
(The bookman's promise., 2004)
438 S., ISBN: 978-3-352-00744-6
Berlin: Rütten & Loening, 2007
Bewertung
Rezension
Wenn Bücher töten.
Cliff Janeway war Polizist bei der Mordkommission in Denver, die er unehrenhaft verlassen musste. Nun betreibt er ein Antiquariat und hat sich auf wertvolle Bücher, vor allem Erstausgaben, spezialisiert. Bei einer Auktion ersteigert er eine seltene Erstausgabe des berühmten Expeditionsreisenden Richard Francis Burton. Das wird in den Medien bekannt, und eines Nachmittags kommt eine fast hundertjährige Frau in seine Buchhandlung. Sie behauptet, daß das Buch ihr gehöre und Teil der Bibliothek ihres Großvaters Charles Warren sei. Ein Beleg dafür ist die Widmung Burtons an ihn im Buch.
Am Abend wird Janeway von der Quartiergeberin der Frau informiert, daß diese im Sterben läge und ihn und das Buch noch einmal sehen wolle. Sie weist Janeway auf eine Betreuerin in ihrem Altenheim hin, Koko, die mehr über die Sache wisse, und verstirbt.
Dramatisch wird die Sache, als am nächsten Tag die Quartiergeberin ermordet wird und das Buch verschwunden ist. Da sie eine Schwarze war und die Wohngegend eher verkommen ist, ist mit einem ernsthaften Versuch der Aufklärung durch die Polizei - es ist das Jahr 1987 - nicht zu rechnen. Janeway stellt daher eigene Nachforschungen an. Über Koko erfährt er von einem übel beleumundeten Buchhändler, der möglicherweise im Besitz der Burton-Bibliothek ist und sie behalten will.
Vor allem geht es um ein Notizbuch Burtons, in dem er eine dreimonatige Reise im Jahr 1860 - ein Jahr vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs - mit seinem Freund Warren durch den Süden der USA aufzeichnet. Keiner der zahlreichen Burton-Biografen hat diesen Charles Warren jemals erwäähnt. Auch diese Reise ist eine Lücke in der akribisch erforschten Reisetätigkeit Burtons. War Burton hier als Spion Englands unterwegs, das in dem aufziehenden Konflikt der Nord- und Südstaaten eine Chance für die Wiedergewinnung der Exkolonie sah?
Diese (wohl fiktive) Reise mit (dem ebenfalls fiktiven) Charles Warren wird in einem eher umfangreichen Kapitel des Buches sehr ausführlich beschrieben, sowohl, was die Personen als auch was die bereisten Orte angeht. In Charleston hätte Burton einen später kriegsauslösenden Rat gegeben: die Garnison von Fort Moultrie, das nicht zu verteidigen war, nach Fort Sumter zu verlegen.
Fazit: John DUNNING hat mit Cliff Janeway als Ex-Polizisten, der zum Buchhändler und Antiquar wird, eine interessante Figur geschaffen. Allerdings bildet die Krimihandlung nur die Folie. Ihm geht es eher um Richatd Francis Burton, mit dem er sich umfassend auseinandergesetzt hat. Ob es diese dreimonatige Lücke in der Biografie Burtons tatasächlich gibt, ob er bei seiner USA-Reise nicht direkt von Washington nach Utah gereist ist, sondern zuvor eine Reise durch einige Südstaaten unternommen hat, ist nicht einfach zu klären. Niemand erwähnt sie, und Dunning konstruiert eine Lücke, um eine eigene mögliche Geschichte von Burton zu erzählen. Das hebt die teilweise etwas ermüdende Krimihandlung auf ein anderes Niveau.
NB: Der amerikanische Erfolgsautor John GRISHAM beschäftigt sich in seinem Roman Das Original
mit einem Buchhändler und Antiquar und erwähnt Cliff Janeway.
Der Cop in mir wurde endlich munter. Hatte es sich bei Denises Mörder tatsächlich nicht um einen dahergelaufenen Einbrecher aus Denver gehandelt, der nur auf ein paar Dollar aus gewesen war? Falls der Mörder es auf das Buch abgesehen hatte, konnte er kein kleiner Fisch sein. Hatte alles hier begonnen, nicht in Denver? Falls ja, war Archer nahezu mit Sicherheit darin verwickelt. Und auch die Treadwells. Dante war ihr Vollstrecker, und ich hatte mich soeben freiwillig zur Zielscheibe gemacht.