Adam ZAMOYSKI, Napoleon.

Napoleon Bonaparte/Biografie/

 Adam ZAMOYSKI: Napoleon.
Adam ZAMOYSKI: Napoleon. Ein Leben.
(Napoleon - the man behind the myth., 2018)
863 S., ISBN: 978-3-406-72496-1
München: C.H. Beck, 2018
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Der Mensch hinter Napoleon.
Napoleon-Biografien gibt es meterweise, seinem Leben und Wirken einen neuen Aspekt abzugewinnen erscheint fast unmöglich. Adam ZAMOYSKI versucht es, indem er die Person Napoleon in den Mittelpunkt seines Umfeldes stellt. Er macht umfassend Gebrauch von Napoleons ausufernder Korrespondenz mit seinen Brüdern, Josephine und all den Machtträgern in seinem Herrschaftsbereich. Unzählige Namen stürzen auf die Leserschaft ein, und wer kein Spezialist der französischen Geschichte ist, bleibt verwirrt und ratlos zurück. Vor allem, wenn man nicht die Bedeutung des jeweiligen abschätzen kann.
Da die Biografie auf der Person aufgebaut ist, bleiben institutionelle und prozederale Geschehnisse zurück. Im Vorwort legt ZAMOYSKI fest, daß er sich nicht näher den Schlachten widmen will - aber gerade diese sind bestimmend für Aufstieg und Fall des bösartigen Monstrums, als das Napoleon manchmal ungerechterweise bezeichnet wird, des Teufels, wie ihn Maria Carolina von Österreich, Königin von Neapel-Sizilien, zu bezeichnen pflegte.
Das Buch hat ein mehr als zwanzig-seitiges Literaturverzeichnis, aber leider kein Sachregister. Auch die Überschriften der 44 Kapitel - zB. "Der Sonnekaiser", "Preis der Macht" oder "Apotheose" - helfen nicht wirklich weiter, wenn man sich über konkrete Ereignisse oder Gegenbenheiten informieren will. Und die rund 750 Seiten reiner Text lassen sich sich nicht leicht in einem Zug lesen.
Fazit: Ja, Adam ZAMOYSKI legt hier ein epochales Buch vor. Aber es ist mehr ein biografischer Roman mit einer unfassbaren Faktenfülle als eine Biografie über einen der wohl bedeutendsten Herrscher und Weltgestalter des auslaufenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Wer den Menschen hinter Napoleon finden will, wird hier fündig!

Napoleon war in jeder Beziehung ein Kind seiner Zeit; er war in vielerlei Hinsicht der Inbegriff seiner Epoche. Will man verstehen, was für ein Mensch er war und was ihn bewegte, muss man ihn in seinen Kontexten sehen. Dies aber erfordert eine kühle Distanz gegenüber überlieferten Schemata und nationalistischen Vorurteilen, und eine unvoreingenommene Untersuchung dessen, was die Erschütterungen und Umbrüche jener Zeit an Bedrohungen und Chancen mit sich brachten.
In den 1790er Jahren betrat Napoleon eine Welt im Kriegszustand, eine, in der die fundamentalen Grundlagen von Gesellschaft überhaupt in Frage gestellt wurden. Es war ein Kampf um Vorherrschaft und Überleben, in dem sich jeder Staat auf dem Kontinent von seinem Eigeninteresse leiten ließ, Verträge brach und seine Verbündeten schamlos hinterging.

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