
(An island Christmas., 2018)
391 Seiten, ISBN: 978-3-492-31510-4
München: Serie Piper, 2019
Bewertung
Rezension
Zu Weihnachten werden Träume wahr. Aber nicht immer. Und manchmal nur beinahe.
Die schottische Insel Mure (vermutlich Isle of Mull) ist im Dezember noch unwirtlicher als sonst. Es regnet und stürmt andauernd. Schnee fällt wenig - und der wird gleich vom Wind verweht.
Aber in der Vorweihnachtszeit ist es anders. Die Menschen haben Zeit füreinander. Sie treffen sich in Floras Café, wo Unmengen an Früchtebrot gebacken - und verkauft werden. Oder im Hotel Gabour's Rest
, das auch Pub und Treffpunkt bei allen Schlüsselmomenten des Lebens ist. Etwas nachlässig geführt wird es von der Isländerin Inge-Britt.
Flora hätte allen Grund, zufrieden zu sein. Das Café floriert, der Umsatz past. Aber - Flora ist schwanger. Ungewollt und ungeplant. Der Vater ist Joel Binder, mit dem sie irgendwie in einer Beziehung ist. Aber wie soll sie es ihm sagen? Und Wann?
Joel ist Anwalt. Flora hatte in seiner Kanzlei am Festland gearbeitet, aber dann doch wieder Sehnsucht nach dem Land seiner Vorväter bekommen. Und Joel ist schwierig. Er hat eine schwere, gewaltbetonte Kindheit bei Pflegefamilien und -heimen gehabt. Er kapselt sich ein und weißt eigentlich nicht, wie er mit Menschen umgehen soll. Und er fürchtet, daß er es nicht kann. Und ein Kind haben?
Colton Roger ist eigentlich der Inselkönig. Der Amerikaner war nach Mure gekommen, um in Windparks auf der Insel zu investieren. Er verliebte sich in die Insel und wollte mit dem Hotel The Rock
den Tourismus ankurbeln. Joel ist sein Anwalt, der das steuern soll.
Aber dann wurde bei Colton Krebs in seiner übelsten Form diagnostiziert. Unheilbar. Er wird sterben. Auch er hatte keine schöne Kindheit. Sein Vater verachtete ihn, weil er schwul war. Und sein Bruder Tripper machte ihm das Leben zur Hölle, wo er nur konnte. Sobald es möglich war, bracht Colton mit seiner Familie und wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann
Doch nun liegt er im Bett, gepflegt und umsorgt von seinem Ehemann Fintan, Floras Bruder. Der Inselarzt Dr. Saif versorgt ihn mit Morphium, um die Schmerzen erträglich zu halten. Saif ist ein Migrant aus Syrien, dem mit seinen zwei Söhnen die Flucht gelang. Allerdings verlor er dabei seine Ehefrau, um die er immer noch trauert. Denn er weiß nicht, ob sie noch lebt. Sein älterer Sohn hat Probleme mit der Integration. Sein Vater und er wissen nichts mit Weihnachten anzufangen.
Lorna, die Leiterin der kleinen Inselschule, ist verliebt in Saif. Kurzfristig schien es, als könnten sich die Beiden näher kommen. Aber Saif ist von seiner Liebe zu seiner Frau gefangen. Eine andere Beziehung ist ihm nicht möglich, solange er nichts von ihrem Schicksal weiß. Lorna muß sich zurückhalten - so schwer ihr das auch fällt. Und dem älteren Sohn eine größere Rolle im Krippenspiel zuzuteilen ist leider keine gute Idee.
Und dann kommt auch noch Coltons Bruder Tripper auf die Insel. Er hat vom möglichen Tod seines Bruders erfahren und möchte für die Familie etwas herausholen. Er benimmt sich wie ein rüpelhafter Amerikaner. Und Colton lehnt ein Treffen ab, denn er hat mit der Familie gebrochen.
Weihnachten steht vor der Tür. Und die Situation ist schwierig. Gibt es eine Auflösung? Ein Weihnachtswunder?
Fazit: Jenny COLGAN ist eine stimmige, aber nicht kitschige Weihnachtsgeschichte gelungen. Es löst sich manches, aber nicht alles in Wohlgefühlen auf. Schließlich wird es ja einen Band vier geben... Nur die kleine Sommerküche
gibt es eigentlich nicht.
Nach außen hin wirkte Joel so professionell - clever, fit, ausgeglichen. Nur sehr wenige Menschen wussten, wie es in seinem Inneren brodelte, wie schwer es ihm fiel, diese Fassade aufrechtzuerhalten. Und dass er nun zum ersten Mal verliebt war, machte plötzlich alle Risse im Gebäude sichtbar.
Mark war absolut dafür, sich mit all seinen Rissen zu zeigen. Seiner Meinung nach war es die einzige Möglichkeit, den Heilungsprozess in Gang zu setzen.