Buchtipp : Andrea CAMILLERI, Riccardino. (Rezension)

Andrea CAMILLERI, Riccardino.

Montalbano/Sizilien/Krimi/

 Andrea CAMILLERI: Riccardino.
Andrea CAMILLERI: Riccardino. Commissario Montalbano löst den Fall seines Lebens.
Commissario Montalbano 28  Neu 
(Riccardino, 2020)
304 Seiten, ISBN: 978-3-7577-0099-7
Köln: Lübbe, 2025
Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Commissario Montalbano wird im Morgengrauen durch einen fehlgeleitenden Anruf aus dem Schlaf gerissen. Ein gewisser Riccardino fragt ihn, wann er den endlich kommen würde. Und als der Commissario im Büro eintrifft, erfährt er, daß der Mann von einem Motorradfahrer erschossen wurde. Die Geschichte bleibt seltsam.
Der Bankdirektor Riccardo Lopresti, genannt Riccardino, ist der Anführer einer Gruppe von vier Freunden, die sich seit ihrer Schulzeit kennen. Sie haben teilweise die Schwestern der anderen geheiratet. Und Riccardino hatte mit allen Frauen ein Verhältnis. Nur seine eigene Ehefrau, eine Deutsche, passte nicht in diesen Rahmen.
Die vier trafen sich, um einen gemeinsamen Ausflug zu unternehmen, als Riccardino von einem Moterradfahrer erschossen wird. So gibt es zwar drei Zeugen, aber weil alles so schnell ging, haben sie eigentlich nichts gesehen. Die drei arbeiten in einer Fabrik für Salzgewinnen und -handel. Montalbano glaubt Unregelmäßigkeiten zu entdecken, aber daraus wird nichts. Auch die Parteinahme des lokalen Bischofs für einen der drei hat eigentlich keine Folgen - auch weil sich Montalbano nicht mit der Kirche anlegen will.
Ein LKW-Fahrer der Firma ist der zweite Erzählstrang. Und als die beiden Ebenen zusammenkommne, gibt es noch einen Toten.
Fazit: Andrea CAMILLERI (1925-2019) schrieb diesen Montalbano-Krimi bereits 2005, als er 80 Jahre alt war und an sein Ende dachte. Er wollte den Schlußstein der Reihe selbst setzen und damit Montalbanos Schicksal bestimmen: kein Tod, keine Pension - ein ungewöhnliches Ende.
Allerdings schrieb er danach noch 18 weitere Montalbano-Krimis. Es ist ein anderer Aufbau und Ablauf - Montalbano reibt sich an seiner Fernsehfigur und diskutiert mit dem Autor Camilleri selbst. Auch vom Verhalten und der Sprache merkt man, daß dieser Krimi anders plaziert ist. Montalbano macht noch einige Veränderungen durch. Der gefühlte und tatsächlich letzte Krimi ist Ein tiefer Blick in die Seele, in dem sich Autor und der Commissario mit dem Ende auseinandersetzen.
Eigentlich kein passendes und nicht so großartiges Finale.

Die Wahrheit lautete, dass er schon seit einer ganzen Weile keine Lust mehr hatte. Nach all den Jahren als Commissario war er zu dem Schluss gekommen, dass es der Gipfel der Dummheit war zu glauben, ein Problem ließe sich mit Mord lösen. Von wegen Mord als schöne Kunst betrachtet, wie De Quincey es in seinem Essay dargelegt hatte! Knallköpfe allesamt. Jene, die aus Habgier, Eifersucht oder Rache einen Mord begingen, ebenso wie diejenigen, die im Namen der Freiheit, der Demokratie oder - noch schlimmer - im Namen Gottes reihenweise Leute abschlachteten. Und er war es leid, es immer nur mit Durchgeknallten zu tun zu haben.

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