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Icon ThemenReisen als Luxus - Luxus auf Reisen

Zu Fuß, per Pferd, mit Kutschen oder Schiffen - Reisen war vor allem mühsam, aufwändig und gefährlich. Aber zwei Männer hatten eine Vision.

Reisen war bis in das 19. Jahrhundert den Wohlhabenden, den „höheren Ständen” vorbehalten. Erst mit den Pauschalreisen, die der Brite Thomas Cook ab 1841 veranstaltete, kam es zu einer „Demokratisierung” der Reisens. Davor war Reisen ein Luxus - obwohl die Reisen selbst gar nicht luxuriös waren, sondern vor allem beschwerlich. Besonders zwei Männer hatten die Vorstellung, daß Reisen auch bequem sein könnte. Und man daher auch Reisen zum Vergnügen unternehmen könnte: Albert Ballin und Georges Nagelmackers.

Reisen als Luxus

Reisen im Römischen Imperium

Reisen war bei den Römern sehr beliebt. Sie besuchten die Provinzen, berühmte Gedenkstätten und gingen Handelsgeschäften nach. Die Reisen erfolgten zwei- oder vierrädrigen Wagen, denen Maultiere, Pferde oder Ochsen vorgespannt wurden und die durchschnittlich 30 Kilometer am Tag bewältigten konnten.

Römischer Reisewagen, Modell
Römischer Reisewagen, Modell
Foto Landessammlungen NÖ

Reiten war eine andere Möglichkeit des Reisens, zu Fuß waren nur die Heere unterwegs.
Entlang der wichtigsten Straßen wurden mit Beginn der Kaiserzeit in regelmäßigen Abständen Straßenstationen errichtet: etwa alle 15 Kilometer Pferdewechselstationen (mutationes) und ca. alle 40 Kilometer Raststationen (mansiones). Sie dienten am Anfang vor allem dem cursus publicus, dem staatlich organisierten Post- und Kurierdienst, später wurden sie um weitere Gebäude erweitert - Stallungen und Wagenabstellplätze, Speise- und Gästezimmer, Rasthäuser (praetoria) und Bäder (balnea) - und auch von Reisenden und Händlern benutzt.
Das rund 300.000 Kilometer umfassende römische Straßennetz diente in erster Linie dem Militär zur schnellen Verlegung von Truppen. Aber es stellte auch wichtige Handelsverbindungen und Reisewege. Reisen war natürlich ein Privileg der Reichen, und es war schon relativ komfortabel.

Reisen bis zum 19. Jahrhundert

Mit dem Zerfall des Römischen Imperiums ab dem 3. Jahrhundert verfiel auch das Straßennetz in dem nun kleinräumig strukturierten Europa. Die Straßen gehörten nun den Fürstentümern, die sie unterschiedlich in Stand hielten. Damit wurde Reisen mühsam, unbequem und teilweise auch gefährlich, so daß sich die Reisetätigkeit weitgehend auf unumgängliche Reisen beschränkte. Die im 18. Jahrhundert aufkommende Grand Tour, die Bildungsreise der jungen Männer aus den oberen Gesellschaftsschichten, erhöhte zwar die Häufigkeit der Reisen, aber nicht ihren Komfort.

Reisen als Alltag

Das Aufkommen der Eisenbahn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts brachte grundlegende Veränderung in den Reisegewohnheiten. Der Brite Thomas Cook bot 1841 die ersten Pauschalreisen an, die mit der Eisenbahn zu bestimmten Zielen führten und eine einfache Verpflegung beinhalteten. Damit demokratisierte sich das Reisen, aus dem Luxus des Reisens wurde der Tourismus. Aber um sich von der Masse abzugrenzen, entstanden luxuriöse Reiseangebote.

Luxus auf Reisen

Hervorzuheben sind zwei Männer, die früher als andere erkannten, daß man die wohlhabenden Schichten nur mit besonderen Reiseangeboten locken und gewinnen konnte:

  • der Hamburger Reeder Albert Ballin (1857–1918) revolutionierte die Schifffahrt mit seinen luxuriösen Doppelschrauben-Schnelldampfern;
  • der belgische Bahnunternehmer Georges Nagelmackers (1845-1905) machte Bahnfahrten mit seinen Luxuszügen, bekannt vor allem der Orient-Express, zum Erlebnis.

Neben der Luxus-Ausstattung war für beide Unternehmer die Reisedauer, die vom Start zum Ziel benötigte Zeit, ein wesentliches Kriterium.

Schiffsreisen

Der technische Fortschritt im Schiffsbau machte es vorstellbar, eine Seereise nicht unbedingt nur als eine Strapaze aufzufassen. Mit den ab 1889 gebauten Doppelschrauben-Schnelldampfern und den ab 1910 eingesetzten Vierschrauben-Turbinenschiffen der Imperator-Klasse gelang es Albert Ballin, Geschwindigkeit und Luxus zu verbinden.

Hamburg-Amerika-Linie, Doppelschrauben-Schnelldampfer Fürst Bismarck, Salon Hamburg-Amerika-Linie, Doppelschrauben-Schnelldampfer Fürst Bismarck, Speisesaal
Hamburg-Amerika-Linie, Doppelschrauben-Schnelldampfer Fürst Bismarck, Salon und Speisesaal
Quelle: Wikipedia/PD

Der Imperator (männlich auf Wunsch des Kaisers), das erste der Vierschrauben-Turbinenschiffe, war mit 52.117 BRT größer als die Titanic und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 24 kn (44 km/h).

Hamburg-Amerika-Linie, SS Imperator unbekannter Künstler
Hamburg-Amerika-Linie, SS Imperator 1913 (unbekannter Künstler)
Quelle: Wikipedia/PD

Die 529 Passagiere der 1. Klasse fanden eine luxuriöse Unterbringung.

Bahnreisen

Georges Nagelmackers, den Gerhard REKEL in seiner Biografie sehr treffend Monsieur Orient-Express nennt, hatte mit mehr Herausforderungen zu kämpfen. Der älteste Sohn einer belgischen Bankiersfamilie - seinem Vater Edmond gehörte die größte Privatbank Belgiens, das Bankhaus Nagelmackers - studierte an der Universität Lüttich auf der École des Mines Gewerbe und Industrie. Zum Leidwesen des Vaters interessierte er sich nicht für eine Karriere in der Bank. Seine Leidenschaft war die Eisenbahn. Und seine Vision war ein komfortabler Schlafwagen, mit dem die Wohlhabenden bequem durch das kleinteilige Europa reisen könnten, ohne umzusteigen, ohne Grenzkontrollen. Dafür gründete er die Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) - mit dem Ziel, ganze Züge mit Schlaf- und Speisewagen durch Europa fahren zu lassen. Am Ziel sollten die Reisenden in seinen Grand-Hotels wohnen.

Compagnie Internationale des Wagons-Lits Werbeplakat
Compagnie Internationale des Wagons-Lits, Werbeplakat
Quelle: Sammlung J. Klein, Mönchengladbach

Um 1900 verfügt die CIWL über 776 Schlaf- und Speisewaggons sowie 120 Gepäckwagen. Bei der Eisenbahn arbeiteten 2.600 Mitarbeiter, in den Luxushotels 1.800 und in den Werkstätten 1.850, insgesamt also 6.250 Personen, die bei ihm beschäftigt waren. Ein Riesenunternehmen, das allerdings teilweise zu schnell expandierte und damit oft in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

CIWL, Werbeplakat Orient-Express CIWL, Werbeplakat Orient-Express
CIWL, Werbeplakat Orient-Express
Quelle: Sammlung J. Klein, Mönchengladbach

Georges Nagelmackers Meisterwerk, das mit ihm assoziiert wird, ist der wohl bekannteste Zug der Welt, der Orient-Express. Dieser erste eine Zuggattung, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand und sich bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Fahrplänen hielt. Dort wurde er mit einem „L“ vor der Zugnummer dargestellt. WikipediaLuxuszug der CIWL startete 1883 mit der Strecke Paris - Wien - Konstantinopel, wobei die Bahnstrecke noch nicht fertiggestellt war. An der Donau zwischen Rumänien und Bulgarien fehlte die Eisenbahnbrücke, nach Varna am Schwarzen Meer gab es nur einen Lokalzug ohne Komfort, von Varna nach Konstantinopel verkehrte nur ein Linienschiff. Baron Maurice de Hirsch hatte die Bahnstrecke über Serbien bis nach Konstantinopel noch nicht fertiggestellt. Eine ausführliche Beschreibung dieser abenteuerlichen Jungfernfahrt findet sich in der Biografie von Gerhard Rekel.

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