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Wappen AltenmarktAltenmarkt: Pfarrkirche „Unserer Lieben Frau Geburt”

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Die Mutterpfarre Altenmarkt entstand neben den Mutterpfarren Pfarrwerfen und St. Veit etwa in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts.

Altenmarkt Pfarrkirche
Altenmarkt, Februar 2015
Pfarrkirche „Unserer Lieben Frau Geburt”
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Die Mutterpfarre Altenmarkt entstand neben den Mutterpfarren Pfarrwerfen und St. Veit etwa in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Sie wird erstmals 1074 in der Schenkungsurkunde von Erzbischof Gebhard I. an das Kloster Admont erwähnt.

Das Äußere

Der vorhandene Baubestand geht auf Pfarrer Reicher von Etling zurück, dessen Wirken hier von 1369-99 nachweisbar ist. Reicher war Kaplan und später Hofmeister am Hof des kunstsinnigen Erzbischofs Pilgrim II. Ab 1393 beginnt eine rege Bautätigkeit, 1395 stiftet Reicher die Annakapelle.

Altenmarkt, Pfarrkirche außen
Altenmarkt, Februar 2015
Pfarrkirche am Marktplatz
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

Der rechteckige, 42 Meter lange und 22 Meter breite Kirchenbau wird außen durch Strebepfeiler gegliedert, die nur im südöstlichen Bereich fehlen. Das Altarraum ist als seichter 3/8-Schluss ausgebildet. Seitlich schließt eine kleine Nebenapsis an.
Der etwas aus der Achse gerückte Westturm erhielt 1764 durch Matthias Pichler aus Hallein seine heutige Form: die rundbogigen Schallfenster mit den hoch sitzenden Zifferblättern und der gestreckten Zwiebelhaube ersetzten damals den gotischen Spitzhelm.

Altenmarkt, Pfarrkirche außen
Altenmarkt, Februar 2007
Pfarrkirche Altarraum, Friedhofsseite
Foto © bilderreisen.at/Walter Reinthaler

In den Bauernkriegen wurde die Kirche vermutlich 1526 beschädigt und erfuhr durch zahlreiche An- und Umbauten wesentliche Veränderungen. 1867-75 wurde sie im Sinne der Neugotik umfassend restauriert. 1985/86 wurde das gesamte Äußere saniert.

Der Innenraum

Der Innenraum der dreischiffigen Pfarrkirche weist zahlreiche Sonderformen der Salzburger Spätgotik auf. Die Joche des siebenjochigen Raums sind kreuzrippengewölbt. Der Chorbogen zwischen dem 4. und 5. Joch ist ein Hinweis darauf, daß der romanische Vorläuferbau nur bis hierhin reichte. Die restlichen drei Joche und der Altarraum wurden erst am Ende des 14. Jahrhunderts angebaut.

Hauptschiff

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Hochaltar
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Hauptschiff, Blick zum Hochaltar
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Predigtkanzel

Der Salzburger Tischler Josef Ripper fertigte 1872 die Kanzel nach einem Entwurf von Josef Wessicken. Die vier Brüstungsfelder des sechseckigen Kanzelkorbs tragen Reliefs der vier heiligen Kirchenväter.

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Kanzel
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Hauptschiff, Predigtkanzel, Detail
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Hochaltar

Das Ensemble des Hochaltars wurde 1972 nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister neu gestaltet und 1996 geringfügig geändert.

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Hochaltar
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Hauptschiff, Hochaltar
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Neben dem Barockkreuz von Sebastian Eberl stehen die Figuren von Johannes und Maria. Sie wurden vermutlich um 1760 vom Kitzbühler Bildhauer Josef Martin Lengauer geschaffen. Das Marmorkommuniongitter stammt aus der barocken Umgestaltung von 1762.

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Hl. Barbara Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Hl. Katharina
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Hochaltar, Hl. Barbara und Hl. Katharina
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Ebenfalls aus 1762 und von Sebastian Eberl stammen die Plastiken der hl. Katharina und Barbara.

Orgel

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Jubiläums-Orgel
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Hauptschiff, Jubiläums-Orgel
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

1974 wurde anlässlich der 900-Jahr-Feier der Pfarre die zweite Orgelempore abgetragen und die neue Jubiläums-Orgel vom Orgelbau Dreher und Reinisch auf die erste Empore gesetzt.

Seitenschiffe

Rechtes Seitenschiff

Der Josephsaltar im rechten Seitenschiff wurde 1902 vom Salzburger Bildhauer Johann Piger unter Mitarbeit von Johann Ripper geschaffen. Die Figuren zeigen den hl. Joseph, flankiert von Marias Eltern, Anna und Joachim.

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Josephsaltar
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Josephsaltar
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Ebenfalls im rechten Seitenschiff steht der zwölfeckige Taufstein aus dem 15. Jahrhundert. Er ist aus rotem Marmor und hat am Fuß eine starke Kehlung. Der Holzdeckel wurde 1956 restauriert.

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Taufstein
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Taufstein beim Josephsaltar
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Linkes Seitenschiff

Der Muttergottesaltar im linken Seitenschiff stammt ebenfalls von Johann Piger und Johann Ripper. Hier steht eine Kopie der Altenmarkter Gnadenmadonna, daneben die Figuren der hll. Dominikus und Katharina von Siena.

Altenmarkt, Pfarrkirche innen, Muttergottesaltar
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2014
Muttergottesaltar
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Kapellen

Die Lourdeskapelle

Die Lourdeskapelle, der ehemalige Karner, erhielt 1875 ihre heutige Gestalt. Das Kriegergedächtnismal an der rechten Stirnwand wurde unter Dechant J. Fink 1949 gestaltet. Jakob Adlhart kopierte dazu das gotische Vesperbild in Stein.

Altenmarkt, Pfarrkirche, Lourdeskapelle
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Lourdeskapelle mit Kriegergedächtnismal
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)
Altenmarkt, Pfarrkirche, Lourdeskapelle
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Lourdeskapelle innen
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

An der Westmauer links daneben ist noch das romanische Portal der Vorgängerkirche sichtbar.

Annakapelle

Die ursprünglich freistehende Annakapelle wird 1395 als Stiftung von Pfarrer Reicher von Ettling (1369-1399) erwähnt, der sie „auf dem Karner“ im Friedhof neben der Pfarrkirche errichten ließ. 1526 wurde sie, nach Beschädigungen im 2. Bauernkrieg, über einen zweistöckigen gewölbten Gang mit dem zweiten Nordjoch der Kirche verbunden.

Altenmarkt, Pfarrkirche, Annakapelle außen Ostseite
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Annakapelle, Ostseite
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)
Altenmarkt, Pfarrkirche, Annakapelle außen Sonnenuhr
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Annakapelle, Sonnenuhr
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Die Kapelle wurde nörlich der Pfarrkirche errichtet und ist ein achteckiger, zweigeschossiger Bau. Das Obergeschoß des Chors im Südosten ist mit Holz verschalt und hat ein achtseitiges, steiles Schindeldach. Das Untergeschoß diente der Aufnahme der Gebeine der Bestatteten.
1949 wurde die Annakapelle zur Taufkapelle umgestaltet. Seit der Renovierung von 1989/90 Aussegnungshalle umgewidmet. Der Taufstein befindet sich nun in der Kirche im rechten Seitenschiff vor dem Josephsaltar.

Die Marktkapelle, die 1991 rechts neben dem Friedhofseingang neu errichtete wurde, birgt das restaurierte Marienrelief vom ehemaligen neugotischen Hochaltar. Bildthema ist, entsprechend dem Patrozinium der Pfarrkirche, die Geburt Mariens.

Südlich der Kirche steht beim Dechantshof die 1974, im Jahr des 900-jährigen Pfarrjubiläums erbaute Tannenkapelle. Mit dem gleichzeitig gemalten Wandbild der „Madonna von der Tanne“ soll die Kapelle „das Gedächtnis und die Liebe zu Maria unserer Lieben Frau von Altenmarkt“ bewahren.

Dechantshof

Der 1755 neu erbaute Dechantshof ist ein dreigeschossiges Gebäude mit einem Walmdach und Pilastergliederung. Zeitgleich wurde auch der Verbindungsgang zur Pfarrkirche errichtet, der im Erdgeschoss mit Arkaden unterbrochen, aber im Obergeschoss durchgehend gestaltet und mit Putzflächen verziert ist.

Altenmarkt, Pfarrkirche, Dechantshof
Altenmarkt, Pfarrkirche, März 2020
Dechantshof
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Dechantshofscheune

Die Dechantshofscheune gehört seit 1980 zum Altenmarkter Heimatmuseum. Hier befinden sich bäuerliche Geräte wie Dreschflegel, Strohschüttler, Dreschmaschine, verschiedene Windmühlen, Säschaffe und Sämaschine oder alte Holzpflüge.

Altenmarkt, Pfarrkirche, Dechantshofscheune
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Dechantshofscheune
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Dechant Felix Gredler

Altenmarkt, Pfarrkirche, Gedenktafel Gredler
Altenmarkt, Pfarrkirche, Februar 2007
Gedenktafel für Felix Gredler
Foto © Walter Reinthaler/www.bilderreisen.at (cc)

Der Tiroler Felix Gredler (1892-1942) wurde in Mayrhofen im Zillertal geboren. Er besuchte das Borromäum und Priesterseminar in Salzburg und wurde 1915 zum Priester geweiht. Am 1. November 1934 wurde er Dechant in Altenmarkt.
Zum Dechantshof im Eigentum der Pfarrgemeinde Altenmarkt gehörten 140 Hektar Grundbesitz sowie einiges Vieh. Gredler war somit nicht nur Priester, sondern auch Landwirt. Der Dechantshof entwickelte sich zu einem florierenden Betrieb und beherbergte auch einige Pensionsgäste.
Damit war er den führenden National­sozialisten, Bürgermeister Hans Weitgasser und Orts­gruppen­leiter Roman Weinstabl, ein Dorn im Auge. Sie konstruierten eine Anklage wegen „Vergehens nach § 1, Abs. 1 der Kriegs­wirtschafts­verordnung vom 4. Septem­ber 1939” gegen Gredler: dieser habe zu wenig Butter abgeliefert. Felix Gredler wurde am 27. September 1940 von der Gestapo festgenommen und vor das „Sondergericht” gestellt. Das Sondergericht war unter anderem für Vergehen nach der Kriegswirtschaftsverordnung (Schwarzschlachtungen, Schwarzhandel mit Lebensmittelkarten) zuständig: politische Justiz ohne richterliche Voruntersuchung, sofortige Rechtskraft des Urteils und Unzulässigkeit eines Rechtsmittels. Das Sondergericht verurteilte Dechant Gredler zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten, vielleicht auch, um ihn vor der Gestapo zu retten.
Einen Monat vor seiner Entlassung beschlagnahmte die Gestapo das Vermögen Gredlers, der Dechantshof mußte verpachtet werden, im Pfarrgebäude wurde die Hitler-Jugend einquartiert. Kurz vor Ende seiner Haftstrafe wurde Felix Gredler in das Polizeigefängnis Innsbruck gebracht und am 16. August 1941 als Häftling Nr. 26963 in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Dort starb er am 26. Juni 1942, offiziell an Bauchwassersucht.

Weiterführende Literatur/Quellen:

Altenmarkter Ortschronik, Band IIMatthias RAINER: Altenmarkter Ortschronik, Band II. Altenmarkt „Mutterpfarre im Ennspongau”. 536 S.
Salzburg: Salzburger Druckerei, 1996

Altenmarkt im PongauJohannes NEUHRADT: Altenmarkt im Pongau - Salzburg. 15 S.
Christliche Kulturstätten Österreichs, Nr. 119
Salzburg: Verlag St. Peter, 2006

Kirchenführer Pfarrgmeinde Altenmarkt [abgerufen am 10.04.2020]

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