LeseTipp: Virginia DOYLE, Die rote Katze.

Hamburg/Historischer Krimi/

 Virginia DOYLE: Die rote Katze. Virginia DOYLE: Die rote Katze.
415 S., ISBN: 3-453-87925-2
Hansen-Trilogie 1
München: Heyne, 2004

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Heinrich Hansen wird Polizist, um ein Verbrechen aus seiner Jugend aufzuklären. Erster Band der Trilogie.
Nach sieben Jahren bei der Kriegsmarine rüstet Heinrich Hansen 1903 als Bootsmann eines Panzerkreuzers ab und geht zur Polizei. Da er gedient hat, wird er auf der Davidwache als Kriminal-Schutzmannanwärter aufgenommen. Im Polizeidienst werden Neuerungen wie Verbrecherkarteien und Fingerabdrücke eingeführt. Der ältere Kriminalwachtmeister Lehmann wird sein Ausbildner.
Die Aufklärung des Mordes an einer Tänzerin aus dem Revue-Theater "Tingeltangel" wird eine seiner ersten Aufgaben. Der Besitzer des Theaters ist Hansens früherer Jugendfreund Jan. Auch Lilo, in die Hansen verliebt war und die er an den Hochstapler Friedrich Schuler verlor, ist irgendwie involviert. Und Lehman hatte zu Jan scheints eine mehr als nur dienstliche Beziehung.
Auf zwei Zeitebenen spiegelt der unter dem Pseudonym Virginia Doyle schreibende Hamburger Autor die Entwicklung Heinrich Hansens: als Jugendlicher, in St. Pauli mit einem trinkenden und schlagenden Vater und einer zeichnenden Schwester aufgewachsen; als junger Mann, zurückgekehrt in sein altes Viertel nach seinen Reisen um die Welt. Und in Hansens Jugend geschah auch das Verbrechen, das ein zentrales Motiv für ihn war, Polizist zu werden.
Fazit: der Roman bietet interessante Einblicke in die Polizeiarbeit in Hamburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Verwendung neuer Technologien, aber auch in die Entwicklung von St. Pauli, das zwischen Sex, Prostitution einerseits und Varietés und besseren Lokalen für angesehene Bürger chargiert.

Hatte er ein Anrecht darauf, das Geheimnis seines eigenen Lebens aufzuklären? Nein, diese Aufgabe hatten andere gehabt, und es war nicht an ihm, darüber zu urteilen, ob sie fehlerhaft gehandelt hatten oder nicht. Er wusste ja nun, wie schwierig die Arbeit der Polizei war.
Es war doch letzten Endes nichts weiter als ein Stochern im Morast, das Suchen nach den dunklen Seiten der Menschen, das Ausforschen von mehr oder weniger beschmutzten Gewissen. Grundlage der Arbeit war das Misstrauen allen gegenüber. Für einen Polizisten war jeder, dem er begegnete, möglicherweise ein Verbrecher oder hatte etwas zu verbergen, das ans Tageslicht gezerrt werden musste.

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