Michaela ADELBERGER/Maren LÜBBKE [Hrsg.], Rebellinnen.

Tamara Bunke/Biografie/

Michaela ADELBERGER/Maren LÜBBKE [Hrsg.]: Rebellinnen.
Michaela ADELBERGER/Maren LÜBBKE [Hrsg.]: Rebellinnen. Leben als Aufstand.
235 S, ISBN: 3-927901-93-8
Frei und Frau
Mannheim: Bollmann, 1997
Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Rebell zu sein, sich gegen die herrschende Gesellschaftsordnung aufzulehnen, ist eine Rolle, die bei Männern nicht verwundert, Frauen hingegen nicht zugeschrieben wird. Die Rebellin ist eine Gesetzesbrecherin im doppelten Sinn, die Provokation liegt im Geschlecht begründet.
Der hier vor allem interessierende Beitrag über Tamara Bunke von Cordt Schnibben (zuerst unter dem Titel "Drei Leben in einer Haut", Der Spiegel 39/1996) bleibt weitgehend am Boden der wenigen bekannten Tatsachen über die deutsch-cubanische Freiheitskämpferin. Tamara, als Tochter deutscher Kommunisten, die aus Nazideutschland flüchten mußten, in Argentinien geboren. Als sie vierzehn ist, kehren die Eltern mit ihr und ihrem Bruder nach Deutschland, in die DDR zurück. Das Land erscheint ihr grau, sie vermisst die Buntheit Lateinamerikas. Aber sie engagiert sich in Jugendgruppen, Verbänden, der Partei. Denn sie will zurück nach Argentinien, um dort den revolutionären Kampf weiterzuführen.
Von der Revolution auf Cuba begeistert trifft sie auf Che Guevara. Es gelint ihr, eine Ausreiseerlaubnis für Cuba zu erhalten, und kurz nach der Invasion in der Schweinebucht kommt sie dort an. Auch hier setzt sie sich mit ganzer Kraft ein und wird schließlich beauftragt, Ches Befreiungskampf im Bolivien vorzubereiten. Sie schließt sich der Kampfgruppe an, wird mit einigen anderen von der Hauptgruppe und Che Guevara getrennt. Vom Militär und Spezialeinheiten gejagt wird sie schließlich in einem Hinterhalt am Rio Grande erschossen.
Fazit: Leider kommt Cordt Schnibben über diese Faktenaufzählung nicht wesentlich hinaus, die Besonderheit der weiblichen Rolle als Rebellin in diesem vorwiegend Männern vorbehaltenen Metier des Freiheitskampfes wird nicht klar.

Die in diesem Band versammelten Frauenfigurenm haben eines gemeinsam: Sie alle haben sich Waffen angeeignet, die nicht die ihren sind, und sie haben sich damit in einer Form radikalisiert, wie es ansonsten nur Männern vorbehalten ist. Das genau ist es, was sie in der Geschichte so außergewöhnlich erscheinen läßt. Die hier porträtierten Frauen hatten nicht nur im übertragenen, sondern auch im sprichwörtlichen Sinn "die Hosen an": sie schwangen Säbel oder Schwert, trugen den Colt am Gurt oder die Flinte an der Seite, führen Pistolen in der Handtasche griffbereit mit sich oder verließen sich einfach auf die eigenen Fäuste und fandendarin eigenwillige Protestformen. ... Daß eine Frau zur Waffe greift, kriminell wird, ist suspekt. (Vorwort)

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