Buchtipp : Tina BROWN, Palace Papers. (Rezension)

Tina BROWN, Palace Papers.

Elizabeth II/Geschichte/

 Tina BROWN: Palace Papers.
Tina BROWN: Palace Papers. Die Windsors, die Macht und die Wahrheit.   Neu 
(The Palace Papers: Inside the House of Windsor – The Truth and the Turmoil., 2022)
752 Seiten, ISBN: 978-3-426-27892-5
München: Droemer Knaur, 2022
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Das Buch ist keine Biografie der Queen - von denen es bereits Regalmeter gibt -, sondern die Geschichte der Familie Windsor der letzten 25 Jahre. Es geht fast nebenbei um Philip, aber vor allem um Margret, Charles, Ann, Andrew, Edward, Diana (über die die Autorin eine eigene Biografie geschrieben hat), William, Harry, Kate, Meghan, Fergie oder Camilla und ihre Herkunftsfamilien.
Interessanter als deren persönliche und unmittelbare Lebensgeschichten ist die Beschreibung der Abläufe am Hof und in der Firma (wie die königliche Familie oft genannt wird) und des Lebens der Upper Class. Eine Welt, die dem Durchschnittsmenschen, vor allem aber den Nicht-Briten, völlig fremd ist. Der britische Adel ist vor allem ländlich verwurzelt, mit Jagden, Pferden und Hunden. Die Kinder gehen auf entsprechende Privatschulen und -Internate. Dort werden die Netzwerke gebildet, und sie bleiben ihr Leben lang in dieser Blase.
In der königlichen Familie sind die Rollen vorbestimmt und unabänderlich. Nur Edward VIII. entzog sich durch Thronverzicht seiner Vorbestimmung und erschütterte die Monarchie. Elizabeth hat sich fest vorgenommen, in sich wandelnden Zeiten die Feststehende und Verläßliche zu sein - und es ist ihr in 70 Jahren auf dem Thron gelungen.
Der 1953 geborenen Journalistin Tina BROWN, die mit dem 2020 verstorbenen Sir Harold Evans, Ex-Herausgeber der Sunday Times, verheiratet war und somit selbst eine Insiderin ist, gelingt es in dieser komplexen, manchmal fordernden Lektüre, die Mosaiksteine aus hunderten Gesprächen mit der Krone nahestehenden Personen zu einem Bild zu formen.
Fazit: Gediegener, faktenreicher, seriöser Journalismus der The New Yorker-Herausgeberin, sachlich und weitgehend ohne Sensations- und Skandalhascherei. Der deutschen Übersetzung der acht Übersetzerin/innen merkt man den Zeitdruck an, sie ist oft nachlässig. Reich an Informationen, teilweise anstrengend, sind die Palace Papers unbedingt lesenswert!

Die Faszination der Monarchie liegt darin, dass ihre Themen sich wiederholen, weil ihre Protagonisten irdisch sind. Als George V. die Monarchie zum Haus Windsor umfirmierte und zum Sinnbild nicht allein der britischen Familie, sondern einer sakralisierten, vorbildlichen Version der britischen Familie machte, gab es dabei einen zentralen Fehler: ihre Menschlichkeit. Rebellen, Problemkinder und die Schurken wird es immer geben, weil die Krone auf einer Familie ruht, die so fehlbar ist wie jede andere auch. Die Queen hat ihr gesamtes Leben dem Weg verschrieben, den ihr Großvater und ihr Vater vor ihr beschritten haben, einem in der Zeit erstarrten Konzept, an dem sie nur durch ihre ganz eigenen Charaktereigenschaften festhalten konnte. Doch ihre unverwüstliche Geradheit hatte einen Preis. Werden zukünftige Historiker die Länge ihrer Regentschaft als ein verhängnisvolles Hemmnis der dynastischen Evolution betrachten?

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