
(An English Murder., 1951)
254 Seiten, ISBN: 978-3-404-18922-9
Köln: Bastei-Lübbe, 2022
Bewertung
Rezension
Ein altes Herrenhaus in der Proviz. Der Hausherr, der im Sterben liegt. Und vier Gäste, die einander nicht leiden können. Englische Weihnachten.
Für Lord Warbeck ist es wohl das letzte Weihnachtsfest auf Warbeck Hall, denn er liegt im Sterben. Aber er hat vier Personen eingeladen, die er irgendwie als Familie sieht:
- sein Sohn Robert, der Vorsitzender der Liga für Freiheit und Gerechtigkeit
, einer rechtsgerichteten Organisation, ist;
- Sir Julius Warbeck, der Vetter des Lords, Schatzkanzler der gegenwärtigen Regierung und Sozialist;
- Lady Camilla, eine Nichte des Lords, die irgendwie eine Beziehung mit Robert hat und nun Klarheit will;
- Mrs. Carstairs, Gattin eines verdienstvollen, aber unbeliebten Mitarbeiters von Sir Julius, der gerade in den USA ist.
Nicht direkt zu den Gästen des Weihnachtsfestes zählt Dr. Bottwink, Historiker, Österreicher und Überlebender eines Konzentrationslagers. Er will ein Dokument aus dem 18. Jahrhundert erforschen.
Dann gibt es noch Rogers, Sergeant bei Scotland Yard, der Personenschützer von Sir Julius, Briggs, den Butler und seine Tochter Susan, die einiges durcheinanderbringen wird.
Es setzt starker Schneefall ein, der das Landgut vom Dorf abschneiden und isolieren wird. Das Weihnachtsessen - an dem der Lord selbst nicht teilnehmen kann - verläuft gespannt. Und als Robert sein Glas Champagner zum Geläut der Weihnachtsglocken trinkt, fällt tot um. Zyankali. Rogers, der ja Polizist ist, muß die Ermittlungen zunächst übernehmen, da ein Kontakt mit den örtlichen Polizeikräften nicht möglich ist. Aber dem Täter auf die Spur kommt Dr. Bottwink.
Fazit: Der Krimi von Cyril HARE (= Alfred Alexander Gordon Clark, 1900-1958) ist ein typischer englischer Weihnachtskriminalroman. Ein abgelegenes Landgut, eingeschneit und isoliert. Gäste, von denen einer der Mörder sein wird. Durchschnittlich spannend, aber schön am Kamin zu lesen.
Absolute Stille umschloss das weitläufige alte Herrenhaus. Draußen regte sich kein Lüftchen, das den dichten Nebel hätte vertreiben können, der sich über die schneebedeckte Landschaft gelegt hatte. Kein Laut drang durch die eiskalte Luft. Camilla Prendergast stand am Fenster von Lord Warbecks Schlafzimmer und blickte über eine Welt, in der das Leben zum Stillstand gekommen zu sein schien - eine konturlose, farblose Welt, die allem Anschein nach keine Grenzen kannte. Es war schwer vorstellbar, dass jenseits der weißen Endlosigkeit das Leben weiterging; (...) dass die Menschen in ganz England, die dem Frost und Schnee trotzten, versammelt waren, um das Weihnachtsfest in Liebe und Zufriedenheit zu feiern. Noch schwieriger war die Vorstellung, dass diese absolute Isolation nur vorübergehend war ...