Peter ROCK, Meine Wildnis.

USA/Oregon/Sozialrealismus/Roman/

 Peter ROCK: Meine Wildnis.
Peter ROCK: Meine Wildnis.
(My abandonment., 2009)
252 S., ISBN: 978-3-8321-9633-2
Köln: DuMont Buchverlag, 2011
Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Ist die Natur ein Lebensraum für Menschen? Bedeutet sie Freiheit?
Die dreizehnjährige Caroline und ihr Vater, ein Kriegsveteran, leben versteckt und unabhängig in Höhlen im Stadtwald von Portland, Oregon. Sie haben nur wenig Kontakt zu anderen Menschen, wenn sie im Supermarkt einkaufen und der Vater seinen Scheck der Militärbehörde holt. Für Caroline ist die Wildnis vertrauter Lebensraum und Heimat, hier findet sie sich zurecht.
Durch eine Nachlässigkeit Carolines werden sie von einem Jogger entdeckt. Die Mühlen der Behörden beginnen zu malen, Caroline und ihr Vater werden getrennt und zu Befragungen in die Stadt gebracht. Implizit geht es natürlich um die Frage sexueller Übergriffe. Aber da sich dafür keine Hinweise finden und Caroline auch ausreichend gebildet ist, werden sie schließlich entlassen. Der Vater bekommt einen Job auf einer Farm, wo sie auch Unterkunft erhalten und vom Besitzer positiv aufgenommen werden.
Hier wird die Paranoia des Vaters manifest, die vermutlich auf ein Kriegstrauma zurückgeht, aber nicht thematisiert wird. Er glaubt, daß sie ununterbrochen beobachtet werden, mit lautlosen Hubschraubern überwacht werden. Während Caroline sich im neuen Leben recht gut zurechtfindet und anpasst, erträgt ihr Vater die Umstände nur schwer. Und schließlich flüchtet er und verschwindet mit Caroline. Aber ihr altes Leben in der Wildnis können sie nicht wieder aufnehmen, sie werden zu Stadtstreichern. Sie suchen einen Ort in der Wildnis für sich, aber sie finden keinen mehr. Am Ende wird Caroline ein halbes Leben in der Zivilisation führen.
Fazit: Peter ROCK verhandelt hier, gestützt auf eine wahre Begebenheit, die Fragen von Freiheit, Unabhängigkeit, Zivilisation. Zerstört die Zivilisation die Freiheit? Macht ein Leben in der Natur unanhängig von den Zwängen der Gesellschaft? Aber auch in der Wildnis bilden sich Mikrozivilisationen heraus, und der monatliche Scheck wird ungefragt genommen. Vielleicht ist das alles nur dem Verfolgungswahn und Traumata eines Opfers der amerikanischen Kriegspolitik - Vietnam, Irak, Afghanistan - geschuldet. Aber leider stellt sich das Buch diesen Fragen nur sehr indirekt.
NB: 2018 verfilmt von Debra Granik unter dem Titel Leave No Trace mit Thomasin McKenzie (Tochter) und Ben Foster (Vater).

»Caroline«, sagt er scharf mit seiner tiefen Stimme, als ich mich direkt neben ihn setze.
»Ist doch egal«, sage ich. »Es ist dunkel. Niemand beobachtet uns.«
»Alle beobachten uns, immer«, sagt er. »So müssen wir denken.«
»Ich muss dir ein paar Sachen erzählen«, sage ich.
»Du hast mit dieser Frau gesprochen, die neben dir saß.«
»Ich glaube an dich«, sage ich. »In der Stadt musste ich diese Sachen sagen, weil ich Angst hatte. Ich liebe dich, und ich weiß, dass du das alles für uns tust, und dass ich nicht immer verstehen kann, warum du etwas tust.«
»Sie beobachtet uns«, sagt er. »Was hast du ihr denn gesagt?«

weitere Bücher zu
USA
Oregon
Sozialrealismus
Roman
Bücher von Peter ROCK

Top