Fahne AntarktisAntarktis-Reise: Südshetlandinseln — Anlandungen

Die Südshetlandinseln (South Shetland Islands) sind die größte und am häufigsten besuchte Inselgruppe der Antarktis. Auf den etwa 20 größeren und zahlreichen kleineren Inseln der Inselgruppe gibt es zahlreiche Anlandungsmöglichkeiten. Auf dieser Expeditions-Kreuzfahrt wurden Elephant Island (Point Wild), King George Island (Maxwell Bay) und Deception Island (Whalers Bay) angelaufen.

Karte Südshetlandinseln
Karte Südshetlandinseln
Quelle: Wikipedia, PD

Elephant Island (61°10'S, 55°14'W)

Elephant Island, die drittgrößte Insel des Archipels, ist etwa 47 Kilometer lang und 27 Kilometer breit, 1300 Kilometer südwestlich von Südgeorgien, 935 Kilometer südlich der Falklandinseln und 885 Kilometer südöstlich vom Kap Hoorn. Sie ist die nördlichste der Südshetlandinseln und erstreckt sich hauptsächlich in Ost-West-Richtung.

Karte Elephant Island
Karte Elephant Island
Quelle: Wikipedia, Giovanni Fattori (CC BY-SA 3.0)

Ihr Name geht wahrscheinlich auf den Reichtum an See-Elefanten zurück. 1821 wurde sie vom britischen Robbenjäger George Powell (1794–1823) entdeckt und für die britische Krone in Besitz genommen. Er glaubte allerdings, in ihrem Umriss einen Elefantenkopf zu entdecken. Die felsige, unbewohnte Insel weist aufgrund des widrigen Klimas kaum Flora oder Fauna auf, nur Eselspinguine und Robben leben hier.

Südshetlandinseln, Elephant Island, Eisberg vor Cape Valentine
Südshetlandinseln, Elephant Island, Februar 2016
kleiner Eisberg vor Cape Valentine
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Bekannt ist Elephant Island als erster Rettungs- und Zufluchtsort der 28 Männer der Endurance-Expedition (Imperial Trans-Antarctic Expedition, 1914-1917) von Sir Ernest Shackleton. Doch Shackleton war klar, daß sie auf der abgelegenen Insel, fernab der Schiffsrouten und Walfangstationen, nicht gesucht würden. Daher brach er am 24. April 1916 mit fünf Männern - darunter der geniale Navigator Frank Worsley - mit der James Caird, einem 7 Meter langen Beiboot der untergegangenen Endurance, Richtung Südgeorgien auf. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit gelang die Überfahrt, und Shackleton konnte seine 21 Männer am 30. August 1916 abholen.

Südshetlandinseln, Elephant Island, Point Wild
Südshetlandinseln, Elephant Island, Februar 2016
Zodiac-Rundfahrt bei Point Wild
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Anlandungen gelingen aufgrund der widrigen Windverhältnisse nur selten, eher möglich sind Zodiac-Rundfahrten nach Point Wild, Cape Valentine und Cape Lookout.

Point Wild (61°06'S, 54°52'W)

Südshetlandinseln, Elephant Island, Point Wild
Südshetlandinseln, Elephant Island, Februar 2016
vor Point Wild
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die kleine Bucht liegt auf der Nordseite von Elephant Island. Hier harrten die 22 Männer unter Frank Wild, dem Stellvertreter Shackletons und Namensgeber der Bucht, unter zwei umgedrehten Rettungsbooten aus, bis sie nach 105 Tagen am 30. August 1916 vom chilenischen Marinekutter Yelcho gerettet werden konnten. Drei Versuche waren zuvor fehlgeschlagen.

Südshetlandinseln, Elephant Island, Büste von Kapitän Luis Pardo Villalón
Südshetlandinseln, Elephant Island, Februar 2016
Büste von Kapitän Luis Pardo Villalón auf Point Wild
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die chilenische Antarktis-Expedition 1987/88 stellte hier in Erinnerung an Luis Pardo Villalón, Kapitän der Yelcho, einen Steinblock mit einer Büste auf.

Cape Valentine (61°06'S, 54°39'W)

Der nordöstliche Zipfel von Elephant Island war das erste Land, das Shackleton und seine Männer nach einer dreiwöchigen Überfahrt in Rettungsbooten durch die rauhe See erreichten. Allerdings war der Strand zu klein und von der Flut gefährdet, so daß sie nach ein paar Erholungstagen wieder aufbrechen und einen sichereren Ort suchen mussten.

Südshetlandinseln, Elephant Island, Cape Valentine
Südshetlandinseln, Elephant Island, Februar 2016
Cape Valentine
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

 

„Dann inspizierten Shackleton, Wild, Hurley und ich den Strand. Was wir sahen, war nicht sehr vielversprechend. Der Strand lag gut einen Meter über dem normalen Tidenhöchststand. Dahinter erhoben sich glatte, nicht zu erklimmende Steilklippen, und der erste Sturm von Osten würde uns hinwegfegen.” (Frank A. Worsley, Kapitän der H.M.S Endurance)

Cape Lookout (61°16'S, 55°12'W)

Südshetlandinseln, Elephant Island, Cape Lookout
Südshetlandinseln, Elephant Island, Februar 2016
Eisberg vor Cape Lookout
Foto © www.bilderreisen.at/Monika Reinthaler (cc)

Die südlichste Landspitze von Elephant Island wird von steil aufragenden Felstürmen geformt. Der Name taucht erstmals auf einer Karte von George Powell auf und hat keinen Bezug zur Shackleton-Expedition. Der für Anlandungen zur Verfügung stehende Raum hat etwa die Größe eines Tennisplatzes.

King George Island (62°00'S, 58°15'W)

Karte King George Island
Karte King George Island
Quelle: Wikipedia, Giovanni Fattori (CC BY-SA 3.0)

King George Island, etwa 78 Kilometer lang und 29 Kilometer breit, ist im Sommer zu mehr als 90% von Eis bedeckt. Die Insel liegt im Zentrum der Südshetlandinseln und erhielt ihren Namen 1819 vom englischen Kapitän William Smith, der sie für König George III. in Besitz nahm. Die Nordseite verläuft relativ glatt. An der Südseite gibt es zahlreiche tiefe Buchten, so etwa die King-George-, Admirality- und Maxwellbucht. Das Rückgrat von King George Island bildet ein etwa 600 Meter hoher Gebirgszug, der an der Nordküste steil ins Meer abfällt. Alle Anlandungsplätze befinden sich daher auf der Südseite, ebenso die zahlreichen Forschungsstationen.

1906 ließen sich die ersten Walfänger in der Admiralitybucht nieder. 1946/47 folgte die erste, auf King George Island errichtete Forschungsstation, Base G. Sie gehörte Großbritannien und wurde 1961 geschlossen. 1947/48 errichtete Argentinien hier eine Zufluchtshütte, der eine zweite in der Potter Cove folgte. Sie war als Stützpunkt für Wasserflugzeuge gedacht

Forschungsstationen auf King George Island

Auf King George Island gibt es mit 9 Forschungsstationen die höchste Dichte in der ganzen Antarktis. Ein bevorzugter Standort ist die Fildes Peninsula an der Maxwellbucht, auf der sich vier Forschungsstationen befinden.

Südshetlandinseln, King George Island, Maxwell Bay
Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
chilenische Station Eduardo Frei und russische Station Bellingshausen in der Maxwell Bay
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Forschungsstation Presidente Eduardo Frei Montalva, Chile

Die chilenische Station Presidente Eduardo Frei Montalva liegt in der Maxwellbucht (Maxwell Bay) und ist Chiles wichtigster Stützpunkt in der Antarktis. Sie besteht aus vier Teilen:

  • die gleichnamige Militärbasis, die auf eine 1969 erbaute Wetterstation zurückgeht. Mittlerweile wurde sie zum Zentrum für Verwaltung und Logistik ausgebaut;
  • Südshetlandinseln, King George Island
    Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
    chilenische Station Eduardo Frei, Militärbasis
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
  • die 1984 gegründete Wohnsiedlung Villa Las Estrellas (Sternenstadt), in der die Familienangehörigen des Militärpersonals wohnen. Sie berherbergt im Sommer etwa 150 Einwohner (davon nur etwa 10% Frauen), im Winter um die 80, darunter auch Kinder. Die Siedlung besteht aus 18 Wohnhäusern, einer Schule, einem Krankenhaus, einer Sporthalle, einem Postamt, einer Bank, einer Kirche („Santa María Reina de la Paz”) und einem kleinen Einkaufsladen;
  • Südshetlandinseln, King George Island, Villa Las Estrellas
    Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
    chilenische Station Eduardo Frei, Villa Las Estrellas
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
    Südshetlandinseln, King George Island, Kirche
    Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
    chilenische Station Eduardo Frei, Kirche „Santa María Reina de la Paz”
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
    Südshetlandinseln, King George Island, Kirche
    Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
    chilenische Station Eduardo Frei, Kirche innen
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
  • die eigentliche Forschungsstation Professor Julio Escudero, in der seit 1995 die wissenschaftlichen Aufgaben konzentriert werden. Sie bietet in den Laboratorien und Wohncontainern Platz für 20 Personen;
  • der etwa einen Kilometer entfernte Flughafen Teniente Rodolfo Marsh, der über eine 1.300 Meter lange Landebahn, einen Tower und einen Flugzeughangar für Helikopter und Twin-Otter-Maschinen verfügt. Weiters befindet sich hier das einzige Hotel der Antarktis, das Estrella Polar. Die viermotorigen C-130-Hercules-Militärmaschinen benötigen für den Flug von Punta Arenas etwa drei Stunden und transportieren Personen und leichte Frachten. Etwa 50 Flüge werden pro Saison durchgeführt.
  • Südshetlandinseln, King George Island, Flughafen
    Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
    chilenische Station Eduardo Frei, Flughafen Teniente Rodolfo Marsh
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Forschungsstation Bellinghausen, Russland

Unmittelbar neben der chilenischen Station Presidente Eduardo Frei Montalva, nur durch einen schmalen Bach (der bei den Russen Wolga und bei den Chilenen Rio Grande heißt) getrennt, befindet sich die russische Station Bellinghausen. Die 1968 von der damaligen Sowjetunion gegründete Station diente als Stützpunkt und Depot der sowjetischen Antarktis-Fischereiflotte. Benannt ist sie nach dem Entdecker des antarktischen Kontinents, dem Deutsch-Balten und russischen Marinekapitän Fabian Gottlieb Thaddeus von Bellinghausen (1772-1852).

Südshetlandinseln, King George Island, Station Bellingshausen
Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
russische Station Bellingshausen an der Maxwell Bay
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

In der Nähe der Station befindet sich die 2004 erbaute Dreifaltigkeitskirche, die südlichste orthodoxe Kirche der Erde. Im Februar 2016 besuchte sie der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. im Rahmen seiner Südamerika-Reise.

Südshetlandinseln, King George Island, Station Bellingshausen, Dreifaltigkeitskirche
Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
russische Station Bellingshausen, Dreifaltigkeitskirche
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

2002 forcierte Patriarch Alexius II. die Idee eines „Tempels für die Antarktis” und begann, Spenden zu sammeln. Für den Bau wurde kein Stück Metall verwendet. Das Gotteshaus wurde in Rußland vollständig aus Holz aufgebaut, zerlegt und auf dem Hügel wieder aufgebaut.

Südshetlandinseln, King George Island, Station Bellingshausen, Dreifaltigkeitskirche
Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
russische Station Bellingshausen, Dreifaltigkeitskirche innen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Carlini-Station, Argentinien

Die 1982 errichtete argentinische Carlini-Station (ehemals Jubany-Station) wurde 2012 nach dem argentinischen Antarktisforscher Dr. Alejandro Ricardo Carlini umbenannt. In den 15 Gebäuden und 4 Laboratorien forschen im Sommer bis zu 60, im Winter 20 Personen. Seit 2005 gibt es auch ein Kino. Ein „Untermieter” ist das 1994 eröffnete deutsche Dallmann-Labor, eine Kooperation des deutschen Alfred-Wegener-Instituts und des argentinischen Instituto Antárctico Argentino. Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung maritimer Lebensgemeinschaften unter den Bedingungen des Klimawandels

King Sejong Station, Südkorea

Südkorea trat 1985 dem Antarktisvertrag bei und betreibt die Station seit 1988. Sie ist nach König Sejong dem Großem (1397-1450) benannt, der im 15. Jahrhundert das koreanische Alphabet Hangul schuf. Er war der vierte König der Joseon-Dynastie und ein Förderer der Wissenschaft.

Station Artigas, Uruguay

Südshetlandinseln, King George Island, Station Artigas
Südshetlandinseln, King George Island, Februar 2016
Station Artigas, Uruguay
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die 1984 errichtete kleine Station beherbergt in vielen kleinen Gebäuden und einem großen weißen Haupthaus im Sommer maximal 60 und im Winter 9 Personen.

Station Chang Chen, China

Die 1985 errichtete Station besteht aus zwei Hauptgebäuden, einer meteorologischen Beobachtungsstation, vier Nebengebäuden, einem 20 Meter hohen Funkmasten sowie einem Hubschrauberlandeplatz. Im Sommer arbeiten hier 40 Personen, im Winter 14.

Forschungsstation Comandante Ferraz, Brasilien

In der Admirality Bay liegt die 1984 errichtete brasilianische Station Comandante Ferraz neben der verlassenen britischen Station Admirality Bay, auch Base G genannt. Im Februar 2012 wurde sie durch einen Brand völlig zerstört, wobei zwei brasilianische Marinesoldaten ihr Leben verloren.

Forschungsstation Henryk Arctowski, Polen

Die ebenfalls in der Admiralitybucht gelegene, 1977 errichtete Station Henryk Arctowski ist nach dem polnischen Antarktisforscher Henryk Arctowski (1871-1958) benannt. Er war Mitglied der Belgica-Expedition (1897/98) unter Adrien de Gerlache (1866-1934), die 1898 als erste Expedition in der Antarktis überwinterte. Die Station gilt als eine der gemütlichsten und besucherfreundlichsten der Antarktis und ist von weitem an ihrem Leuchtturm am Point Thomas zu erkennen.

Machu Picchu Base, Peru

Die bisher jüngste Station auf King George Island ist die 1989 eröffnete peruanische Forschungsstation Machu Picchu Base. Peru will sich damit Rechte an der Nutzung von Bodenschätzen und Nahrungsressourcen sichern. Neben der wissenschaftlichen Station wurde eine kleine, ständig bewohnte Siedlung errichtet.

Feldstation Pieter J. Lenie, USA

Einige Kilometer südlich liegt die Mitte der 1970er-Jahre errichtete amerikanische Sommerstation Pieter J. Lenie, besser bekannt als Copacabana. Sie ist nach dem Kapitän des amerikanischen Versorgungsschiffes „Hero” benannt und dient der ornithologischen Forschung.

Deception Island (62°57′S, 60°38′W)

Karte Deception Island
Karte Deception Island
Quelle: Wikipedia, PD

Deception Island, 14,4 Kilometer lang und 12,2 Kilometer breit, wird von der Spitze eines aktiven, 750.000 Jahre alten Vulkans gebildet, dessen letzter Ausbruch 1970 stattfand. Die in der Bransfieldstraße liegende Insel besteht aus dem ringförmigen Rest einer Caldera mit einen Durchmesser von 13 bis 14 Kilometer. Durch „Neptuns Blasebalg”, eine im Südosten der Insel gelegene, rund 180 Meter breite Meerenge, gelangen die Schiffe in den vom Meer überfluteten inneren Kratersee, Port Foster. Bedingt durch die vulkanische Aktivität liegt die Wassertemperatur bei etwa 10°C, was immer wieder Kreuzfahrtgäste zum Anlass für ein kleines Bad nehmen. Beliebte Anlandungspunkte sind Whalers Bay, Pendulum Cove, Telefon Bay und Baily Head.

Südshetlandinseln, Deception Island, Neptunes Bellows
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Neptunes Bellows
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Geschichte

Die hufeisenförmige Insel wurde am 29. Januar 1820 zum ersten Mal von William Smith und Edward Bransfield gesichtet. Vermutlich erstmals betreten wurde sie vom amerikanischen Kapitän Nathaniel Palmer (1799-1877), der mit dem Robbenfänger „Hero” die Einfahrt in die Caldera entdeckte und in den natürlichen Hafen Port Foster segelte. Ihren Namen „Deception Island” („Täuschungsinsel”) - niemand hatte erwartet, in die Caldera einfahren zu können - erhielt die Insel 1821.

Whalers Bay, eine Nebenbucht in der Caldera, wurde zum Zentrum der Robbenjagd. In der Saison 1920/21 gingen hier fast 100 Schiffe auf Robbenjagd. Damit allerdings erschöpften sich die Bestände rasch, und die Insel wurde 1825 wieder verlassen.

1906/07 ankerte die „Gobernador Bories”, das erste Walfabrikschiff, in Whalers Bay. Das Angebot an Walen war so reichlich, daß man nur den Blubber, die fettreiche Hautschicht des Wals, verwertete, und den Rest über Bord warf. In Kürze trieben daher Tausende von Walkadavern in Port Foster, die fürchterlich stanken. Um diesen Zustand zu beenden, erteilte die britischen Walfangbehörde der norwegischen Hector Whaling Company die Erlaubnis, eine Trankocherei zu betreiben, die auch Fleisch und Knochen verarbeiten konnte. Somit befand sich hier 1910-1931 die südlichste Trankocherei der Welt. Rostzerfressene Maschinen, Öfen und riesige Tanks sind als Relikte dieser Zeit erhalten geblieben.

Südshetlandinseln, Deception Island, Walverarbeitungsstation Hektor
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Walverarbeitungsstation Hektor
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

1908 wurde Deception Island formell Teil der Falkland Islands Dependencies und damit Britisches Hoheitsgebiet. Eine Postverbindung wurde eingerichtet, ein Magistrats- und ein Zollbeamter auf der Insel stationiert. Die Walfanggesellschaften mussten Lizenzgebühren entrichten und erhielten Fangquoten. 1912 wurden eine Radiostation und eine Feldbahn errichtet.

Der australische Geograf, Ornithologe und Fotograf George Hubert Wilkins (1888-1958) und sein Pilot Carl Ben Eielson starteten am 16. November 1928 auf Deception Island zum ersten motorisierten Flug in der Antarktis. Wilkins hatte 1921/22 an der letzten Antarktis-Expedition von Ernest Shackleton teilgenommen. Sie flogen mit ihrer Lockheed Vega entlang der Gerlache-Straße und überquerten die hohen Berge der Antarktischen Halbinsel. Bei 71°20′S und 64°15′W mussten sie mit halbleerem Tank umdrehen. Nach elf Stunden und mehr als 2.100 Flugkilometern landete die Maschine wieder auf Deception Island.
Weniger Glück hatte der Amerikaner Lincoln Ellsworth, der im Sommer 1934/35 hier zu einem Transantarktisflug starten wollte. Der schmelzende Schnee unter den Flugzeugkufen vereitelte den Start.

Um die Kohlelager und Öldepots der Walfangstation im Zweiten Weltkrieg den Deutschen zu entziehen, zerstörten die Briten sie 1941. 1942 entsandte Argentinien das Marineschiff Primero de Mayo zu der Insel, um damit formell Besitz von allen Gebieten südlich von 60°S zwischen 25°W und 68°34'W zu ergreifen. Die Briten antworteten 1943 mit der Entsendung der Carnavon Castle, die den Union Jack hißte. Als die Argentinier wieder mit der Primero de Mayo aufkreuzten, errichtete die Operation Tabarin (Vorläufer des British Antarctic Survey) die meteorlogische Forschungsstation Base B in der aufgelassenen Hektor Walfangstation. Daraufhin errichtete Argentinien 1948 die Station Decepción. Sie wurde bis zum Vulkanausbruch 1967 ganzjährig und jetzt nur noch als Sommerstation mit 14 Personen betrieben.

Südshetlandinseln, Deception Island, Walverarbeitungsstation Hektor/Base B
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Base B/Walverarbeitungsstation Hektor
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der Vulkanausbruch 1967 führte zur Evakuierung der chilenischen, britischen und argentinischen Forschungsstationen. Die chilenische Station wurde dabei zerstört, ebenso die britische Basis beim erneuten Ausbruch 1969. Die Stationen wurden nicht wieder aufgebaut.

Whalers Bay

Die Walfängerbucht an der Einfahrt in die Caldera erhielt ihren Namen vom französischen Polarforscher Jean-Baptiste Charcot (1867-1936) während seiner Zweiten Antarktisexpedition 1908–1910.

Die 1944 in der aufgelassenen Walfangstation Hektor eingerichtete britische Base B wurde beim Vulkanausbruch 1969 teilweise zerstört und bildet heute die Antarctic Treaty Historic Site and Monument (HSM) Nr. 71. Zu sehen sind neben den Resten der Tanks und dem Dampfkesselhaus das Biscoe House, ursprünglich das Wohn- und Schlafhaus der Hektor Walfangstation, das 1944 zur Forschungsstation umgebaut wurde. Im Vorratslager an der Rückseite stehen noch immer die Konserven, im Kohlebunker lagert Waliser Kohle.

Südshetlandinseln, Deception Island, Biscoe House
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Biscoe House, ehemaliges Verwaltungsgebäude
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der 1960-62 gebaute Flugzeughangar diente der britischen Forschungsstation als Unterstand für ihre Flugzeuge. Bis 2004 stand hinter dem Gebäude der Rumpf einer einmotorigen De Havilland DHC-3 Otter. Inzwischen wurde er vom British Antarctic Survey geborgen und nach England verfrachtet. Die beiden Landebahnen, die sich zwischen Hangar und Strand kreuzten, sind nicht mehr zu sehen.

Südshetlandinseln, Deception Island, Flugzeug-Hangar
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Flugzeug-Hangar
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
6Südshetlandinseln, Deception Island, Flugzeug-Hangar innen
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Flugzeug-Hangar innen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Zwischen der Walfangstation und Neptunes Window liegen die Reste verschiedener Boote, darunter sogenannte „Wasserboote”, mit denen Süßwasser für die Dampfmaschinen und als Trinkwasser zu den Walfangschiffen gebracht wurde, sowie normale Ruderboote.

Südshetlandinseln, Deception Island, Boot
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Wasserboot am Strand
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

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