
Romy Beccare 11 Neu
368 Seiten, ISBN: 978-3-7466-3774-7
Berlin: Aufbau Verlag, 2022
Bewertung
Rezension
Rügen im Winter ist kalt. Und manchmal sind die Falschen die Mörder.
Der allseits als engagiert und fähig beschriebene Tierarzt Michael Bautner wird am Selliner See gefunden - erstochen mit einem Taschenmesser. Und es gibt einen Verdächtigen: Karl Sebald. Er gibt Bautner die Schuld am Tod seiner Hündin, den er nicht verwinden kann. Er meint, Bautner habe sich nicht wirklich um die Hündin gekümmert. Laut Handyauswertung war er zur Tatzeit am Selliner See. Aber er bestreitet, der Täter zu sein. Will aber auch nicht aussagen, ob und was er dort gesehen hat.
Bei Bauarbeiten am Selliner See wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden, der vor mehr als dreißig Jahren hier ermordet wurde. Ein Fotograf, der von seiner Mutter als vermisst gemeldet wurde. Aber die Sache wurde nicht weiter verfolgt. Es war gerade das Ende der DDR, viele Menschen verschwanden damals einfach in den Westen.
Bei der Untersuchung des ersten Mordes zeigt sich, daß Bautner keineswegs ein freundlicher Mensch und fürsorglicher Tierarzt war. Er belästigte Frauen, manche vergewaltigte er, und tyrannisierte seine Familie. Aber seine Frau, die ein nachhaltiges Motiv gehabt hätte, hat ein festes Alibi.
Fazit: Der 11. Fall von Katharina PETERS mit der Rügener Kommissarin Romy Beccare führt zurück in die chaotische Zeit am Ende der DDR. Aber vor allem geht es um Gewalt gegen Frauen. Und wenn sie sich als Opfer wehren, können sie selbst zu Schuldigen werden. Gerechtigkeit?
Romy verließ die JVA wenige Minuten später. Sie hatte das Gespräch heimlich aufgezeichnet. Sie fuhr direkt nach Hause und hörte sich das Gespräch während der Fahrt zweimal an. Der Mann war ein Blender. Er war weder ein guter Arzt noch ein guter Mensch. Der Satz hallte in ihr nach.
Was würde es ändern, falls Sebalds Einschätzung nicht alleine durch seine eigene Erfahrung geprägt war und sich herausstellte, dass er in diesem Punkt richtig lag? Wäre dann ein anderer Zusammenhang erkennbar? Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall längst für die Gerichtsverhandlung vorbereitet - niemand wollte an Sebalds Schuld rütteln.