alte Flagge KanalinselnKanalinseln: Geschichte

Als Kronbesitz zu England gehörend, aber näher bei Frankreich gelegen, wurde die Geschichte der Kanalinseln immer wieder von der Rivalität der beiden Länder bestimmt.

10.000 v.Chr. bis 1000 n.Chr.

Frühzeit und Römer

ab 10.000 v.Chr.
Guernsey, Alderney, Sark und Herm werden durch das Ansteigen des Meeresspiegels zu Inseln
um 6.000 v.Chr.
Jersey wird vom Festland abgetrennt und zur Insel
4850-2850 v.Chr.
Mit dem Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit werden die Jäger und Sammler seßhaft. Sie entwickeln kultische Rituale und Bestattungszeremonien ⇒ Megalithanlage La Hougue Bie auf Jersey (Grouville).
um 600 v.Chr.
Ursprünglich im Raum Oberdonau und Oberrhein ansässige keltische Stämme besiedeln Nordfrankreich und die Inseln
bis 400 n.Chr.
Nach zwei wenig erfolgreichen Versuchen Caesars, Britannien zu unterwerfen, gelang es erst unter Kaiser Claudius und seinen Nachfolgern, Britannien zu erobern und dort die römische Herrschaft zu etablieren. Die Kanalinseln spielten für die Römer keine Rolle. Es gab keine Niederlassungen, aber einen relativ engen wirtschaftlichen und kulturellen Kontakt.

Normannen

486
Die Franken unter Choldwig (482-511) erorbern von den Römern die Region zwischen Somme und Loire. Die heutige Bretagne war von keltischen Briten (Bretonen) beherrscht. Die Kanalinseln lagen damit im Grenzbereich zwischen fränkischer und bretonischer Herrschaft. Diese Periode wird dark ages (dunkle Zeit) genannt, da über sie wenig bekannt ist.
7. und 8. Jahrhundert
Beginn der Christianisierung, erste christliche Klostergemeinschaften entstehen. Auf Jersey lebte der Prediger Helerius am Hermitage Rock nahe dem heutigen Elizabeth Castle.
Ende 8. Jahrhundert
Westeuropa wird zunehmend von skandinavischen Wikingern („Nordmannen”) heimgesucht, die an den Küsten Dänemarks, Südnorwegens und Südschwedens ansässig waren. Im 9. Jahrhundert erobern sie das fränkische Gebiet um die Seinemündung. Es erhält nach den „Nordmannen” die Bezeichnung Normandie.
911
Der Normannenführer Rolo († ca. 930) erhält im Abkommen von St.-Clair-sur-Epte vom westfränkischen König Karl dem Einfältigen die Normandie als herzogliches Lehen.
933
Unter Rolos Sohn Wilhelm I. Langschwert (Guillaume Longue Épée, † 942) gelangen die Halbinsel Cotentin und die vorgelagerten Kanalinseln, die bis dahin unter bretonischer Herrschaft standen, zum Herzogtum Normandie.
Die Normannen führten auf den Kanalinseln das feudale Lehnssystem ein. Der König bzw. Herzog übergab Ländereien als Lehnsgüter an Seigneurs, Mitglieder der normannischen Oberschicht. Diese wiederum garantierten militärische Unterstützung und hatten spezielle Privilegien: eigene Mühlen, Erlaubnis zur Taubenzucht, Haltung einer Hündin, Steuerrecht. Bis 2008 hatte der Seigneur von Sark als letzter Feudalherr Europas noch diese Privilegien.

1000 - 1800

Englische Herrschaft

1035
Schlacht von Hastings
Wilhelm der Eroberer (1027/28-1087, englisch William the Conqueror, normannisch Williame II, französisch Guillaume le Conquérant) wird Herzog der Normandie. Am 14. Oktober 1066 besiegte er in der Schlacht von Hastings den Angelsachsen Harald. Die Kanalinseln wurden damit Teil des anglo-normannischen Königreichs. Der englische König/die englische Königin ist seither als Herzog der Normandie im Besitz der Kanalinseln (Crown Dependencies).
1204
Verlust der Normandie
Johann Ohneland (John Lackland, 1167|1199-1216) verliert im Kampf mit dem französischen König Philipp II. (1165|1180-1223) die mittelfranzösischen Besitzungen in Anjou, Maine und der Touraine sowie die Normandie. Die einflußreichen Familien auf den Kanalinseln aber anerkennen ihn - gegen entsprechende Privilegien und eine unabhängige Verwaltung - weiterhin als Lehnsherrn und Herzog der Normandie. Treibende Kraft war Pierre des Préaux, dem König John 1200 die Lordschaft der Kanalinseln übertragen hatte.
1259
Frieden von Paris
Im Frieden von Paris verzichtet König Heinrich III. (Henry, 1207|1216-1272) endgültig auf die Normandie, die Grafschaft Anjou mit Maine und der Touraine sowie die Grafschaft Poitou. Die Kanalinseln - der Rest des Herzogtums der Normandie - bleiben „a peculiar of the Crown”, unmittelbarer Kronbesitz. Sie wurden damit von der Krone annektiert, was die Franzosen allerdings erst 200 Jahre später anerkennen.
1339-1453
Hundertjähriger Krieg
Im Hundertjährigen Krieg waren Jersey und Guernsey immer wieder Ziel französischer Angriffe, bei denen Dörfer geplündert und Ernten vernichtet wurden. Für die Bevölkerung waren diese Überfälle eine existenzielle Bedrohung. So lebte auf Sark ab 1348 für zwei Jahrhunderte niemand. 1338 gelang es französischen Truppen, Guersey bis 1340 zu besetzen. Castle Cornet konnten sie sogar bis 1346 halten.
1455-1485
Rosenkriege
Im Kampf des Hauses Lancaster (Rote Rose) mit dem Haus York (Weiße Rose) erhielt der Franzose Jean de Carbonnel 1461 zunächst Gorey Castle und schließlich ganz Jersey für seine Unterstützung des Hauses Lancaster. Gorey Castle erhielt die französische Bezeichnung Mont Orgueil (Berg des Stolzes). 1468 konnte es von den Yorkisten zurückerobert werden.
1471
Im Zuge einer Verwaltungsreform erhielten Jersey und Guernsey jeweils einen eigenen governor (Gouverneur). Als Repräsentant der Krone stand er den Inselverwaltungen (Bailiwicks) vor.
1480
Edward IV. (1442|1471-1483) erhielt von Pabst Sixtus IV. eine päbstliche Bulle, in der die Neutralität der Kanalinseln festgeschrieben wurde. Dies führte zu einer Periode relativen Friedens. Der Weinhandel zwischen der Gascogne und England über den Hafen von St. Peter Port blühte auf.
1497
Der Fang- und Kabeljauhandel mit Neufundland begründet den Reichtum zahlreicher Familien un Jersey und Guernsey. Der italienische Seefahrer John Cabot (Giovanni Caboto, um 1450-1498) hatte Neufundland für König Henry VII. in Besitz genommen.
1559
Grand Charter
Königin Elizabeth I.
Königin Elizabeth I. (Krönungsporträt)
Quelle: Wikipedia (PD)
Königin Elizabeth I. (1533-1603) bestätigt in einer Grand Charter die Kompetenzen und Privilegien der Kanalinseln, die bereits John Lackland den Inseln zugesichert hatte: Selbstverwaltung, eigene Rechtssprechung und Legislative. Diese Verfassung gilt weitgehend bis heute.
Alderney erhält einen eigenen Gouverneur.
1569
Elizabeth I. löst die Verbindung der Inseln mit der Diözese Coutances und unterstellt sie der Diözese Winchester in Südengland. Als Priester wurden französische Hugenotten (Calvinisten) eigesetzt, die während der Reformation aus dem katholischen Frankreich geflohen waren. Damit waren die Inseln nicht nur politisch, sondern auch kirchlich an England gebunden.
1600-1603
Governor Sir Walter Raleigh
Sir Walter Raleigh (1554-1618) wird Gouverneur von Jersey und lässt Elizabeth Castle bauen, das er nach seiner Gönnerin Elizabeth Fort Isabella Bellissima nennt.
St Martin, Mont Orgueil Castle, Königin Elizabeth I. und Sir Walter Raleigh
Königin Elizabeth I. und Sir Walter Raleigh, Gemälde von Ronnie Heeps
St Martin, Gorey, Mont Orgueil Castle, August 2014
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
1608
Die Herstellung von Wollprodukten und die Haltung der notwendigen Schafe beschäftigte so viele Insulaner, daß die Regierung schließlich ein Strickverbot während der Erntezeit erlassen mußte.
1642-1651
Englischer Bürgerkrieg
Die Auseinandersetzungen zwischen König Charles I. und dem Parlament unter Oliver Cromwell (1599-1658) sowie die Spannungen zwischen der Anglikanischen Kirche, Katholiken, Presbyterianern und Puritanern führt zur Spaltung der Bevölkerung der Kanalinseln. In Guernsey verschanzt sich der Gouverneur Sir Peter Osborne vor der Cromwell-freundlichen Bevölkerung im Castle Cornet. Auf Jersey hingegen gewährt George de Carteret (1610-1680) Kronprinz Charles auf Elizabeth Castle Asyl. Zwei Wochen nach der Hinrichtung seines Vaters wird er als Charles II. (1630|1660-1685) am Royal Square in St. Helier zum König ausgerufen.
Im Dezember 1651 müssen sich sowohl Peter Osborbe als auch George de Carteret den Parlamentstruppen ergeben. Nach Cromwells Tod wird Charles II. 1661 in Westminster gekrönt.
1664
New Jersey
Der Bailiff George de Carteret erhält zum Dank für seine royale Loyalität die von England eroberte niederländische Kolonie Neuniederland, die er New Jersey nennt.
1771
Code of Laws
Der Lieutenant-Governor von Jersey, Colonel Bentinck, arbeitet den Code of Laws aus. Damit erhielten die Inselparlamente („States”) die Kompetenz zur Gesetzgebung, während die Rechtssprechung beim Royal Court blieb. Legislative und judikative Gewalt, die bisher beim Royal Court lagen, wurden somit getrennt.
ab 1775
Martello-Türme
Frankreich hatte sich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) auf die Seite der amerikanischen Kolonien gestellt. Die Bewohner der Kanalinseln fürchteten französische Angriffe und begannen, entlang der Küsten Martello-Türme („Wehrtürme”) zu errichten.
1781
Battle of Jersey
Battle of Jersey, Gemälde von John Singleton Copley
Battle of Jersey, Gemälde von John Singleton Copley
Quelle: Wikipedia/The Yorck Project (PD)
In den frühen Morgenstunden des 6. Januar landet der französische General Baron Philippe de Rullecourt (1744-1781) mit etwa 800 Mann in La Rocque. Unbemerkt kann er nach Saint Helier maschieren und den überraschten Lieutenant-Governor Moses Corbet (1728-1814) mit einem Trick zur Kapitulation zwingen. Der dienstälteste Offizier Major Francis Peirson (1757-1781) ignoriert die Kapitulation und attackiert mit dem 78. Regiment die Franzosen auf dem heutigen Royal Square. Die englischen Truppen besiegen die französischen Einheiten in einem 15-minütigen Gefecht, in dem beide Anführer fallen.
St. Helier Parish Church, Grab Major Peirson
St. Helier Parish Church, Grabstein von Major Peirson
St. Helier, Juli 2014
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
1806
Schmuggel
Die Kanalinseln, auf den Schmuggel immer schon weit verbreitet war, profitierten enorm während der Kontinentalsperre, die Napoleon als Wirtschaftsblokade gegen England verhängt hatte. Hauptumschlagplatz war St. Peter Port auf Guernsey.

1800-1900

Anglisierung der Inseln

ab 1800
Die vermehrte Besiedelung der Inseln durch Engländer führt zu einem tiefgreifenden Wandel der Inselgesellschaft. Patois, die lokale normannisch-französische Sprache, und die französische Kultur werden zurückgedrängt. 1852 wurde ein englisch ausgerichtetes College für Jungen und 1880 ein „Ladies' College” errichtet. Englisch wurde auch in den Debatten der Inselregierung zugelassen, wenn auch Französisch die offizielle Sprache blieb.
1824
Schiffsverbindung
Eine regelmäßige Dampfschifflinie nimmt zwischen Southampton und den Inseln den Betrieb auf. 1846 entsteht die New South Western Steam Packet Co., die Southampton mit Jersey, Guernsey und Le Havre verbindet. Ab 1857 bietet die Weymouth & Channel Islands Steam Packet Co. diese Verbindungen von Weymouth aus an.
Mit den Schiffsverbindungen kommen auch vermehrt Badegäste auf die Inseln. Jersey wird als touristischer Ort entdeckt. Es werden Hotels und Meerschwimmbecken gebaut, erste Reiseführer werden veröffentlicht.
1831
Die Inseln erhalten eine Gasbeleuchtung.
1835/1854
Zunächst auf Guernsey und dann auf Jersey wird der Posten des Governor abgeschafft. Die Amtsinhaber hatten meistens nicht auf ihren Inseln residiert. Die Interessen der Krone werden nun von einem auf der jeweiligen Insel wohnhaften Lieutenant-Governor wahrgenommen.
Auf Alderney verkauft der letzte Governor sein Amt an die Regierung, die Insel wird verwaltungstechnisch dem Bailiwick of Guernsey unterstellt.
1847-1861
Französische Bedrohung
Mit dem Ausbau des Kriegshafens Cherbourg in der Normandie fühlt sich Großbritannien von Frankreich bedroht. Die Kanalinseln werden hochgerüstet, in Jersey wird St. Catherine's Breakwater gebaut. Auf Alderney sollten mehrere befestigte Hafenanlagen errichtet werden. Allerdings wurde dieses Vorhaben im Wesentlichen nicht umgesetzt.
1847
Auf Alderney wird die Alderney Railway als erste staatliche Eisenbahn Großbritanniens eröffnet. Sie diente dem Transport des Granitgesteins zum Bau der Hafenanlagen und des Wellenbrechers im Zuge der militärischen Aufrüstung der Kanalinseln. In 15-minütiger Fahrzeit verbindet sie den Nordosten (Steinbrüche, Mannez Quarry und Mannez-Leuchtturm) mit dem Hafen.
1852-1870
Victor Hugo
Die Regimekritik des republikanisch gesinnten französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802-1885) an Napoleon III. zwingt ihn ins Exil. Bis 1855 findet er auf Jersey Unterschlupf, anschließend auf Guernsey. In St. Peter Port kauft er Hauteville House. Hier beginnt eine seiner literarisch kreativsten Phasen, die Romane „Les Misérables” und „Les travailleurs de la mer” entstehen. Neben der Fermain Bay auf Guernsey gehört Dixcart Bay und Hotel auf Sark zu seinen Lieblingsorten.
1870/1879
Eisenbahn
Jersey Railways nimmt die Eisenbahnverbindung von Saint Helier nach Saint Aubin in Betrieb, 1885 wird die Erweiterung nach Corbière eröffnet. Ab 1873 gab es eine zweite Linie von Saint Helier nach Gorey. 1935 wird die Linie eingestellt.
In Guernsey verbindet eine Dampfeisenbahn St. Peter Port mit St. Sampson (bis 1934).
1883
Der französische impressionistische Maler Pierre-Auguste Renoir verbringt einen Monat in Guernsey und malt 15 Ansichten der Bucht Moulin Huet:
„Ich befand mich hier auf einem scharmanten Strand - der von den Stränden unserer Normandie ganz abweicht - leider etwas spät, aber doch nicht so spät, daß ich von ihm nicht ein wenig habe profitieren können. Hier badet man zwischen den Felsen, die als Kabine dienen, da es nichts anderes gibt. Nichts Hübscheres als dieses Gemisch von Frauen und Männern, die auf diesen Felsen ganz nahe beieinander sind.” (Pierre-Auguste Renoir)
1889
St. Peter Port, Briefkasten von 1852/53
der älteste noch verwendete Briefkasten der Britischen Inseln, 1852/53 hier aufgestellt
St. Peter Port, August 2018
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)
Dampfbetriebene Postschiffe verbinden die Inseln untereinander und mit England.Bis 1794 lag der Postverkehr in privater Hand, dann übernahm ihn die Royal Mail. Auf Guernsey und Jersey wurden die ersten frei stehenden Briefkästen der Britischen Inseln aufgestellt.
1898 wurde die erste Telefonverbindung eingerichtet.

20. und 21. Jahrhundert

Die Zeit der Weltkriege

1914-1918
Erster Weltkrieg
Obwohl die Kanalinseln aufgrund ihres politischen Sonderstatus von der allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen sind, ziehen zahlreiche Freiwillige für England in den Krieg. Aus Jersey stellen sich 6.000 Mann, aus Guernsey 5.500. Die Verluste liegen bei etwa 15%.
1933
Flugverbindung
Eine regelmäßige, tägliche Flugverbindung wird zwischen Jersey, Guernsey, Alderney, London und Southampton eingerichtet. Zunächst landeten die Flugzeuge tidenabhängig auf den flachen Sandstränden. 1935 wurde in Alderney der erste Flughafen der Kanalinseln eröffnet, 1937 folgte Jersey und 1939 Guernsey.
1940-1945
Zweiter Weltkrieg
Nach der Kapitulation Frankreichs werden die hier stationierten englischen Einheiten zurückgezogen und die Inseln demilitarisiert. Die Bewohner werden auf Wunsch evakuiert: Alderney zur Gänze, von Jersey 8.000 und von Guernsey 17.000 Personen. Deutsche Truppen besetzen die Inseln, die für Hitler der erste Schritt auf dem Weg nach Großbritannien waren - und der einzige Schritt blieben („Hitlers England”).
Mit der Invasion der alliierten Truppen in der Normandie (6. Juni 1944 - „D-Day”) waren die Inseln von jeder Versorgung abgeschnitten, bis schließlich ab dem Winter 1944 das Rote Kreuz Lebensmittellieferungen per Schiff für die Bewohner schickte.
Am 9. Mai 1945 wurden die Inseln befreit („Liberation Day”).
„And our dear Channel Islands are also to be freed today.” (Sir Winston Churchill, Premierminister)

Die Kanalinseln seit 1945

1953
Streit mit Frankreich
In den 1950er-Jahren kam es zum Streit mit Frankreich um die Jersey vorgelagerten, unbewohnten Inseln Les Écrehous und Les Minquiers. Der Internationale Gerichtshof sprach sie Jersey zu.
Trotzdem gab es einen regelmäßigen Fährverkehr zwischen den französischen Häfen der Normandie und den Kanalinseln, ab 1967 mit Tragflügelbooten und ab 1975 mit Autofähren.
1969
Die Inseln übernehmen den Postverkehr von der Royal Mail und drucken eigene Briefmarken.
1973
EU-Zollunion
Mit dem Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft (seit 2009 EU) wurden die Kanalinseln kein EU-Mitglied, sondern gehören nur zum Zollgebiet der EU. Von den vier „Freiheiten” der EU - Freier Personenverkehr, Freier Warenverkehr, Freier Dienstleistungsverkehr und Freier Kapitalverkehr - gilt für die Kanalinseln nur der Freie Warenverkehr. Damit unterliegen sie nicht den Steuer-, Sozial- und Niederlassungsbestimmungen der EU. Ein ähnliches Modell ist für Großbritannien nach dem Brexit angedacht.
1993
Brecqhou
Die exzentrischen Milliardäre und Zwillingsbrüder David und Frederick Barclay (*1934) erwerben von den States of Guernsey die unbewohnte Insel Brecqhou bei Sark. Für die etwa 30 ha große Insel müssen sie aufgrund von Lehensrechten auch dem Seigneur von Sark ein Dreizehntel der Kaufsumme zahlen - sehr zu ihrem Mißfallen. Auf der Insel errichten sie ein gigantisches neugotisches Schloß. Vor dem Europäischen Gerichtshof erstreiten sie eine Änderung des Erbrechts für Brecqhou. Erbberechtigt sind demnach alle vier Kinder und nicht nur der älteste Sohn.
Brecqhou, Schloss der Barclay-Brüder
Guernsey, Brecqhou, 2009
Schloss der Barclay-Brüder auf Brecqhou
Quelle: Wikipedia (PD)
2008
Sark - der letzte Feudalstaat
Der Seigneur of Sark ist ein Kronvasall, ein Lehensnehmer der Krone, und hat die Verfügungsgewalt über sein Lehen. Die Brüder Barclay erzwangen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einige Änderungen der Feudalordnung. Nach einer Volksabstimmung 2006 und der Zustimmung des „Privy Council” von Elizabeth II. wählte Sark sein erstes unabhängiges Parlament. Die Barclay-Brüder, die mit dem Ergebnis unzufrieden waren, schlossen darufhin ihre Hotels und Geschäfte auf der Insel.
2011
Jersey und Guernsey eröffnen ein gemeinsames Verbindungsbüro in Brüssel zur Abstimmung und Intensivierung ihrer Beziehungen zur EU.

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