
(The Terror., 2007)
989 S., ISBN: 978-3-453-02905-7
München: Heyne, 2007
Bewertung
Rezension
1845 macht sich Sir John Franklin mit 129 Mann und den modernsten Dampfschiffen seiner Zeit, der HMS Erebus und der HMS Terror, beide mit einer Panzerung gegen das Eis versehen, auf, um die legendäre Nordwest-Passage zu finden.
Schon viele Forscher haben sich vor ihm auf die Suche nach der eisfreien Verbindung zwischen Europa und Alaska begeben - und sind daran gescheitert. Die britische Admiralität will es nochmals versuchen. Aber von dieser Expedition wird niemand zurückkehren, trotz zahlreicher Suchaktionen bleiben die Teilnehmer verschollen und ihr Schicksal ungeklärt.
Simmons entwickelt hier seine Vorstellung vom Verlauf dieser Expdeition, der Ursache ihres Scheiterns und dem Verschwinden der Teilnehmer. Es ist ein spannender, historisch stimmiger (nur Zahnbürsten gab es zu dieser Zeit sicher nicht) Bericht über die Schiffe, die 1846 vom Eis eingeschlossen werden, über die Qualen der Mannschaft in dieser Eishölle, über den Versuch, einfach nur zu überleben.
Der Sommer 1847 gibt die Schiffe nicht frei, die Nahrungsmittel - teilweise sind die Konserven verdorben - und die Kohle gehen zur Neige, die Versuche, Frischfleisch durch Jagd zu erlangen, scheitern. Sir John ist ums Leben gekommen, und sein Nachfolger als Expeditionsleiter, Kapitän Francis Crozier, beschließt, die Schiffe aufzugeben.
Die Mannschaft soll sich zu Fuß zur nächsten rund 800 km entfernten Siedlung durchschlagen. Die Beiboote werden in der Hoffnung mitgeschleppt, unterwegs offenes Wasser zu finden. Zusätzlich werden die Menschen noch von einer urzeitlichen Bestie bedroht, der etliche Besatzungsmitglieder zum Opfer fallen.
Diese spannende Schilderung aus den unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Expeditionsmitglieder ist gut gelungen und hätte für den Roman ausgereicht. Aber Simmons sucht eine Erklärung für das Verschwinden, will eine Auflösung dieses Rätsels und glaubt sie in dem urzeitlichen Monster zu finden. Doch leider gleitet hier das Buch im letzten Viertel zu sehr ins Mystische ab und verliert sich im ewigen Eis. Dabei hätten die wahrscheinlichen Ursachen des Scheiterns genügt: Erkrankungen durch Skorbut und Hunger, Erschöpfung, Nahrungsmangel, ungewöhnlich kalte Winter und Sommer.
Fazit: trotz der sehr künstlichen Auflösung unbedingt lesenswert für alle, die schon immer wissen wollten, wie man in Dunkelheit und ewiger Kälte leben kann.
Das Wesen richtete sich langsam auf die Hinterbeine auf. Der Eislotse war überzeugt davon, dass die Ursprünge dieses dunklen Geschöpfs aus Haaren und Muskeln mit den vom Sonnenuntergang gefärbten Klauen und den schwach schimmernden Zähnen viel weiter in die Vergangenheit zurückreichten als jede Erinnerung der Menschheit an ihre Frühgeschichte. Seine Augen, die tiefschwarz in der schwarzen Silhouette verschwanden, spiegelten das Licht der sterbenden Sonne nicht wider. Eine Minute lang ragte es wie ein Turm vor ihm auf, dann stürzte es nach vorn.