
(The Widow., 2025)
480 Seiten, ISBN: 978-3-453-27428-0
München: Heyne, 2026
Bewertung
Rezension
Das amerikanische Justizwesen. Verrottet und käuflich. Und ein Anwalt, der über seine Gier stolpert.
Simon Latch ist ein kleiner Anwalt im ländlichen Virginia, der sich mit Standard-Schriftsätzen und eintätigen Fällen aus dem Insolvenzrecht finanziell mühsam über Wasser hält. Sein Konto ist im Minus, seine Ehe im Scheitern - und seine Wettleidenschaft vergrößert seine Schulden.
Da kommt Eleanor Barnett, eine ältere Witwe, in seine Kanzlei. Sie möchte ein neues Testament. Das vorhandene, vom Anwalt gegenüber aufgesetzt, gefällt ihr nicht mehr - sie mißtraut Wally Thackerman.
Es geht um mehr als 16 Millionen Dollar, die ihr ihr verstorbener Gatte hinterlassen hat. Angelegt in Coca-Cola und Walmart-Aktien, die im Monat etwa einhundert Tausend Dollar abwerfen. Und sie hat praktisch keine Ausgaben.
Es ist also kein einfaches Testament, um das es hier geht. Und Latch wittert Geld. Da es keine Erben geben wird - die Söhne ihres Mannes werden nichts bekommen -, soll das Geld in einen Treuhandfonds eingebarcht werden. Allein verfügungsberechtigt ist Latch, was ein hübsches Einkommen in Zukunft ergibt. Und seine Probleme lösen wird.
Latch versucht, Ms. Barnetts Angaben zu überprüfen. Aber sie weigert sich, ihm Einsicht in ihr Konto oder Vermögensaufstellungen zu geben. Gelegentlich wirkt sie verwirrt, und im Straßenverkehr ist sie nicht mehr sicher und häuft Strafverfügungen an. Als sie nach einem selbstverschuldeten Autounfall verstirbt, scheint Latch am Ziel angelangt - das Testament umzusetzen und Geld zu verdienen.
Doch dann kommt alles anders. Ms. Barnett wurde vergiftet - und Simon Latch sieht sich mit einem Gerichtsverfahren wegen Mordes konfrontiert. Wird er sich aus dem Verdacht und der Anklage herauswinden können? Denn er ist unschuldig...
Fazit: John GRISHAM liefert eine realistische Story, so daß es sich auch um einen True-Crime-Roman handeln könnte. Nach matten 200 Seiten gelangt er auf das Terrain, das ihm liegt: Gerichtsverhandlungen und Justizwesen. Lesbar, wenn auch nicht zu seinen besten Romanen zählend.
Seine Gedanken schweiften ab. Als Mörder bezeichnet und vor Gericht gestellt zu werden, war selbst für jemanden, der schuldig war, ein höllischer Albtraum. Das Entsetzliche daran war die mögliche Strafe: Tod durch die Giftspritze oder Jahrzehnte im Gefängnis. Für einen Unschuldigen jedoch war diese Farce erdrückend und surreal. Simon sagte sich immer wieder, dass das alles nicht wirklich passierte, dass die Richterin in einem entscheidenden Moment alles abbrechen, die Jury endassen, die Staatsanwäldn rügen und den Angeklagten auffordern würde, das Gerichtsgebäude zu verlassen, als Unschuldiger. Ach, übrigens: Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten. Doch mit jeder Stunde, die verging, gewöhnte er sich an die Rolle des Angeklagten. Die Mühlen der amerikanischen Justiz mahlten mitunter langsam, doch wenn die verschiedenen Elemente schließlich zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort — im Gerichtssaal — zusammenkamen, war die Katastrophe nicht mehr abzuwenden.