Norwegen

Fahne NorwegenDie norwegische Literatur

Norwegen ist eine Lesernation. Statistisch gesehen werden pro Person und Jahr sechs Bücher gelesen, und täglich zwei Zeitungen.

Autoren, Verlage und der Buchhandel werden gefördert wie in sonst kaum einem Land. Schriftsteller und andere Künstler werden verehrt und sind Teil der nationalen Selbstbehauptung.
Eine wesentliche Ursache dafür ist wohl die von 1389 bis 1814 dauernde «Dänenzeit» (dansketiden). Sie gilt als die dunkle Zeit Norwegens, in der das Land vor allem kulturell verlor. Die norwegische Schriftsprache und mit ihr die Literatur wurden verdrängt und durch das Dänische ersetzt.

Erste Aufschwünge nach 1814

Erst mit dem Ende der «Dänenzeit» ab 1814 begann sich während der Schwedischen Union langsam eine norwegische Literatur zu entwickeln. Als Begründer zu nennen sind hier u.a. die Dichter Henrik Arnold Wergeland (1808-1845), der auch die norwegische Flagge entwarf, Andreas Munch (1811-1884), der u.a. den Romanzyklus „Die Brautfahrt der Königstochter” (1861, deutsch 1882) verfasste, und Camilla Collett (1813-1895), die erste Schriftstellerin Norwegens. Sie schrieb 1855 den emanzipatorischen Roman „Die Töchter des Amtmanns (Amtmandes Døttre)” und löste damit einen Skandal aus.

Die Entwicklung ab 1850

Der nachhaltige Aufschwung der norwegischen Literatur beginnt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wesentlich daran beteiligt waren die Dramatiker Henrik Ibsen (1828-1906) und Bjørnstjerne Bjørnson (1832-1910), sowie Schriftsteller und Schriftstellerinnen wie Alexander Kielland (1849-1906), Jonas Lie (1833-1908), Amalie Skram (1846-1905), Arne Garborg, Hans E. Kinck, Knut Hamsun (1859-1952) und Sigrid Undset (1882-1949).
Drei Mal erhielten bisher norwegische Schriftstellerinnen und Schriftsteller den Literaturnobelpreis verliehen: Bjørnstjerne Bjørnson (1903), Knut Hamsun (1920) und Sigrid Undset (1928).

Die norwegische Literatur ab 1950

In den 50er und 60er Jahren waren Norwegens Autoren zwar fleißig, aber international kaum erfolgreich. Eine Ausnahme bilden etwa Johan Borgen (1902-1979) oder der in ganz Skandinavien sehr erfolgreiche Dramatiker und Essayist Jens Borneboe (1920-1976).
Ab den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts erringen Autoren wie Dag Solstad (*1941), Edvard Hoem (*1949) und der Lyriker Jan Erik Vold (*1939) internationale Aufmerksamkeit.
Seit den 1990er-Jahre erobern Autorinnen und Autoren wie Gunnar Staalesen (*1947) und Jon Michelet (*1944), aber auch Herbjørg Wassmo (*1942), Jostein Gaarder (*1952), Per Petterson (*1952), Erik Fosnes Hansen (*1965), Anne Holt (*1958), Jo Nesbø u.a. vor allem den deutschsprachigen Büchermarkt.

Das norwegische Literatursystem

Das norwegische Literatursystem ruht auf vier Säulen: die Buchpreisbindung, die Abnahmeregelung neuer Bücher, die Befreiung von der Mehrwertsteuer und die Kollektivvereinbarungen zwischen den Rechteinhabern.

  • Buchpreisbindung: der Preis eines neuen Buches wird bei der Veröffentlichung festgelegt. Im Verkauf kann dieser Preis bis zum 1. Mai des Folgejahres der Veröffentlichung um maximal 12,5% unterschritten werden.
  • Abnahmeregelung: das staatlich finanzierte Programm existiert seit den 1960er-Jahren und wird vom Norwegischen Kulturrat verwaltet. Jährlich werden 550 bis 1.500 Exemplare aus einer Liste von etwa 600 Neuerscheinungen angekauft und den öffentlichen Bibliotheken im ganzen Land zugeteilt. Damit wird die Veröffentlichung neuer norwegischer Bücher sichergestellt, ebenso wie der öffentliche Zugang zu diesen Werken und die Steigerung der Einnahmen der Autoren und Autorinnen.
  • Mehrwertsteuer: auf Bücher wird keine Mehrwertsteuer erhoben.
  • Kollektivvereinbarungen: die Vereinbarungen zwischen dem Norwegischen Verlegerverband und den Verbänden der Autoren, Illustratoren und Übersetzer sorgen für faire Geschäfte mit den Rechteinhabern.

Diese Maßnahmen führen dazu, daß in Norwegen - im Gegensatz zu den Verlusten an Lesern und Käufern im deutschsprachigen Raum - 82% der Bevölkerung mindestens ein Buch pro Jahr kaufen und 88% mindestens ein Buch pro Jahr lesen. Durchschnittlich liest jede Person in Norwegen 15,5 Titel pro Jahr. Für rund 5 Millionen Einwohner gibt es 438 Verlagshäuser und 550 Buchhandlungen.
Quelle: www.norwegen2019.de

Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse 2019

Das Literaturprogramm als Herzstück des norwegischen Ehrengastprogramms wird die Übersetzung von rund 200 Büchern ins Deutsche bringen.

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