Norwegen

Fahne Norwegen PostTromsø — Hurtigruten, 5. Tag

Die Stadt der nördlichsten Superlative: die nördlichste katholische Kathedrale, der nördlichste lutheranische Bischofssitz, die nördlichste Brauerei Europas.

Tromsø, Panorama
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Blick auf das Festland: Tromsøbrücke, Eismeerkathedrale, Hausberg Storsteinen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Das Tor zum Polarmeer, das Paris des Nordens, eine der wenigen großen Städte nördlich des Polarkreises: viele Attribute schmücken die Stadt. Auch das nördlichste Symphonie- und Kammerorchester Europas ist hier beheimatet.
Im Sommer geht die Sonne zwischen dem 19. Mai und dem 26. Juli nicht unter. Im Winter herrscht zwischen dem 18. November und dem 14. Januar die Polarnacht, oft erhellt von der Aurora Borealis, dem Nordlicht.

Tromsø — Sehenswertes

Tromsø liegt auf mehreren Inseln im Grotsundet, einem Nebenarm des Ullfjords. Mit dem Festland ist es über die 38 Meter hohe und 1.036 Meter lange Spannbetonbrücke Tromsøbrua verbunden. Obwohl es auf gleicher Breite wie die Nordküste Alaskas oder Sibiriens liegt, sorgt der Golfstrom für eine milde Jahres­durchschnitts­temperatur von 2,5°C.

Tromsø, Tromsøbrua
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
die Tromsøbrücke (Tromsøbrua) verbindet die Insel mit dem Festland
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Eismeerkathedrale

Die 1965 geweihte Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) liegt ca. 2,5 Kilometer vom Hurtigrutenkai entfernt und kann nordgehend gut zu Fuß über die Tromsøbrücke erreicht werden. Die Kirche steht am Festlands-Brückenkopf der Brücke.

Tromsø, Eismeerkathedrale
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
die 1965 geweihte Eismeerkathedrale
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Ihre äußere Form soll an die Trockenfischgestelle erinnern, denen man überall an der Küsten des Nordmeeres begegnet. Die Gestaltung im Inneren soll Polarnacht, Mitternachtssonne und Nordlicht symbolisieren: eine architektonische Verschmelzung von Beton, Holz und Glas.

Tromsø, Eismeerkathedrale
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Vorderfront der Eismeerkathedrale
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Der Architekt Jan Inge Hovik konstruierte die beiden Dachschrägen so, daß sie wie übereinandergeschobene Packeisplatten aussehen.

Tromsø, Eismeerkathedrale
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Dachschrägen der Eismeerkathedrale wie Packeisplatten
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

An der Chorseite der Kirche hinter dem Altar schmückt die 23 Meter hohe Ostgabel ein 140 m² großes Buntglasfenster, „Die Wiederkehr Jesu“. Es wurde 1972 von Victor Sparre in Dallglas-Technik geschaffen und ist eines der größten Glasgemälde Europas.

Tromsø, Eismeerkathedrale, Glasgemälde
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Glasgemälde in der Eismeerkathedrale wie Packeisplatten
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Polaria

Die Barentsregion und das nördliche Polargebiet sind das Thema des Erlebniszentrums Polaria. Hier gibt es auch ein Aquarium und ein Seehundbassin. Wenn man dressierte Seehunde weniger schätzt, kann man aber den Besuch sparen.
2010 fusionierte das Aquarium mit dem Tromsø-Museum, das Ausstellungen zu Norwegens Polargeschichte und zur Natur der Polarregion präsentiert. Ein weiterer Schwerpunkt sind das Leben und die Entdeckungen der Abenteurer und Forscher, die sich hier zum Nordpol aufmachten.

Tromsø, Polaria
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Erlebniszentrum Polaria
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Neben dem Museum steht in einem schützenden Glashaus die MS Polstjerna, das wohl am besten erhaltene Robbenfangschiff Norwegens. Das 1949 in Risør gebaute Schiff ist 30 Meter lang und sieben Meter breit und fuhr 33 Jahre lang nach Norden. Erstaunlich ist, wie ein eigentlich so kleines Schiff den Eismassen widerstehen konntte.

Tromsø, MS Polstjerna
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
MS Polstjerna
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Auf ihren Fahrten erlegten die Seeleute etwa 100.000 Robben. Die Information über die Robbenjagd ist etwas einseitig und berücksicht nicht die Qualen der erlegten Tiere.

Domkirche

Die Domkirche (Domkirke) von Tromsø wurde 1861 im neugotischen Stil erbaut und ist die einzige norwegische Kathedrale aus Holz. Unter Christian Heinrich Grosch (1801-1865) errichtet ist sie mit 800 Sitzplätzen nicht nur eine der größten norwegischen Holzkirchen, sondern auch die nördlichste protestantische Kathedrale. Christian Heinrich Grosch plante auch die Universität in Oslo.

Tromsø, Domkirche
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Domkirche
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Domkirche steht an der Stelle, an der sich die unter Håkon IV. Håkonsson (1204–1263) erbaute Königskapelle befand, die erste Kirche der Stadt. Sie gehörte dem König und nicht der katholischen Kirche.

Kathedrale Unserer Frau

Die Kathedrale Unserer Frau (Vår Frue domkirke) ist die katholische Kathedrale von Tromsø und die nördlichste der Welt. Sie wurde ebenfalls 1861 im neugotischen Stil errichtet. Mit 150 Sitzplätzen ist sie weitaus kleiner als ihr protestantisches Pendant.

Tromsø, katholische Kathedrale
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Katholische Kathedrale Unserer Frau
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Pabst Johannes Paul II. verbrachte im Juni 1989 eine Nacht im angrenzenden Bischofssitz während seines Besuchs in Tromsø.

Macks Ølhallen

Am 29. Februar 1928 eröffneten die Ølhallen als eigener Ausschank der Mack-Brauerei (Macks Bryggeri), die nördlichste Brauerei der Welt. Die Halle atmet noch immer den Geist der alten Polarforscher und Trapper, Fischer, Walfänger und Bauern. Acht Biersorten werden in der Halle frisch vom Faß gezapft.

Tromsø, Macks Ølhallen
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Mack Ølhallen, das älteste Pub in Tromsø
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Gegründet hat die Brauerei der Braunschweiger Ludwig Mack, dessen Vater es 1834 nach Nordnorwegen verschlagen hattte und der dort eine Bäckerei eröffnete. Im Herbst 1877 nahm dann die Brauerei ihren Betrieb auf. 1891 umfasste das Sortiment bereits fünf Biersorten, darunter das bis heute meistverkaufte Pilsnerøl. In der neu eingerichteten Microbrauerei können kleine Mengen Bier nach besonderen Anforderungen gebraut werden.
Bis in die 1960er-Jahre hatten Frauen keinen Zutritt zu den Ølhallen.

Tromsø — Geschichte

Mit dem Ende der letzten Eiszeit kamen die ersten steinzeitlichen Jäger vor rund 10.000 Jahren. Die ersten Spuren der samischen Kultur zeigen sich vor 2.000 Jahren. Ab dem 4. und 5. Jahrhundert gibt es eine skandinavische Kultur und Sprache.
Gegründet wurde die Stadt 1252 unter König Håkon IV. Håkonsson, der im heutigen Stadtteil Skansen eine kleine Hafensiedlung und auf der Insel Tromsøya die erste christliche Kirche erbauen ließ. Hier steht heute die Domkirche.

Tromsø, Domkirche
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Domkirche, Vorderfront
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Mit dem Fall der Handelsprivilegien der Stadt Bergen im Jahr 1789 kam es in Nordnorwegen zum Aufschwung des Handels. Der dänisch-norwegische König Christian VII. (1749-1808) wünschte eine Stadtgründung im Norden. So erhielt 1794 das damals 80 Einwohner zählende Tromsø das Stadtrecht. 1803 wurde es Bischofssitz für Nordnorwegen, die zugehörige Domkirche wurde aber erst 1861 erbaut.
Während der napoleonischen Kriege war Tromsø eine dänisch-norwegische Garnison. 1812 wurde sie von englischen Truppen angegriffen, konnte den Angriff aber abwehren.
Ab 1820 wurde der Robbenfang ein bedeutender Wirtschaftszweig, wobei man sich bemühte, die Robbenbestände nicht auszurotten.

Tromsø, Robbenfänger-Denkmal
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Denkmal der Robbenfänger am Großen Platz
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

1846 wurde hier Richard With, Kapitän und Gründer der Hurtigruten-Postschifflinie, geboren.
Als „Pforte zum Eismeer” war Tromsø der Ausgangspunkt für zahlreiche Expeditionen in die Polargebiete. 1874 brachen Carl Weyprecht (1838-1881) und Julius Ritter von Payer (1842-1915) mit der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition zur Erkundung des Nordmeers auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts diente Tromsø als Ausgangspunkt vieler Expeditionen in die Polarregion und speziell zum Nordpol, unter anderem geleitet von Roald Amundsen (1872-1928) und Fridtjof Nansen (1861-1930).

Tromsø, Amundsen-Denkmal
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Denkmal für Roald Amundsen
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Im Zweiten Weltkrieg war Tromsø ab Mai 1940 für kurze Zeit die Hauptstadt Norwegens, bevor der König und die Regierung am 7. Juni nach England flohen. Oslo und die südlichen Teile Norwegens waren bereits von den deutschen Truppen besetzt. Danach diente die Stadt kurzzeitig als Flottenstützpunkt für Überwasserschiffe der deutschen Kriegsmarine. Vor der Insel Kvaløya lag kurzfristig das deutsche Schlachtschiff Tirpitz vor Anker, bevor es am 12. November 1944 bei einem britischen Luft-Angriff versenkt wurde. Tromsø selbst blieb im Krieg weitgehend unbeschädigt.

Tromsø, Storgata
Hurtigruten, Tromsø, Mai 2004
Storgata, eine Einkaufsstraße
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Ab den 1960er-Jahre erlebte die Stadt einen neuen Aufschwung. 1964 wurde der Flugplatz eröffnet, 1968 die Universität gegründet. 10.000 Studierende können in sechs Fakultäten und vier Wissenschaftszentren rund 150 Studiengänge absolvieren.
1993 wurde das norwegischen Polarforschungsinstitut (Norsk Polarinstitutt) von Oslo nach Tromsø übersiedelt. Auch heute noch ist die Stadt einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Expeditionen in die Polarregion.

 

Tromsø auf einen Blick

Wappen TromsøNorwegen, Troms
74.000 Einwohner (2016), 2.566 km², 29 Einwohner/km²
Koordinaten: 69° 39′ N, 18° 57′ O; PLZ: 9006 - 9019
Hurtigruten-Fahrplan
nordgehend 5. Tag: 14:30-18:30 Uhr (Sommer/Winter); südgehend 8. Tag: 23:45-01:30 Uhr (Sommer/Winter)

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