
Hulda-Trilogie 1 Neu
(Dimma./The Darkness (2018)., 2015)
384 Seiten, ISBN: 978-3-442-75860-9
München: btb Verlag, 2020
Bewertung
Rezension
Das Ende ihres Arbeitslebens kommt zu früh.
Hulda Hermannsdóttir ist Kommissarin in Reykjavik, und am Ende des Jahres wird sie in den Ruhestand treten. Eine Perspektive, mit der sie sich noch nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Da überrascht sie ihr Chef mit der Mitteilung, daß sie schon in zwei Wochen ihr Büro für einen jüngeren Mitarbeiter räumen muß. Sie ist zutiefst gekränkt, denn eigentlich war sie eine gute Ermittlerin und hätte auch Erfahrung weiterzugeben. Sie fühlt sich zutiefst diskriminiert und abgeschoben.
Sie kann gerade noch erreichen, in diesen letzten zwei Wochen einen ungelösten alten Fall nochmals aufrollen zu dürfen, und entscheidet sich für den Tod einer jungen Russin, Elena. Ob es Selbstmord, Unfall oder Mord war wurde bei der sehr oberflächlichen Untersuchung nie geklärt. Die Polizei hatte kein besonderes Interesse am Schicksal einer Asylwerberin.
Als Hulda wegen Behinderung einer Ermittlung auch noch die zwei Wochen gestrichen werden und ihr nur mehr ein Tag für ihre Untersuchung bleibt, wird sie unvorsichtig und übersieht eine gefährliche Spur.
Fazit: Ragnar JÓNASSON hat für seine Hulda-Trilogie einen interessanten Ansatz gewählt: Er beginnt mit ihrem Ende. Was er allerdings in den 15 Jahre früher spielenden Folgeband packen will, bleibt unvorstellbar, weil wir eigentlich alles über Hulda wissen.
Das könnte trotzdem durchaus anregend sein, den Folgeband zu lesen. Allerdings ist der vorliegende Roman ein wenig überzeugendes Werk. Er kommt sprachlich holprig daher, was natürlich auch an der doppelten Übersetzung - vom Isländischen ins Englische und von da ins Deutsche - liegen kann. Denn Ragnar hat mit seiner Dark-Iceland-Serie bereits einige gut zu lesende Krimis vorgelegt. Bei Dunkel
allerdings fehlt die Spannung, der Plot ist mäßig interessant und Ragnar zu sehr Frauenversteher. Das alles macht wenig Lust auf den Rest der Trilogie. Was sich als Irrtum herausstellen wird.
Hulda blieb stehen. Von ihrem jetzigen Standpunkt aus konnte sie sich nur zu deutlich ausmalen, wie Elena dort unten im flachen Wasser gelegen hatte. Das Meer war gnadenlos: Es gab den Isländern Leben, aber verlangte auch einen grausamen Preis. Sie blickte über die Faxaflói-Bucht bis hinüber zur schneebedeckten Esja, und ihr Herz blutete nicht nur für Elena, sondern auch um ihrer selbst willen. Sie vermisste ihr altes Leben, die gute alte Zeit, und obwohl sie mit Pétur einen neuen Freund gefunden hatte, fühlte sie sich allein auf dieser Welt. Nie hatte sie das stärker empfunden als in diesem Augenblick.