
(Camino Island., 2017)
367 Seiten, ISBN: 978-3-453-27153-1
München: Heyne, 2017
Bewertung
Rezension
Fünf Manuskripte von F. Scott Fitzgerald werden aus der Bibliothek der Universität Princeton gestohlen. In einer spektakulären Aktion, denn sie waren natürlich besonders gesichert aufbewahrt, weil sie von großem Wert sind - etwa fünf Millionen Dollar pro Manuskript.
Zwei der vier Täter werden bald identifiziert und verhaftet, aber sie schweigen eisern. Die Ermittlungen einer FBI-Sondereinheit versanden langsam. Denn der Anführer bleibt unerkannt, und die Manuskripte werden der Bibliothek nicht zum Rückkauf angeboten.
Die Versicherungsgesellschaft der Universität beauftragt eine Spezialfirma mit der Suche nach den Manuskripten. Diese findet heraus, daß sie verkauft wurden. Der Buchhändler und Antiquar Bruce Cable auf Camino Island in Florida gerät in Verdacht. Um Näheres herauszufinden heuert die Firma die junge Schriftstellerin Mercer Mann an. Sie soll Cables Vertrauen erringen und damit vielleicht etwas über die Manuskripte erfahren. Sie glaubt zwar nicht, für diese Spionage geeignet zu sein. Aber das Angebot ist sehr verlockend, ihr Vertrag als Lektorin an der Universität gerade abgelaufen. Das Studienstipendium belastet sie finanziell erheblich. Und vielleicht könnte sie auf Camino Island ein neues Buch schreiben.
Fazit: Der Erfolgsautor John GRISHAM beschäftigt sich sehr ausführlich mit der Situation des amerikanischen Buchhandels. Er wird von den Ketten und Amazon dominiert, und da eine Buchpreisbindung - wie in Deutschland oder Österreich - fehlt, haben kleine, unabhängige Buchhandlungen einen schweren Stand und halten sich durch Spezialisierung, wertvolle antiquarische Bücher und Autorenlesungen über Wasser.
Bei meinem ersten Buch habe ich gelernt, dass es viel einfacher ist, Romane zu schreiben, als sie zu verkaufen.
Der spektakuläre Diebstahl am Beginn und der Showdown am Ende bilden nur den Rahmen. Entsprechend flach ist die Spannungskurve des langen Mittelteils, dafür sehr informativ.
NB: Der amerikanische Krimiautor John DUNNING stellt mit der Figur des Ex-Polizisten Cliff Janeway (den GRISHAM als FBI-Agenten kurz erwähnt) einen Buchhändler und Antiquar in den Mittelpunkt. Und Petra DITTRICH beschreibt ihre Kleine Inselbuchhandlung
auf Rügen.
Urlaub bestand für Bruce darin, nach Neuengland zu reisen, um Antiquare in ihren staubigen alten Läden zu treffen und über den Buchmarkt zu debattieren. Er liebte seltene Ausgaben, vor allem von amerikanischen Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts, und sammelte sie voller Leidenschaft. Seine Sammlung wuchs immer weiter, nicht zuletzt weil es ihm schwerfiel, sich von etwas zu trennen. Er betrachtete sich durchaus als Händler, aber eben als einer, der vor allem kaufte. »Daddys alte Bücher«, die achtzehn Bände, die er aus dem Atelier seines Vaters gemopst hatte, bildeten eine wunderbare Grundlage für seine Raritätensammlung, die, als er vierzig wurde, einen Wert von zwei Millionen Dollar erreicht hatte.