Norwegen

Fahne NorwegenReisetagebuch — Norwegen

Von Oslo mit der Bergenbahn nach Bergen, mit dem Postschiff entlang der norwegischen Küste von Bergen nach Kirkenes - eine der schönsten Seereisen der Welt.

Nevada, Las Vegas, Caesars Palace
Nevada, Las Vegas, August 2016
Blick vom Hotel Mirage
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

23./24. Mai: Oslo

Die fast mediterran wirkende Hauptstadt (512.000 Einwohner) war für eineinhalb Tage unsere erste Begegnung mit Norwegen - natürlich viel zu kurz. Das Dreieck zwischen Karl Johans Gate, Hauptbahnhof und Rathaus bildet den etwa 4 km² großen Stadtkern, in dem alles zusammenläuft.
Unser erster Erkundungsweg führt uns vom Schloß (zwischen 1825 und 1848 erbaut) über die rund 1,5 Kilometer lange Flaniermeile, die Karl Johans Gate, die Schloß und Hauptbahnhof verbindet. Vorbei an der Universität, dem Parlament, dem National­theater, dem berühmten Hotel und Café Gran Café zur Domkirke.
Heute stehen das ehemalige Werftviertel Aker Brygge, die Festung Akershus mit dem Widerstandsmuseum und das 1950 zur 900-Jahr-Feier eröffnete, immer noch umstrittene Rathaus auf dem Programm.

Abendessen

Das Abendessen nehmen wir im Restaurant D/S Louise auf Aker Brygge, einem zwar teuren, aber ganz ausgezeichneten Restaurant.

25. Mai: Bergenbahn > Bergen

Bergenbahn

Unbedingt empfehlenswert ist die Fahrt mit der 470 Kilometer langen Bergenbahn, die Oslo sieben Mal täglich mit Bergen verbindet. Sehr interessant wird der anspruchsvolle Bau der Strecke in dem Roman von JAN GUILLOU, Die Brückenbauer, beschrieben.
Die Strecke führt durch 200 Tunnel und über mehr als 300 Brücken zu Europas höchst­gelegener Bahnstation, Finse (1222 Meter), und durchquert dabei alle Landschaftsformen Nor­wegens - vom hügeligen Wald- und Wiesen­land bis zur arktischen Wüste.
Die zunächst dicht besiedelte Landschaft um Drammen wird bereits im Hallingdal abgelöst von dichten Wäldern und ruhigen Seen, die bald in die tundragleiche Hochfläche der Hardangervidda übergehen. Nach Geilo verlässt die Bahnstrecke den Lauf der Straße und biegt in das unzugängliche Hallingskarvet ein, klettert auf über 1.200 Meter und erreicht das straßenlose Dorf Finse. Der Ort am Finsesee ist ein Traumziel für Skilangläufer, Mountainbiker und Wanderer, die zum Hardangerjokulen, dem Gletscher auf der Ebene, laufen oder den Rallarvegen entlangradeln. Und er ist Schauplatz des Krimis Der norwegische Gast von ANNE HOLT.
Bei Myrdal trifft die Bergenbahn auf die berühmte Flåmsban (mit der wir leider nicht gefahren sind), eine der steilsten Normalspurbahnen der Welt. Auf 20 Kilometer Länge, durch 20 Tunnel und mit 5% Steigung überwindet die Bahn in 55 Minuten 868 Höhenmeter.

Bergen (1. Tag)

Die 1070 von König Olav Kyrre gegründete Stadt am Byfjord (233.000 Einwohner) ist berühmt für ihre schönen Sonnenuntergänge und berüchtigt für den Regen: an 280 Tagen im Jahr fallen hier über 2.000 mm Niederschlag - das regnerische Hamburg wird weit übertroffen. Wir hatten einen sonnigen Spätnachmittag, aber leider nur zwei Stunden Zeit.
Denn um 20 Uhr verlässt unser Hurtigrutenschiff, die MS Richard With, Bergen und läßt mit einem Blick nach Vågen noch einmal das Panorama der Stadt vom Meer aus erstehen.

26. Mai: Florø > Molde (2. Tag)

Ort an ab
Florø 01:50 02:15
Måløy 04:15 04:30
Torvik 07:15 07:30
Ålesund 08:45 09:30
Geiranger 13:15 13:30
Ålesund 15:00 18:45
Molde 21:30 22:00

Ålesund

Auf den drei durch Brücken miteinander verbundenen Inseln Nørvøy, Apsøy und Heissa liegt Ålesund (40.000 Einwohner), Stadt des Jugendstils. Der Ort erhielt 1848 das Stadtrecht und wurde im Januar 1904 durch eine Feuersbrunst fast vollständig zerstört. Hilfe und Unterstützung für den Wiederaufbau erhielt die Stadt unter anderem vom deutschen Kaiser Wilhelm II., einem begeisterten Nordlandfahrer. Innerhalb von drei Jahren war die Stadt im Stil der Zeit, dem Jugendstil, wieder aufgebaut. Auch heute noch, trotz etlicher Bausünden, präsentiert sich Ålesund als einzigartiges städtebauliches Denkmal des Jugendstils in Norwegen.

Geirangerfjord

Im Sommer macht das Schiff - als Tribut an den Tourismus - einen Abstecher in den wohl schönsten Fjord Norwegens, den Geirangerfjord. Gleichzeitig ist er auch eine der größten Touristenattraktionen der Welt, seit 1869 das erste Kreuzfahrtschiff Kurs auf den Fjord und den gleichnamigen Ort nahm. Seit 2005 ist dieser gleichzeitig mächtige und schmale, 16 Kilometer lange Fjord Weltnaturerbe der UNESCO und beeindruckt durch seine hoch aufragenden Felsen und zahlreichen Wasserfälle. Den Ort am Ende des Fjords kann man auf dieser Reise nicht besichtigen, da das Schiff hier nicht anlegt. Die Teilnehmer der Bustour über den 1952 eröffneten Ørneveien (Adlerstraße) und zurück nach Ålesund werden mit Booten an Land gebracht.
Nach seinem Abstecher in den Geirangerfjord legt das Schiff abends noch einmal in Ålesund an. Dennoch bleibt nicht genug Zeit, den Hausberg Aksla zu ersteigen. Aus 189 Metern Höhe soll man ein wahres Postkarten-Panorama der Stadt genießen können.

Molde

Am Ausgang des weiten Romsdalsfjords und zu Füßen des 407 Meter hohen Varden liegt Molde (22.000 Einwohner), der letzte Hafen dieses Tages. Gegründet im 14. Jahrhundert erhielt es 1742 Stadtrechte und ist eine prosperierende Handels-, Fischerei- und Industriestadt. Im April 1940 wurde es durch deutsche Bombardements fast völlig zerstört, von der alten Bausubstanz ist kaum noch etwas zu finden.

27. Mai: Kristiansund > Rørvik (3. Tag)

Ort an ab
Kristiansund 01:15 01:45
Trondheim 08:15 12:00
Rørvik 20:30 21:15

Trondheim

Kristiansund verschlafen wir. Aber wir haben genügend Zeit, Trondheim (151.000 Einwohner), die historische Hauptstadt und drittgrößte Stadt Norwegens, zu besichtigen. 997 von König Olav Tryggvason (Olaf I., 963-1000) als Nidaros gegründet, wurde sie ab 1030 zur bedeutendsten, größten und reichsten Stadt und zum Wallfahrtsort.
Mit dem renovierten Speicherviertel am Vestre Kanalhavn und den Holzhäusern in der Nedre Bakklandet sowie dem Blick über die Nidelva bietet die Stadt einen hübschen Anblick. Weiter gehen wir über die Bybrua, die hölzerne Klappbrücke von 1861, zum Nidarosdom. Das 1320 fertiggestellte repräsentativste skandinavische Architekturdenkmal der Gotik verfiel ab der Reformation 1530 zu einer Ruine und konnte erst 1930 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder eingeweiht werden.
Der letzte in der Krönungskirche des norwegischen Königshauses gekrönte König war 1906 Haakon VII., ein geborener dänischer Prinz. Seither werden die Könige nicht mehr gekrönt, sondern gesegnet. Die insgesamt dunkle und daher im Innenraum durch gezielt gesetzte Lichteffekte beeindruckende Kirche zählt zu den größten mittelalterlichen Bauwerken Norwegens. Der benachbarte Sitz des Erzbischofs ist hingegen wenig beeindruckend.
Durch die Munkegata und am Rathaus vorbei geht es über die Kongens Gate zum Torget mit der hohen Granitsäule des Stadtgründers. Weiter zur Var Frue Kirke, der Liebfrauenkirche, und durch die Fußgängerzone Nordre Gate hinab Richtung Hauptbahnhof und Hafen.

Nach der Abfahrt passieren wir den rot leuchtenden Kjeungskjær Fyr, die Markierung des mit tausend Schären übersäten Frohavet und einige Stunden später Buholmråsa Fyr. Der einsame Leuchtturm am „Ende der Welt” markiert die als Folda bekannte offene Meeresstrecke.

Rørvik

Gegen 21:15 Uhr treffen wir in Rørvik die südgehende MS Nordkapp, die sich mit beeindruckender Präzision vor der MS Richard With „einparkt”.

28. Mai: Brønnøysund > Svolvaer (4. Tag)

Ort an ab
Brønnøysund 00:30 01:00
Sandnessjøen 03:40 04:15
Nesna 05:25 05:30
Ørnes 09:00 09:30
Bodø 12:30 15:00
Stamsund 19:00 19:30
Svolvær 21:00 22:00

Zwischen 7 und 8 Uhr haben wir schlafend de Polarkreis überquert, jene imaginäre Linie bei 66° 35' 51", die abstrakte Trennlinie zwischen Polar- und gemäßigter Zone.
Als ersten Hafen des Tages nehmen wir Ørnes wahr, verlassen allerdings das Schiff nicht.

Bodø

In Bodø (41.000 Einwohner, 1816 gegründet) regnet es bei unserer Ankunft, aber bald kommt - zumindest zeitweise - die Sonne durch. Wir haben eine Stadtrundfahrt gebucht, die mit einer Touristenbahn durchgeführt wird - reichlich unbequem und mit gewollt lustigen, aber nicht sehr informativen Erläuterungen. Der Ort - am 27. Mai 1940 durch ein deutsches Bombardement weitgehend zerstört - bietet entsprechend wenig. Am ehesten entspricht die Domkirke noch dem Eindruck moderner Architektur, zumindest dem Betonstil der 50er Jahre. Das Luftfahrtmuseum können wir leider nicht besuchen.
Hier in Bodø, der Endstation der Nordlandbahn, zeigt sich am deutlichsten die eigentliche Bestimmung der Hurtigruten: Post- und Linienschiffe, die nebenbei auch Touristen mitnehmen. Zahlreiche neue Passagiere strömen an Bord, darunter viele Schulkinder. Am Kai warten Radfahrer und andere auf die Mitnahme und werden teilweise abgewiesen. Am Schiff selbst gibt es bald keine freien Plätze mehr, und es ist laut. All diese Mitreisenden werden uns in Stamsund oder einem der folgenden Lofotenhäfen wieder verlassen.

Zunächst queren wir nach der Abfahrt den Vestfjord, der sich wie ein Keil zwischen das Festland und die Lofoten schiebt. Bei schlechtem Wetter ist diese vierte offene Meeresstrecke manchmal schwierig zu befahren.
Nach dessen Überquerung taucht vor uns die Lofotenwand auf, ein gigantisches Bollwerk aus Schwarz und Weiß, Fels und Eis, das aus der arktischen See aufragt.

Stamsund

Um 19:30 Uhr erreichen wir Stamsund (1.300 Einwohner), wo der erste Schwung der Zugestiegenen von Bord geht. Unter ihnen ein junger Mann in Uniform, der möglicherweise gerade erst sein Offizierspatent der norwegischen Handelsmarine erhalten hat und jetzt von seinen Eltern und anderen Familienangehörigen voller Zuneigung begrüßt wird. Ein wenig spiegelt sich in seinem betont unbeteiligten Gesicht der Stolz.
Der Ort Stamsund selbst hinterläßt außer dem Geruch nach trocknendem Stockfisch und der Hafenjungfrau bei der Hafenausfahrt keinen weiteren Eindruck.

Svolvær

30 min später fährt das Schiff weiter und erreicht um 21 Uhr Svolvær (4.000 Einwohner), die Hauptstadt der Lofoten. Dieser Ort hat ein wenig Bilderbuchcharakter; umgeben von schneebedeckten Hügeln breiten sich die buntgestrichenen Holzhäuser aus. Der Spaziergang lohnt.

Trollfjord

Der Käpitän macht einen Abstecher und fährt um Mitternacht in den Trollfjord ein. Ein so enger Fjord, daß man vermeint, das Schiff müßte die Wände entlangschrammen. Hunderte Meter hoch ragen diese Felswände auf, der Fjord ist in ein unwirkliches Licht getaucht - da haben wohl die norwegischen Sagen ihren Ursprung. Fast vermeint man, die Trolle am Ende des Fjordes tanzen zu sehen. Das Wendemanöver in dem engen Fjord ist ein nautisches Meisterwerk, wieder denkt man, das Schiff müßte jeden Augenblick die Wände berühren.

29. Mai: Stokmarknes > Skjervoy (5. Tag)

Ort an ab
Stokmarknes 00:45 01:00
Sortland 02.15 03:00
Risøyhamn 04.15 04:30
Harstad 06:45 08:00
Finnsnes 11:15 11.45
Tromsø 14:30 18:30
Skjervøy 22:15 22:45

Stokmarknes

Um 1 Uhr sehen wir Stokmarknes (3.500 Einwohner), den Hauptort der Lofoten, in der Nacht. Denn es ist zwar bewölkt, aber hell wie in Mitteleuropa um etwa 7 oder 8 Uhr am Abend. Leider lohnt sich der Ort selbst nicht, und so verzichten wir auf einen Spaziergang. Das hier beheimatete Hurtigrutenmuseum können wir leider nicht besichtigen: es hat um 1 Uhr morgens geschlossen! Erst bei der südgehenden Fahrt ist eine Besichtigung möglich.
Von Harstad bekommen wir noch nichts mit, aber nach dem Frühstück schlendern wir kurz durch Finnsnes (5.000 Einwohner).

Tromsø

Aber schon eine halbe Stunde später geht die Fahrt weiter durch den Gisund nach Tromsø (54.000 Einwohner), das wir um 14:30 Uhr erreichen. Auch hier haben wir eine Stadtrundfahrt gebucht, vor allem in der Annahme, die Stadt wäre größer. Ist sie zwar nicht, und in den vier Stunden wäre auch eine Besichtihgung zu Fuß möglich gewesen - aber die Rundfahrt lohnt sich dann doch: der Reiseleiter ist sehr kompetent und erzählt viel Interessantes über Tromsø und das Leben hier; wir sehen einiges mehr von der Stadt, als zu Fuß möglich gewesen wäre. Wir besuchen das Polar-Erlebniszentrum Polaria sowie die berühmte Ishavskatedralen (Eismeerkathedrale), die sich am Festlandsbrückenkopf der 1036 Meter langen und 38 Meter hohen Tromsøbrua, die auf mehreren Dutzend Säulenpaaren im Tromsøsund steht, befindet. Die Kirche symbolisiert in ihrer äußeren Form einerseits die mächtigen Trockenfisch-Gestelle, denen man überall an der Küste des Nordmeeres begegnet, andererseits aber auch Polarnacht, Mitternachtssonne und Nordlicht.
Tromsø, nach der Flucht des Königs aus Oslo 1940 für fünf Wochen Hauptstadt Norwegens, blieb im Krieg weitgehend unzerstört und weist daher neben der nördlichsten katholischen Kathedrale, dem nördlichsten lutheranischen Bischofssitz (und anderen nördlichsten Einmaligkeiten) auch etliche schöne alte Holzhäuser auf. Vor der Kulisse der über 1200 Meter hohen „Alpengipfel”, auf denen im Winter bei künstlichem Licht Schilauf stattfindet, hat die Stadt viel Athmosphäre.
Im Winter, bei bis zu 2,5 Metern Schnee, aber nicht so arktischen Temperaturen, bei zweimonatiger Dunkelheit, erhellt gerade noch vom Nordlicht, ist die Atmosphäre sicherlich eine andere.

Jetzt aber ist die Zeit der Mitternachtssonne, und nachdem wir um 22:30 den Ort Skjervøy hinter uns gelassen haben, erleben wir, wie die Sonne um Mitternacht über dem Meer knapp den Horizont berührt, aber nicht versinkt. Natürlich spielt sich das alles nur im Kopf ab, denn Sonnenuntergänge (oder besser -stände) dieser Art hat man schon oft gesehen. Aber es ist eben Mitternacht.

30. Mai: Øksfjord > Bervelåg (6. Tag)

Ort an ab
Øksfjord 02:00 02:15
Hammerfest 05:15 06:45
Havøysund 09:30 09:45
Honningsvåg 11:45 15:15
Kjøllefjord 17:15 17:45
Mehamn 19:30 20:00
Berlevåg 22:30 22:45

Hammerfest

Hammerfest (10.000 Einwohner), auch eine der von den Deutschen Truppen bei ihrem Rückzug 1944 zerstörten Städte, erreicht das Schiff um 5:15 Uhr. Leider können wir daher nicht Mitglied im berühmten Eisbärenclub (Isbjørnklubben) werden.

Honnigsvåg

Von Honnigsvåg (3.500 Einwohner) geht es um 11:45 ans Nordkap, dem zwar nicht ganz, aber fast nördlichsten Punkt Europas, 71°10'21" nördlicher Breite. Die ca. vierzigminütige Busfahrt durch eine arktische Landschaft auf der Höhe Alaskas, nur durch den Golfsttrom vor sibirischen Verhältnissen bewahrt, ohne Bäume oder Sträucher, der Boden nur bedeckt von Flechten (die den Rentieren Nahrung genug sind), ist beeindruckend. Die kompetente Reiseleiterin gibt viele interessante Informationen über Land und Leute: so sind die Straßen im Winter nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, und alle, die zu einem anderen Ort (sechs gibt es auf der Insel) fahren wollen, versammeln sich, um als Kolonne hinter dem Schneepflug herzufahren. Das nächste Krankenhaus ist in Hammerfest, eine halbe Flugstunde(!) entfernt. Die etwa 3.000 Rentiere, die den Sommer auf der Insel verbringen, gehören sechs samischen Familien und werden im Frühjahr mit dem Schiff zur Insel gebracht. Am Ende des Sommers schwimmen sie die 1,8 Kilometer selbst zurück zum Festland. Es gibt etwa 130.000 Samen, von denen 65.000 in Norwegen, der Rest in Schweden, Finnland und Russland leben und die sich als ein Volk verstehen.

Nordkap

Das Nordkap selbst, ein windumtostes Hochplateau, erweckt durch seine Einsamkeit und das Wissen, der nächste feste Punkt ist in über 2.000 Kilometern der Nordpol, eine mystische Stimmung. Es gibt dort natürlich einen Souvenirladen, eine Multimediashow, ein Café, ein Postamt und diese berühmte Skulptur, die das Ende Europas symbolisiert und mit der sich natürlich jeder fotografieren läßt. Außer den vier Bussen von Hurtigruten sind praktisch keine Touristen da, was die Stimmung verstärkt; am Abend sollen oft bis zu sechzig Busse dort sein, und auf den Postkarten sieht man den Massenandrang.

Am Rückweg halten wir kurz bei einem Sommerlager einer samischen Familie, die heute natürlich nicht mehr in ihren Zelten lebt. Die Samen (früher Lappen) waren bis 1960 einer rigorosen Norwegisierung unterworfen und durften ihre Sprache nicht sprechen. Inzwischen wird ihre Kultur und Tradition wieder in ihren Schulen gelehrt und es gibt Zeitungen und TV auf samisch.

Kjøllefjord, Mehamm (unser nördlichster Hafen) und Berlevåg sind einsam wirkende Häfen in dieser kargen Welt.

31. Mai: Båtsfjord > Kirkenes (7. Tag)

Ort an ab
Båtsfjord 00:30 01:00
Vardø 04:00 04:15
Vadsø 07:30 08:15
Kirkenes 10:00

Vadsø

Das Museum in Vadsø (6.200 Einwohner) mit der Ausstellung über die Nordpolexpeditionen von Roald Amundsen und Umberto Nobile sowie den Ankermast des Luftschiffs „Norge” verpassen wir leider. Im 19. und 20. Jahrhundert war der Ort Zentrum des Pomorhandels, ein Tauschhandel zwischen Russen und Norwegern. Die Kaufleute verwendeten dabei ein allgemein verstandenes Sprachgemisch.

Kirkenes

Mit etwas Verspätung legt das Schiff um 10:30 Uhr in Kirkenes (6.000 Einwohner) an - der endgültige Abschied ist gekommen. Gut untergebracht im Rica Artic Hotel gehen wir nochmals zum Hafen zurück und beobachten das Auslaufen der jetzt südgehende MS Richard With. Eine wunderbare Reise mit nachhaltigen Eindrücken ist zu Ende - und läßt den Wunsch entstehen, sie zu wiederholen: sei es mit dem Schiff nord- oder südgehend, sei es mit dem Auto, damit viele der nur gestreiften Orte genauer besichtigt werden könnten.

Kirkenes selbst wirkt, sicherlich auch durch den Feiertag bedingt, verlassen und wie das Ende der Welt. Im Hafen liegen mehrere unglaublich verrostete russische Schiffe, es erscheint unvorstellbar, sich damit auf See zu begeben.
Auf dem Weg vom Hafen zurück und zum Grenzlandmuseum kommen wir an gefälligen Häusern und Vierteln vorbei, die den verlassenen Eindruck des Stadtzentrums etwas mildern. Das Museum selbst, gewidmet dem Kampf gegen die deutsche Besatzung und der Befreiung durch die sowjetische Armee, ist recht gut aufbereitet. Die Ausstellung im 1. Stock beschäftigt sich mit Erzabbau im nahen Bjørnevatn, der von 1906 bis 1996 Kirkenes zu Wohlstand verholfen hat. Jährlich wurden bis zu 3 Mio. Tonnen Eisenerz abgebaut.
Im 2. Weltkrieg waren im Raum Kirkenes 30.000 deutsche Soldaten stationiert, 320 Bombenangriffe der sowjetischen Luftwaffe trafen die Stadt. Nach einem fürchterlichen Erschöpfungkrieg mit bis zu -40° und tausenden Gefallenen auf beiden Seiten gelang es der Roten Armee im Oktober 1944, Kirkenes zu befreien. Die deutschen Besatzer hatten allerdings vor ihrem Rückzug die Stadt fast völlig zerstört. Acht Jahre dauerte es, bis die Erzgruben wieder in Betrieb genommen werden konnten. Heute profitiert Kirkenes, nach Ende des kalten Krieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs, von seiner zentralen Lage in der Barentsregion.

1. Juni: Over and Out

Das winterlich präsentiert sich Kirkenes an unserem letzten Tag. Etwas mühsam und mit Verspätung der Flug über Oslo und Kopenhagen zurück nach Wien.
Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Reise durch die Vielfalt Norwegens: die dichtbesiedelten, mitteleuropäisch anmutenden Regionen des Südens, Oslo und Bergen - geschäftige Städte mit Geschichte, die langsame Veränderung der Landschaft hin zur nordischen Tundra, die Einsamkeit der Orte im Norden, der Aufenthalt am nördlichsten Punkt Europas. Und die Erinnerung an eine Schiffsreise, der man ihre ursprüngliche Bedeutung noch immer ansieht - trotz des Komforts und der Anpassungen an den Tourismus: keine Kreuzfahrt, sondern Linienschifffahrt.