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Cuba: Havanna - Geschichte

Havanna, 1514 an der Karibik-Küste gegründet und vier Jahre später an die Atlantik-Küste verlegt, war der wichtigste Umschlaghafen Spaniens. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es zum Schutz gegen Piratenüberfälle stark befestigt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es zur Spielhölle und zum Bordell der USA. Die Revolution von 1959 räumte damit auf, vernachlässigte die Stadt jedoch bewußt. Erst in den 1990er-Jahren wurden die Renovierungen begonnen.

Havanna-Vieja, Plaza de Armas, Palacio de los Capitanes Generales

Havanna-Vieja, Plaza de Armas, März 2009
Palacio de los Capitanes Generales, Wappen über dem Eingang
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Geschichte

San Cristóbal de La Habana wurde 1514 an der Karibik-Küste von Diego Velázquez de Cuéllar gegründet, vier Jahre später aber an die Atlantik-Küste verlegt. Der Name Habana ist möglicherweise ethnischen Ursprungs oder leitet sich vom holländischen havene (Hafen) ab.

Havanna-Vieja, Plaza de Armas, El Templete
Havanna-Vieja, Plaza de Armas, März 2009
El Templete: hier wurde die Stadt der Legende nach gegründet
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

16. Jahrhundert: Umschlaghafen Havanna

Wegen ihrer strategisch günstigen Lage zwischen der Alten Welt und den Kolonien in Lateinamerika und des natürlichen Hafens entwickelte sich Havanna zu einem der bedeutendsten Umschlaghäfen für Spanien. Mit der offiziellen Gründung des Flottensystems 1543 landeten Gold und Silber aus den Anden, Smaragde aus Kolumbien, Mahagonihölzer, gegerbte Felle und landwirtschaftliche Produkte zunächst im Hafen von Havanna, bevor sie zwischen Mai und August in großen Flottenverbänden unter militärischem Schutz nach Spanien verschifft wurden. Während der wochen- oder auch monatelangen Wartezeit wurde repariert, ausgerüstet, verproviantiert, auch auf eigenen Werften gebaut, und die Matrosen mit Geld in der Tasche vergnügten sich in den Kneipen, die alle Varianten des Dienstleistungsgewerbes spielten. Putas (Prostituierte) gehörten zu Havanna von Anfang an.
Die Entwicklung der Stadt begann ausgehend von den Hafenanlagen in Nord-Süd-Richtung, wobei sich die Oberschicht im Norden und die ärmeren Schichten im Süden, in der Nähe des Hafens, ansiedelten. Auf den von Ost nach West verlaufenden Straßen siedelten sich vor allem Handelsunternehmen an.
Die „Leyes de las Indias” von 1573 regelte die Gründung neuer Städte und ihre Entwicklung. Es sollte ein rechtwinkeliges Netz enger, vor der Sonne geschützter Straßen mit multifunktionalen Plätzen angelegt werden.

17.-18. Jahrhundert: Befestigung der Stadt

1592 erhielt Havanna von König Felipe II. das Stadtrecht verliehen, 1607 wurde es zur Hauptstadt und löste 1621 Santiago de Cuba als Sitz der spanischen Generalität ab. Königin Mariana de Austria übergab 1665 der Stadt ihr Wappen.
Havanna war eine reiche Stadt und wurde daher auch immer wieder Opfer von Piratenüberfällen.

Havanna, Castillo de la Real Fuerza
Castillo de la Real Fuerza, erbaut 1558
Blick von El Morro, März 2009
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Insgesamt 18 unterschiedliche Verteidigungs­anlagen wurden zwischen 1558 (Castillo de la Real Fuerza) und 1897 (Fort No 1 de Habana del Este) zum Schutz der Stadt und des Hafens errichtet. So gelang es, der Piraten Herr zu werden. Aber 1762 griff eine britische Flotte mit rund 14.000 Marinesoldaten die Stadt quasi „von hinten” über Cojimar am Landweg an, und eroberte sie nach 44 Tagen Belagerung. War bis dahin nur der Handel mit Spanien erlaubt, so wurde Havanna nun zum Freihafen.
Bis ins 18. Jahrhundert erfolgte das Wachstum der Stadt vorwiegend innerhalb der im 17. Jahrhundert erbauten Stadtmauern. Diese wurden 1860 abgerissen, da eine Verteidigung gegen Piraten nicht mehr notwendig war. Die Stadt dehnte sich nun nach Westen und Südwesten aus. Neue Stadteile wie der im Jahre 1859 gegründete Vorort Vedado und der Stadtteil Cerro, der hauptsächlich als Villenviertel diente, wurden dort errichtet.

19.-20. Jahrhundert: Amerikanisierung

1837 verband die erste Eisenbahn in einem spanischsprachigen Land (und die fünfte der Erde) Havanna mit dem 51 km entfernten Bejucal - somit konnte der Zucker direkt zum Hafen transportiert werden. Alle modernen Stadt-Ingrendienzen hielten frühzeitig Einzug in Havanna: Pflasterung, Wasserwerke, Fährenverkehr, Tramway, Telegraf, Telefon, Elektrizität etc. 1846 wurden die Straßen Havannas bereits von Gaslaternen erhellt. Die Stadt verdichtete sich und wuchs über die historische Befestigungsmauer hinaus. Zucker und Tabak sorgten für wirtschaftliche Dynamik.

Florida East Coast Railway
Florida East Coast Railway, Erweiterung nach Key West, 1912-1935
Quelle: Wikipedia

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Havanna zusehends amerikanisiert. Zwischen 1916 und 1935 gab es sogar eine Bahnverbindung von New York über Miami nach Havanna.

Meyer Lansky, 1958
Meyer Lansky, 1958
Quelle: Wikipedia

In den 1930er Jahren erlebte die Stadt einen Bauboom, Hotels, Casinos und Nachtclubs entstanden, gleichzeitig verfielen die Wohnviertel. Die Bevölkerung versechsfachte sich zwischen 1900 und 1950 durch Landflucht und massive spanische Einwanderung. US-Gangster wie Meyer Lansky und Lucky Luciano ließen sich hier nieder. Die Gangster aus Übersee sicherten sich dank ihrer guten Beziehungen zu Präsident Fulgencio Batista die exklusivsten Gegenden in Havanna, um ihre Spielkasinos und Freuden­häuser ohne nennenswerte Probleme seitens der kubanischen Regierung errichten zu können. Das organisierte Verbrechen der USA konnte fortan ungestört und unbestraft seine dubiosen und Geschäfte auf Kuba verfolgen und umsetzen. Havanna wurde zur Hauptstadt des Glückspiels, der Korruption und der Prostitution.
Zwischen 1955 und 1958 entwickelte der katalanische Architekt José Luis Sert einen vollständigen Nutzungsplan für La Habana. Statt der Renovierung der verfallenen historischen Viertel wollte er mit der Abrissbirne die Probleme der Stadt hinsichtlich Verkehr und Grünanalgen lösen.

1959: Die Revolution

Die Revolution von 1959 räumte mit der Mafia auf - und Fidel Castro zog sich den Hass der Mafia zu. Denn sie verlor ein Vermögen an Hotels, Casinos, Clubs und Bordellen und anderen Anlagen im Wert von über 100 Millionen US-Dollar.
Der Zuzug zur Stadt wurde streng geregelt, die Slums weitgehend durch Plattenbauten nach sowjetischem Muster ersetzt. Allerdings gelang es nicht, die Wohnungsnot nachhaltig zu entschärfen. Die Revolutionsregierung setzte die Stadt bewußt der Vernachlässigung aus und investierte bevorzugt in die ländlichen Regionen. 70% der Häuser in der Altstadt sind verfallen und bedürfen dringend einer Erneuerung. Durch die Mangelwirtschaft der 1990er Jahre wurde in Havanna zumindest die in anderen Großstädten auftretende Nutzungsentmischung und die damit verbundene Explosion des Verkehrsaufkommens verhindert.

Havanna, Monumento José Martí
Blick vom Mirador im Monumento José Martí auf Havanna Richtung Malecón, März 2009
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

1976 wird das historische Zentrum zum nationalen Denkmal erklärt, 1982 erhält Habana-Vieja den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes. Der „Stadthistoriker” Eusebio Leal Spengler gründete Anfang der 1990er das Unternehmen Habaguanex. Mit den dazugehörigen Hotels, Restaurants, Museen, Kneipen und Folklore-Märkten werden rund 65 Mio. US-$ jährlich eingenommen. Damit werden die archetektonisch einmaligen Kolonialgebäude aufwändig restauriert - und meist einer kommerziellen Nutzung als Hotel u.dgl. zugeführt. Havanna bleibt ein - teilweise zerfallendes - Museum seiner selbst.

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