Arnaldur INDRIÐASON, Das Mädchen an der Brücke.

Island/Krimi/

 Arnaldur INDRIÐASON: Das Mädchen an der Brücke.
Arnaldur INDRIÐASON: Das Mädchen an der Brücke.
(Stúlkan hjá brúnni., 2018)
384 Seiten, ISBN: 978-3-7857-2711-9
Kommissar Konrad 2
Köln: Lübbe, 2020
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Isländer glauben an Trolle.
Kommissar Konráð ist ist zwar pensioniert, wird aber trotzdem von einem Ehepaar um Rat gebeten. Seine Frau Erna war mit der Frau befreundet gewesen, die auch in der Politik Islands eine Rolle gespielt hat. Ihre Enkelin Danní ist verschwunden. Und es scheint, als wäre sie Drogenschmugglerin gewesen.
Konráð selbst ist noch immer mit dem Mord an seinem Vater, einem Kleinkriminellen, beschäftigt. Dieser hatte, gemeinsam mit Engilbert, bei spirituellen Sitzungen viel Geld verdient. Sie hatten sich zerstritten, aber sind Jahre später und nicht lange vor dem Tod von Konráðs Vater wieder zusammengekommen. Engliberts Tochter Eyglós hat ihm davon berichtet. Sind sie vielleicht wieder aneinander geraten und Englibert hat Konráðs Vater erstochen? Aber das wird sich nicht klären lassen, denn Englibert ist mittlerweile auch verstorben.
Konráðs Vater hatte seine Schwester Beta sexuell bedrängt, woraufhin die Mutter und die Schwester nach Ostisland zogen und Konráð bei seinem Vater zurückließen. Das konnte er ihnen nicht verzeihen, stand zu seinem Vater - bis er die Gründe erfuhr. Damit endete auch sein Interesse an der Aufklärung seines Todes.
Eyglós ist Seherin, und sie sieht sich mit einem Mädchen konfrontiert, das sie als Kind kannte und das vor vielen Jahren bei der Brücke im Reykjavíker Stadtteich Tjörnin ertrank - ein Unfall. Eyglós konfrontiert Konráð mit ihren Ahnungen, und je mehr er sich damit beschäftigt, desto eher neigt er zu der Annahme, daß das Mädchen ermordet wurde. Da sie aus einer sozialen Unterschicht stammte, waren die Ermittlungen nur sehr oberflächlich, und der Obduktionsbericht ist verschwunden. Aber er hat keine Beweise. Haben diese beiden Fälle etwas miteinander zu tun?
Fazit: Arnaldur INDRIÐASON verknüpft ruhig, aber doch spannend, den Tod eines jungen Mädchens in der Vergangenheit mit einem aktuellen Fall, dem Verschwinden einer jungen Frau. Aber der Rückbezug eines Falls in die Vergangenheit war immer die Stärke des Autors. Mal sehen, wie diese Serienfigur sich entwickelt.

Konráð zögerte, war hin- und hergerissen. Er hatte noch nie an einer Seance teilgenommen und glaubte nicht an Zombies. Gespenstergeschichten waren für ihn nichts weiter als unterhaltsame Märchen, Legenden aus der präelektrischen Zeit der alten isländischen Bauerngesellschaft. Er musste die geballte Erfahrung des Polizisten beiseiteschieben, der sich an die kalten Fakten der Realität hielt, und auch die des Zweiflers, der nur gelten ließ, was er selbst und mit eigenen Händen begreifen konnte. Er hatte keine Ahnung, wie er die Frage formulieren, geschweige denn, wie er sie über die Lippen bringen sollte.
»Weißt du, was aus ihrer Puppe geworden ist?«, stieß er schließlich unter großer Anstrengung hervor.

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