Buchtipp : Jo NESBØ, Minnesota. (Rezension)

Jo NESBØ, Minnesota.

USA/Krimi/

 Jo NESBØ: Minnesota.
Jo NESBØ: Minnesota.   Neu 
(Minnesota, 2026)
416 Seiten, ISBN: 978-3-550-20309-1
Berlin: Ullstein, 2026
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Detective Bob Oz ist traumatisiert, einsam und wenig sympathisch. Er trinkt zu viel und sucht One-Night-Stands, um zu vergessen.
Oz kann den Unfalltod seiner dreijährigen Tochter nicht akzeptieren - auch, weil seine Frau Alice ihn nach einer 12-jährigen Ehe verlässt. Nur die Polizeiarbeit kann ihm noch Stütze geben und ihm helfen, seine Dämonen im Zaum zu halten.
Dann wird ein Waffenhändler angeschossen, der trotz der liberalen Waffengesetze in Minnesota illegal Waffen verkauft. Oz will den Fall übernehmen, aber das Morddezernat ist nicht zuständig - kein Mord. Und er wird wegen einer Auseinandersetzung mit einem gehörnten Ehemann suspendiert.
Doch Oz kann von dem Fall nicht lassen. Vor allem, als weitere Morde passieren. Vor allem für seine junge Kollegin Kay Myers ist er eigentlich unverzichtbar, obwohl Oz eher ein Einzelkämpfer ist. Der Hauptverdächtige ist Tomás Gomez, ein ehemaliges Clanmitglied, dessen Familie bei einer Clan-Schießerei getötet wurde. Und er ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Die Opfer haben mit der NRA, der Waffenlobby zu tun. Vielleicht ist es ein Kampf gegen sie. Der Höhepunkt scheint an Anschlag auf den Bürgermeister zu werden, der bei einer NRA-Veranstaltung eine Rede halten will. Und doch kommt alles anders...
Fazit: Jo NESBØ hat sein Nordic Noir verlassen und verlegt seine Geschichte in die Weite des amerikanischen Mittleren Westens. Er spart auch nicht an Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen der USA - sehr norwegisch. Und sein Protagonist Bob Oz ist Harry Hole, dem Protagonisten der gleichnamigen Erfolgs-Serie, sehr ähnlich. Und hat norwegische Wurzeln. Etwas verwirrend ist, daß die Handlung teilweise aus einer Ich-Perspektive des Täters beschrieben wird.
Wie aus diesem Krimi allerdings eine Serie werden soll, ist nicht ganz vorstellbar. Und Nesbo ist ein wenig historisch unkorrekt: 2016 hat es in Mineapolis bereits eine Schnellbahn gegeben - die sich Oz an einer Stelle wünscht.

Während die Reichen in den letzten dreißig Jahren extrem reich geworden waren, stagnierten die verfügbaren Realeinnahmen der Mittelklasse. Dabei waren die Kosten für Ausbildung, Gesundheit und das tägliche Leben förmlich explodiert. Wenn junge Menschen nicht die gleichen Aussichten auf eine Ausbildung hatten, standen sie am Anfang des Rennens nicht gemeinsam an der Startlinie. Der Traum, den dieses Land versprach, wurde ihnen mehr und mehr ausgetrieben. Kevin Patterson glaubte aber trotzdem an eine bessere Welt. Mit ganzer Seele. Wie er an die Freiheit des Individuums glaubte. Deshalb war er auch überzeugt davon, dass man, solange diese bessere Welt noch nicht erreicht war, als hart arbeitender Mann oder Frau das Recht haben musste, sich und sein Eigentum zu beschützen. Seine Unterstützung der NRA war also nicht der opportunistische Versuch, Stimmen zu sammeln, wie einige seiner Parteigenossen meinten.

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