Buchtipp : Fenja LÜDERS, Der Traum von Freiheit. (Rezension)

Fenja LÜDERS, Der Traum von Freiheit.

Hamburg/Roman/

 Fenja LÜDERS: Der Traum von Freiheit.
Fenja LÜDERS: Der Traum von Freiheit. Speicherstadt-Saga.
Speicherstadt-Saga 3  Neu 
444 Seiten, ISBN: 978-3-7857-2686-0
Köln: Lübbe, 2021
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Aber nur wenige wollen es glauben.
Hamburg in den 1930er und 40er-Jahren. Der Aufstieg der Nationalsozialisten ist unaufhaltsam. Sie haben die Mehrheit in der Bürgerversammlung, stellen den Bürgermeister. Die Wände haben Ohren. Wer versucht, Widerstand zu leisten, wird verhaftet. Heiko, Minas Jugendfreund und in der Wolle gefärbter Sozialist, tritt der Partei bei - nicht aus Oportunismus, sondern um anderen weiterhin helfen zu können. Denn die Judenverfolgung hat begonnen.
Anton, der Gatte von Minas Schwester Agnes, ist Jude. Aber auch er will die Gefahr nicht sehen und weigert sich, Deutschland zu verlassen. Aber er verliert sämtliche Engagements als Musiker. Frederik, Minas Gatte, zu dem sie inzwischen ein fast freundschaftliches Verhältnis hat, betreibt einen Nachtclub in Berlin. Auch er warnt Mina, denn er hat entsprechende Einblicke. Nach einem Brand in seinem Nachtclub wird er offiziell für tot erklärt, flüchtet aber ins Ausland.
Mina, nun Witwe, heiratet am 1. November 1938 ihre Jugendliebe Edo. Dieser ist von Amerika zurückgekommen und hat im 1. Weltkrieg freiwillig gekämpft. Er wurde schwer verletzt in einem Krankenhaus von Heiko gefunden und wohnt in der ehemaligen Kutscherwohnung auf Minas Anwesen. Und der Krieg bricht aus. Der Kaffeehandel wird verstaatlicht. Hamburg wird schwer bombardiert. Mina steigt auf Kautschukhandel um, was sie für eine Weile über Wasser hält. Erst 1948 geht es mit einer neuen Firma wieder bergauf.
Heute, am 22. September 1948, beginnt die Firma Peters, Franke & Rose, Kaffeehandel und Rösterei in Hamburg ihre Arbeit. Die Zukunft liegt vor uns, möge sie für uns alle friedlich und erfolgreich werden.
Fazit: Fenja LÜDERS gelingt es, durchaus berührend, diese schwere Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft plastisch zu schildern. Ihre Protagonisten wollen sich teilweise nicht vorstellen, was alles möglich ist - und auch passiert. Das erinnert durchaus an heutige Zeiten, in denen die Bedrohung etwa der Demokratie nicht ernst genommen wird. Die Geschichte kehr zurück - aber nicht als Farce.
Historisch ist der Roman manchmal etwas oberflächlich oder ungenau. So ist es nicht vorstellbar, daß Mina gegen Kriegsende noch Benzin für ihr Auto bekommt. Aber trotzdem lesenswert!

Mina verabschiedete sich mit Handschlag von ihm. »Vielen Dank noch mal, Herr Klemperer«, sagte sie. »Bleiben Sie gelassen, und denken Sie daran - letztlich setzt sich Qualität durch. Wir Hamburger Kaufleute mögen ja manchmal konservativ denken, aber gleichzeitig sind wir immer tolerant gewesen. Wenn Sie nur mal an die jüdischen Kaufleute in der Speicherstadt denken: Wenn die nicht mehr da wären, wäre fast die Hälfte der Kontore leer. Also Kopf hoch, es kommen auch wieder bessere Zeiten.«
Doch die besseren Zeiten ließen auf sich warten, das wurde Mina in den folgenden Tagen und Wochen immer klarer. Im Gegenteil, der Griff der Nationalsozialisten auf das, was von der Republik übrig war, wurde fester und reichte immer weiter in das tägliche Leben hinein.

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