Buchtipp : Fenja LÜDERS, Der Duft der weiten Welt. (Rezension)

Fenja LÜDERS, Der Duft der weiten Welt.

Hamburg/Historischer Roman/

 Fenja LÜDERS: Der Duft der weiten Welt.
Fenja LÜDERS: Der Duft der weiten Welt. Speicherstadt-Saga.
Speicherstadt-Saga 1  Neu 
317 Seiten, ISBN: 978-3-431-04125-5
Köln: Lübbe, 2019
Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Kaffee muß man im Blut haben - aber auch eine Frau kann das.
Wilhelmine, genannt Mina, ist die Tochter des Kaffeehändlers und Kaufmanns Karl Deharde. Nach dem Tod ihrer Mutter steht sie ihrem Vater sehr nahe und interessiert sich für das Geschäft - was 1912 für eine gerade 18-jährige als sehr unschicklich gilt. Sie fährt mit der Straßenbahn (was ihre Großmutter empört) und verbringt Nachmittage im Kontor ihres Vaters, wo sie versucht, so viel wie möglich über den Kaffeehandel zu lernen. Aber sie und ihr Vater wissen, daß sie als Frau das Geschäft nicht wird übernehmen können. Ihr Vater will es unbedingt bewahren - aber er hat keinen männlichen Erben.
Gleichzeitig träumt Mina von einem eigenen, unabhängigen Leben, in dem sie studiert und vielleicht Ärztin wird. Ein Angestellter des Kontors, Edo, in den sie sich verliebt hat, malt ihr eine gemeinsame Zukunft der unbegrenzten Möglichkeiten in den USA. Mit ihm den Kaffeehandel zu übernehmen ist ebenso unmöglich, da er aus keiner der Kaufmannsfamilien stammt.
Als ihr Vater erkrankt steht Mina vor der Entscheidung ihres Lebens: Soll sie mit Edo nach Amerika gehen in der Hoffnung, daß sich der Traum der Unabhängigkeit erfüllen wird? Oder muß sie ihrem Pflichtbewußtsein folgen, Frederick, den Sohn eines Kaffeepflanzers, heiraten und mit ihm das Geschäft weiterführen?
Fazit: Fenja LÜDERS legt einen flüssig zu lesenden Gesellschaftsroman vor, der zwar nicht große Literatur ist, aber die Probleme und Einschränkungen des Frauenlebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachdrücklich schildert. Manches erscheint zum Glück überwunden. Aber auch heute noch ist es scheints nicht selbstverständlich, Frauen dieselben Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten zuzugestehen wie Männern. Nein, das ist kein Frauenroman, sondern ein Roman über Unabhängigkeit vs Pflichten, und über den Versuch, beides zu vereinigen.

Sie zögerte. Was tun? Sollte sie ehrlich sein? Die Karten auf den Tisch legen? War das fair gegenüber Frederik, der ihr nichts getan hatte? Ihr sogar durch die Krankheit des Vaters zur Seite gestanden hatte? Aber hier ging es um Wichtigeres als Frederiks Stolz, beschloss sie. Hier ging es um die Familie. [...]
»Vater sagt immer, ich hätte Kaffee im Blut. Ich fürchte, das hat er nicht.«

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