Buchtipp : Wolfgang HOHLBEIN, Hagen von Tronje. (Rezension)

Wolfgang HOHLBEIN, Hagen von Tronje.

Mittelalter/Historischer Roman/

 Wolfgang HOHLBEIN: Hagen von Tronje.
Wolfgang HOHLBEIN: Hagen von Tronje.   Neu 
(zuerst 1986), 509 S., ISBN: 3-453-11654-2
München: Wilhelm Heyne, 1997
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Die Nibelungensage als Roman - das Schicksal von Gunther, Gernot und Giselher, von Siegfried und Hagen, von Kriemhild und Brunhild.
Hagen von Tronje, der Waffenmeister von König Gunther, kehrt nach einer Inspektionsreise im Reich der Burgunder nach Worms zurück. Etwa einen halben Tagesritt vor der Stadt wird er in einen Wald gelockt. Dort wohnt in einem Haus eine alte Frau - eine Hexe. Sie sagt ihm den Untergang des Burgunderreiches voraus.
Hagen ist verunsichert, erzählt Gunther aber nichts davon. Da trifft Siegfried von Xanten mit 12 geheimnisvollen Recken in Worms ein und fordert Gunther zum Kampf. Hagen kann die Situation entschärfen, traut aber Siegfried nicht. Siegfried bleibt als Gast ein Jahr am Hof. Aber sein Ziel ist, die Herrschaft über das Königreich zu erlangen und Kriemhild, Gunthers Schwester, zu heiraten.
Hagen zieht sich auf seine abgelegene Burg Tronje zurück. Aber Gunther ruft ihn wieder herbei. Die Brüder Lüdeger und Lüdegast, Könige des Sachsen- und Dänenlandes, erklären Burgund den Krieg. Ihre Heere sind zahlenmäßig weit überlegen. Siegfried plädiert für einen Überraschungsangriff auf die Dänen, die das kleinere Heer stellen, bevor sie sich mit den Sachsen vereinigen können. Er setzt sich durch und bringt Burgund praktisch im Alleingang zum Sieg. Indem er die beiden Brüder besiegt.
Als Dank fordert Siegfried die Heirat mit Kriemhild, die ihrerseits in Siegfried verliebt ist. Aber ein Gesetz besagt, daß keine Familienmitglied heiraten darf, bevor nicht der König verheiratet ist. Und so fordert Gunther Siegfrieds Unterstützung bei seiner Werbung von Brunhild, der Königin von Island. Brunhild fordert jeden Brautwerber auf, in drei Disziplinen gegen sie zu kämpfen - und bisher hat sie noch keiner besiegt. Siegfried kämpft verdeckt für Gunther und siegt - mit Hilfe seiner Zauberkräfte. Brunhild muß nach Worms ziehen. Dort soll zu Pfingsten die Doppelhochzeit Kriemhild/Siegfried und Brunhild/Gunther stattfinden.
Hagen spürt die Bedrohung des Burgunderreiches. Er ist Gunther verpflichtet, aber er hat Kriemhild versprochen, aud Siegfried aufzupassen. Somit ist er in einem unlösbaren Dilemma ...
Fazit: Wolfgang HOHLBEIN orientiert sich in dem Roman lose an der Nibelungensage, allerdings nur an ihrem ersten Teil. Er nähert sich der ursprünglichen Gestalt Hagens, der auch in den germanischen Sagenüberlieferungen und im Nibelungenlied eine zwiespältige, ebenso höfisch ehrbare wie oft brutal handelnde Figur ist. Es gelingt ihm, dieser im 1. Jahrtausend angesiedelten Sage spannendes Leben einzuhauchen. Ein lesenswerter historischer Roman.

Es kam Hagen vor, als wären Stunden vergangen, ehe er den Thronsaal erreichte. Kriemhilds Worte gingen ihm nicht aus dem Sinn, und er begann mit dumpfem Schrecken zu begreifen, daß sie viel mehr Wahrheit enthielten, als Kriemhild ahnen mochte. Es war ein Gutteil Eifersucht in seinen Gefühlen, Neid auf diesen strahlenden Helden [Siegfried], der sich mit dem Körper eines jungen Gottes, den ihm eine launische Natur geschenkt hatte, und mit einer Unverfrorenheit, die verblüffte, über alle Hindernisse hinwegsetzte und von Sieg zu Sieg eilte.

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