LeseTipp: Kjell Ola DAHL, Schaufenstermord.

Norwegen/Krimi/

 Kjell Ola DAHL: Schaufenstermord. Kjell Ola DAHL: Schaufenstermord.
(Mannen i vinduet., 2001)
513 S, ISBN: 978-3-404-15324-4
Gunnarstranda/Frølich 2
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2005

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Ein Mann sitzt im Schaufenster seines Geschäfts, und er ist tot. Nicht erfroren, obwohl es sehr kalt ist, sondern ermordet. Verdächtige gibt es eine Menge. Denn der Antiquitätenhändler Reidar Folke Jespersen hat sich genügend Feinde gemacht. Und auch den letzten Tag seines Lebens - Freitag, der 13. - hat er dafür genützt: Seine Brüder Arvid und Emmanuel, denen der den Verkauf des Antiquitätenladens nicht erlauben will (sie sind Miteigentümer); seine Frau Ingrid, die er bei ihrem Schäferstündchen anruft und auffordert, die Beziehung zu beenden; einen ehemaligen Mitarbeiter, dem er Geld schuldet...
Kriminalhauptkommissar Gunnarstranda und Kommissar Frølich haben reichlich Verdächtige. Und dann gibt es noch eine unbekannte Frau, zu der Reidar vermutlich früher eine Beziehung hatte: seine große Jugendliebe, die er nicht bekommen hat?
Wie so oft ergibt sich im Laufe der Ermittlungen, daß das Motiv weit in der Vergangenheit liegt. Der deutsche Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg, die Beziehungen norwegischer Frauen zu den deutschen Soldaten und die Deutschenkinder - deren Behandlung ein dunkler Fleck in der Geschichte Norwegens ist - spielen eine Rolle.
Das Team Gunnarstranda/Frølich ermittelt überwiegend durch Gespräche. Entfernt erinnert die Vorgehensweise und das Umfeld an die Figur von Inspektor Columbo aus der Fernsehserie. Und beide Ermittler haben auch ein Privatleben, das allerdings nie wichtig in den Vordergrund tritt: Gunnerstranda kann nach dem Tod seiner Frau endlich sein Schneckenhaus verlassen und vorsichtig eine neue Beziehung aufbauen, Frølichs Beziehung zu Eva-Britt scheint sich dem Ende zuzuneigen.
Fazit: ein stilles, sehr gut aufgebautes Buch. Zuerst werden die möglichen Verdächtigen eingeführt, dann wird in den Gesprächen mit ihnen langsam die Spannung aufgebaut. Dazu kommt viel an Hintergrundinformation - im Prinzip ein perfekter, vielschichtiger Krimi. Und das Ende überrascht noch zusätzlich.

Wo ist der Funke geblieben?, dachte er und betrachtete ihr langes Bein unter dem Tisch. Hohe Stiefel, Eva-Britts Markenzeichen. Der Sockel, der ihren Oberkörper trug. Schuhe, die das erotische Geheimnis unterstrichen, zu dem die Beine der Frauen hinführten und nach dem die Augen der Männer suchten.
Er spürte keinen Funken mehr. Und er bildete sich ein, dass sie dasselbe Gefühl der Leere empfinden musste.

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