Dennis LEHANE, Ein letzter Drink.

USA/Massachusetts/Krimi/

 Dennis LEHANE: Ein letzter Drink.
Dennis LEHANE: Ein letzter Drink. Ein Fall für Kenzie und Gennaro.   Neu 
(A drink before the war., 1994)
352 Seiten, ISBN: 978-3-257-30030-7
Kenzie & Gennaro 1
Zürich: Diogenes TB-Verlag, 2016
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ein amerikanischer Detektivroman.
Patrick Kenzie betreibt mit seiner Jugendfreundin Angela Gennaro ein Detektivbüro in Bostons rauhem Viertel Dorchester. Es befindet sich in einem Kirchturm, dessen Glocke verschwunden ist. Das Büro wird von den Senatoren Sterling Mulkern und Brian Paulson beauftragt, die Putzfrau Paulsons zu finden, die plötzlich verschwunden ist - und mit ihr offenbar brisante Dokumente. Bei den Dokumente handelt es sich um Fotos, die Paulson in einer sehr kompromittierenden Situation und gemeinsam mit dem Gangsterboss Marion Socia zeigen. Aber das wissen die Detektive noch nicht.
Es gelingt ihnen, die Putzfrau Jenna zu finden und ihr Vertrauen zu erlangen. Als sie eines der Fotos Kenzie übergibt und andeutet, daß die übrigen an einem sicheren Ort wären, wird sie erschossen. Kenzie selbst kommt knapp davon, aber der Mord löst einen Bandenkrieg aus. Kenzie und Gennaro überleben nur, weil jeder glaubt, sie hätten die Fotos.
Fazit: Der Debütroman von Dennis LEHANE erinnert thematisch und stlistisch an die klassischen amerikanischen Detektivromane etwa eines Raymond Chandler oder Dashiell Hammett - nur weitaus härter und brutaler. Und er geht über das klassische Setting hinaus und beleuchtet die Ungleichheit in den USA, die Chancenlosigkeit des Großteils der Schwarzen. Für ihn sind die Rassenkriege weniger Kriege zwischen Schwarz und Weiß, sondern das Aufbegehren der Verlierer gegen das Establishment, ohne daß sie zu einer gemeinsamen Strategie kommen könnten.
Aber es herrscht Krieg. Er findet auf den Schulhöfen statt, nicht in schicken Fitnessstudios. Er wird auf den Straßen ausgetragen, nicht auf gepflegten Rasenflächen. In diesem Krieg wird mit Metallrohren und Flaschen gekämpft und neuerdings auch mit Automatikwaffen. Und solange der Krieg sich nicht seinen Weg durch die schweren Eichentüren zu den Eliteschulen und Parlamentssitzungen und Geschäftsessen-plus-Martini bahnt, wird er nie wirklich existieren.
Und gerade in den unteren sozialen Schichten ist der Rassenhass besonders groß. Ein sehr verstörendes Bild des Amerikas der 1990er-Jahre, als die Flammen des Hasses loderten. Wieviel hat sich seither geändert?

Ich sah zu dem Jungen hinab, und ich fühlte Müdigkeit - schreckliche Müdigkeit - angesichts all des Sterbens, des kleinlichen Hasses, der Dummheit und völligen Abgestumpftheit, die diese letzte Woche bestimmt hatten. Es war wie ein Angriff, wie ein alles verschlingender Strudel gewesen. Ich hatte sie satt, die unnachgiebigen Debatten -Schwarz gegen Weiß, Reich gegen Arm, Schuldig gegen Unschuldig. Die Gehässigkeit und Sinnlosigkeit und Marion Socia und seine gleichgültige Grausamkeit - ich hatte sie satt. Ich war zu müde, um mich noch um moralische Fragen oder Politik zu kümmern. Nichts kümmerte mich mehr - außer den glasigen Augen dieses Jungen, der am Boden lag und nicht mehr zu wissen schien, wie man weint. Die Socias und die Paulsons, die Rolands und die Mulkerns dieser Welt hatten mich erschöpft, die Geister all ihrer Opfer verlangten in meinem Kopf nach Rechenschaft. Damit das Ganze ein Ende hätte.

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