Jersey FlaggeJersey — Kanalinseln

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Die Megalithanlage La Hougue Bie zählt zu den größten und besterhaltenen Grabanlagen Europas. Mit der Royal Bay of Grouville hat die ländlich geprägte Inselgemeinde einen bedeutenden Anteil an der Küste Jerseys…

La Hougue Bie, Grabhügel
Grouville, August 2018
La Hougue Bie, Grabhügel
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Ab 4000 v.Chr. kam es zum Anstieg des Meeresspiegels, der die Kanalinseln vom französischen Festland abtrennte. So wie anderorts innerhalb und außerhalb Europas entstanden auch hier Steinsetzungen. Während der Jungsteinzeit und Bronzezeit entwickelten sich unabhängig voneinander Megalithkulturen.

Sehenswertes

La Hougue Bie

Grabanlage

Die megalithische Grabanlage La Hougue Bie ist eine der bedeutendsten Sehens­würdig­keiten der Kanalinseln. Im Verlauf der Zeit wurde die gesamte Anlage sehr unterschiedlich genutzt.
Die Herkunft des Namens ist ungeklärt. Möglicherweise leitet sich „Hougue” vom nordischen „Haugr” ab und bezeichnet einen Grabhügel. „Bie”, ebenfalls nordischen Ursprungs, bedeutet „Haus” oder „Gehöft”. Vielleicht geht der Name auch auf die Legende des Drachentöters Lord of Hambye zurück, der nach der Erlegung des Drachen von seinem Knecht getötet wurde und unter dem Grabhügel seine letzte Ruhe fand.

La Hougue Bie, Eingang
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Eingang zum Grabhügel
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Um 3500 v.Chr. wurde das immense Ganggrab aus rund 70 Steinen zusammen­gesetzt. Verborgen unter einem 14 Meter hohen Erdhügel führt der sehr niedrige Eingang in einen 10 Meter langen Gang, der - bei maximal 1,40 Meter Höhe - nur kriechend bewältigbar ist. Er mündet in einen 9 Meter langen und 3,6 Meter breiten Raum, vermutlich einen Versammlungsort für Kultzwecke. In diesem Bereich gibt es eine Zisterne, eine Grube und drei aufrecht stehende Steine, bétyles. Von der Hauptkammer zweigen mehrere, kreuzförmig angelegte Nebenkammern ab. Durch den nach Osten ausgerichteten Eingang scheint am 21. März und am 23. September (zur Sonnenwende) die aufgehende Sonne genau in den Gang.

Kapellen

La Hougue Bie, Kapelle
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Kapelle
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Oben auf dem Grabhügel wurden im Mittelalter zwei Kapellen gebaut: Notre Dame de la Clarté im 12. Jahrhundert und die Jerusalem Chapel in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Von außen sind sie kaum als zwei Gebäude auszumachen.

La Hougue Bie, die Kapellen
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
beide Kapellen von außen
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Im Inneren sind Wandmalereien aus der Entstehungszeit vorhaben, die auch als Multimediashow an die Wandprojeziert werden.

La Hougue Bie, Notre Dame de la Clarté
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Kapelle Notre Dame de la Clarté, Altar
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler
La Hougue Bie, Notre Dame de la Clarté
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Kapelle Notre Dame de la Clarté, Wandbild-Projektion
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

The Prince’s Tower

1759 kaufte Generalmajor James d'Auvergne La Hougue Bie und übergab es seinem Neffen Philippe d’Auvergne (1754-1816). Dieser ließ 1792, unter Einbeziehung der mittelalterlichen Kapellen, ein Gebäude errichten, das unter dem Namen The Prince’s Tower (La Tour d’Auvergne) bald zu einem Wahrzeichen der Neo-Gothischen Architektur in Jersey wurde. Typisch für die gothischen Bauwerke in der Mitte des 18. Jahrhunderts, inspiriert von mittelalterlichen Burgen und klösterlicher Architektur, die überall in der Landschaft Englands entstanden. Philippe d’Auvergne bewohnte das Gebäude allerdings kaum und verwendete es für Jagden und Feste. Der offizielle Grund für den Bau war seine Verwendung als zentraler Knotenpunkt eines inselweiten Signalsystems. Von hier aus war eine Sichtverbindung zu jedem Signalposten gegeben.

La Hougue Bie, The Prince’s Tower, Modell
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
The Prince’s Tower, Modell von Ben Ruthven-Taggart.
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Nach seinem Tod 1816 wurde La Hougue Bie an Generalmajor Hugh Mackay Gordon verkauft, dem damaligen Lieutenant-Governor von Jersey. 1822 wurde The Prince’s Tower zu einem Vergnügungspark umgestaltet und erfreute sich bald großer Beliebheit. Zahlreiche Führer aus dieser Zeit empfehlen dringend den Besuch der Anlage. 1845 wurde es zu einem Hotel erweitert, wobei der Turm seine Funktion verlor und teilweise verfiel.
1912 wurde die Anlage durch Vandalismus zerstört. Da die States of Jersey die Anlage nicht kaufen wollten, wurde sie schließlich 1919 von der Société Jersiaise erworben. Die ursprüngliche Absicht der Gesellschaft, die Kapellen zu restaurieren und den Turm zu konsolidieren, wurde 1924 wegen eines negativen Gutachtens verworfen. Der Prince’s Tower wurde abgetragen und nur die Kapellen restauriert.

Quelle: Olga FINCH, The Prince’s Tower

Bunker

Auf dem Gelände errichtete die Deutsche Besatzungsmacht 1942 einen Kommando­bunker und einen Unterstand. Es war das Hauptquartier des Abschnitt Ost, der sich von Greve d'Azette (St Clement) nach Archirondel (St Martin) erstreckte.

La Hougue Bie, Deutscher Kommandobunker
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Deutscher Kommandobunker als Zwangsarbeiter-Gedenkstätte
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Heute dient der Bunker, der weitgehend im Originalzustand erhalten ist, als Gedenkstätte für die tausenden Zwangsarbeiter, die auf den Inseln arbeiteten und umkamen.

La Hougue Bie, Skulptur eines Zwangsarbeiters
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Skulptur eines Zwangsarbeiters von Maurice Blik
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Museum

Im Museum erfährt man viel über die ältere Geschichte Jerseys und La Hougue Bie, die archäologischen Arbeiten, die Geologie und Mineralogie der Insel.

La Hougue Bie, Hortfund im Museum
Grouville, La Hougue Bie, August 2018
Hortfund im Museum
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Im Museum ist auch der größte, jemals in Westeuropa gemachte Hortfund ausgestellt. Er wurde 2012 entdeckt und besteht aus 70.000 keltischen Münzen, die mit Ton zu einem Klumpen verbacken sind.

La Hougue Bie, La Route de la Hougue Bie, Grouville, Apr-Okt 10-17 Uhr, Internet
Liberty Bus No 20

Royal Bay of Grouville [Bucht]

Den Namenszusatz „Royal” erhielt die Royal Bay of Grouville von Königin Victoria bei ihrem Besuch der Bucht 1846, die sie sehr beeindruckte.

Grouville, Royal Bay of Grouville, Juli 2014
Panorama: von Rocque Harbour im Süden bis nach Gorey im Norden
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Bucht, die die Hälfte der Ostküste Jerseys einnimmt, ist gut geeignet zum Baden und daher sehr beliebt und frequentiert. Ab 1810 boomte hier die Austernzucht, der Export­schlager des 19. Jahrhunderts. Der Hauptabsatzmarkt war und ist bis heute Frankreich.
Im 18. Jahrhundert wurde in der Royal Bay of Grouville eine Reihe von Martello-Türmen errichtet, die sich wie Perlen auf einer Schnur am Ufer entlangziehen. Auf einem vorgelagterten Felsen bei La Rocque Point steht der 1782 errichtete Seymour Tower. Jersey Tourism bietet bei extremem Niedrigwasser geführte Watt­wanderungen („Moonwalks”) durch die bizarre Landschaft an. Im Rahmen der Führung kann man auch im Seymour Tower übernachten.

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Seymour Tower: der Martello-Turm von 1782 sollte nur bei geführten Wanderungen besichtigt werden
  • La Rocque Tower: Hier landeten französische Truppen am 5. Januar 1781 und wurden am nächsten Tag im Battle of Jersey geschlagen

Grouville auf einen Blick

Wappen Grouville Lage Grouville Grouville, lokaler Name: Saint Martin de Grouville, Webseite (engl.)
4.900 Einwohner (2011), 7,8 km², 620 Einwohner/km²
PLZ JE3-9, Vorwahl +44 1534
Touristeninformation: Jersey Tourism, Liberation Place, St Helier, Jersey JE1 1BB Tel: +44 (0)1534 448800, www.jersey.com

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