LeseTipp: Nina FREYDAG, Elche, Fjorde, Königskinder: Norwegische Glücksmomente.

Norwegen/Land & Leute/

 Nina FREYDAG: Elche, Fjorde, Königskinder: Norwegische Glücksmomente. Nina FREYDAG: Elche, Fjorde, Königskinder: Norwegische Glücksmomente.
131 S., ISBN: 3-85452-793-4
Wien: Picus Verlag, 2004

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Man erfährt viel über die Bewohner dieses nordischen Landes und ihre manchmal absurd erscheinenden Lebensgewohnheiten - die Vorliebe für abgelegene Hütten und Plumpsklo, die Selbstverständlichkeit für Alkohol und Schwarzbrennerei, einen Möbelweltkozern in einer Gegend, in der es kein Holz gibt, die Emanzipation und das Leben der Königfamilie.
Freydag spart auch das dunkle Kapitel der deutschen Besetzung und den menschenverachtenden Umgang der Norweger mit den "Deutschenkindern" nicht aus. "Mehr als neuntausend Töchter und Söhne hinterließen die deutschen Soldaten in Norwegen. SS-Chef Heinrich Himmler hatte seine Leute mit den ausdrücklichen Befehl nach Norden geschickt, so viele Kinder wie möglich zu zeugen - gern unehelich. Die Norwegerinnen galten in der Ideologie der Nazis als 'Mütter guten Blutes'. Blonde, blauäugige Frauen sollten 'das deutsche Volk aufnorden', dem Reich viele 'rassisch wertvolle' Germanenkinder schenken. Die SS richtete sogar acht so genannte 'Lebensborn'-Heime in Norwegen ein." (59)
Aber von diesem doppelt dunklem Kapitel abgesehen - das Schicksal der Samen wird nur am Rande erwähnt - erweisen sich die Norweger als freundliche, weltoffene und kontaktfreudige Menschen, denen es trotz allem irgendwie gelingt, im menschenfeindlichen Norden zu leben - allerdings werden es immer weniger, die sich dieses Leben antun.
Fazit: Wichtig für alle, die mehr über Norwegen, die Norweger und ihre Lebensweise wissen wollen.

Im Hof der uralten Festung von Vardø, deren Eisenkanonen aufs Festland gerichtet sind, steht eine mickrige Eberesche; ein dünner Stamm, wenige Äste. Einem Menschen aus dem Süden fällt sie gar nicht auf. Doch sollte er genauer hinsehen. Die kleine Eberesche ist der einzige Baum der windgepeitschten Insel. Seit den sechziger Jahren wurde sie jeden Herbst vom Festungskommandanten feierlich in Sackleinen eingewickelt und in Holz verpackt, auf dass sie nicht erfriere. Und der kleine Baum überlebte; zäh lebte er jahrzehntelang, wo Bäume nicht leben können. Im Sommer 2002 aber sprossen keine Blätter. Der kleine Baum war tot. Abgeholzt haben sie ihn nicht. (...) In der Festung von Vardø aber ist ein neuer Baum gepflanzt worden. Möge er gedeihen!

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