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Schloss Marchegg

Die etwa um 1268 erbaute landesfürstliche Stadtburg wurde mehrfach umgebaut und im 16. Jahrhundert als Jagdschloss barockisiert.

Marchfeld, Schloss Marchegg Vorderfront
Marchfeld, Schloss Marchegg, September 2022
Südfront
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Das heutige Barockschloss gehört zu den Marchfeld-Schlössern.

Das Schloss

Die Stadtburg wurde an der nordwestlichen Ecke der Stadtmauer von Marchegg nach der Schlacht bei Groißenbrunn, bei der Ottokar II. Přemysl (ca. 1232-1278), ab 1253 König von Böhmen, den ungarischen König Béla IV. (1206-1270) besiegte, errichtet. In den 1290er Jahren kamen Stadt und Burg in den Besitz von Konrad v. Wartenfels. 1426 und 1427 wurden Burg und Stadt in den Unter dem Begriff Hussiten werden mehrere reformatorische beziehungsweise revolutionäre Strömungen zusammengefasst, die sich ab 1415 nach der Verbrennung des Theologen und Reformators Jan Hus herausbildeten. Zwischen 1419 und 1436 kam es zu einer Reihe von Auseinandersetzungen und Schlachten, ausgehend vom Gebiet des Königreichs Böhmen.Hussitenkriegen erobert.
1502 erhielt Niklas Graf Salm die Burg als Pfandbesitz. Bei der Ersten Türkenbelagerung wurde die Stadt Marchegg niedergebrannt, die Burg schwer beschädigt, aber nicht eingenommen.
Nach einigen Besitzerwechseln erhielt 1621 der Präsident der ungarischen Hofkammer Graf Paul Pállfy von Erdöd (1580/1589–1653) von Ferdinand II. die Burg vorerst als Pfand und zwei Jahre später als Eigenbesitz. Sie wurde in den 40er-Jahren des 17. Jahrhunderts bis auf einen Turm abgetragen und als viereckiges, frühbarockes Wasserschloss neu erbaut. Als repräsentative, doch noch bastionär befestigte Anlage steht sie in der Tradition der Festen Schlösser, die nur noch Stand und Befestigungsrecht des Adels zum Ausdruck bringen sollen und sich darüber hinaus der Gesamt- und Gartengestaltung des Sitzes unterordnen.

Schloss Marchegg, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer
Schloss Marchegg, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer, 1672
Topographia Archiducatus Austriae Inferioris Modernae 1672 (CC BY-NC 2.0 AT)

Unter Nikolaus Graf Pálffy von Erdöd (1657-1732) erfolgte die Barockisierung des Schlosses, bei der der Wassergraben zugeschüttet wurde. Auch die Eckbastion wurde dabei entfernt. Die Südfront erhielt ihr heutiges Aussehen.

Marchfeld Schloss Marchegg Eingang
Marchfeld, Schloss Marchegg, September 2022
Eingang an der Südfront
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Das Schloss wurde für die nächsten zwei Jahrhunderte hauptsächlich Jagdschloss und Sommersitz. Häufige Jagdgäste waren unter anderem Kaiser Joseph II., Maria Theresia oder Franz Stephan von Lothringen.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte Nikolaus Pálffy seinen Wohnsitz nach Marchegg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss devastiert, die Möbel gestohlen. Da 1947 mit dem Tod von Ladislaus Pálffy die Marchegger Linie der Familie Pálffy ausstarb, wurde es zum Abbruch bestimmt. Jedoch gelang 1957 der Erwerb des Schlosses durch die Stadt Marchegg mit Hilfe des Landes Niederösterreich. 1959 wurde in zwei renovierten Prunkräumen das Niederösterreichische Jagdmuseum eingerichtet, jedoch 2000 in das Landesmuseum verlegt.

2022, zum 750-jährigen Bestehen des Schlosses, fand hier die Niederösterreichische Landesausstellung statt.

Ab März 2023 findet hier die Ausstellung 750 Jahre bewegte Schlossgeschichte statt.

Schloss Marchegg, Im Schloss 1, 2293 Marchegg,
Webseite
bis März 2023 geschlossen

[Niederösterreichische Landesausstellung 2022]

26.03 - 13.11.2022 - beendet

Plakat NOE-Landesausstellung 2022

Marchfeld Geheimnisse

Das Marchfeld, die Region zwischen Wien und Bratislava, scheint voller Gegensätze zu sein: Kornkammer oder unfruchtbare Steppe, Naturraum oder Kulturland, Storchenparadies oder Erdölfeld? Die Landesausstellung will diese Gegensätze auflösen. In neun Themenbereichen wird die enge Beziehung zwischen Mensch und Natur im Lauf der Geschichte, insbesondere die Verwandlung des Naturraums Marchfeld in eine Kulturlandschaft behandelt. Die Sesshaftwerdung des Menschen wird genauso greifbar wie das Zeitalter des Barock, der Industriellen Revolution oder der Energiewende.

Schwerpunkt 1: Kräfte der Natur

Die Landschaft des Marchfelds glich bereits sehr früh einem vielfältigen Mosaik. Aufgelockerte Wälder wechselten sich mit offenen, nicht bewaldeten Flächen ab, Buschwälder, kräuterreiche Wiesen oder Federgrassteppen mit baumfreien Sümpfen und Salzsteppen.

Marchfeld Schloss Marchegg Landesaustellung Schwerpunkt 1
NÖ Landesausstellung Schwerpunkt 1: Bär
Marchfeld, Schloss Marchegg, September 2022
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Nach der letzten großen Eiszeit vor 12.000 Jahren schufen Auerochsen, Wildpferde und Elche die Landschaft und boten Lebensraum für weitere Tiere wie Wölfe, Luchse und Bären – und damit Jagdbeute für die ersten Menschen.

Schwerpunkt 2: Erste Spuren in der Landschaft

Vor etwa 7.500 Jahren ließen sich erste Ackerbauern und Viehzüchter im Marchfeld nieder. Mit der Sesshaftwerdung verwandelten die Bewohner die Natur- in eine Kulturlandschaft, kultivierten Getreidesorten wie Emmer, Einkorn oder Nacktweizen, bauten Linsen sowie Schlafmohn an und domestizierten erste Wildtiere. Es war einer der bedeutendsten Umbrüche im Verhältnis von Mensch und Natur.

Schwerpunkt 3: Am Schnittpunkt von March & Donau

Die Flüsse Donau und March umfließen das Marchfeld südlich und östlich und treffen vor der Hainburger Pforte zusammen. Ab dem frühen ersten Jahrhundert n.Chr. war die Donau die Außengrenze des Römischen Reiches — Donaulimes. Das am südlichen Hochufer der Donau errichtete Legionslager von Carnuntum spielte bei der Überwachung des Marchfelds und der sogenannten Bernsteinroute eine bedeutende Rolle.

Schloss Marchegg Landesaustellung Schwerpunkt 3
NÖ Landesausstellung Schwerpunkt 3: Römische Spuren
Marchfeld, Schloss Marchegg, September 2022
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Schwerpunkt 4: Aufschwung und Niedergang einer Kulturlandschaft

1268 erfolgte der Bau des Schlosses und der Stadt Marchegg – zum damaligen Zeitpunkt die zweitgrößte Gründungsstadt im Herzogtum Österreich. Der Bauboom, die intensive Waldnutzung und damit der Rückgang der Vegetation führten zu Wanderdünen und Überschwemmungen. Klimaveränderungen, die Pestepidemie von 1348, Kriege des Spätmittelalters und Naturphänomene wie die Heuschreckenplage ließen weite Landstriche veröden. Später versuchte man den Bevölkerungsrückgang durch Ansiedelung von Arbeitskräften, vor allem aus Kroatien, auszugleichen.

Schloss Marchegg Landesaustellung Schwerpunkt 4
NÖ Landesausstellung Schwerpunkt 4: Schloss und Stadt Marchegg im 18. Jahrhundert, Modell
Marchfeld, Schloss Marchegg, September 2022
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Schwerpunkt 5: Vom Schlachtfeld … zur höfischen Spielwiese

Das Marchfeld war Schauplatz mehrerer, für Österreich entscheidende Schlachten. Mit dem Sieg Rudolfs 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen begann die Herrschaft der Habsburger. In der Schlacht von Aspern 1809, bei der Napoleon gegen Erzherzog Karl kämpfte, mußte und sich der französische Feldherr erstmals geschlagen geben. Während ihrer 640 Jahre dauernden Herrschaft erbauten die Habsburger viele repräsentative (Jagd-) Schlösser und herrschaftliche Sommerresidenzen mit opulenten Gartenanlagen im Marchfeld.

Schwerpunkt 6: Neue Formen der Energiegewinnung

Die Industrialisierung begann im Marchfeld mit der Eröffnung der Kaiser Ferdinands-Nordbahn 1837 – der ersten dampfbetriebenen Eisenbahnlinie der Monarchie.

Schloss Marchegg Landesaustellung Schwerpunkt 6
NÖ Landesausstellung Schwerpunkt 6:
Zug der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, Modell
Marchfeld, Schloss Marchegg, September 2022
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

1949 wurde bei Matzen eines der flächenmäßig größten Erdölfelder Mitteleuropas erschlossen.

Schwerpunkt 7: Fruchtbarer Boden

Das Marchfeld, die Kornkammer Österreichs? Durch den steigenden Nahrungsbedarf von Wien war das Marchfeld ab den 1880er-Jahren einem starken Produktionsdruck ausgesetzt. Zur Optimierung der Landwirtschaft wurden Eingriffe in die Natur nötig, wie die Donauregulierung und so genannte Meliorationen, wie Ent- und Bewässerungen oder eine Flur-Neuordnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die landwirtschaftliche Produktivität im Marchfeld weiter. Weil die Region zu einer der trockensten Landschaften Österreichs gehört, waren aufwändige Bewässerungen notwendig, um die Erträge zu sichern und den expandierenden Feldgemüseanbau zu ermöglichen.

Schwerpunkt 8: Fließende Grenze

Die March, historisch gesehen ein verbindender Fluß, wurde 1918 zur trennenden Staatsgrenze und ab 1949 sogar Teil des Eisernen Vorhangs. Heute ist die March wieder wichtiges Verbindungsglied: Sie verknüpft als Element des „Grünen Bandes“, dem bis zu fünf Kilometer tiefen Grenzstreifen, einzigartige Naturräume zwischen dem Eismeer und dem Schwarzen Meer.

Schwerpunkt 9: Von der Natur zur Umwelt

Im Zuge der Industrialisierung und ihrer Folgen für die Umwelt rückt die Frage, wie der Mensch den Lebensraum Marchfeld bestmöglich schützen kann, verstärkt in den Fokus. 1927 erhielt Österreich mit der Weikendorfer Remise das erste Naturschutzgebiet des Landes.

Schloss Marchegg Landesaustellung 2022
Marchfeld, Schloss Marchegg
„Bühne“ der NÖ Landesausstellung 2022
Foto © Landessammlungen NÖ/Rupert Pessl

Literatur/Quellen

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