LeseTipp: Petra OELKER, Die zerbrochene Uhr.

Hamburg/Historischer Krimi/

 Petra OELKER: Die zerbrochene Uhr. Ein historischer Kriminalroman. Petra OELKER: Die zerbrochene Uhr. Ein historischer Kriminalroman.
444 S., ISBN: 3-499-22667-7
rororo 22667
Reinbeck: Rowohlt, 1999

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Adam Donner, Lehrer der Sekunda am Johanneum, wird nach der Mittagspause ermordet in seinem Klassenzimmer aufgefunden. Bei den Schülern verhasst, bei den Kollegen unbeliebt. Seinen Neffen Simon tracktierte er, wo er nur konnte. Und doch stellt sich die Frage, wer ihn genügend gehastt hatte, um ihn zu ermorden. Und wer hatte zur Mittagszeit, wenn das Schultor verschlossen ist, Zutritt zu den Klassen?
Natürlich ist das übliche Personal versammelt: Rosina und die Becker'sche Komödiantentruppe, die diesmal allerdings ziemlich im Hintergrund bleibt; der Großkaufmann Claes Herrmanns, neu in das Scholarchat (Schulaufsicht) gewählt, seine Frau Anne und seine verwittwete Tante Augusta; und natürlich Wagner, der Weddemeister.
Im Hintergrund der Mordgeschichte breitet Petra Oelker wieder gekonnt und profund zwei historische Themen aus: das Schulwesen in Hamburg in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, und das Uhrmacherhandwerk. Damals gab es offensichtlich keine Schulpflicht, denn die Jungen (eine Mädchenschule gab es nicht wirklich) der wohlhabenden Kreise blieben so lange Schüler des achtklassigen Johanneums, solange es ihre Väter wollten. Wer bis zur Prima blieb, wechselte dann meist in das dreiklassige Akademische Gymnasium, das als Vorbereitung für ein Universitäts-Studium galt. Erwähnt wird auch eine Armenschule.
Das Uhrmacherhandwerk war damals wirklich ein Handwerk, denn alle Uhren wurden einzeln gefertigt. Die präzisesten und besten Uhrwerke kamen aus England. Und einige berühmte Uhrmacher stellten auch Spielautomaten her, die nicht nur die Zeit anzeigten, sondern auch über bewegte Figuren verfügten.
Fazit: wieder ein spannender und historisch stimmiger Roman, angereichert um einige historische Persönlichkeiten, die, zusammen mit Begriffserläuterungen, im Glossar vorgestellt wreden.

Die Stille und die Reinheit dieser Stunde erschienen ihr unwirklich. Das Kloster stand ziemlich genau in der Mitte der Stadt, in der Mitte der Wohnungen und Arbeitsstätten von fast hunderttausend Menschen, und doch war kaum ein Laut zu hören, der daran erinnerte. Noch herrschte jene kurze, kaum eine oder zwei Stunden währende Stille, wenn auch die Letzten Trunkenen und selbst die Schwerkranken endlich Schlaf gefunden hatten, kurzen Schlaf, bevor das Morgenlicht und die stetig anschwellende Melodie des beginnenden Tages sie wieder weckten: Zuerst klapperten einige Türen, klangen vereinzelte Schritte hohl in den Gassen, dann mischte sich das Rollen der Räder von Karren hinein, unterwegs zu Märkten, Anlegern, Werkstätten. ... Doch jetzt war die Nacht noch ohne Töne, so wie sie ohne Farben war.

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