LeseTipp: Simone BUCHHOLZ, Knastpralinen.

Hamburg/Krimi/

 Simone BUCHHOLZ: Knastpralinen. Ein Hamburg-Krimi. Simone BUCHHOLZ: Knastpralinen. Ein Hamburg-Krimi.
246 S, ISBN: 978-3-426-19814-8
Chas Riley 2
München: Droemer Knaur, 2010

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Gewalt gegen Frauen ist das Thema des zweiten Krimis mit der amerikanisch-hamburgischen Staatsanwältin Chastity Riley, genannt Chas. Und auffällig verpackt in den saloppen Ton und die Probleme ihres Privatlebens.
Vor Gericht vertritt sie einen Fall von Menschenhandel, in dem Frauen aus Rumänien unter menschenunwürdigen Bedingungen wie Sklavinnen leben müssen und zur Prostitution gezwungen wurden: "In Hamburg gab's dann erst mal Schläge und Dauervergewaltigung. Zwei Wochen lang wurde sie zurechtgeritten."
Ihre einzige Freundin Carla wird von zwei Männern vergewaltigt, und Chas kann sie nicht beschützen. Und auch nicht zur Aufklärung beitragen. Und dann gibt es noch Leichenteile im Hafen, Kopf, Hände, Füße, sauber verpackt in einem schwarzen Müllsack, zwei Männer. Aber sie fehlen niemandem. Und schließlich gibt es noch eine dritte, diesmal vollständige Leiche. Aber irgendwie interessieren Chas diese Leichen nicht besonders, als hätte sie eine Vorahnung, um welche Art von Männern es sich dabei handelt.
Gewalt gegen Frauen. Den Kapiteln sind immer wieder kleine Szenen vorangestellt, in den es um diese Gewalt geht. Nicht um Vergewaltigung, aber um die Verletzung der Würde und Integrität der Mädchen und Frauen. Um Männer, die Frauen nur als Objekt ihrer Lüste und Befriedigung sehen können, nicht als menschliche Subjekte, die ein Recht auf Unversehrtheit haben - geistig wie körperlich. Aber selbst Richter und Polizisten können oder wollen diese Gewalt nicht wirklich sehen, Sexualdelikte haben bei der Strafverfolgung keine besondere Priorität.
Fazit: ein starker Roman zu einem gern verharmlosten Thema (betrifft ja eh nur Frauen), locker und gut verpackt.
PS: Knastpralinen sind faschierte Laibchen/Buletten.

Sie stand auf einer Rolltreppe, die Rolltreppe fuhr nach oben. Sie träumte vor sich hin, dachte an gar nichts. Die Hand, die ihr von hinten unter den Rock fasste, packte fest zu. Es tat richtig weh. Sie schrie den Typen an, als er sich schnell an ihr vorbeidrängte, sie beschimpfte ihn, sie war so wütend. Er rannte die Rolltreppe hoch, oben angekommen drehte er sich zu ihr um und sagte: Was willst du denn, du Fotze. Komm schon her, du Fotze. Ich stech dich ab, du Fotze. ... Keiner der anderen Männer auf der Rolltreppe half ihr. Keiner sagte auch nur einen Ton.

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