
(Murder on the Christmas express., 2022)
331 Seiten, ISBN: 978-3-608-50259-6
Stuttgart: Tropen, 2024
Bewertung
Rezension
Der Christmas Express heißt so, weil er zu Weihnachten London mit Schottland verbindet. Und weil am Ende fast alles gut wird.
Schneechaos sei Dank. Denn so kann die pensionierte Kommissarin der Metropolitan Police, Roz, gerade so ihren Nachtzug erreichen. Sie muss unbedingt von London ins schottische Fort William kommen - rechtzeitig zur Geburt ihrer Enkelin. Mit ihr im Schlafwagen befinden sich unter anderem
- eine junge Influencerin,
- ein narzisstischer Reality-TV-Star,
- eine schlagfertige alte Dame samt Katerchen,
- eine reichlich dysfunktionale Familie
- und der Staatsanwalt Craig.
Mit ihm hatte Roz in ihrer Jugend eine kurze Affäre - und ihre Tochter. Doch dann entgleist der Zug plötzlich im dichten Schneetreiben in einer Schneewächte. Und während die Geburt von Roz Enkelin immer dramatischer verläuft, sterben an Bord drei Personen - Mord? Roz muß noch einmal in ihre Polizistenrolle schlüpfen. Und am Ende gegen ihre Pflicht handeln, um einen anderen Menschen zu schützen.
Fazit: Alexandra BENEDICT verhandelt in diesem Kriminalroman die Gewalt von Männern gegen Frauen. Gegen die sich zu wehren, sie anzusprechen, werden Mädchen nicht erzogen. Sie sind selbst schuld, haben etwas falsch gemacht. Ein bedrückend zu lesendes Buch, das nur bedingt zu einem weihnachtlichen Frieden findet.
»(...) Eine Frau sollte keinen Leibwächter brauchen. Und es wird auch Zeit, dass wir endlich aufhören, uns ständig den Kopf darüber zu zerbrechen, was wir alles hätten tun müssen. Die Männer müssen aufhören, uns zu vergewaltigen.«
Beide schwiegen einen Augenblick. Beide wussten, dass es dazu nicht kommen würde.
Dabei wusste Ember genau, was passiert wäre. Es passierte jeden Tag vor Gericht: Die Anwälte drehten den Opfern die Worte im Mund herum. Ihr Leben und die Ereignisse und sie hätten sich zu einem unentwirrbaren Knoten verheddert. Hinterher hätte sie sich noch missbrauchter und geschundener gefühlt als vorher. Sie hatte sich selbst geschützt. Sonst niemanden. Wäre er nicht gestorben, wären ihm noch mehr Frauen zum Opfer gefallen.
Jetzt war er tot. Vielleicht konnte sie jetzt endlich sprechen.