Toskana—Florenz: Palazzo Pitti

Der Palazzo Pitti, von der angesehenen Florentiner Kaufmannsfamilie Pitti erbaut, war für drei Jahrhunderte die Residenz der toskanischen Großherzöge und im 19. Jahrhundert der italienischen Könige. Heute beherbergt er sechs Einzelmuseen.

Toskana: Florenz, Palazzo Pitti
Florenz, Piazza Pitti, September 2003
Palazzo Pitti
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Palazzo Pitti [Palais]

Der größte der Florentiner Paläste - 32.000 m² Fläche, 205 Meter Fassadenlänge - wurde zwischen 1457 und 1466 von Luca Fancelli für den reichen Florentiner Kaufmann Luca Pitti errichtet. Der Rivale der Medici wollte eine repräsentativere Residenz. Allerdings trieben ihn die Kosten in den Ruin.
1549 erwarb die kränkliche Gattin Cosimos I., Eleonora von Toledo, den Palazzo und ließ ihn von Bartolomeo Ammanati im manieristischen Stil zu einer dreiflügeligen Anlage erweitern, die sich zu den Giardino di Boboli öffnet. 1620-1640 wurde die Fassade von Giulio und Alfonso Parigi auf die heutige Ausdehnung verlängert. Die beiden Seitenflügel zur Straßenseite kamen 1764 und 1783 dazu.

Toskana: Florenz, Palazzo Pitti
Florenz, Palazzo Pitti, Juni 2015
Straßenseite
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Bis 1859 war der Palazzo Pitti Residenz der toskanischen Großherzöge, während der napoleonischen Besetzung wohnte hier die Königin von Etrurien. Von 1864 bis 1871, als Florenz Hauptstadt des Vereinigten Italiens war, war er die Residenz von König Vittorio Emanuele II. Bis 1946 wurde er von Mitgliedern des Hauses Savoyen bewohnt.

Sammlungen im Palazzo Pitti

Insgesamt sechs Sammlungen befinden sich hier. Die wohl bedeutendste ist die Galleria Palatina.

Galleria Palatina

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden unter der Herrschaft von Habsburg-Lothringen die Privaträume der Medici der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier findet sich die Florentiner Kunst von der Frührenaissance bis zum Manierismus, aber auch zeitgenössischer Maler aus Italien und Europa. Beachtenswert sind Werke von:

  • Raffael („La Gravida / Schwangere Dame”, „Madonna della Sedia / Madonna auf dem Stuhl”, „Donna Velata / Dame mit Schleier”)
  • Tizian („Maria Magdalena”, „La Bella / Porträt einer Frau”)
  • Filippo Lippi („Madonna mit Kind”)
  • Sandro Botticelli („Porträt einer jungen Frau”, „Porträt eines jungen Mannes”)
  • Jacopo da Pontormo („Anbetung der Könige”)
  • Caravaggio („Schlafender Cupido”)
  • Rubens („Folgen des Krieges”, „Vier Philosophen”)

Die Hängung der Gemälde ist nicht chronologisch, sondern entspricht den Vorlieben der Medici-Großherzöge.
In der Galleria Palatina befindet sich auch das klassizistische Badezimmer Napoleons.

Appartamenti Reali

Die prunkvollen Räume der „Königlichen Gemächer” sind mit kostbaren Möbeln, Statuen, Gemälden, Gobelins und Gebrauchsgütern ausgestattet, vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Beachtenswert sind auch die Fresken und Stuckverzierungen. Hier wohnten Vittorio Emanuele II. (sein Baldachinthron befindet sich in der Sala del Trono), Umberto I., Königin Margherita und Vittorio Emanuele III.

Galleria d'Arte Moderna

Die um 1860 gegründete und kontinuierlich erweiterte Sammlung bietet eine interessante Übersicht über die toskanische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Beachtenswert sind die Gemälde der Macchiaaioli („Fleckenmaler”), einer Gruppe um Giovanni Fattori, die sich zum Malen in die Küstenlandschaft der Maremma zurückzogen (Saal 16-18).

Museo degli Argenti

In der „Silberkammer” werden neben Silber- und Goldschmiedearbeiten auch Edelsteine, Schmuck, Elfenbein- und Bernsteinarbeiten sowie bemaltes Glas und Porzellan präsentiert. Die Sammlung befindet sich in den Sommergemächern der Großherzöge und wurde nach dem Ersten Weltkrieg gegründet. Sie basiert auf dem Silberfundus der Medici. Weitere Ausstellungsstücke stammen aus den Uffizien, dem Bargello sowie aus dem Schatz der fürstlichen Erzbischöfe von Salzburg und der italienischen Könige.

Weitere Sammlungen

Weiters beheimatet im Palazzo Pitti sind die Galleria del Costume („Kostümmuseum”) mit Kostümen und Kleidung aus der Zeit der Renaissance bis heute; das Museo della Carozze („Kutschenmuseum”) mit Prunkkutschen, Kaleschen und Wagen aller Art aus dem 18. und 19. Jahrhundert; sowie das Museo delle Porcellane („Porzellanmuseum”), in dem die Porzellansammlung von Pietro Leopoldo und Ferdinand III. gezeigt wird.

Giardino di Boboli [Park]

Der leider nicht mehr frei zugängliche Park kann nur mit einem Kombiticket (€ 7,-) besucht werden. Er liegt hügelaufwärts hinter dem Palazzo Pitti und bietet u.a. einen Neptun- und Bacchusbrunnen, eine Orangerie mit duftenden Zitrusgewächsen sowie das Inselchen „Isolotto” mit Statuen und Brunnen.

Toskana: Florenz, Palazzo Pitti
Florenz, Palazzo Pitti, Juni 2015
dahinter der Giardino di Boboli, von der Domkuppel aus gesehen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
Palazzo Pitti, Piazza Pitti, Internet (engl.)
freier Eintritt an jedem 1. Sonntag des Monats

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