Samuel BJØRK, Bitterherz.

Norwegen/Oslo/Thriller/

 Samuel BJØRK: Bitterherz.
Samuel BJØRK: Bitterherz.
(Gutten som elsket rådyr., 2018)
480 S., ISBN: 978-3-442-48227-6
Munch/Krüger 3
München: Goldmann, 2019
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Der Serienmörder mit der Kamera.
An einem einsamen Bergsee wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, gekleidet wie eine Balletttänzerin. Die sie auch tatsächlich am Nationaltheater in Oslo ist. Am Tatort steht eine auf die Tote gerichtete Kamera, in die Linse des Objektivs ist eine Zahl eingraviert. Der Chip allerdings ist entfernt, es gibt keine Aufnahmen.
Für diesen spektukalären Mord lässt der Polizeichef eine Spezialtruppe wieder auferstehen. Mit Holger Munch, der gerade mithilft, seine schwer verletzte Tochter gesund zu pflegen. Und mit Mia Krüger, die schwere psychische Probleme hat, seit ihre Zwillingsschwester an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Mia hat einen Alkoholentzug erfolgreich absolviert und will eigentlich in die Südsee reisen. Dort hofft sie wieder ins Leben zurückzufinden. Aber letztlich kann sie Munch und dem Fall nicht widerstehen.
Es gibt weitere Opfer: ein junger Mann, ein Priester. Sie verkörpern eine Figur in einer Szene, spielen eine Rolle. Immer ist eine Kamera dabei, mit einer eingeritzten Zahl im Objektiv. Aber was will der Täter sagen und darstellen?
Als Rezensent fragt man sich manchmal, ob und inwieweit Autoren einander zur Vorlage nehmen. Die vermisste tote Schwester und eine ähnliche Inszenierung der Serienmorde findet sich auch in David Baldaccis Thriller Abgetaucht, der allerdings in einer Kleinstadt in Georgia spielt. Aber möglicherweise sind solche Ähnlichkeiten des Plots reiner Zufall.
Fazit: Samuel BJØRK fokussiert im dritten Band seiner Serie um Holger Munch und Mia Krüger vor allem auf diese. Vielleicht wird sie die Sehnsucht nach ihrer Schwester und den Gedanken, im Tod wieder mit ihr vereint zu sein - Komm, Mia, komm - überwinden. Und vielleicht wird sie in die Südsee fahren.

Mia lief ziellos durch die Straßen, irritiert, zornig, geschockt, sie wusste nicht, wie sie ihre Empfindungen beschreiben sollte, sie fühlte sich kopflos. Sie hatte den Tag mit diesem Gedanken angefangen: Was, wenn er mich belügt? John Wold am Vorabend in der Kneipe. Er hatte die Skepsis in ihrem Blick gesehen. Verdammt, sie hatte es ihm ja gesagt. Es ist nicht Curry. Ich habe absolut nicht vor, euch irgendwie behilflich zu sein. Clever, was? Er hat einfach irgendeinen Mist erzählt, von dem er wusste, dass sie sich Gedanken darüber machen, Zweifel haben würde. Am Ende doch mitzumachen. Es geht da um eine Frau, sie ist Junkie. Du bist nicht informiert? Über deine Schwester? Sigrid. Drecksschwein. Und es hatte funktioniert. Der Schmerz nach dem Verlust. Die Sehnsucht. Er hatte ihre verletzlichsten Gefühle benutzt. Nur, damit sie Ja sagte.

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