LeseTipp: Christa KANITZ, Die Stellings.

Hamburg/Historischer Roman/

 Christa KANITZ: Die Stellings. Roman einer hanseatischen Kaufmannsfamilie. Christa KANITZ: Die Stellings. Roman einer hanseatischen Kaufmannsfamilie.
(zuerst 2002), 364 S, ISBN: 978-3-7844-6032-1
München: Langen Müller, 2008

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Na ja, der "Roman einer hanseatischen Kaufmannsfamilie" ist das vorliegende Buch eher weniger. Sicher, es kommen die Mitglieder der Familie alle vor. Aber vor allem geht es um die jüngste Tochter, Viktoria. Diese hat schon mit vierzehn Jahren den Entschluß gefasst, Hamburgs bedeutendste Kauffrau zu werden. Sie will die Leitung der Firma ihres Vaters übernehmen, studiert die Geschäftsbücher und ergreift bei einer Gerichtsverhandlung das Wort. Alles nicht sehr realistisch und historisch stimmig. Überhaupt ist die historische Recherche sehr nachlässig ausgefallen, im Buch finden sich etliche, zeitlich flasche Zuordnungen. So sind etwa die Auswandererhallen auf der Veddel (heute BallinStadt) erst 1901 von Albert Ballin errichtet worden, und waren 1850/60 noch nicht vorhanden.
Aber tatsächlich geht es in dem Buch weniger um historische Genauigkeit oder das Leben einer Kaufmannsfamilie, sondern um eine Herz-Schmerz-Geschichte zwischen Viktoria und Jens, dem Sohn des verhasstesten Konkurrenten. Alles andere ist nur Beiwerk und Umfeld.
Fazit: Eine eher flache Geschichte ohne spürbare Dramatik. Denn selbst einschneidende Ereignisse - der Große Brand, der Verlust des Vermögens, der Schlaganfall des Vaters - bewirken zwar Anpassungen der Lebensentwürfe. Aber alles geht immer so irgendwie und ohne Probleme vor sich. Manchmal gibt es ganz amüsante Episoden, aber wirklich Spannung vermitteln kann Christa Kanitz hier nicht. Und die historischen Ungenauigkeiten sind ärgerlich:
"So hatten die Reeder, die schließlich an den Auswanderern gut verdienten, einen soliden Gebäudekomplex errichtet..." (138). Nein, nicht die Reeder, sonder die HAPAG unter Alfred Ballin, und erst am Ende des 19. Jahrhunderts.

"Darf ich ganz ehrlich antworten?"
"Selbstverständlich."
"Ich will Sie heiraten."
Viktoria war einen Augenblick lang nicht fähig, zu antworten. War dieser Mann so unsensibel, einer Frau mitten auf der Moorweide zwischen neugierigen Passanten und grasenden Kühen einen Heiratsantrag zu machen? Oder war das Ganze ein Scherz, den er sich mit ihr erlaubte?

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