Buchtipp : Ragnar JÓNASSON, Nebel. (Rezension)

Ragnar JÓNASSON, Nebel.

Island/Krimi/

 Ragnar JÓNASSON: Nebel.
Ragnar JÓNASSON: Nebel.
Hulda-Trilogie 3  Neu 
(Mistur., 2017)
350 Seiten, ISBN: 978-3-442-75862-3
München: btb Verlag, 2020
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ein einsamer Bauernhof in Ostisland. Ein geschmückter Weihnachtsbaum. Und zwei Leichen.
In einem abgelegenen Bauerhof im Osten Islands werden im Februar zwei Leichen entdeckt: Einar und Erla, die Besitzer und Bewohner, wurden um Weihnachten 1987 ermordet. Da der Hof im Winter oft für längere Zeit nicht erreichbar ist, wurden die Toten erst jetzt entdeckt, weil sie zu lange schon nicht mehr im Ort gesehen wurden.
Aber wer war der Dritte, der wahrscheinliche Mörder? Sein Auto wird gefunden, steckengeblieben in einer Schneewächte. War er zu Fuß unterwegs und kam dabei um?
Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei in Reykjavik, wird mit dem Fall betraut. Sie hat selbst mit einem furchtbaren Erlebnis zu leben: ihre 13-jährige Tochter nahm sich zu Weihnachten das Leben. Hulda entdeckt eine Verbindung zu einem anderen Fall, wo im Sommer eine junge Frau verschwunden ist. Sie wollte zwischen Schulabschluss und Universitätsbeginn ein Jahr Freiheit und Unabhängigkeit genießen, eventuell einen Roman schreiben. Hat sie ihren Vater auf dem Bauernhof gesucht?
Fazit: Ragnar JÓNASSON gelingt hier ein spannender Einblick in das Leben in Island in den 1980er-Jahren. Die unvorstellbare Einsamkeit und Verlassenheit auf dem Hof, der im Winter nur schwer erreichbar ist und dessen Verbindung zur Welt das Telefon und das Radio sind. Und Elga, die aus der Stadt kommt und nicht mit diesem Leben fertig wird. Das Leben in Island ist abseits der wenigen Städte unvorstellbar hart und herausfordernd. Auch deshalb werden immer mehr Höfe aufgegeben.
Der dritte Band der Hulda-Trilogie ist eigentlich der Anfang.

Nach und nach wurde ihr bewusst, wie trocken und muffig die Luft in diesem fensterlosen, geschlossenen Raum war, und sie fragte sich, ob sie nicht einen schrecklichen Fehler gemacht hatte. Das Gespenst der Klaustrophobie erhob sein Haupt. Erla hatte immer bewusst gegen das Gefühl des Eingeschlossenseins ankämpfen müssen, wenn der Hof im Winter eingeschneit war, aber jetzt stieg die alte Panik erneut in ihr auf und raubte ihr den Atem. Eiskalt war es auch. Bei diesen Temperaturen würde sie nicht lange überleben - selbst mit noch so vielen Konserven.

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