Venetien: Monte Grappa

Das Grappa-Massiv war im Ersten Weltkrieg die allerletzte Verteidigungslinie der Italiener gegen die österreichisch-ungarische Armee vor der venezianischen Ebene.

Monte Grappa, Mahnmal
Monte Grappa, Oktober 2013
Mahnmal an einer ehemaligen Verteidigungsstellung
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Man sollte die 30 Kilometer und die wohl 17 Kehren auf der Strada Cadorna (SS 141) von Romano d'Ezzelino nur dann in Angriff nehmen, wenn das Wetter schön ist und eine gute Fernsicht verspricht.
Wir waren zu optimistisch, und am Cima Grappa angekommen herrschte dichter Nebel. Nur für ein paar Minuten brach die Sonne durch - zu kurz, um diese wahrscheinlich beeindruckende Anlage zu erfassen. Über 10.000 Soldaten der k.u.k.-Armee sowie fast 13.000 Italiener fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Sacrario Militare di Cima Grappa

Der Krieg

Am 23. Mai 1915 erklärt Italien, bisher mit Österreich-Ungarn und Deutschland im Dreibund zusammengeschlossen, der Donaumonarchie den Krieg und tritt damit der Entente bei - dem Bund zwischen Frankreich, England und Russland. Die Entente hatte Italien mit dem Versprechen territorialer Gewinne - Südtirol bis zum Brenner, Istrien und Triest sowie Teile Dalmatiens und Albaniens - zum Übertritt bewogen.
Die rund 600 Kilometer lange Front verlief am Unterlauf des Isonzo, in den Karnischen und Julischen Alpen sowie in den Tiroler Dolomiten. Am Isonzo gab es zwischen Juni 1915 und September 1917 elf Schlachten ohne nennenswerten Geländegewinn, aber mit Verlusten von 770.000 Mann auf italienischer und 430.000 Mann auf österreichischer Seite. Bei der 12. und letzten Schlacht am Isonzo im Oktober/November 1917 stoßen die Achsen­mächte bis zu einer Linie vor, die von Rovereto über Asiago, den Monte Grappa und Treviso bis nach Jesolo am Piave reicht. Hier kommt die Front zum Stehen, als britische und französische Truppen von der Westfront hierher verlegt werden.

Monte Grappa, Oktober 2013
ehemalige Verteidigungsstellung an der SS 141
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Am 15. Juni 1918 beginnt die letzte Offensive der Achse, aber es gelingt nicht, den Monte Grappa einzunehmen. Er wird damit zum Symbol für den Verteidigungswillen der Italiener.

Das Monument

In den 1930er-Jahre errichteten die Faschisten unter Mussolini die monumentale Gipfelgrabstätte Sacrario Militare di Cima Grappa. Das nationale Heiligtum wurde 1935 von König Vittorio Emanuele III. eröffnet.

  • Sacrario Militare di Cima Grappa, Aufstieg

    Monte Grappa, Sacrario Militare di Cima Grappa, Oktober 2013
    der steile Aufstieg vom Parkplatz bei Rifugio
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

  • Sacrario Militare di Cima Grappa, österreichisch-ungarische Grabstätt

    Monte Grappa, Sacrario Militare di Cima Grappa, Oktober 2013
    die österreichisch-ungarische Grabstätte
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

  • Sacrario Militare di Cima Grappa, österreichisch-ungarische Grabnischen

    Monte Grappa, Sacrario Militare di Cima Grappa, Oktober 2013
    österreichisch-ungarische Grabnischen
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

  • Sacrario Militare di Cima Grappa, Portale Roma

    Monte Grappa, Sacrario Militare di Cima Grappa, Oktober 2013
    Portale Roma auf der iralienischen Seite
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

  • Sacrario Militare di Cima Grappa, Via Eroica

    Monte Grappa, Sacrario Militare di Cima Grappa, Oktober 2013
    Via Eroica, Potale Roma
    Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Vom Parkplatz Rifugio erreicht man über eine steile Treppe das mächtige Steintor Portale Roma. Von dort nach rechts geht es zur österreichisch-ungarischen Gedenkstätte, wo 10.295 Soldaten der k.u.k-Armee ruhen, davon 10.000 nicht identifiziert.
Nach links geht es über die Via Eroica zum italienischen Teil, der in Form von fünf breiten konzentrischen Kreisen angeklegt ist (im Nebel leider nicht zu sehen). Hier befinden sich die sterblichen Überreste von 12.615 italienischen Soldaten, davon 10.615 nicht identifiziert. Zwischen der vierten und fünften Ebene wurde 1935 Generalfeldmarschall Gaetano Giardino beerdigt, seit 1918 Oberbefehlshaber der „Grappa-Armee”.
Unterhalb der Bergspitze befindet sich in einer ehemaligen Kaserne das Museo Caserna Milano und der fünf Kilometer lange Tunnel Galleria Vittorio Emanuele III., ein Überrest der militärischen Befestigungen.
Die Besichtigung der Anlage lohnt nur bei schönem Wetter!

Museo Caserma Milano, Via Madonna del Covolo 161, Crespano del Grappa, Tel. 0423/54 48 40.
Öffnungszeiten: im Sommer tägl. 10-12 und 14-18 Uhr, im Winter 10-12 und 14-16 Uhr.

Der Monte Grappa heute

Der 1776 Meter hohe Berg wird heute von einem weit gefächerten Netz von Wanderwegen durchzogen und ist bei Mountainbikern und Motorradfahrern sehr beliebt. Bei Gleitschirm­fliegern gilt er als eines der besten Reviere für Streckenflüge am Südrand der Alpen.

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