
Ihre Majestät ermittelt 3 Neu
(Death at Windsor Castle. Her Majesty Investigates., 1998)
512 Seiten, ISBN: 978-3-404-18581-8
Köln: Lübbe, 2022
Bewertung
Rezension
Windsor war immer ihr Lieblingsschloß. Nun verdirbt ein Toter die Ascot-Woche.
Die Königin will zwei neue Mitglieder des Hosenband-Ordens auf Schloß Windsor ernennen. Doch kurz vor der Zeremonie wird die Leiche des Kunstkurators Roger Pettibon im Thronsaal gefunden - erstochen mit einem Schwert, das einem Mitglied des Ordens gehört. Um sein Knie war außerdem ein royales Hosenband, das nur Mitglieder des Ordens tragen dürfen, gebunden.
Der Porträtmaler Victor Fabiani ist ein temporärer Bewohner im Schloß. Er malt gerade ein Porträt ihrer Majestät. Und er bekennt sich völlig unerwartet zu der Tat. Motiv war eine angebliche Erpressung durch Pettibon. Fabiani soll in seiner Jugend Zeichnungen von da Vinci, die sich in der königlichen Sammlung befinden, gefälscht haben. Aber das Hausmädchen Jane Bee aus Kanada glaubt nicht an seine Schuld und will seine Unschuld beweisen.
Kein einfaches Unterfangen. Denn es gibt ein Geständnis - um jemanden zu schützen, wie Jane glaubt. Aber niemald will ihr glauben, und die Polizei ist froh, den Fall rasch geklärt zu haben. Auch die Königin zweifelt. Doch dann entpuppt sich Pettibon als gar nicht netter Mensch. Er hat junge Mädchen sexuell bedrängt, darunter auch seine Stieftochter. Somit könnte deren Mutter ein Motiv gehabt haben - aber sie kommt bei einem Brand ums Leben.
Fazit: Auch der letzte Band der Trilogie um die Ermittlungen ihrer Majestät von C.C. BENISON ist etwas zäh zu lesen. Nach einem durchaus schwungvollen Beginn zieht sich der Mittelteil und kreist um die Frage, wie die Unschuld eines Geständigen bewiesen werden kann. Hier wäre eine Straffung sinnvoll gewesen. Die Aufklärung konzentriert sich auf die Frage, wie notwendig das Bekenntnis zur Wahrheit ist. Der Ermordete hat irgendwie den Tod verdient, wobei Selbstjustiz nicht tragbar ist. Wenn Lebende und Tote gleich verdächtig sind, braucht man dann noch eine absolute Wahrheit?
Hinweis: Auch Arnaldur INDRIÐASON und Andrea CAMILLERI befassen sich mit der Frage der Unbedingtheit der Wahrheit. Ein interessantes Zusammentreffen.
Warum, fragte ich mich keine zehn Minuten später, während mir das Wasser über die Duschhaube auf meinem Kopf rauschte (na ja, eher sprühte; englische Duschen sind ziemlich schwach), sollte jemand solch eine Abneigung gegen Roger Pettibon empfinden, dass er ihn plötzlich und gewaltsam aus dieser Komödie befördern wollte, die wir Leben nennen?
Pettibon hatte wie ein ganz gewöhnlicher Mann gewirkt, ehrlich. Er war nett, höflich, freundlich und sanft gewesen.