Toskana: Chronik

1100 v.Chr.-1000 n.Chr.

11.-10. Jh. v.Chr.
Mit Beginn der Eisenzeit verbreitet sich die Villanova-Kultur in der Toskana. Zu diesem Zeitpunkt wandern die Etrusker aus Kleinasien oder Asien ein oder entwickeln sich, nach einer anderen Theorie, aus italischen Stämmen und bilden ihre Hochkultur durch Unterwerfung weniger hoch entwickelter Gemeinschaften.
10.-6. Jh. v.Chr.
Die Etrusker werden eine der beherrschenden Mächte des Mittelmeerraums. Die Blütezeit etruskischer Kunst bricht im 7.Jh. v.Chr.an.
5.Jh.-396 v.Chr.
Die Etrusker verlieren wichtige Kriege gegen Griechen und Phönizier. Mit der römischen Eroberung der bedeutenden Etruskerstadt Veji 396 v.Chr. setzt der allmähliche Niedergang der etruskischen Herrschaft ein.
281-187 v.Chr.
Die Römer erobern das Territorium des alten Etruskerreiches.
31 n.Chr.
Augustus ordnet nach den siegreichen Kämpfen um die Macht in Rom die römischen Provinzen. Die Toskana wird die VII. Region mit dem Namen Etruria. Sie umfasst noch Teile Nordlatiums. Da die Römer den Küsten der Toskana wenig Aufmerksamkeit widmen, verfallen die hydraulischen Meisterwerke der Etrusker, das Land verwandelt sich in weiten Teilen wieder in Sumpf.
297
Kaiser Diokletian ordnet die Verwaltungsbezirke neu. Die Toskana wird zur V. Region namens Tuscia. Wirtschaftlich ist sie durch massive Getreideimporte aus Ägypten und Sizilien fast ruiniert. Auch die Mineralverarbeitung hat kaum noch Bedeutung.
410
Die Stämme der Goten unter Alarich verwüsten weite Teile der Toskana, zerstören das fein gewebte Netz der Verwaltungssitze der Römer und vernichten die wichtigsten wirtschaftlichen Verbindungen und Produktionsstätten.
553
Die Toskana wird byzantinische Provinz, aber nur 16 Jahre später erobern die Langobarden die Region. Sitz des neuen Herzogtums Toskana wird Lucca.
774
Unter Karl dem Großen (747-814) erobern die Franken das Langobarden-Reich. Die Küstenorte der Toskana werden verlassen, weil sich die Angriffe der Sarazenen häufen. Nur Pisa bleibt als größte Stadt in Meeresnähe bestehen.
888-962
Die Toskana wird Teil des sogenannten Unabhängigen Italischen Reiches. 1056 Florenz wird zur Hauptstadt der unter einem Marchese vereinten Toskana und entwickelt sich dank blühenden Handels und der Erfindung des Bankwesens sprunghaft.

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1000-1799

1080
Pisa steigt zur bedeutendsten Hafenstadt im nordwestlichen Mittelmeer auf. Begünstigt durch die Kreuzzüge wird es einer der wichtigsten Häfen für die Einschiffung in das Heilige Land und nach Kleinasien.
ab 1100
Die Spannungen zwischen Kaiser und Kirche teilen die Städte der Toskana in zwei unversöhnliche Parteien: kaisertreue Ghibellinen und papsttreue Guelfen.
ab 1125
Florenz zeigt immer deutlicher expansionistische Tendenzen. Vor allem Pisa wird hart, aber zunächst erfolglos bedrängt, weil Florenz wegen seiner Textilproduktion dringend einen Hafen braucht.
ab 1200
Das durch Bankgeschäfte reiche Florenz erreicht eine Vormachtstellung über die Stadtrepubliken der Toskana.
1313
Der Tod von Kaiser Heinrich VII. (1278/79-1313) schwächt die ghibellinische (kaisertreue) Partei entscheidend.
1342
Eine Bankkrise trifft Florenz und bedroht die Vormacht der Stadt in der Toskana.
1348
Die große Pest, von Giovanni Boccaccio (1313-1375) in der Einleitung seiner Novellensammlung „Decamerone” beschrieben, tötet allein in Florenz 80.000 Menschen - zwei Drittel der Einwohner.
1406
Die Florentiner nehmen Pisa ein und gewinnen den lang ersehnten Zugang zum Meer.
1434
Cosimo de' Medici (1434–1464) kommt in Florenz an die Macht und leitet damit eine mit Unterbrechungen drei Jahrhunderte währende Hegemonie der Medici in Florenz und später in der ganzen Toskana ein.
1478
Lorenzo de' Medici (1469–1492) versucht, ein Gleichgewicht der Kräfte in Italien aufzubauen, mit der Großmacht des Hauses Sforza in Mailand, den Königen von Neapel und dem Kirchenstaat.
1492
Girolamo Savonarola, Bildnis von Fra Bartolommeo, um 1498
Girolamo Savonarola, Bildnis von Fra Bartolommeo, um 1498
Quelle: Wikipedia
Nach dem Tod von Lorenzo besetzt der französische König Karl VIII. Florenz. Der Mönch Fra Girolamo Savonarola (1452-1498) ruft eine kurzlebige Theokratie aus, die von fanatischer Frömmigkeit geprägt ist.
1512
Nach der Wahl von Piero Soderini zum Gonfaloniere, des höchsten Amtes der Signoria, kehren die Medici nach Florenz zurück, jedoch nur für 15 Jahre. Dann werden sie erneut verbannt, Florenz wird Bürgerrepublik.
1530
Die letzte Florentiner Republik, zu der ein Großteil der Toskana gehört, wird von Karl V. eingenommen. Karl lässt sich 1530 in Bologna zum König von Italien krönen. Die Medici kehren nach Florenz zurück.
1555
Söldnertruppen im Auftrag des Florentiner Medici-Herzogs Cosimo belagern und erobern Siena, die letzte bedeutende Rivalin von Florenz in der Toskana.
1570
Cosimo I. de' Medici (1519-1574) erhält von Papst Pius V. den Titel Großherzog der Toskana. Ausgenommen von seinem Herrschaftsbereich sind nur Lucca und Massa-Carrara sowie Teile der Küste, der Monte Argentario und Elba, das unter spanische Kontrolle gerät.
1621
Nach dem Tod Cosimos II. übernimmt ein Konsortium die Regierung, weil der Nachfolger Ferdinando II. noch zu jung ist.
1737
Mit dem Tod von Gian Gastone, dem letzten Medici der großherzoglichen Linie, geht die Herrschaft an das Haus Habsburg-Lothringen über.

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1800-1999

1808
Die Toskana wird von Frankreich unter dem Namen Etrurisches Reich annektiert. Ausgenommen sind die Provinzen Lucca, Massa-Carrara und Piombino, die der Familie Napoleons unterstehen.
1814
Napoleon wird nach Elba verbannt.
Villa Napoleons in Portoferraio
Toskana, Elba, Juni 2015
Villa Napoleons in Portoferraio
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
1815
Der Wiener Kongress setzt den Großherzog der Toskana, Ferdinand III., wieder ein.
1848
Nach Aufständen in Pisa und Florenz flieht Großherzog Leopold II. Eine republikanische Regierung wird eingesetzt, die binnen kurzem zu einer Diktatur führt.
1852
Leopold II. kehrt mithilfe österreichischer Truppen nach Florenz zurück. Er hat alle progressiven Kräfte Italiens gegen sich.
1859
Nach einer Demonstration am 27. April 1859 flieht der Großherzog nach Österreich.
1860
Am 15. März 1860 entscheiden sich die Toskaner, Untertanen des sardisch-piemontesischen Königs aus dem Haus Savoyen zu werden, der Italien einigen will.
1865-71
Florenz ist Hauptstadt des vereinigten Italien, bis König Vittorio Emanuele II. in Rom einzieht.
1940
Nach dem Kriegseintritt Italiens an deutscher Seite bombardieren alliierte Flieger die Städte der Toskana schwer.
1946
Ein Volksentscheid am 2.Juni 1946 begründet die Italienische Republik. Die Königsfamilie wird verbannt. Florenz wird Hauptstadt der Toskana.
1966
Am 4. November erlebt Florenz seine bislang schwerste Flutkatastrophe. 121 Menschen sterben in den Fluten, zahlreiche Kunstschätze gehen für immer verloren oder werden schwer beschädigt.
1970
Eine Verwaltungsreform bringt der Region Toskana mehr Befugnisse.
1987
Der Etruskologe Francesco Nicosia beweist durch Grabungen, dass Florenz eine römische Stadtgründung ist.
1993
Bei einem von der Mafia verübten Bombenattentat vor den Uffizien sterben fünf Menschen.
1998
Der Toskanische Archipel erhält den Status eines Nationalparks.

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ab 2000

2001
Dezember: Der „Schiefe Turm” von Pisa wird nach langwierigen Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten wieder eröffnet.
2002
Florenz führt als erste von mehreren Kunststädten Italiens ein „Eintrittsticket” für Busreisegruppen ein. Die Gelder sollen zur Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden.
2003
35 Kleinstädte in Italien, darunter in der Toskana Massa Marittima und San Vicenzo, schließen sich dem Netzwerk Citta Slow an, das sich für Lebensqualität und Umweltschutz stark macht.
2008
April: Die vorgezogenen Neuwahlen gewinnt Silvio Berlusconi zusammen mit der Lega Nord.
2011
In Florenz beginnt der umstrittene Bau eines unterirdischen Hauptbahnhofs nach Plänen von Sir Norman Foster, der die toskanische Hauptstadt an das Hochgeschwindigkeitszugnetz anschließen soll.
2012
Januar: Vor der Insel Giglio rammt das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia” einen Felsen, schlägt leck und neigt sich um 65 Grad. 32 der 4220 Passagiere und Besatzungsmitglieder kommen ums Leben. Eine Umweltkatastrophe durch auslaufendes Schweröl kann verhindert werden.
Costa Concordia vor Giglio Porto
Die Costa Concordia von Giglio Porto aus gesehen (Sommer 2012)
Quelle: Wikipedia
2014
Juli: Nachdem es 2013 gelungen war, die Costa Concordia wieder aufzurichten, konnte sie nach Genua zur Verschrottung geschleppt werden. Die Verschrottung wird etwa 100 Millionen Euro kosten, der Bau hatte 450 Millionen Euro gekostet.
2015
Juli: Bei der Halbinsel Monte Argentario in der südlichen Toskana kommt es seit Tagen zuu einem massiven Fischsterben. Bisher wurden 200 Tonnen Kadaver aus dem Meer gefischt. Ursache ist möglicherweise das mit 34°C zu warme Wasser.
August: Von den schweren Unwettern in der Toskana ist vor allem Florenz betroffen. In der Nacht 1./2. verursachen die heftigen Gewitter riesige Überschwemmungen. Drei Menschen werden verletzt, die Bahnstrecke Florenz-Rom war unterbrochen.

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