine)”

Isabella von Brienne (1212-28, ⚭1225)

1223 wurde durch Hermann von Salza und Papst Honorius III. eine neue Ehe vermittelt. Als Braut vorgesehen war die Erbin des Königreichs Jerusalem, die damals erst elfjährige Isabella von Brienne, auch Jolanthe oder Yolanda genannt. Ihr Herrschaftsgebiet beschränkte sich auf einen schmalen Küstenstreifen mit der Hauptstadt Akkon anstelle der 1187 verloren gegangenen namensgebenden Stadt. Isabellas Königsrecht leitete sich von ihrer Mutter Maria von Montferrat (1191-1212) her. War der machtpolitische Wert des Königreiches völlig unbedeutend, so war das Prestige des daraus abgeleiteten Herschertitels unbezahlbar.
Durch diese Verbindung sollte Friedrich noch fester an sein Kreuzzug-Versprechen gebunden werden:

„So glauben wir, daß das Werk mit Hilfe des Bandes der Ehe durchgeführt werden wird, wie die Unternehmung und der Ehebund gemäß der Dringlichkeit des Vorhabens unlöslich miteinander verbunden sind.” (Friedrich II., zit. nach OSTER)

Der Kaiser holte die Braut nicht selbst von Akkon ab, die Ehe wurrde zunächst „per procurationem” geschlossen. Die tatsächliche Trauung erfolgte am 9. November 1225 im Dom Santa Maria del Casale in Brindisi: „Isabella, von Gottes Gnaden Kaiserin der Römer, Mehrerin des Reichs, Königin von Jerusalem und Sizilien.”
Für ein gespanntes Verhältnis zwischen den Eheleuten gibt es keine Hinweise. Gewöhnlich hielt sich Isabella in der Umgebung Friedrichs auf, Anfang 1227 reiste sie mit ihm nach Sizilien und Apulien. Am 25. April 1228 kam ihr Sohn Konrad in Andria im äußersten Süden Apuliens zur Welt. Nur zehn Tage später verstarb die kaum 16-jährige Königin. Sie wurde im Dom von Andria beigesetzt. Da der Bau im 15. Jahrhundert komplett verändert wurde, kann das Grab nicht mit Sicherheit lokalisiert werden.

Isabella Plantagenêt von England (ca. 1214-1241, ⚭1235)

Isabella von England, auch Elisabeth genannt, war die Tochter des bereits verstorbenen englischen Königs Johann „Ohneland” (1167-1216). Ihre Brüder waren König Heinrich III. von England (1207-1272) und Richard (1209-1272), Earl of Cornwall, der 1257 römisch-deutscher König wurde.
Mit dieser dynastisch bedeutsamen Verbindung sollte der staufisch-welfische Konflikt beigelegt werden, denn die Engländer waren traditionell Verbündete der Welfen. Auch Papst Gregor IX. (um 1167-1241) versprach sich davon ein Aufbrechen der traditionellen Allianzen und langfristig einen Ausgleich zwischen dem englischen und dem französischen Königshaus.
Friedrich schickte seinen engen Vertrauten Petrus de Vinea (ca. 1200-1249) mit einer goldenen Bulle nach England, mit der er Isabella, die Schwester des Königs, zur Frau verlangte. Nach dreitägigen Beratungen mit den Bischöfen und den Großen des Reiches willigte Heinrich ein. Friedrichs Morgengabe an seine zukünftige Braut waren die Herrschaften Val Mazzara auf der Insel Sizilien und Monte San Angelo mit allen darin liegenden Städten, Burgen und Dörfern. Aber auch Heinrich III. stattete seine Schwester - die Geschwister sollen einander emotional sehr verbunden gewesen sein - mit einer überwältigenden Aussteuer aus. Die Mitgift betrug 30.000 Mark „besten Silbers der Sterlinge”. Der Sterling (Short-Cross-Penny) war eine englische Münze von ca. 1½ Gramm Silber. In Summe waren das ungefähr sieben Tonnen Silber! An der Aufbringung dieser gewaltigen Summe mussten sich alle Lehen und Kirchen Englands beteiligen, Heinrich III. führte sogar eine Pflugsteuer ein.
Auch die dritte Ehe Friedrichs wurde per procurationem geschlossen, Stellvertreter des Kaisers war der Großhofrichter Petrus de Vinea. Am 6. Mai 1235 brach die Braut mit großem Gefolge von London auf, besuchte das Grab von Thomas Becket (1118-1170) in der Kathedrale von Canterbury, um kam am 15. Juli in Worms an. Dort wurde mit großem Aufwand die Hochzeit gefeiert. Anschließend verbrachte das Paar einige Wochen in Hagenau. Später lebte Isabella lange Zeit in Noventa in der Nähe von Padua.
Isabella hatte keinerlei politischen oder sonstigen Einfluß auf Friedrich. Sie wurde auch nicht zur Königin oder Kaiserin gekrönt. Ihr Brunder König Heinrich III. beschwerte sich, daß die beiden nie zusammen „unter der Krone gegangen seien”. Das hätte Isabella aufgewertet und wäre ein Zeichen besonderer Achtung gewesen - was Friedrich aber offensichtlich nicht als notwendig empfand.
Im Dezember 1236 gebar Isabella die Tochter Margarete (1236-1270) und im Februar 1238 den ersehnten Sohn Carlotto (1238-1254), der als Heinrich 1247 Statthalter im Königreich Sizilien wurde:

„Wir haben nämlich die Freude, Eurer Erwartung durch die feierliche Mitteilung gegenwärtigen Schreibens zu melden, dass uns durch die Gnade der Vorsehung des höchsten Herrn, aus dem fruchtbaren Schoß unserer Gemahlin, Deiner Schwester ... ein neuer Sohn und Dir ein neuer Neffe geboren wurde.” (Brief Friedrichs an seinen Schwager Richard, zit. nach OSTER)

Am 1. Dezember 1241 starb Isabella bei der Geburt ihres vierten Kindes, vermutlich einer Tochter, im Wochenbett. Über das dritte Kind, ein Sohn, ist nichts bekannt, er starb bereits im Kleinkindalter. Friedrich ließ Isabella im Dom von Andria neben seiner zweiten Gattin, Isabella von Brienne, bestatten.

Gertrud von Österreich (1226-1288)

Durch den frühen Tod seiner zweiten und dritten Ehegattin sah sich Friedrich mit der Tatsache konfrontiert, daß er zu wenige legitime Erben - Söhne - hatte. Sein Ziel war, zahlreiche legitme Nachkommen aus edlen Verbindungen zu hinterlassen - illegitime hätte er genug gehabt. Denn auch kaiserliche Familien waren nicht vor Kindbetttod und Kindersterben gefeit. Friedrich hatte zu diesem Zeitpunkt nur zwei erbberechtigte Söhne, Konrad und Carlotto. Denn Heinrich, sein Sohn aus erster Ehe, war bereits tot. Carlotto überlebte den Vater nur um drei Jahre und starb kinderlos.
1245 beschloß Friedrich daher, nochmals zu heiraten. Die Erwählte, Getrud von Babenberg, auch Getrud von Österreich genannt, war die Nichte von Herzog Friedrich II. dem Streitbaren von Österreich. Er war der letzte Herrscher aus dem Haus der Babenberger in Österreich. Der Kaiser bot ihm an, das Herzogtum Österreich zum Königreich zu erheben.
Die Ehe sollte im Juni 1245 am Hoftag von Verona geschlossen werden. Aber Gertrud lehnte ab und verursachte einen beispiellosen Skandal und demütigte den Imperator Romanorum. Der Grund ibrer Ablehnung ist nicht überliefert. Möglicherweise war es die Exkommunikation Friedrichs, vielleicht aber liebte sie auch ihnren langjährigen Verlobten Vladislav von Böhmen.
Damit erlosch 1246 der Herrschaft der Babenberger nach fast drei Jahrhunderten. Die Chance Österreichs, zu einem Königreich aufzusteigen, war verpasst.

Jutta von Sachsen (vor 1226- ca. 1266)

Jutta von Sachsen, Tochter von Albrecht I. (um 1175-1260), Herzog von Sachsen und Agnes von Österreich (1206-1238), war das Ziel des letzten Heiratsplans von Friedrich. Albrecht und der Kaiser kannten einander gut, die Verbindung hätte die Stellung Friedrichs in Nord- und Mitteldeutschland gestärkt. Aber auch sie kam nicht zustande. Möglicherweise wurde sie von Papst Innozenz IV. verhindert, vielleicht aber erreichte die Herzogstochter Friedrich nicht rechtzeitig vor seinem Tod.

Bianca Lancia (?1210-1248?, ⚭1248?)

Friedrichs wahre große Liebe war Bianca Lancia die Jüngere, Markgräfin von Lancia. Die Mitglieder der Familie Lancia waren enge Gefolgsleute von Friedrich I. Barbarossa und von Friedrich II. Manfred II., Onkel von Bianca, und sein Bruder Jordanus oder Giordanio, waren zuverlässige und treue Vertraute Friedrichs. Manfred machte er 1239 zum Statthalter der Lombardei. Galvano Lancia (†1268), der Bruder Biancas, war Generalvikar von Sizilien.
Die Beziehung zwischen Bianca und Friedrich begann vermutlich 1226 oder Anfang 1227. Offiziell gehörte sie zum Gefolge ihres Onkels Manfred, war jedoch Friedrichs Geliebte und Begleiterin in schwierigen Zeiten. Im November 1230 gebar sie Konstanze (†1307), 1232 Manfred (†1266) und um 1233 Violante († nach 1264). Heiraten konnte Friedrich sie erst kurz vor ihrem Tod, da ihre Herkunft gegenüber den dynastischen Partien zu gering war. Mit der Hochzeit legitimierte Friedrich auch die drei gemeinsamen Kinder.

Die Kinder des Kaisers

Friedrich hatte sieben legitime (wenn man die Kinder mit Bianca Lancia einrechtnet) und ca. neun illegitime Kinder. Er sorgte für sie und machte in der Erziehung keinen Unterschied. Außerdem achtete er darauf, sie standesgemäß zu verheiraten.

Legitime Kinder

  • Heinrich (VII.), 1211-1242. Mutter: Konstanze von Aragón. 1212-1216 König von Sizilien (unter der Regentschaft seiner Mutter), 1220-1235 römisch-deutscher König. 1225 ⚭ Margarete von Österreich.
  • Konrad IV., 1228-1254. Mutter: Isabella von Brienne. 1228–1254 König von Jerusalem, 1237–1254 römisch-deutscher König, 1250–1254 König von Sizilien. 1246 ⚭ Elisabeth von Bayern.
  • Margarete, 1236-1270. Mutter: Isabella von England. 1254 ⚭ Albrecht von Meißen
  • Heinrich Carlotto, 1238-1254. Mutter: Isabella von England. 1247-1250 Statthalter in Sizilien.
  • Konstanze, ca. 1230-1307. Mutter: Bianca Lancia. Ca. 1241 ⚭ Johannes III. Vatatzes
  • Manfred, 1232-1266. Mutter: Bianca Lancia. 1258-1266 König von Sizilien. 1248/49 ⚭ Beatrix von Savoyen; 1258 ⚭ Helena von Epiros.
  • Violante, ca. 1233- nach 1264. Mutter: Bianca Lancia. Vor 1246 ⚭ Richard von Caserta.

Illegitime Kinder

  • Friedrich v. Pettorano, ca. 1210/15 - nach 1240. Mutter: sizilische Adelige.
  • Enzo (Heinrich), ca. 1220-1272. Mutter: Adelheid, deutsche Adelige. 1238 König v. Torres u. Gallura, 1243 König v. Sardinien. 1238 ⚭ Adelasia v. Torres; 1249 ⚭ Nichte Ezzelinos da Romano.
  • Katharina, ca. 1214/20 - nach 1272. Mutter: vermutlich Adelheid, deutsche Adelige. 1247 ⚭ Jakob v. Carretto, Graf v. Savona.
  • Friedrich v. Antiochia, ca. 1226-56. Mutter: Sizilische Adelige, v. Antiochia ?. 1245 Generalvikar der Mark Ancona, 1246 Generalvikar der Toskana, 1254 Graf v. Albe, Celano u. Loreto. 1239/40 ⚭ Margarete v. Poli.
  • Richard, ca. 1222/25-1249. Mutter: unbekannt. ca. 1245 Graf v. Chieti, 1247 Generalvikar der Mark Ancona und des Herzogtums Spoleto.
  • Salvaza, ca. 1222/25 - vor 1244. Muttter: unbekannt. 1238 ⚭ Ezzelino da Romano.
  • Margarete, ca. 1222/25-1297/98. Mutter: unbekannt. 1247 ⚭ Thomas v. Aquino, Graf v. Acerra.
  • ? Gerhard, † vor 1255. Mutter: unbekannt.
  • ? Blanchefleur, † ca. 1279. Mutter: unbekannt.

Der Dichter und Intellektuelle

Friedrich war ein für seine Zeit ungewöhnlich gebildeter und interessierter Herrscher. Er versammelte Dichter an seinem Hof und begründete damit die sogenannte Sizilianische Dichterschule. Sein wissenschaftrliches Interesse galt den Naturwissenschaften, insbesondere der Mathematik, Astrologie und Medizin, und ließ ihn zahlreiche Experimente durchführen. Als leidenschaftlicher Jäger, vor allem der Beizjagd mit Vögeln, verfasste er ein herausragendes Werk über die Aufzucht und Jagd mit Vögeln, insbesondere mit Falken, für das er zahlreiche empirische Beobachtungen verarbeitete.

Die Sizilianische Dichterschule

An seinem Hof unterhielt Friedrich einen Kreis von 20-25 Dichtern. Es waren meist Beamte aus Sizilien, aber auch aus Süditalien und sogar aus der Toskana. Sie schrieben ihre Gedichte in der süditalienischen Volkssprache Volgare und orientierten sich an der Tradition der provenzalischen Troubadourdichtung, aus der sie zahlreiche Texte übersetzten. Es waren hauptsächlich Liebesgedichte und -lieder, die hier entstanden. Einige davon stammen von Friedrich selbst, andere von seinem Sohn Enzo.
Die Gedichte handeln vom Preis der edlen Herrin, der schönsten aller Frauen, von der Süße der Liebe oder ihren Qualen, vom Schmerz des Abschieds.

„Nur dies mein Herz in Atem hält,
Euch, Herrin, Liebe darzubringen,
Und darauf bin ich nun bedacht,
Wie ich vor euch wohl Gnade fände.
Ich werde mich von Euch nicht trennen,
Die ihr so ausgezeichnet seid,
Und die ich liebe voller Zärtlichkeit.
Nehmt hin die Liebe, die ich spende.
Die Kraft mir, edle Herrin, schenkt,
Dass sich mein Herz vor euch nur senkt.”
(Friedrich zugeschrieben, zit. nach RADER 2010)

Die Dichter waren jedoch nicht in erster Linie Schöngeister, sondern vornehmlich in die Regierungsarbeit einbezogen und in diplomatischen Angelegenheiten unterwegs. Nicht die Dichter stiegen in den Staatsämtern immer höher, sondern die Entscheidungs- und Machtträger wurden zum Dichten animiert.
In dieser scuola poetica siciliana entstanden nicht nur neue Gedichte, sondern auch eine ganz neue lyrische Form: das Sonett, möglicherweise von Petrus de Vinea erfunden. Die Verse wurden überlicherweise musikalisch unterlegt, wobei auch Friedrich Lieder nicht nur gesungen, sondern auch selbst verfertigt hat. Die später an den europäischen Höfen so verbreitete Laute nahm ihren Weg von den Sarazenen über Sizilen - und nicht über Spanien - nach Italien.
Aber Friedrich hielt sich nicht nur einen Dichterkreis, sondern unterstützte auch andere Dichter. Ein besonderes Beispiel ist der bekannte deutsche Barde Walther von der Vogelweide, dem er die Sorge um das tägliche Brot mit der Verleihung eines Lehens nahm.

Der Schirmherr der Wissenschaft

Friedrichs Umgang mit den Geistesgrößen seiner Zeit ist nicht nur seinem persönlichen Interesse zuzurechnen, sondern war auch in eine übergeordnete Herrschaftslegitimation eingebettet. Friedrich und seine gelehrte Umgebung präsentierten sich nicht nur als Mittelpunkt der Wissenschaft, sondern auch als Zentrum der Herrschaft.
Unbestritten ist jedoch Friedrichs großes persönliches Interesse an den Naturwissenschaften und wissenschaftlichen Fragen. Er richtete eine Reihe von philosophischen Grundsatzfragen, die sogenannten Sizilianischen Fragen, an den arabischen Denker Abu Mohammed Abd el-Hakh Ibn Sabin (um 1217-1269). Zwar gibt es die These, daß Ibn Sabin die Fragen nur fingiert hat, aber in der arabischen Welt war der Kaiser als philosophisch interessierter Herrscher bekannt, so daß ihm diese Fragen durchaus zugetraut wurden.
Zwei Gelehrte, die für die Wissenschaftsgeschichte von fundamentaler Bedeutung sind, hielten sich am Hof des Kaisers auf: Zum einen der Philosoph, Mediziner, Alchemist, Astrologe und (nach Dante) Magier Michael Scotus (um 1175 - um 1235). Scotus übersetzte drei arabisch überlieferte Bücher des Aristoteles und die umfangreichen Kommentare des spanisch-arabischen Philosophen Ibn Rushd (1126-1198, im Abendland Averroes genannt) zu den Schriften Aristoteles. Scotus besondere Leistung aber liegt in seinem eigenen philosophischen Werk, dem Liber Introductorius (etwa „Buch der Einführung”), das um 1228 am Hof Friedrichs entstand und ihm gewidmet war. Michael Scotus behandelte hier grundlegende Themen und Fragen über Erde, Wasser, Wind, Astronomie, Astrologie, Meteorologie, Medizin, Musik und Komputistik, die Geschichte der astronomischen Forschung und widmete sich auch dem Geschlechtsverkehr, der Schwangerschaft, der Embryologie und Physiognomie.
Der zweite Gelehrte im Umfeld Friedrichs war Leonardo da Pisa (um 1170 - um 1245), der berühmteste Mathematiker des Mittelalters. Ihm verdankt Europa, daß es mit der Null rechnen lernte. Die Idee der Null stammt aus Indien, und Leonardo erkannte die ganze Bedeutung des indo-arabischen Positionalsystems, bei dem eine Ziffer je nach Position unterschiedliche Werte bezeichnen kann. Die Eins steht etwa bei der Zahl 1111 für Eintausend, Einhundert, Zehn oder Eins. In seinem Liber Abaci von 1202 erläuterte er das neue Zahlenrechnen.
Friedrich hatte an seinem Hof mehrere mit mathematischen Problemen vertraute Mathematiker und interessierte sich auch selbst dafür. Wenn auch Friedrichs Gelehrtenkreis nicht das Niveau der spanischen Geisteszentren von König Alfons X. el Sabio (1252-1284) erreichte, so ragt Friedrich mit seinen schöngeistigen und wissenschaftlichen Interessen weit über die anderen, mitunter völlig illiteraten Herrscher hinaus.
Die besondere Beziehung Friedrichs zur Wissenschaft belegen auch Schlagworte wie Expertenkommissionen für Rechtsprobleme, Fachleute für Kanzlei- undf Verwaltungsaufgaben, eine Universitätsgründung, ein Dichterkreis und Büchersammlungen, Hofphilosophen und Hofmathematiker, Naturbeobachtungen die Erforschung der Falken. Aber auch die Gerüchte von den absurden und furchtbaren Experimenten, die Friedrich von seinen Gegnern zugeschrieben wurden, haben hier ihren Ursprung. Und den wissenschaftsfeindlichen Päbsten lieferte er Munition in ihrem Kampf gegen ihn.

Der Falkner

Friedrich war ein leidenschaftlicher Jäger, wobei ihn die Jagd mit Vögeln, insbesondere mit Falken, besonders lag. Die Falkenjagd entsprach den neuen höfischen Idealen des Rittertums des 13. Jahrhunderts und war ein sehr teures Hobby: ein Falke konnte soviel wie ein ganzes Bauerngut kosten.
Die Jagd mit abgerichteten Raubvögeln wie Falken, Habichten oder Sperbern war für Friedrich jedoch weit mehr als nur ein Freizeitvergnügen oder ein höfisches Statussymbol. Für ihn war es die Verbindung von praktischer Tätigkeit mit theoretischem Forschen und Fragen. Mit großer Geduld erforschte er das Verhalten der Vögel und zeichnete seine Erkenntnisse empirisch genau auf. Dabei galt sein Interesse vor allem den Falken, die er aus Arabien, Spanien, Indien, aber auch aus Island und anderen nordischen Ländern bezog.

Island, Reykjavík, Falknerhaus
Island, Reykjavík, Juli 2011
Falkenhaus (Fálkarhús), erbaut um 1763
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Friedrich kannte die Lehrbücher zur Falkenjagd und Falkenaufzucht seiner Zeit. Auch der oberste Falkner am kaiserlichen Hof, der Araber Moamin, hatte ein solches Buch geschrieben. Für sein in seinem letztzen Jahrzehnt verfasstes berühmtes Buch Über die Kunst mit Vögeln zu jagen (De arte venandi cum avibus) kompilierte Friedrich nicht einfach das vorhandene Wissen, sondern ergänzte es durch seine, auf Empirie fußenden Erkenntnisse, wobei er auch Aristoteles korrigierte:

„Beim Schreiben sind Wir auch, wenn es erforderlich war, dem Aristoteles gefolgt; in manchen Dingen scheint er jedoch, wie Wir aus Erfahrung lernten, besonders bezüglich der Natur bestimmter Vögel, von der Wahrheit abzuweichen. Deshalb folgen wir dem Fürsten der Philosophen nicht in allem; denn selten oder niemals hat er die Jagd mit Vögeln ausgeübt.” (Einleitung zum Falkenbuch, zit. nach HORST)

Friedrichs Falkenbuch wurde zum Standardwerk für die spezielle Falknerei wie auch für die allgemeine Ornithologie und war bis zum 18. Jahrhundert maßgeblich für alle Fragen der Falknerei. Zahlreiche seiner ornithologischen Beobachtungen haben noch heute Gültigkeit. Zu Recht haben es neuere Historiker wie Ernst Kantorowicz oder Kurt Pfister zu den frühesten Urkunden abendländischer empirischer Wissenschaft gezählt. Das Werk ist in einer von seinem Sohn Manfred - der ebenfalls großes Interesse an der Falknerei hatte - redigierten Fassung überliefert. Insgesamt umfasst es sechs Bücher, wobei einige Abschnitte verloren gegangen sind.

Falkenbuch Kaisers Friedrich des Zweiten
Das Falkenbuch Kaisers Friedrich des Zweiten, Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1973
Faksimile-Druck Ms. Pal. lat., 1071 fol. 1v (Ausschnitt)
Dargestellt sind oben Friedrich II. als Verfasser und unten sein Sohn Manfred, der die Handschrift herstellen ließ

Dieses zweibändige, von Manfred redigierte Werk befindet sich heute in der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom und trägt die Signatur „Codex Palatinus latinus 1071”. Diese Signatur verweist auf die Herkunft des Werks aus der Pfälzischen Bibliothek der Kurfürsten von der Pfalz.

Papst gegen Kaiser gegen Papst

Eigentlich während seiner gesamte Herrschaft war Friedrich in Auseinandersetzungen mit insgesamt vier Päbsten verwickelt: 1198-1216 Innozenz III. Conti, 1216-1227 Honorius III. Savelli, 1227-1241 Gregor IX. und 1243-1254 Innozenz IV.

Innozenz III.

Friedrichs Mutter Konstanze hatte 1198 in ihrem Testament Papst Honorius III. (ca. 1160-1216) zum Vormund ihres Sohnes bestimmt. Er vermittelte 1208 die Heirat Friedrichs mit Konstanze von Aragón (1196-1213). Mit ihm hatte Friedrich nur kleinere Probleme, die vor allem die Besetzung der Bischofssitze betrafen.

Honorius III.

Im Juli 1216 starb Innozenz überraschend, ihm folgte Honorius III. (ca. 1148-1227). Honorius setzte zwar prinzipiell die Politik seines Vorgängers fort, war Friedrich gegenüber aber eher nachsichtig. Die Unstimmigkeiten zwischen Friedrich und dem Papst beruhten vor allem auf dessen Furcht, Deutschland und Reichsitalien mit Sizilien zu vereinigen, wodurch der Kirchenstaat umklammert worden wäre. Anlässlich seiner Krönung zum Kaiser 1220 verzichtete Friedrich offiziell darauf, das römisch-deutsche mit dem sizilischen Reich zu vereinen.
Ein anderer Konfliktpunkt zwischen Friedrich und Honorius war das 1215 als deutscher König gegebene und 1220 als römisch-deutscher Kaiser wiederholte Versprechen, einen Kreuzzug durchzuführen. Doch Friedrich, in Sizilien beschäftigt, verschob den Termin immer wieder, so daß ihm Honorius, dem viel an den Kreuzzug lag, schließlich die Exkommunikation androhte. 1225 leistete Friedrich dann in San Germano den Schwur, im August 1227 mit 1000 Ritternund 150 Schiffen aufzubrechen.

Gregor IX.

Der am 19. März 1227, nur einen Tag nach dem Tod von Honorius, gewählte Papst Gregor IX. (um 1167-1241), kannte Friedrich gegenüber keine Toleranz. Als der Kaiser im August wegen einer schweren Erkrankung nicht selbst zum Kreuzzug aufbrechen konnte, sondern nur einen Teil des Heeres losschickte, exkommunizierte ihn Gregor. Damit waren die Grundlagen der auf personalen Beziehungen beruhenden kaiserlichen Herrschaft bedroht. Friedrich rechtfertigte sich, daß er seine Macht von Gott und nicht vom Papst erhalten habe. 1228 brach Friedrich trotzdem, als erster exkommunizierte Herrscher, von Brindisi zum Kreuzzug auf. In Verhandlungen mit Sultan al-Kamil erreichte Friedrich 1229 die Übergabe wesentlicher christlicher Stätten sowie einen zehnjährigen Frieden. Vor allem Jerusalem war nach der Eroberung durch Saladin (1187) wieder in chriustlicher Hand. Damit hatte er mehr erreicht als die Kreuzzüge davor mit Waffengewalt.
Doch trotz dieser Erfolge kam es nicht zu einer Versöhnung mit dem Papst und einer Aufhebung der Exkommunikation. Gregor wollte weiterhin Friedrichs Herrschaft im Königreich Sizilien stürzen. Friedrichs militärische Erfolge nach seiner Rückkehr nach Sizilien schwächten jedoch den Papst, so daß er im August 1230, nach zahlreichen Zugeständnissen Friedrichs, die Exkommunikation aufhob. Der Frieden zwischen Kaiser und Papst währte bis 1239, als der unermüdliche Vermittler, Hermann von Salza, der Hochmeister des Deutschen Ordens, starb. Danach brach der Konflikt wieder aus und verschärfte sich so nachhaltig, daß er nicht mehr beizulegen war.
Ein wesentlicher Punkt in der Auseinandersetzung zwischen Friedrich und Gregor waren die Bestrebungen Friedrichs, die oberitalienischen Städte des lombardischen Bundes zu unterwerfen. Für Friedrich stellten sie die ständige Bedrohung seiner Verbindung zu Deutschland dar, der Papst sah darin eine Bedrohung des Kirchenstaates und seiner Macht. Dahinter stehen allerdings zwei grundsätzlich unvereinbare Vorstellungen von der Weltordnung.
Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts vertraten die Päbste die Auffassung, nicht nur die Nachfolger des Apostels Petrus, sondern auch die Statthalter Christi zu sein. Zwar habe der Kaiser ebenso wie der Papst sein Amt unmittelbar von Gott erhalten, doch da er sündhaft sei, stehe der Kirche ein Aufsichtsrecht über ihn zu. Die kaiserliche Macht empfange ihren Glanz von der Autorität des Papstes. Und Gregor IX. sah sich als Richter über die Fürsten der Welt.
Friedrich hingegen war, wie sein Großvater Barbarossa, von der Gleichberechtigung der beiden Gewalten überzeugt. Der Kaiser sei nicht nur direkt von Gott eingesetzt, sondern erhalte durch die Königssalbung eine den Geistlichen vergleichbare sakrale Stellung. Gott habe ihn, Friedrich, mit der Sicherung des Friedens und des Rechts beauftragt, und er sei deshalb niemandem Rechenschaft schuldig. Damit stand Friedrich in klarem Gegensatz zur päbstlichen Auffassung.
Der Konflikt zwischen den beiden verschärfte sich wegen angeblich gebrochener Zusagen, und am 20. März 1239, dem Todestag von Hermann von Salza, verhängte Gregor IX. die Exkommunikation über Friedrich - die nie wieder aufgehoben werden sollte. Friedrich weigerte sich, das Richteramt des Papstes über die weltlichen Fürsten anzuerkennen, und Gregor war entschlossen, Friedrich mit allen Mitteln zur Unterordnung zu zwingen.

„Weil er außerdem aufgrund seiner Reden und Handlungen schwer in Verruf geraten ist - denn geradezu auf dem ganzen Erdkreis rufen viele laut aus, dass er über den katholischen Glauben nicht richtig denkt -, werden wir in dieser Sache, so Gott will, an seinem Ort und zu seiner Zeit gemäß dem vorgehen, was uin solchen Dingen die Ordnung des Rechts vorschreibt.” (Gregor IX. über Friedrich, zit. nach HOUBEN)

Friedrich seinerseits klagte den Papst an, er zerstöre die von Gott gewollte Ordnung der Welt,

„Ebenso hat dieselbe ewige Vorsehung auf der Feste der Erde zwei Herrschaften haben wollen: das Priestertum nämlich und das Kaisertum, das eine zum Schutz, das andere zum Trutz, damit der Mensch, der allzu lange in seine beiden Bestandteile aufgelöst war, durch zwei Zäume gezügelt und so der Friede für den Erdkreis durch die Eindämmung aller Ausschweifungen gestiftet würde.” (Petrus de Vinea, zit. nach RADER 2010)

Der über ihn verhängte Kirchenbann sei Blasphemie, seine Exkommunikation eine zu Himmel schreiende Untat. Er bezeichnete den Papst als „Heuchler” und „wahnwitzigen Propheten”. Gregor seinerseits stellte Friedrich als Ketzer und endzeitlichen Antichrist dar.

„Aus dem Meer steigt die Bestie voller Namen der Lästerung, die mit den Tatzen des Bären und dem Rachen des Löwen wütet und mit den übrigen Gliedern wie ein Leopard ihren Mund zu Lästerungen des göttlichen Namens öffnet, die nicht aufhört, auf Gottes Zelt und die Heiligen, die in den Himmeln wohnen, die gleichen Speere zu schleudern.” (Gregor IX. über Friedrich, zit. nach RADER 2010)

Innozenz IV.

Am 22. August 1241 starb Gregor IX. Doch die Hoffnung, daß damit auch das Ende der Auseinandersetzung zwischen Papst und Kaiser gekommen sei, erfüllte sich nicht. Auf Gregor folgte im Oktober Coelestin IV., der jedoch nach 17 Tagen verstarb. Die zweijährige Sedisvakanz wurde mit der Wahl von Sinibaldo Fieschi dei Conti di Lavagna (um 1194-1254), der einer Oberschichtfamilie Genuas entstammte, beendet. Er nahm den Namen Innozenz IV. an. Friedrichs Hoffnung, die Differenzen zwischen dem Reich und dem Heiligen Stuhl ausräumen zu können, erfüllte sich nicht. Weder war Friedrich bereit, sich den Forderungen des Papstes zu unterwerfen, noch kam der Papst Friedrichs Wünschen um ein Jota entgegen. Ein zentrales Problem waren und blieben die Lombarden, die Innozenz in jede Vereinbarung mit einbeziehen wollte, was Friedrich allerdings als unvereinbar mit Ehre und Recht des Kaisertums ablehnte. Auch der über Europa hereinbrechende Mongolensturm konnte daran nichts ändern.
Im Dezember 1244 flüchtete Innozenz nach Lyon, wo er im Juni 1245 ein Konzil einberief. Das zentrale Thema war der Konflikt mit dem Kaiser, und obwohl das Konzil nur schwach besetzt und nicht repräsentativ war, verkündete Innozenz am 17. Juli 1245 die Absetzung Friedrichs als Kaiser. Er tat dies als exklusiver Interpret des göttlichen Willens, nicht mit Zustimmung, sondern nur im Beisein der Kirchenversammlung. Der kaiserliche Gesandte, Thaddäus von Sessa, bestritt die Rechtmäßigkeit des Aktes - jedoch vergeblich.
Der Papst forderte die deutschen Fürsten auf, einen Nachfolger für den abgesetzten Kaiser zu wählen, und zog das Königreich Sizilien als dessen Lehensherr ein. Die Absetzung stellte gegenüber der Exkommunikation eine deutliche Steigerung dar: bisher hatte es kein Papst gewagt, einen gekrönten Kaiser abzusetzen. Außerdem ließ Innozenz gegen Friedrich als Kirchenverfolger und Feind der Christenheit den Kreuzzug predigen: Er wollte den Kaiser endgültig ausschalten. An dem im März 1246 auf Friedrich verübten Attentat war er als Drahtzieher beteiligt. Der Papst war entschlossen, nicht nur Friedrich, sondern das ganze staufische Geschlecht zu vernichten, da es seiner Auffassung nach eine tödliche Bedrohung für die Kirche darstellte. Und so geschah es nach dem Tod Friedrichs 1250 unter ihm und seinen Nachfolgern, bis 1318 die Reihe der legitimen männlichen Nachkommen Friedrichs II. endet.

Was bleibt

Kaum eine andere Herrschergestalt ist so umstritten, hat schon zu Lebzeiten so polarisiert wie Kaiser Friedrich II. „Lebe, Spross des Jupiter, Erbe des römischen Namens! ... Lebe, Glanz der Sonne, der aus der Wiege Du schon hellest den düsteren Tag!” So euphorisch begrüßte der Kleriker Petrus de Ebulo (nach 1160-1220) den am 26. Dezember 1194 in der unbedeutenden Kleinstadt Jesi geborenen Sohn des Staufers Heinrich VI. und seiner normannischen Gattin Konstanze von Hautville.
Als „Antichristen, Fürst der Tyrannei, Zerstörer des kirchlichen Dogmas undf Kultes, Vernichter des Glaubens, Meister der Grausamkeit, Verderber der Welt, Verwirrer des Erdkreises und Hammer der ganzen Welts” sahen ihn seine Gegner. Seine Komflikte mit den Päbsten, seine Vorstellung einer gleichgwichtigen Herrschaft von Papst und Kaiser, aber auch sein Interesse für Wissenschaft und empirische Forschung spalteten fast von Anbeginn die höheren Kreise in Anhänger und Gegner. Der Verteufelung durch seine Gegner steht der Versuch der Sakralisierung Friedrichs durch sein Anhänger gegenüber. Objektive oder zumindestst neutrale Beschreibungen der Person oder seines Wirkens sind praktisch nicht vorhanden.

Der Mythos

Schon kurz nach seinem Tod wurde Friedrich zu Mythos. Gerüchte über seine Wiederauferstehung machten die Runde, der englische Franziskaner Thomas von Eccleston sah ihn als Verdammten, der mit 5000 Rittern über das Meer ritt und in die Hölle einzog. Das achteckige, südwestlich von Andria errichtete Castel del Monte war Gegendstand zahlreicher Spekulationen und verstärkte den Mythos. Der englische Benediktiner Matthäus Paris kam zu einem ambivalenten Urteil:

„Es starb aber um diese Zeit Friedrich, der Größte unter den Fürsten des Erdkreises, das Staunen der Welt (stupor mundi) und ihr wunderbarer Verwalter (immutator mirabilis)” (zit. nach HOUBEN)

Im „Wunder” oder „Staunen der Welt”, im stupor mundi, sahen moderne Historiker eine Charakterisierung Friedrichs als eine für seine Zeit ungewöhnliche Gestalt. Auch Dante Alighieri war stark vom negativen päbstlichen Friedrichbild beeinflußt, konnte aber seine Bewunderung für ihn nicht verbergen: er nannte ihn „den letzten Kaiser der Römer”.

Das neuzeitliche Friedrichbild

Erst im 18. und 19. Jahrhundert wandelte sich in Italien das Friedrichbild von einem Kirchenfeind zu einem aufgeklärten Gesetzgeber, tüchtigen Politiker und Verteidiger der Eigenständigkeit des Staates. Friedrich wurde zum Vater des italienischen Vaterlands hochstilisiert, seine tyrannischen Züge mit Mussolini und in Deutschland in gewissen Kreisen mit Hitler verglichen.
Der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt (1818-1897) bezeichnete Friedrich in seinem 1860 erschienenem Werk Die Kultur der Renaissance in Italien als den „ersten modernen Menschen auf dem Thron”. Er verstand darunter jedoch nicht einen seiner Zeit vorauseilenden Herrscher, sondern sah in Friedrichs Versuch der Monopolisierung aller Gewalt und der Beseitigung der feudalständischen mittelalterlichen Gesellschaftsordnung einen Vorläufer der italienischen Renaissance-Despoten. Friedrich Nietzsche (1844-1900) reihte Friedrich unter die seltenen „Übermenschen” der Geschichte ein: Friedrich sei ein „großer Freigeist, das Genie unter den deutschen Kaisern” gewesen. Der Heidelberger Historiker Karl Hampe (1869-1936) sah in Friedrich einen Wegbereiter der Renaissance, einen Vorkämpfer staatlicher Unabhängigkeit und eines straff organisierten nationalen Einheitsstaates.
Nach der Niederlage des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg und der Errichtung der glanzlosen Weimarer Republik fand Friedrich als letzter staufischer Kaiser rasch Anklang. Die Deutschen sehnten sich nach einer „überdeutschen” Führerpersönlichkeit, die die Nation zu neuer Größe führen könnte. Im Heidelberger Kreis um den Dichter Stefan George (1868-1933) herrschte ein regelrechter Friedrichkult. Die 1927 auf Anregung Georges erschienene Friedrich-Biografie von Ernst Kantorowicz (1895-1963) stilisierte Friedrich zum mythisch überhöhten Weltenherrscher, wie ihn sich der George-Kreis an die Spitze des „geheimen Deutschland” sehnte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme - Kantorowicz mußte als Jude Deutschland verlassen - stellten dem Regime nahestehende Historiker Adolf Hitler als den von Kantorowicz ersehnten Erlöser Friedrichs II. dar.
Der Untergang des Dritten Reiches brachte auch einen Paradigmenwechsel in der Rezeption Friedrichs. Für den englischen Historiker David Abulafia (*1949) ist Friedrich kein politisches Genie und kein Visionär, sondern ein normaler, eher unterdurchscnittlicher Kaisder des 13. Jahrhunderts. Aber diese absolute Gegenposition zu Kantortowicz wird Friedrich ebenso wenig gerecht wie dessen Überhöhung.
Aus westeuropäischer Perspektive muß man Friedrich nach wie vor als eine außergewöhnliche Gestalt bezeichnen. Zwar stand er mit dem Ausbau seiner Stellung als Herrscher durch eine effiziente Verwaltung und eine umfassende Gesetzgebung sowie mit seinen vielfältigen kulturellen Interessen und Initiativen in Europa nicht alleine da - Alfons X. von Kastilien und León (1213-1276) war ihm hier durchaus vergleichbar. Aber seine Forderung nach einer von der Kirche unabhängigen Staatsgewalt gibt Friedrich ein Alleinstellungsmerkmal und macht ihn zum Wegbereiter der neuzeitlichen Monarchien Europas. Sein Preis war die Vernichtung des staufischen Herrscherhauses. Aber der Triumph der Päbste war nur von relativ kurzer Dauer, die erstarkenden nationalen Monarchien erreichten, woran Friedrich noch gescheitert war.

Friedrich und Deutschland

Der Vorwurf, Friedrich habe Deutschland zugunsten des Südreichs vernachlässigt und damit die Zersplitterung des Reichs befördert, geht ins Leere. Der Prozeß der Ausbildung landesfürstlicher Herrschaften in Deutschland war schon vor seiner Wahl zum deutschen König zu weit fortgeschritten. Friedrich sah keine Notwendigkeit - und letztendlich auch keine Möglichkeit -, ihn rückgängig zu machen. Zum einen hatte er als Kaiser eine europäische Führungsrolle, die über Deutschland hinausging, zum anderen wollte er sich im Wesentlichen den Rücken freihalten, um sein Königreich Sizilien nach seinen Vorstellungen zu formen.

Friedrich und Sizilien

Unter Friedrich als römisch-deutschem Kaiser entwickelte sich Insel-Sizilien vom Zentrum zur Peripherie. Der süditalienische Teil wurde stärker an Italien und Europa angeschlossen. Palermo, offiziell noch immer die Hauptstadt, wurde zu einer an der Grenze zur islamischen Welt gelegenen Metropole. So verwundert es nicht, daß die Nachfolger Friedrichs Neapel zur Hauptstadt wählten.
Aber in Apulien und Sizilien lebt der Mythos Friedrich weiter. Die moderne politische Region Apulien hat als ihr neues Markenzeichen den Namen Puglia Imperiale (kaiserliches Apulien) gewählt. Durch die Person Friedrichs spielte Apulien zum einzigen Mal in seiner Geschichte eine politische Rolle, danach ging die Bedeutung der Region wieder stark zurück.

Der „moderne” Herrscher

Friedrich war sicherlich kein „moderner Mensch” im Sinne Burckhardts, sondern durchaus ein mittelalterlicher Herrscher. Seine kaiserliche Herrschaftsauffassung, die zu den Auseinandersetzungen mit den Päbsten führte, steht durchaus in der Tradition des staufischen Kaisertums. Die Stärkung der königlichen Zentralgewalt im Südreich entspricht dem normannischen Herrschaftsverständnis. Auch Friedrichs multikuturelle geistige Offenheit, seine wissenschaftlichen Interessen und die Formen der Herrschaftsrepräsentation wurzeln in normannischen Traditionen. Er war keine seiner Zeit vorauseilende Person, aber eine der faszinierendsten und widersprüchlichsten Herrschergestalten nicht nur seiner Zeit.

LeseTipps: Bücher über Kaiser Friedrich II.

Alle Porträts:

Cuba: Tamara Bunke, Julio Antonio Mella,
Fotografen: René Burri, Harry Callahan, Henri Cartier-Bresson, Anna Kahn, André Kertész, Saul Leiter, Joel Meyerowitz, Anja Niedringhaus, Joel Sternfeld, Weegee,
Hamburg: Albert Ballin, Gabriel Riesser,
Island: Snorri Sturluson, Victor Urbancic,
Korsika: Napoleon I. Bonaparte, Joseph Fesch,
Mecklenburg-Vorpommern: Otto Lilienthal,
Norwegen: Johan Halvorsen, Anne Holt, Richard With,
Reisende: James Cook, Rudolf Carl Slatin Pascha,
Sizilien: Friedrich II.,
Toskana: Sandro Botticelli,
USA: John Steinbeck,

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